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Dienstag, 16. März 1915.
Morgen - klusgabe.
Nr. 125. - 63. Jahrgang.
Der Nrieg.
von den östlichen Nrtegsschauplätzen. Der österreichisch-ungarische Tagesbericht. Erfolgreiche Nämpfe in den Narpathen, — wieder 1500 Nüssen gefangen.
W. T.-B, Wien. 15. März. (Nichtamtlich) Amtlich wird verlautbart: Im westlichen Abschnitt der Karpathen- fr » n t ist der gestrige Tag ruhig verlaufen.
Nördlich des Uzokerpasses kam es zu ernsteren Kämpfen. Starke russische Kräfte griffen hier mittags an und drangen bis an eine unserer Stellungen vor, wo sie sich zunächst behaupteten. Ein nachmittags von unseren Truppen überraschend durchgeführter Gegenangriff warf den Feind an der ganzen Front nach heftigem Kampf zurück, wobei 4 Offiziere und 500 Mann gefangen genommen wurden. Auch an den eigenen Stellungen beiderseits des O P oktal e s wurde erbittert gekämpft. Der Gegner, der am S t r y j weitere Verstärkungen herangeführt hatte, griff seit einigen Tagen wiederholt mit starken Kräften im Tale und den begleitenden Höhen an. Alle diese Versuche, gegen die Paßhöhe Raum zu gewinnen, scheiterten unter den s ch w e r st e n B e r l u st e n. Der gestern erfolgte Angriff, der wieder in unserem Feuer völlig zusammcnbrach, dürste mit Rücksicht auf die großen Verluste, die der Gegner erlitt, kaum wiederholt werden. 1000 Gefangene brachten diese Kämpfe ein.
An den Stellungen südlich des Dnjestr wird gekämpft; ein von unseren Truppen angcsetzter Gegenangriff gewann Raum. Die Russen wnrden in mehreren Frontabschnitten zurückgedrängt.
In Polen und Wcstgalizien fanden nur Geschützkämpfe statt.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: v. Höf er» Feldmarschalleutnant.
Die Narpathenkämpfe.
W. T.-B. Wien, 15. März (Nichtamtlich.) Ter Krirgs- berichterstatrcr des „Morgen" meldet: Mit dem beginnen»
den T a « w e t t e r hat eine starke russische Gegenoffensive in Galizien eingesetzt, die die Ereigniflc an allen anderen Fronten stark in den Hintergrund steten lLßt, und namentlich im Laufe des gestrigen Tages zu ungemein heftigen Kämpfen insbesondere an den Straßen Cisna-Baligrod-Ursok und Turka und in der Gegend von Wyzskow führte. Auf dieser Front wird Tag und Nacht gekämpft. Die Ruffen führten ununterbrochen neue Kräfte in die Feuerlinie, so daß die österreichisch-ungarischen und deutschen Karpathentruppen vor die allergrößten Anforderungen gestellt waren. Wenn gesagt werden kann, daß alle Angriffe der Russen ausnahmslos abgewiesen und die Russen überall überaus schwere Vertu st e erlitten, so bedeutet das für die verbündeten Truppen das höchste Lob. Sic haben in dieser Woche wieder unter den schwersten Verhältniffcn sich gegen eine vielfache Überlegenheit als ein eiserner Wall erwiesen Die Angriffe der Russen in Südo st- Galizien sind ebenfalls gescheitert; vor Tschernowitz kam es nur zu Bor- postengeplänkel.
Eine falsche Nachricht über die Räumung von Tschernowitz.
W. T.-B- Wien, 15. März. (Nichtamtlich.) Amtlich wird gemeldet: Im „Dimineatzi" vom 27. Februar
ästen Stils und im „Bukarefier TaWlatt" vom 12. März ist die Nachricht enthalten, daß Tschernowitz von den österreichisch-ungarischen Truppen geräumt worden sei. Diese Mitteilung entbehrt jeder Begründung.
Russische Perfidie.
Budapest, 15. März. (F. Z.) Vor einigen Tagen wurden, wie „Az Est" meldet, die Russen, dem internationalen Brauch entsprechend, davon verständigt, daß wir unsere Toten begraben wollten. Die Russen nahmen von der Verständigung scheinbar Kenntnis, schossen jedoch auf unsere Sanitätsmannschaft, worauf unsere Artillerie eingriff und die Russen verjagte.
Die polnischen Beamten in Galizien.
Eine Richtigstellung der Behauptungen Maximilian Hardens.
W. T.-B. Biala, 14. März. (Nichtamtlich) Das heutige galizische Amtsblatt schreibt an leitender Stelle: Seit längerer Zeit wurden von verschiedenen, der galizischen Landesveriwal- tung feindselig gegenüberstehenden Seiten ehrenrührige Anwürfe gegen Beamte polnischer Nationalität, die dem Verband dieser Verivaltung angehören, erhoben. Alle diese Angriffe fanden ihren zusammenfassenden Ausdruck in einem Artikel der Berliner „Zukunst", welcher behauptete, daß nahezu 700 Staatsbeamte polnischer Nationalität in Galizien des Verbrechens des Hochverrats oder der Ausspähung verdächtig seien. Dwoch diese Auslassungen sah sich Professor Leopold Jaworski, der Obmann des Nationalkamitees, veranlaßt, an den Chestedakteur der „Zukunft" einen offenen Brief zu richten, in dem Beweise für diese ungeheuerliche Unterstellung gefordert wurden. In dem am 20. v. M. herausgegebenen Heft der „Zukunft" erschien eine Entgegnung vPi Maximilian Harden auf dieses offene Schreiben. Es werden darin keine Bewerfe erbracht, dagegen die frühere Behauptung mit dem Bemerken aufrechterhalten, daß die Schuld jener angeblich verdächtigen Beamten erst nach dem Kriege festgestellt
und erst dann von dieser Angelegenheit gesprochen werden könne. Die sofort eingeleiteten Erhebungen bei allen Ämtern des Landes ergaben, daß gegen keinen richterlichen Beamten polnischer Iöationalität strafrichterliche Vorevhebungen wegen Hochverrats oder Ausspähung oder anderen politischen Verbrechen eingeleitet wurden, außer gegen einen Richter, einen Kanzleioffizianten und einen Gerichtsdiener, gegen welche Vorerhebungen wegen Ausspähung im Auge waren, durch das Militärgericht wegen Diangel des Tatbestandes jedoch bald eingestellt wurden. Desgleichen find nur gegen einen einzigen Zollbeamten Vorerhebungen wagen Ausspähung im Zuge. Außer gegen drei Postfunktionäre, gegen welche auf Denunziation hin Varerhebungen eingeleitet wurden, die die volle Grundlosigkeit der Verdächtigung ergaben, hat kein galizischer Postfunktionär polnischer Nationalität irgend eine der erwähnten Verbrechen begangen. Auch von der gesamten polnischen Beamtenschaft der Staatsbwhnen standen nur drei Unterbeamte und ein Schaffner wegen Hochverrats beziehungsweise Ausspähung in Untersuchung, die jedoch mangels Tatbestandes nach kurzer Zeit eingestellt wurde. Auch auf polnischen Beaniten der politischen Verwaltung lastet kein derartiger Verdacht. Der Leiter einer östlichen Bezirkshauptmannschaft, der bis zum letzten Augenblick auf seinem Posten ausgeharrt hatte, wurde, als er schließlich auf Befehl des Militärkommandos bereits im feindlichen Kugelregen seinen Amtssitz verließ, im Nachbarbezirk von einer Honvedabteilnng, welche weder Polnisch noch Deutsch verstand, angehalten, doch klärte sich die Sache, die auf einem verhängnisvollen Mißverständnis beruhte, alsbald aus. Der Bezirksleiter wurde am Tage darauf, nachdem ihm Genugtuung gegeben worden war, freigelassen. Ebenso erwies sich die Anzeige gegen einen Bezirkskommissar in Husiatyn wegen Verletzung des Amtsgeheimnisses als völlig grundlos. Er dient wie zuvor als Reserveoffizier in der Armee. — So stellen sich im Lichte'streng amtlicher Tatsachen und Zeugnisse die ungeheuerlichen Beschuldigungen des allerschwersten Verbrechens, des Hochverrats, dar, welche den Staatsbeamten polnischer Nationalität in Galizien entgegengeschleudert wurden.
ver Rückzug der neuen russischen 10. klrmee.
W. T.-B. Berlin, 15. März. (Nichtamtlich.) Aus ösm Großen Hauptquartier wird uns über den Rückzug der neuen russischen 10. Armee das Folgende geschrieben: '
Nach dem Zusammenbruch der russischen 10. Armee in der Winterschlacht in Masuren und -der Kapitulation im Forst von Aug-ustow sammelten sich die Reste des russischen 3. Armeekorps unter den Befestigungen von O l i t a, jene des 26. und des 3. sibirischen Korps waren auf die Festung Grodno und hinter die Bobr- linie zurückgegangen. Der Armeeführer, General v. Sieders, und sein Generalstabschef sowie der kommandierende General des 3. Armeekorps wurden a b g e s e tz t, drei neue Arnieekorps, das 2., 13. und 15., nach Grodno herangezogen und die -gelichteten Reihen der übrigen Korps mit Rekruten aufgefüllt. So entstand neuerdings eine russische 10. Arme e, die Ende Februar vergebliche Anstrengungen machte, die deutschen Truppen, die bis zur Bobrlinie und dicht an die Festung Grodno vorgerückt waren, zu vertreiben. Bei diesen Angriffen erlitten die Truppen des bei Tannenberg vernichteten, inzwischen neu aufgefüllten 15. Armeekorps, die in unbeholfenen, dicken Angriffskolonnen Vorgängen, die schwersten Verluste. Es lag nicht in der Absicht der deut- schen Führung, dicht vor der mit Beton ausgebauten Bobrlinie und den Forts von Grodno sich festzulegen und eine Aufftellung beizuhcckten, die dem Feinde die offene linke Flanke bot; es war vielmehr in Aussicht genommen, sobald wie irgend möglich, die Oper-ations- sreiheit wieder zu gewinnen. Vorher galt es jedoch noch, die ungeheure Beute zu bergen, die allenthalben in dem Forst von Auguftow zerstreut lag.
Sobald diese Arbeiten einigermaßen beendet waren, leiteten die deutschen Truppen jeneBewegungen ein, die zu der beabsichtigten neuen Gruppierung führ- ten. Der rechte Flügel nahm in der Gegend von Augustow inzwischen vorbereitete Stellungen ein. Andere Kräfte wurden an geeigneten Punktest versammelt. Planmäßig wurden zunächst alle deutschen Verwundeten einschließlich der Schwerverwundeten zurückgeschafft, auch wurden Kolonnen, Trains, Fahrzeuge aller Art usw. so rechtzeitig zurückgesandt, daß sich der Rückmarsch der Truppen trotz vereister Wege glatt vollzog. Dem Feinde blieben die deutschen Bewegungen völlig verborgen, ja er be- legte am Vormittag des auf unseren Abzug folgenden Tages die ehemaligen deutschen Stellungen mit Ar- tilleriefeuer, genau wie an den früheren Tagen. Die deutschen Truppen hatten die geplanten Aufstellungen bereits eingenommen, als der russische Armee- führer, wie aus den Aussagen gefangener Stabsoffiziere hervorgeht, einen siegatm enden Befehl
erließ, in welchem von großen Erfolgen aus der ganzen Linie die Rede war und durch den die Unterführer zu den „energischsten Verfolgungsoperationen" bis in den Rücken des Feindes, den man bei Calvaria anzunehmen schien, angespornt würben. In großer räumlicher Trennung setzten sich das 3. .russische Armeekorps von Simno auf L o z d s i e j e, das 2. Armeekorps von Grodno über Kapziowo-Sejny auf K r a s- n o p e I in Bewegung, die übrigen russischen Korps gingen durch den Forst von Augustow vor, stießen hier aber sehr bald auf starken deutschen Widerstand, den zu brechen den Russen nicht gelang, obwohl sie mit Zwei- und dreifacher Überlegenheit mehrere Tage hintereinander die -deutschen Stellungen angriffen.
Am 9. März begann die deutsche Offensive gegen das -auf dem russischen rechten Flügel vorgehende 3. Armeekorps. Als dieses, sich plötzlich bei Lozdsi-eje und Swiento-Jeziery von Norden her in der Flanke bedroht und umfaßt sah, trat es eiligst den Rückzug in östlicher und südöstlicher Richtung an. Mehrere hundert Gefangene und einige Maschinengewehre in unserer Hand lassend. Durch diesen Rückzug gab der russische Führer die Flanke -des benachbarten 2. Armeekorps frei, dessen Kolonnen -am
9. März, wie unsere wackeren Flieger -meldeten, Berzniki und Giby erreichten. Gegen dieses Armeekorps richtete sich jetzt die Fortsetzung der deutschen Offensive. Diese durchzufllhren war wahrhaftig keine Kleinigkeit, denn es herrschten elf und -mehr Grad Kälte und -die Wege waren so glatt, daß Dutzende von Pferden aus -Erschöpfung umfielen und die Infanterie nur zwei bis drei Kilometer in der Stunde zurückzulegen vermochte. Am 9. und 10. März kam es bei Sejny und Berzniki zum Kampf gegen den -überraschten Gegner, dessen Vorhut sich bereits zum Angriff in westlicher Richtung bei Krasnopol entwickelte und sich jetzt gezwungen sah, nach Norden Front zu machen. Sejny und Berzniki wurden noch in der Nacht vom 9. zum 10. März erstürmt, bei Berzniki zwei ganz junge Regimenter völlig aufgerieben und die beiden Regimentskommandeure gefangen. Der ruffische Armeeführer, der woih-l eine Wiederholung der Umfassungsschlacht von Masuren kommen sah, , gab am
10. März, die Aussichtslosigkeit weiteren Widerstandes einsehend, feiner gesamten Armee den Befehl zum Rückzug. Bald konnten unsere Flieger die langen Marschkolonnen des Feindes wahrnehmen, die sich auf der -ganzen Linie von Giby bis S z t a b i -n durch den Forst von Augustow in v o l l e m Rückzüge auf Grodno befanden. Am 11. März besetzten unsere Truppen in -der Verfolg,ungshanblung M-akarze, Froncki und Giby. Eine deutsche Kavallerie- d iv ision nahm noch in der Nacht Kopziowo im Sturm; sie zählte dort allein dreihundert tote. Russen. Über fünftausend Gefangene, zwölf Maschinengqwchre und drei Geschütze blieben in unserer Hand.
Größere ernstliche Kämpfe fanden nicht statt. Allein die Drohung mit einer kräftigen deutschen Umfassung genügte, um nicht nur den bedrohten Flügel, sondern die ganze feindliche Armee, die sich Lins einer Frontbreite von nicht weniger als fünfzig Kilometern zum Angriff aufbaute, zuni schleunigsten Rückzüge zu veranlassen. Die Tragweite einer derartigen Bewegung, ihre moralische Wirkung und die Einbuße an liegengebliebenem Material aller Art, das nun zum zweitenmal den weiten Augustower Forst erfüllt, läßt sich zurzeit nicht übersehen. /
Zum Tob« des Grafen Witte.
Br. Stockholm, 15. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Dem „Svenska Dagblabed" wird aus Petersburg gemeldet: Eine bösartige Ohrenentzündung hat dem Loben des Grafen Witte ein Ende ge- macht. Die Depesche gibt aber weiter keine Einzelheiten über Entstehung, Dauer und Verlauf der Krank- heit.___
Der Handelskrieg gegen England.
Die feindliche Blockade deutscher Häfen.
Br. Kopenhagen, 15. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.j
Die „National Tidende" meldet aus Paris: Die Erklärung der Blockade deutscher Häfen wird in den nächsten T a g e « veröffentlicht. Die Blockade soll anfangs nächster Woche effektiv werden. Danach werde es keinem Schiffe, gleichgültig welcher Nationalität und mit welcher Labung, möglich sein, deutsche Häfen zu erreichen oder zu verlassen. Oteutrale Schiffsführer werden von der französischen Negierung aufge- fordert werden, wenn die Ladung keine Konterbande ist, einen neutralen Hafen anznlanfen, wo die französische Regierung die Ladung für Rechnung des Schiffsführers verkaufe« wird. Ladungen aus Deutschland, wenn sie nicht Konter- bande enthalten, dürfen nach neutralen Lündsom verschifft werde«.
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