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Montag, 15. März 1915.
Kbend-Ausgabe.
Nr. 124. ♦ 65. Jahrgang.
Der Krieg.
Der Tagesbericht vom 15. März. Ein erfolgreicher Angriff auf eine englische Stellung südlich Hpern. — Neue französische schwere Verluste in der Champagne. — Lei Kugustow die Zahl der gefangenen Nüssen von den am 12. März gemeldeten 4000 auf 8400 erhöht. — Schwere russische Verluste bei praschnüsch.
W. T-B. Großes Hauptquartier, 15. März. (Amtlich./
westlicher Kriegsschauplatz.
Westende-Bad wurde gestern von zwei feindliche» Lmu»nenbooten wirkungslos beschossen.
Ein Angriff auf eine von den Engländern besetzte Höhe südlich Ypern machte gute Fortschritte.
Französische Teilangrifse nördlich L e m e s n i l (Champagne) wurde unter schweren Berlusten für den Feind turückgeschlagcn.
In den Bogesen wird an einzelnen Stellen noch gekämpft.
Westlicher Kriegsschauplatz.
Die Anzahl der ruffischen Gefangenen aus den Kämpfen nördlich des Augustower Waldes hat sich auf 540V erhöht.
Nördlich und nordöstlich Praschnüsch griffen die Rnffen mit starken Kräften an. Alle Angriffe scheiterten unter schweren Berlusten für den Feind.
Südlich der Weichsel keine Veränderung.
Oberste Heeresleitung.
Der Handelskrieg gegen England, vie neuen Opfer unserer U-voote.
Zu der in der Montag-Sonderausgabe schon mitgcteilten Reuter-Meldung von weiteren Angriffen deutscher Unterseeboote liegen heute folgende zum Teil ergänzende, zum Teil neue Berichte vor-
vier englische Schiffe allein von „U 29" versenkt.
W- T.-B. London. 14. März. (Nichtamtlich. Meldung des Reuterschen Bureaus.) Nach einem Bericht der Admiralität t»rpedierte das deutsche Untersceboor „TT 29" die Schiffe „Headland", „Andalusia", „Indian-City" »nd „Adcmim". In dieser Meldung der Admiralität heißt es, daß der Kapitän des „N 29" aussagte, er hätte im September die „Hqgue'' und „Aboukir" versenkt.
Berlin, 15. März. (Ktr. Bln.) Laut „B. T." wurde „Indian-City" crm Samstag, 8 Uhr früh, bei Saint Marie angegriffen. Es war nur in kurzer Entfernung von der Küste, wo die Menge zuschaute. Die Besatzung rettete sich in Booten. Zwei Patrouillenschiffe, die im Hafen lagen, fflhren zur Verfolgung aus. Das Unterseeboot aber tauchte und erschien erst weiter westlich an der Oberfläche. Es war auch schneller als die Patrouillenschiffe. In derselben Gegend hat das Unterseeboot auch den Dampfer „Headland" angegriffen.
rlapitänleutnant weddigen der Führer von „U 29".
Berlin, 15. März. (Ktr. Bln.) Rach dem Zusatz zu einem Reutertrlegramm ist der Kapitän des „U 29" kein anderer als Kapitänleutnant Weddigen, der sich als Führer des „U 9" den Engländern unliebsam beliebt gemacht hat. Am 22. September war es, als „U 9" unter seinem kühnen Kommandanten die englischen Panzerschiffe „A b o u k i r", „Hogue" und „Cressy" in der Nordsee innerhalb einer Stunde durch drei wohlgezielte Torpedoschüsse auf den Meeresgrund schickte. Dieser Tat, die den deuffchen Unterseebootschrecken in die englischen Häsen trug, folgte am 13. Oktober die Vernichtung des britischen Kreuzers „H a w k e", ebenfalls ein Werk der tapferen Besatzung des „17 9".
audj ein französischer Dampfer versenkt.
W. T.-B. Bordeaux, 14. März. (Nichtamtlich. Meldung der Agence Havas.) Ein deutsches Unterseeboot hat am Donnerstag den Dampfer „A u g u st e Conseil" 22 Meilen südlich von Star Point versenkt. Die Besatzung wurde gerettet und «ach Falmouth gebracht.
Zwei weitere Schiffe der Gefahr entronnen.
W T B. London, 14. März. (Nichtamtlich.) „Daily Telegraph" meldet: Ein Passagier desDampfers „Great Southern" berichtet, daß der Dampfer auf der Fahrt nach Fishguard einem Dampfer mit zwei S ch o r n ft e i n e n begegnete, der Notsignale gab. Gleich darauf wurde das Periskop und der Turm eines Unterseebootes in einer Enffernung von % Meilen sichtbar. Die „Great Southern" entkam vermöge ihrer großen Geschwindigkeit. Man glaubt, daß der Dampfer mit den zwei Schornsteinen mit dem Unterseeboot zusammen arbeitete. (Natürlich! So, wie ich denk' und tu', rran' ich's dem andern zu. Schriftl.)
W- T--B. Le Havre, 15. März. (Nichtamtlich.) Der Dampfer „Campinas" entging am 12. März der Torpe»
d i e r u n g durch ein deutsches Unterseeboot vor Cherbourg durch geschickte Manöver.
Weitere lebhafte Tätigkeit der deutschen TT-Boote.
Br. Kopenhagen, 15. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Die deutschen Tauchboote waren, wie aus London gemeldet wird, am Samstag in den englischen und irischen Gewässern außerordentlich tätig. Mehrere Passagier- dampfer wurden von ihnen verfolgt und entkamen nur dank des Nebels.
Doch auch einsichtige Stimmen in England zu vercsfords Gemeinheit.
W. T.-B. London, 14. März. (Nichtamtlich.) Die „Times" veröffentlicht zwei Briefe, die auf die gefangenen Besatzungen der deutschen Unterseeboote Bezug nehmen. Die -er- fafferin des ersten schreibt: „Sie sind unschuldig; wa? konnten sie tun, als den Offizieren zu gehorchen, und was konnten diese tun, als der Admiralität zu gehorchen.
— Der Verfasser des zweiten Brieses, der sich als Kombattant bezeichnet, erhebt Einspruch gegen die Anklage der Seeräuberei uud des Mordes, die gegen die Offiziere und Mannschaften erhoben wurde, da sie der Admiralität hätten gehorchen müssen. Weiter heißt es in dem Schreiben: „Wenn die geographische Lage Englands und Deutschlands verrauscht wäre, würden die britischen Offiziere und Mannschaften sicherlich einem etwaigen Befehle der Admiralität, deuffche Schiffe zu versenken, gehorchen. Deutschland kann infolge seiner geographischen Lage unsere Handelsichi.se nicht beschlagnahmen. Wir finden es natürlich einträglicher, die Schiffe zu beschlagnahmen, statt sie zu versenken. Warum sollten Männer, die ihre Pflicqt gegen ihr Vaterland erfüllen, anders behandelt werden, denn als Kriegsgefangene?"
Die „Nerven" der Schiffsbesitzer.
Das Berlangcn nach Schadloshaltung für die versenkten Schiffe. —. Beschwerde über den unzureichenden Patromllen- dienst.
W. T.-B. London, 14. März. (Nichtamtlich.) Die „Mar- ningpost" veröffentlicht einen Brief, in dem von der R^ne- rung Bürgschaft einer ausreichenden Entscha- d i g u n g für die durch die Unterseeboote versenkten Schiff verlangt wird, die Deutschland bezahlen müsse. Es sei schon und gut, von dem Vertrauen der Schiffahrtskreise zu sprechen aber die Nerven der Versicherer, Schiffsbesitzer und Seeleute litten doch. Dann heißt es weiter: „Wenn man von einem verlorenen Schiff hört, denkt man Stachst unwillkürlich geringschätzig von der britischen Flotte. Sie kann n i ch t ü b e r a l l s e i n. Aber die Leute die was verstehen, sind der Ansicht, daß das System der Küsten- Patrouillen sich verbessern ließe. Es ,st auch widersinnig, die Schiffe bei den Pilotenstationen warten zulaffen. Die Unterseeboote von Handelsschiffen rammen zu lassen, ist mit erheblichen Gefahren verbunden; die Schiffe können es nicht tun, ohne selbst Beschädigungen davonzutragen. Für die Garantie ist entweder das Guthaben heranzu- ziehen, das die Schiffsbesitzer bei dem nationalen Marine Versicherungsfonds besitzen, oder der Wert der deutschen Schiffe, die aufgehalten oder beschlagnahmt worden sind.
Die in England „internierten" feindlichen Fremden.
W. T.-B- London, 14. März. (Nichtamtlich.) Das Krieg? amt aibt die Zahl der feindlichen Fremden bekannt, die am
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niert waren. Die Ziffern sind 17 288, 18 ^0o, 18333, 18 670. In diesen Monaten wurden 2913 Internierte wieder ffeige- lassen.
Die wachsende Unzufriedenheit in der englischen Arbeiterschaft.
yj 1 . T.-B. London, 11. März. (Nichtamtlich.) Die „Times" schreibt: In der Kohlenindustrie herrscht allgemeine U n z u f r i e d e n h e i t, die Befürchtungen erweckt. Die Arbeiter verlangen überall höhere Lohne. Mittwoch hielt der Verband der Bergarbeiter Großbritanniens im Westminster Palace Hotel eine Konferenz ab, um sich über einheitliches Vorgehen schlüssig zu werden. Da nach den letzt geltenden Lohnbestimmungen die Arbeiter erst nach dreimonatiger Kündigung zum Abschluß eines neuen Lohnabkommens schreiten könnten, denkt man daran, die Vorschläge der Konferenz, falls nicht ein freiwilliges Abkommen zustande kommt, zu einer Gesetzesvorlage zusammenzufaffen und diese dem Unterhause vorznlegen. ^ Das Exekutivkomitee be§ Bergarbeiterverbandes für Südwales in Cardiff verwarf einstimmig das Angebot einer z e h n p r o - zentigen Lohnaufbesserung von den Grubenbesitzern als völlig ungenügend. Das Kriegskomitee der Arbeiterpartei hielt in London eine öffentliche Versammlung ab und nahm eine Resolution an, worin die Regierung ersucht wird, die Kontrolle über die Märkte zu übernehmen und Höchstpreise für alle Artikel festzusetzen, die künstlichen Preissteigerungen unterworfen sind.
Eine Folge der Agitation.
W- T.-B. London, 14. März. (Nichtamtlich.) In Lon don wurde der Kohlenpreis um ein bis zwei Schilling für die Tonne ermäßigt.
Die Opposition der Waliser gegen die englische Regierung.
W- T.-B. Manchester, 14. März. (Nichtamtlich.) Der Londoner Korrespondent des Manchester „Guardian'
schreibt: Die Waliser Abgeordneten haben an den Premierminister ein Ultimatum gesandt, das, wenn die zweite Lesung der Novelle zum Waliser Kirchengesetz, die das Inn krafftreten des Kirchengesetzes auf sechs Monate über das Ende des Krieges hinausschieben will, am Montag tattfändc, sie gegen die Regierung sprechen und stimmen würden, da sie darin einen Bruch der Zusage der Regierung erblicken, keine in die P a r t e i g e s e tz e eingreifenden Maßregeln im Parlament vorlegen zu wollen. Die Waliser verlangen Aufschub der Debatte bis nach Ostern. Sie und andere englische Liberale wollen 12 Amendements beantragen, um die Novelle zu Fall zu bringen. Die Waliser Gruppe sandte dringende Aufforderungen an alle nicht kon» ormistische Abgeordnete, am Montag im Hause zu erscheinen und die Novelle zu bekämpfen. Sie telegrapbrerten an Sir R e d m o n d, daß er die N a t i o n a l i st e n aufbieten möchte, sie am Montag zu unterstützen. Die Regierung hatte den Fehler begangen, mit der Opposition ein Kompromiß über die Frage zu beschließen, ohne die Wa I i s e r darüber zu beffagen.
Oie Kriegsereignisse seit dem 10. Zebruar 1915.
Von General d. Inf. z. D. v. Blume.
I.
Die gegenwärtige Kriegslage auf dem Festlande im Westen und Osten unterscheidet sich von der, die ich vor vier Wochen geschildert habe, insofern nicht, als unsere Gegner auf beiden Seiten nach wie vor unter dem Druck der Fesseln leiden, die wir ihnen auf ihrem eigenen Gebiet angelegt haben. Dieser Zustand besteht im Westen seit nunmehr fünf, im Osten seit drei Monaten. Vergeblich wie alle früheren Anstrengungen der Gegner, ihre Fesseln zu sprengen, sind die gesteigerten der letzten Wochen gewesen. Kaum ein Tag ist ohne Kampf vergangen, aber auch kaum einer ohne neue deutsche Waffenerfolge. Ihren Höhenpunkt haben diese in den siegreichen „Winterschlachten in Masuren und in der Champagne" erreicht.
In Polen links der Weichsel waren die Russen nach ihrem gescheiterten Versuch einer großen Offensive gegen Deutschland Ende November gegen die Weichsel in einer Linie, die etwa von der B z u r a mündung bis zur D r i n a.mündung reicht, zurückgedrängt worden. Dort halten sie sich stark verschanzt, so daß sowohl der im Vorrücken gegen die Weichsel befindliche linke deutsche Flügels als auch der aus österreichisch-ungarischen und deutschen Truppen bestehende rechte nur noch langsam vorwärts und schließlich fast gang zum Stehen kamen. Es entwickelte sich hier ein ähnlicher Stellungskrieg wie im Westen. Auch in Galizien, wo die Russen bei Beginn ihrer großen Offensive bis nahe an Krakau gelangt, dann bis über das Dunajecgebiet zurückgedräugt worden waren, entstand ein Stillstand der Operationen in etwa gleicher Höhe mit den Kampflinien auf dem anderen Weichselufer.
Ein wesentlicher Unterschied zwischen den befestigten Kampflinien im Westen und Osten besteht aber darin, daß im W e st e n die beiderseitigen Stellun- gen von der Nordsee bis nahe an die Grenze der neutralen Schweiz reichen, daher dort sowohl ein Flankenangriff als auch eine Umgehung ausgeschlossen erscheint, während solche Unternehmungen im Osten durch die Anlehnung der nördlichen Flügel an die Weichsel und den Narew, der südlichen an die Karpathen zwar auch erschwert, -aber doch möglich sind. Hieraus erklärt es sich, daß im Osten die frontale Kampftätigkeit sich von der Front mchr und mchr nach den Flanken verlegt hat, im Norden nach O st Preußen und dem polnischen Gebiet r e ch t s der Weichsel, im Süden in die K a r p a t h e n._ Die Operationen in beiden Flanken und auf dem dazwischen liegenden Gebiet bilden jedoch ein zusammenhängendes Ganzes. Sie werden sowohl auf russischer Seite als auch auf der der Verbündeten, hier durch den Generalfeldmarschall v. Hindenburg im Ein- vernchmen mit den österreichisch-ungarischen Heerführern, einheitlich geleitet. Die geradlinige Entfernung von der ostpreußischen Grenze bis zum Kamm der Karpathen beträgt 450 Kilometer, -die nördliche Flanke der Russen, etwa von Plozk bis Grodno ge- rechnet, ist 300 Kilometer, die südliche, in den Karpathen vom Dunajec an bis zur Ostgrenze der Bukowina, Mer 400 Kilometer lang; und auf diesem Raume ringen Millionenheere miteinander. Man muß sich dies gegenwärtig halten, um eine zutreffende Vor- stellung von den dortigen Vorgängen zu besitzen.
Die Verschiebung der Handlung im Osten nach der nördlichen Flanke begann gegen Ende Dezember v. I. mit einem Einbruch überlegener russischer Kräfte in die Provinz Ostpreußen, deren Der- teidigung damals verhältnismäßig schwachen Truppen unter Befehl des Generals v. Below hatte über*
