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Verlag Larrggasse 21

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Donnerstag» 18. März 1913.

Morgen - Kusgabe.

Nr. 129. 63. Jahrgang.

Der Krieg.

von den östlichen Kriegsschauplätzen.

ver österreichisch-ungarische Tagesbericht.

Russische Angriffe in polen, westgaiizien und in den ttarpathen zurückgeschlagen.

W. T.-B. Wien, 17. März. (Nichtamtlich.) Amtlich wird Verlautbart: In Russisch-Polen und West­gal i z i e n wurden auch gestern vereinzelte Angrrfse des Feindes a b g e w i e s e n.

An der Karpathenfront keine wesentlichen Ereignisse. In der Gegend bei Whsksckow versuch­ten feindliche Abteilungen durch wiederholte Vorstöße während der Nacht, die von unseren Truppen gewonne­nen Stellungen zuriickzngewinnen. Die Angrrfse scheiterten durchweg.

Südlich des D n j e st r wird stellenweise gekämpft. Die Situation hat sich nicht verändert. Ein Vorstoß feindlicher Infanterie auf das südliche Pruthuser östlich Tschernowitz wurde in unserem Feuer bald zum Scheitern gebracht. ,

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. H ö f e r, Feldmarschallentnant.

Polnische Freiwillige aus Lodz.

Aus Lodz, das bekanntlich unter deutscher Verwal­tung steht, berichtet dieDeutsche Lodzer Ztg." vom 9. März: Vorgestern ist die erste Abteilung der in die öster­reichische Armee eingetretenen polnischen Freiwilligen (etwa 150 Mann) mit der Ringbahn ans Lodz abgereist. Die Passanten schauten mit großem Interesse dem Vorbeimarsch der Freiwilligen zu, die am linken Arme weiß-amaran- t e n e Binden trugen. Ihnen wurden verschiedene Geschenke überreicht, wie Wäsche, Schokolade, Zigaretten usw.

Der türkische Kammerpräsident auf der Reise «ach Wien und Berlin.

IV. T.-B. Budnpest, 17. März Der türkische Kammer­präsident Halil-Bei ist gestern nachmittag hier einge- troffen und wurde am Bahnhof von dem türkischen General­konsul Achmed-Hikmet-Bei empfangen. Halil-Bei begibt stch nachmittags nach Wien und von dort nach Berlin. 1

W. T.-B. Budapest, 17. März. (Nichtamtlich) Halil-Bei hat den Ministerpräsidenten und den Präsidenten des Abge­ordnetenhauses besucht.

Der Handelskrieg gegen England.

Tin englischer Protest in Amerika.

Br. Amsterdam, 17. März. (Eig. DraHtbericht. Ktr. Dln.)Daily Chronicle" meldet aus Washington: Die englische Regierung hat gegen den Gebrauch der Paketpost zur Überführung von Lebensmit­teln nach Deutschland protestiert. Das amerikanische Gesetz erlaubt Pakete von je 11 Pfund.

Amerikanische Mißstimmung über die britische Blockade.

W. T.-B. New York, 17. März. (Nichtamtlich.) Die meisten Blätter sind der Ansicht, daß die Vereinigten Staaten gegen die britischen Repressalien Ein- sprach erheben müssen, da England die Blockade ankünd'gi, ohne sie dadurch effektiv zu machen, daß es Kriegsschiffe längs der blockierten Küste aufstellt.New York Sun" führt einen Beschluß des höchsten amerikanischen Gerichtshofes vom Jahre 1898 an, durch welchen die von dem Admiral Sampson aus­geführte Beschlagnahme des britischen Dampfers Agula" aufgehoben wurde, weil die Blockade nicht förmlich angekündigt war.

Einqestandene englische Schiffsverluste.

Amsterdam, 16. März. (Ktr. Bln.) Die englische Admi­ralität gibt bekannt: Seit dem 10. März sind folgende eng­lische Schiffe torpediert worden:

Adensen" (3798 Tonnen, Heimat Cardiff, torpediert 11 . März im englischen Kanal, Mannschaft gerettet, Dampfer nicht gesunken).

Flnrazan" (4658 Tonnen, Liverpool, 11. März, Bristolkanal, 1 Mann vermißt, Sinken des Dampfers nicht bewiesen).

Headlands" (2988 Tonnen, 12. März, Scillhinseln, Besatzung gerettet, Dampfer nicht gefunken).

Indien C i t h" (4645 Tonnen, Cardiff, 12. März, Scillhinseln, Dampfer gesunken, Besatzung gerettet).

A n d a l u s i a n" (2350 Tonnen, Liverpool, 12. März, Besatzung gerettet, Untergang des Dampfers nicht bewiesen).

Inverghle" (1794 Tonnen, Glasgow, 13. März, Cretzwell, Besatzung gerettet, Dampfer gesunken).

Hartdale" (3839 Tonnen, Westhartlepool, 12. März, bei South-Rock im irischen Kanal, 2 Mann vermißt, Dampfer gesunken).

Gegen eine Ausnahmebehandlung deutscher Unterseeboots- nrannschasten.

Br. Amsterdam, 17. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Mn.) DieTimes" wendet sich gegen eine Ausnahmebehand- lnng deuffcher Unterseebootsmannschaften. Sie zitiert das Werk Profestor Oppenheims über internationales Recht

und kommt zu dem Ergebnis: Nach den bestehenden Kriegs­gesetzen ist nur Missetat, was ohne Befehl der kriegsführenden Regierung verrichtet wird. Brechen Per- onen, die zu einer bewaffneten Macht gehören, die Kriegs­regel auf Befehl ihrer Regierung, so sind sie nicht Kriegsmissetäter und dürfen vom Feinde nicht bestraft werden. Der Feind darf aber die Zuflucht zu Repressalien nehmen. Also, so sagt dieTimes", bliebe es ein Unrecht, Unterseebootsmannschafteu als Missetäter zu behandeln.

Keine Konterbande für unsere Unterseeboote.

W. T.-B. London, 17. März. (Nichtamtlich.) Im Ober- Hause teilte Emott gestern betreffs des holländischen Schiffes, das im Januar Swansea mit Petroleum verließ, mit, die Admiralität habe die Überzeugung gewonnen, daß das Ol nicht für feindliche Unterseeboote bestimmt war. Die Absender hätten eine Strafe von 5 Schilling zahlen muffen für die Versendung des Petroleums, weil sie keine Anzeige davon gemacht hätten.

Unterbrechung des englischen Schiffahrtsdienstes mit dem Festlande.

IV. T.-B. Amsterdam, 17. März. (Nichtamtlich) AuS VlPngen wird gemeldet, daß die englischen Behörden zeit­weilig den Schiffahrtsdienst von Falke st one ein stellen baffen. Man hofft, die Post und die Paffagiere über T i l b u r h befördern zu können.

Die Streikbewegung in England.

Br. Haag, 17. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bin.) Der Verband aller englischen Bergarbeiter- syndikate hat beschlossen, für 900 000 dem Syndi­kat angehörende Bergleute Englands am 1. April die Kündigung der Lohnverträge für den 1. Juni einzureichen. Für die Mindest- und Höchst- löhne solle eine erhebliche Lohnerhöhung gefordert wer­den, dazu noch ein besonderer Kriegszuschlag von 20 Prozent, widrigenfalls der General st reik be­schlossen werden soll.

Ein Lügenbericht Lord Ritcheners über die Rriegslage.

Trübe Schilderung der inneren Lage.

W. T.-B. London, 17. März. (Nichtamtlich.) Lord Kitchener gab im Oberhaus eine Erklärung über den Krieg ab, indem er sagte: Die jüngsten Berichte über die Kämpfe in Frankreich gaben uns Gelegenheit zu würdigen, wie erfolgreich unsere Trnppen die Offensive aufnah men. Die Deutschen wurden trotz ihrer sorgfältig vorbereiteten und stark befestigten Stellungen eine beträchtliche Strecke zurückgetrieben. Die Dörfer Neuve Chapelle und Lepinette wurden -van unserer Armee besetzt und behauptet. An diesem Gefecht nahmen indische Truppen hervor­ragenden Anteil. Kitchener fuhr fort: Seitdem ich zu­letzt in diesem Hause gesprochen habe, sind beträcht­liche Verstärkungen nach Frankreich verschickt worden, darunter eine kanadische Division, die Northmidland-Division und die zweite Londoner Division, sowie verschiedene andere Einheiten. Dies sind die ersten vollzähligen Ein- heilen der T e r r i t o r i a l t r u p p e n. die nach Frank­reich gingen. Die Gesundheit der Truppen ist ausge­zeichnet. Die Fr a n z o s e n machten, ausgenommen bei Soissons, an verschiedenen Punkten der Kampf- linie Fortschritte, besonders in der Cham- pagne. Auf dem östlichen Kriegsschauplatz miß- glückten die heftigen deutschen Angriffe aus Warschau. Die deutschen Verstärkungen, welche die russischen Stellungen in Ostpreußen angriffen, wurden zum Stehen gebracht oder sind im Begriffe, zurück- getrieben zu werden. Nach einer kurzen Besprechung der Kriegslage im Orient kam Lord Kitchener auf die unbefriedigten Zustände in den englischen Fabriken, die Kriegsbedarf erzeugen, zu sprechen. Er sagte, während die Arbeiter im allgemeinen loyal arbeiteten, gäbe es bedauerlicherweise auch Fälle, in denen das Fernbleiben von der Arbeit, unregel­mäßige Arbeitsstunden und Nachlässigkeit die Produk­tion der Fabriken merklich verminderten. Das ist in einigen Fällen den Verlockungen des Alkohols, in anderen Fällen den beschränkenden Maßnahmen der Gewerkschaften zuzuschrerben. Ich kann nicht nachdrücklich genug darauf Hinweisen, daß der Erfolg unserer Operationen in den verschiedenen Teilen der Welt ernstIich beeinträchtigt und v e r- zögert wird, wenn nicht die ganze Nation mit uns und für uns arbeitet. Nicht nur dadurch, daß sie die nötigen Menschen für den Heeresdienst liefert, sondern auch dadurch, daß sie uns mit den nöftgen Waffen, Munition und Ausrüstungsgegenständen versorgt.

Lohnerhöhungen in England.

IV. T.-B. London, 17. März. (Nichtamtlich.) DieMor> ningpost" berichtet.'daß folgende Lohnerhöhungen bewilligt worden seien: Für die Schi f f bauarbeit er am Clhde 3 Farthings für die Stunde, für Fuhrleute in Lancashir- zwei Shilling für die Woche, den Arbeitern ln der Weiß- blechindustrie in Südwäles ein bis drei Schilling für

die Woche, der Polizei in Swansea zehn Prozent des bis, herigen Lohnes, den Gemcindearheitern Glasgows ein bis drei Schilling für die Woche, ebenso ren Gemeinde- arbeitern in Croyden, für die Mechanfter in Leeds drei Schilling für die Woche.

Die Steigerung der Munitionsproduktion in Englarrd.

IV. T.-B. London, 17. März. (Nichtamtlich. Reuter) Lord Kitchener hat Lord Southwark ermächtigt, mitzuteilen, daß eit Beginn des Krieges die Produktion von Munition sich um das Dreifache vergrößert hat. Trotzdem hoffe er, daß eine große weitere Produktionssteigerung ermöglicht wird.

Eine Prise von der englischen Regierung beschlagnahmt.

Berlin, 17. März. DasB. T." meldet aus Rotterdam:

' Der HapagdampferKameru n", der in Liverpool ver­steigert wurde, ist von der englischen Regierung beschlagnahmt worden.

Vertagung des- englischen Parlaments.

W. T.-B. London, 17. März. (Nichtamtlich.) Das Parla­ment hat sich bis zum 14. April vertagt.

vom französisch-belgischen Kriegsschauplatz.

Ron ver Tapferkeit unserer Truppen.

Ein Armeetagesbefehl des Generalobersten v. Falkenhauscn.

Nach den Kämpfen bei Parroy ist folgender Armee- tagesbefehl ergangen: Bei der Wegnahme des Dorfes Parroh durch Teil? der ersten bayerischen Landwehr-Division am 27. Februar hat sich die Batterie v. Düring ausge­zeichnet. Ein Geschütz dieser Batterie fuhr unter Leutnant L e i s i n g über die Schützenlinie hinaus bis auf 300 Meter an den Feind heran und beschoß ihn so wirksam, daß er den Ortsrnnd räumte. Mit der inzwischen herangckommenen Infanterie ging das Geschütz noch weiter vor und nahm die durch eine Enge zurückgehenden Franzosen unter Feuer. Das Geschütz stand dabei dauernd in feindlichem Artilleriefeuer. Ich spreche der Batterie v. Düring, insbesondere dem Leut­nant Leistng, dem Sergeanten Schäfer und der Geschützmann­schaft für ihr mutiges Verhalten mein Lob aus. Ihr tapferes Vorgehen hat unserer Infanterie den Weg gebahnt und in besonderem Maße zu unseren Erfolgen beigetragen. Ebenso tapfer war eine Pionier-Sprengpatroiuille der am Angriff auf Parroy beteiligten Lcmdwehr-Pionier-Kom- pagnie Amman (Zug Streng). Die Patrouille ging unter Führung des Gefreiten Niedermeier gleichfalls über die Jnfanterielinie hinaus vor und hat in schneidiger Weffe die Sprengrmg eines Hauses vorgenommen, in dem sich franzö- sische Artillerie-Beobachter befanden. Die bei Parroy ge­nommene Stellung wurde vom Landwehr-Jwfanterie-Regi- ment 60 gehalten und ausgebaut. Am 4. März lag sie unter außerordentlich heftigem französischen Artilleriefeuer. Die Schützengräben wurden zum Teil von den feindlichen Ge­schossen völlig umgepflügt. Das Regiment hat, wie das selbst­verständlich ist, seine Stellung gehalten. Ich spreche ihin, be­sonders seiner 1. und 4. Kompagnie, meine besondere Zu­friedenheit aus. Der Oberbefehlshaber: gez. Frhr. von

Falkenhausen, Generaloberst.

Ein neuer englischer Truppentransport in Frankreich.

Br. Haag, 17. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Mn.) Nach Meldungen desDaily Telegraph" ist in der vorigen Woche i n a l l e r S t i l l e ein neuer Transport englischer Truppen in Frankreich gelandet worden. Der Transport erfolgte erst nach Irland, und zwar fuhren die Dampfer nachts mit adgeblendeten Lichtern über die Irische See. Anscheinend befanden sich bei diesem Transport kanadische Truppen. Der französische Ausschisfshafen wftd streng ge­heim gehalten.

Eine englische Stimme über die Rriegslage.

Daily Chronicle" führt folgendes ans: Deutschland hat mehr Gefangene im Westen gemacht als die Verbündeten, es sind doppelt so viel englische Gefangene in Deutschland als Deutsche in England. Das Zahlenverhältnis der französischen Gefangenen stellt sich ebenso ungünstig. Im Osten sicht es nicht fest, ob Rußland (?) oder Deutschland mehr Gefangene hat. Die Lage Deutschlands im Hinblick auf den Friede nS- schluß is: nicht ungünstig. Wir haben nur die Möglich­keit eines künftigen Sieges in der Hand. Der Sommer wird wahrscheinlich in noch schwereren Kämpfen ein Hin und Her mit Sieg und Verlust bringen. Sieger wird sein, wer jetzt die besten Vorbereitungen getroffen und am längsten durchhält. Ebenso ist die Dardanellenfvage zu beurteilen. Das Gelingen wird uns und Rußland stärken, Deutschland aber nicht zur Übergabe zwingen; es verliert nichts als sein Geld, das es in die jungtürkische Sache gesteckt hat. Der Eindruck auf Neutrale ist wichtig, aber w i r müssen unseren Krieg gewinnen, nicht die Neutralen ihn für uns. Die jetzt abgeflaute nationale Begeisterung mutz im Frühling neu erwachen. Kein größeres Unglück, als wenn der Krieg mit vorzeitigem und unreifem Frieden abschlöffe; das wäre schlimmer als alles geopferte Leben. Energie und Gedanken müssen auf K r i e g gerichtet bleiben. Vielleicht ver- geffcm unsere Staatsmänner zu leicht, wie notwendig in moderner Demokratie die Führerschaft ist. Sie Men sich an Lloyd George ein Beispiel nehme».