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Mittwoch. 17. März 1915.

Morgen - Kusgabe.

Nr. 127. ♦ 63. Jahrgang.

Der Krieg.

von den östlichen Kriegsschauplätzen.

Die große Rarpathenschlacht.

Die Ruffen fast überall aus dem Gebirge vertriebe«.

W. T.-B. Wien, 16. März. (Nichtamtlich) Der Bericht­erstatter der „Reichspvst" schreibt: Tie Unternehmungen an der über 400 Kilometer langen Karpathenfront sind zn einer großen Schlacht zusammcngewachsen, in der sowohl an den wichtigsten Stellen der Front als auch an den Flügeln erbittert gekämpft werde. Wir sind heute so weit, daß die in Ungarn gelegenen Eingangstore zü den Karpathen- Übergängen durchweg in unserer Hand sind. Wir haben auch alle Patzhöhen in diesem Gebirgsland f e st in unserem Besitz und sind namentlich am rechte n Flügel bis über die Ausgangstore der Karpathen auf galizischem Boden vorgcdrungcn. Die Karpathen sind daher vollständig für den Feind gesperrt, und er mutz, will er irgendwo einen Durchbruchsversuch machen, ganz von vorne anfangen. Eine Ausnahme machen nur noch die Räume in de« Ost - b e S k i d e n und den w c st li ch e n W a l d k a r p a t h e n, wo die Ruffen zwar nicht auf den Patzhöhen, aber doch auf den auf g-lizischer Seite liegenden Z u g ä n g e n zu den Aufstiegen in das Gebirge verblieben. Die in langem und zähem Ringe« über das Gebirge geworfene Feind macht verzweifelte An­strengungen, unsere sich langsam, aber ehern vorschiebende Front doch noch zuriickzudränge». Bisher vermochten auch noch so rücksichtslos -«gesetzte Angriffe der Ruffen nichts an unse­rem Erfolg zu ändern, im Gegenteil, wo es sich zeigte, daß der Feind durch verlustreiche Angriffe geschwächt wurde, stoßen wir gleich nach und reißen den Ruffen das Stück Boden unter den Füßen weg. In dem drei Monate währende« Winterfeldzug in den Karpathen wurde bisher ein starker und tapferer Feind über das 50 bis 100 Kilometer breite Hoch- alpen- und Mittelgebirge geworfen. Auf einer Front, deren Länge etwa der Entfernung von Nizza bis Belfort oder von Belfort bis Lille entspricht. Eine Leistung, die den in den Karpathen brüderlich Seite an Seite kämpfenden verbündeten Truppen und ihrer Führung einen Ehrenplatz in der Ge-

chichte sichert.

österreichische Vorstellungen beim Papste gegen die russischen Vergewaltigungen der Galizier.

Rom, 15. März. (Franks. Ztg.) Der Papst empfing den Ssterreichisch-ungarischen Botschafter, der gegen russische Ge- rvaltmahregeln in Galizien protestierte, wo vier B r s ch o f e gefangen genommen und die Bewohner einiger Dörfer ge­zwungen worden waren, den Katholizismus a b z u - schwören und sich zur Orthodoxie zu bekennen.

wiedereinberufung der Keichsduma.

»i. Zürich, 16. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Mn.) Nach einer Petersburger Privatmeldung der „Neuen Zürcher Ztg. besteht in Petersburger Regierungskveisen die Absicht, die Reichsdnma wieder auf einige Tage einzuberufen. Hiermit soll auch die Reise Rodsjankos in das Hauptquartier zusammenhängen.

Lin Getreideausfuhrverbot in Rußland.

Hang, 15. März. (R. W.-Z.) Nach einer Meldung des Ternps" verbietet ein neues russisches Gesetz 1 e b e Ausfuhr von Getreide sowie den Verkauf an .Ausländer die in Rußland wohnen. Für jeden Geschäftsabschluß bedarf es der besonderen Genehmigung. Für, dre An­gehörigen der verbündeten Nationen ist kerne Aus nähme vorgesehen. *

Rußlands Goldnot.

W T-B. Petersburg, 16. März. (Nichtamtlich.) „Rjetsch" empfiehlt die Zeichnung auf die russische Anleihe von 500 Millionen Rubel und bemerkt, Rußland könne sich zwm mit der Ausgabe von Papiergeld die erforderlichen Mittel verschaffen, dies würde aber nach dem Kriege leicht zu lln- zuträglichkeiten führen; daher sei eine möglichst hohe Zeich­nung erwünscht.

Das neue Finanzabkommen zwischen den Vreiverbandsmächten.

W. T.-B. Hamburg, 10. März. Die „Hamburger Nachr. melden: Nach Pariser Berichten enthält das neue Finanz,

abkommen über Frankreich, England und Rußland folgende Hauptbestimmungen: 1. Frankreich und England be­

streiten für die ganze weitere.Kriegsdauer aus eigenen Mit­teln alle in Paris, London und New Jork zahlbaren Fällige ketten Rußlands für Ä riegsli eferungen sowie die Zinsen der russischen Staatsschuld und der von dem russischen Staat garantierten Eisenbahnobligatronen. 2. Rußland verpflichtet sich, alle ausgelegten Gelder lang stens ein Jahr nach Unterzeichnung des Friedens Vertrages, ebenso wie alle aufgelaufenen Zinsen und Kosten zurückzuerstatten. 3. Als Spezialpfand bestellt Rußland die in Odessa lagernden Getrei be­vorrate, über die die Geldgeber in Paris und London in Form von Konnossements verfügen können. 4. Unter den gleichen Bedingungen werden • Frankreich und England der russischen Regierung auch die auf die letztere fallenden An teile an der finanziellen Unterstützung Belgiens, Ser biensund Montenegros sowie etwaiger Länder v o r - schießen, die im Verlaufe des Weltkrieges an die Seite des Dreiverbandes treten sollten.

Der Handelskrieg gegen England.

wieder ein englischer Dampfer versenkt.

Br. Hamburg, 16. März. (Eig. Drahtbericht. , Ktr. Bln.) Der englische Dampfer „D u r h a m Castle" ist am 13. März bei Beachh Head durch ein Unterseeboot versenkt worden. Die Besatzung wurde gerettet und bei Beachy Head gelandet. Die Ladung des Dampfers war für das englische Heer in Frankreich bestimmt und bestand, wie dem „Hamb. Fremdenbl." aus Rotterdam gemeldet wird, aus Wagen und Zubehör.

Der schwedische Dampfer „ksanna" nicht torpediert

Berlin, 16. März. Das „B. T." meldet aus Kopenhagen: Der Kapitän des schwedischen Dampfers „August Leffler", der den angeblich torpedierten schwedischen Kohlendampfer „Hanna" begleitet und die Mannschaft größtenteils rettete, sagte aus, er habe weder ein Unterseeboot noch ein Torpedo gesehen, obwohl das Wetter sichtig und klar war. Der Dampfer sei offenbar auf eine Mine gelaufen. Die Reederei der „Hcmrna" in Helsingfors erklärte, der Kapitän der „Hanna" werde sich zu verantworten haben, weil er gegen seine Instruktion Scarborough passiert habe, anstatt nördlich von Schottland vorbeizufahren.

Die angebliche Erfolglosigkeit der Untrrseebootstätigkeit.

Von der holländischen Grenze, 15. März. Nachdem die britische Admiralität gestern hat zugeben müssen, daß sie­ben englische Dampfer in den letzten Tagen das Opfer deut­scher Unterseeboote geworden sind, versucht in der gewohnten Weise das Reutersche Bureau den Eindruck dieses Ereignisses durch folgende Meldung abzufchwächen: Trotz des Auftretens der deutschen Unterseeboote sind vergangene Woche in Lrvcr. Pool die bedeutendsten Zufuhren von Kühl fleisch und anderen Nahrungsmitteln seit Beginn des Krieges zn verzeichnen. Es find in der Woche 15 Schiffe mit 14>> 300 geschlachteten Schafen und Lämmern und 110 000 RindS- vierteln eingelaufen.

Englands wirtschaftliche Natlage.

Ein zutreffendes holländisches Urteil.

W. T.-B. Amsterdam, 16. März. (Nichtamtlich.) „NieuwS van den Dag" schreibt in einer Kriegsübersicht: Es ist be­

sonders bemerkenswert, daß man in der letzten Zeit beson­der« wenig über die Rekrutierung der neuen Armeen hört. Wir haben beispielsweise nie gehört, daß Kitcheners zweite halbe Million voll ist. Die vorgesehenen drei Millionen dürften ein frommer Wunsch bleiben. Die Sache dürfte sich so verhalten, daß die Schwie­rigkeiten wirtschaftlicher und sozialer Art so groß ge­worden sind, daß viele Engländer sich wenig geneigt fühlen, sie durch die Entsendung weiterer Armeen nach dem Konti­nent noch zu vergrößern. Sie glauben wohl, daß England ohnehin schon genug leistet dadurch, daß es mit etwa einer Million Menschen auf den verschiedenen Kriegs- schauplätzen kämpft. Sie verlassen sich auf die wirtschaftliche Not Deutschlands und die Kunst der britischen Diplomatie, um den Krieg zu einem guten Ende zu bringen, falls es wirk­lich unmöglich sein sollte, die Deutschen aus ihren Stellungen in Frankreich und Belgien zu werfen.

Trübe Aussichten für ganz Schottland prophezeit der „Scotsman". Arbeitermangel, Wetterverhält­nisse und andere Schwierigkeiten haben die Feldbestel­lung zum Teil verhindert, zum Teil verspätet. Die Aus­sicht für das Frühjahr gestaltet sich noch trüber. Die Löhne steigen täglich, der Arbertermangel wächst. Das Schlimmste wird befürchtet,

Trevelhan gegen den Krieg.

Gegen den Krieg sprach' laut „Scotsman" in Gosforth, Newcastle, der frühere Parlamentssekretär für Unterrichts- Wesen und Parlamentsmitglied Trevelyan; er erklärte, daß der Entschluß zum Kriege to England — möge er falsch oder richtig gewesen sein — sicherlich kein Entschluß des britischen Volkes war.

Schwierige innerpolitische Lage in England.

W. T.-B- London, 16. März. (Nichtamtlich.) Die „Daily News" schreibt in einem Leitartikel über die Schwierigkeiten infolge der Waliser K i r ch e n g e s e tz e: Die Regierung

sicht sich heute im Unterhause der schwierigsten inner- politischen Lage gegenüber, die seit der Erklärung des Krie­ges entstand. Das Blatt rät der Regierung, die Abstimmung bis nach Ostern hinauszuschieben, denn das Gesetz könnte nur nach unerquicklichem Streit durchgebracht werden und mit Folgen, die nicht nur den Zusammenbruch des gegen­wärtigen politischen Waffenstillstandes bedeuten, son­dern auch die zukünftigen Hoffnungen des Liberalis­mus dauernd schwer schädigen würden. Das Blatt setzt sich für die Berücksichtigung der Forderungen der walisischen Lieberalen ein und schließt: Wenn die Wahrung der Rechte

der kleinen Nationen das Ideal ist. das die Liberalen zur Unterstützung des Krieges bestimmte, so ist es d a s G e - r i n g st e, was wir erwarten können, daß die Negierung selbst den Anschein vermeidet, daß sie zu Hause die Stimme von Wales überhört.

Zur Beschlagnahme des Dampfers „Pacific".

W. T.-B. London, 16. März. (Nichtamtlich.) Die englische Regierung hat der amerikanischen Regierung mitgeteilt, daß der Dampfer „Pacific" freigelassen werden soll, sobald fesfttcht, daß seine Ladung unverdächtig ist.

Die holländischen Rheinhüsen und die englische Regierung.

W. T.-B. London, 16. März. (Nichtamtlich) Im Unter­haus wurde von Abgeordneten der Vermutung Ausdruck ge­geben, daß Ladungen von Schiffen, die in Rotterdam, Dort­recht oder in anderen Rheinhäfen tn Rheinkähne geleichtert würden, nicht unter die Kontrolle der holländischen Zollbehörde kämen. P r i m r o s e erklärte, gegenwärtig werde aller Durch­gangsverkehr, sowohl der Rheinverkehr als auch jeder andere von den holländischen Behörden gleichmäßig behandelt. Sie träten dem legitimen Durchgangsverkehr nicht entgegen, aber es sei eine strenge Vorschrift aufgestellt, die diesen Verkehr regelte. Alle derartigen Güter würden von der Zollbehörde geprüft und fteigölajsen, wenn die Prüfung befriedigend cms- älle oder unter der Zollkontrolle bleiben, bis sie das Laud verlassen.

*

3ttm Untergang des Rreuzers „Dresden".

Br. Berlin, 16. März. (Mg. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Zu dem ruhmvollen Untergang des „Dresden" schreibt die „Voss. Ztg.": An der Schlacht bei Coronet nahm der „Dresdens im Verein mit dem „Scharnhorst", „Gneisenau", „Nürnberg und „Leipzig" rühmlichen Anteil. In der Seeschlacht bei den Falklandsinseln am 18. Dezember war der Kreuzer das einzige deutsche Schiff, das entkam. „Scharichorst , „Gneisenau" und „Nürnberg" sielen damals der großen Über­macht des feindlichen Geschwaders zum Opfer. Jetzt ist auch der „Dresden" einem dreimal stärkeren Gegner in Ehren erlegen, Der „Dresden" war auf der Danzlger Werft von Blohm und Voß gebaut und im Oktober 190: vom Stapel gelaufen. Er hatte 3650 Tonnen Wasserverdrängung urrd eine Länge von 118 Meter. Seine Maschinen arbeiteten mit 15100 PS. Armiert war der „Dresden" mit zwölf Stück 10,5-Zentimeter-Geschützen. Die Besatzung zählte etwa 350 Mann.

Jur letzten Heldentat des Rreuzers.

W- T.-B- Berlin, 16. März. Die „Voss. Ztg." meldet ous Amsterdam: Nack einer Meldung der „Daily Mail" aus Val­paraiso erzählt die dort eingetroffene Bemanrmng der am 27 Februar cm der chilenischen Küste von der „Dresden ver­senkten Londoner Bark „Conway-Casile", die Offiziere der „Dresden" hätten erklärt, sie würden sie wie Bruder be­handeln. Aus die Frage des englischen Kapitäns, was mit ihnen geschehe, falls der „Dresden" in einen Kampf verwickelt würde, habe der Kapitän der „Dresden" geantwortet, öatm würden sie in Booten ausgeschifft und könnten zu>ehen, wie der „Dresden" siegen oder untergehen tmirbe.

Zum Fall des „Prinz Eitel Friedrich".

Kopenhagen. 15. März. (Köln. Zlg.) „BerlingSke Tidende" erfährt auS Washington über London, (.) ge­wisse amerikanische Kreise verlangten, daß die Offi­ziere des in Newport News gelandeten deutschen Hilfskreu­zers „Eitel Friedrich" als Seeräuber behandelt würden. Von juristischer Seite werde die Unzulässigkeit einer solchen Behandlungsweise hervorgehoben. Die Juristen wollten aber die deutsche Negierung für oas Auftreten des Schiffes ver­antwortlich machen.__

vom französisch-belgischen Kriegsschauplatz.

Oer französische Rbendbericht.

W. T.-B. Paris, 16. März. (Nichtamtlich) Anrtlicher Bericht vom Niontagabend: Der gestrige Tag ivar durch zahl­reiche für uns günstige Kampfhandlungen gekennzeichnet. Im Gebiet von Lombartzyde beschoß unsere Artillerie sehr wirksam die deutschen Schanzarbeiten. Die Deutschen ver­buchten, die Feldbefestigung, welche wir ihnen am 11./12. März angenommen hatten, wiederzunehmen; sie wurden jedoch zu- rückgoworfen und ließen etwa 50 Tote auf dem Kampfplatz. Unsere Verluste sind unbedeutend. Südlich U p e r n nahm die englische Armee, welche der Angriff der Deutschen gezwungen hatte, sich hinter St. Eloi zurückzuziehen,' das Dorf und nahezu die Gesamtheit der benachbarten Schützengräben, welche sie trotz mehrerer Gegenangriffe des Feindes behaup­tete. Nördlich Arras erlaubte uns ein äußerst glänzender Angriff unserer Infanterie, in einem einzigen Sturm drei Reihen auf der Höhe von Notre Dame de Loretto ein- zunehmen und den Rand der Hochfläche zu erreichen. Wir machten etwa 100 Gefangene, darunter mehrere Offiziere und Unteroffiziere, zerstörten zwei Maschinengewehre und brach­ten das Munitionslager zur Explosion. Weiter südlich im Ge­biet von E c u r i e - Roc li nc o u r t, nahe der Straße von Lille, sprengten wir mehrere deutsche Schützengräben und ver­hinderten den Feind, sie wieder zu bauen. Im Gebiet von Albert bei Carnoy sprengten die Deutschen mittels einer Mine einen unserer Schützengräben und besetzten den Erd- trichter. Wir vertrieben sie daraus. Die Deutschen setzten sicb dort wieder fest, aber ein neuer Gegenangriff gestattete uns, die Stellung wiederzuerobern. Seitdem behaupteten wir uns dort. Es gelang uns, unsere ganze Defensivorganffation wieder (nstandzusctzen. An der A i s n e bei Cassens, nordwest­lich Nouvron, nahmen wir zwei deutsche Kompagnien unter Feuer, welche sehr starke Verluste erlitten. In der Cham­pagne erzielten wir neue Fortschritte. Wir gewannen an Gelände in dem Gehölz nordöstlich Souain und nordwestlich Perthes. Wir warfen zwei Gegenangriffe vor der HÄhe 106, nordöstlich Le Mesnil, zurück, und verbreiterten diesen Ab-