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l-i.: . :"“j Morgen-Beilage der Wiesbadener Cagblatts. i-===s)
Nr. 60.
Freitag, 12. Marz.
itziv.
(17. Fortsetzung.)
Roman von E.
„Es wird kühl, Ler Weud kommt, laß uns gehen", sagte sie und wollte sich rasch erhüben, aber er hielt sie nieder und setzte sich zu ihr.
„Einen Augenblick nur, Dore! Ist das wahr, was du vorhin gesagt hat, daß es dein größtes Glück auf Erden wäre, meine — meine Frau zu sein?"
„Ja, das ist wahr. Die Sterne darf man getrost begehren, sie sind ja doch ewig unerreichbar für uns."
„Aber das ist nicht unerreichbar, ein einziges arm- seliges Wörtchen von dir trennt uns von der Verwirklichung, Dore. Ich habe vorhin gemeint, du seiest endlich zu der Einsicht gekommen, das; das das eirrzrge Wahre für uns ist", — er hielt beschwörend ihre Hände und sah sie innig flehend au. Das war der schwerste Augenblick ihres Lebens; eine Rissin an Kraft hatte der Sanitätsrat sie genannt, und sie mußte es auch wirklich sein, — nicht mit einer Wimper zuckte sie, als sie mit völlig tonloser, aber fester Stimme sagte:
„Ich will dir jetzt sagen, Heinz, warum ich nicht deine Frau werden kann: ich darf nicht heiraten — der Arzt bat es mir für Lebenszeit verboten." Sie hielt inne, erschrocken über die Veränderung in seinen üben noch so freudig erwartungsvollen Zügen. Er war in einen: Augenblick erdfahl geworden, und die großen Augen starrten sie entsetzt an.
„Dn bist krank? Für Lebenszeit ruiniert? Das habe ich über dich gebracht!"
„Um Goteswillen, nein, Heinz! Erbliche Anlage ist's! Meine Mutter ist bei meiner Geburt an Schwäche gestorben — und ich war von jeher ein dürftiges Geschöpf. Ich kann neunzig Jahre alt werden, nur gerade heiraten darf ich nicht."
„O Dore!" Er sah sie scharf an, sie hielt seinen Augen stand, aber cs war etwas Unfreies, Unsicheres in ihrem Blick, das ihn aufmerksam machte. Er wurde mißtrauisch — das erste Mal, daß er ihr nicht unbedingt glaubte.
„Da ist etwas nicht in Ordnung, Dore, ich sehe es dir au."
Sie schüttelte heftig den Kopf. „Es ist so, Heinz, erschwere cs mir doch nicht. Es ist so demütigend, ein- gestehen zu müssen, daß man zu erbärmilich ift, seinem natürlichen Beruf nachzu kommen."
Jetzt hatte auch ihr Ton etwas Erzwungenes. Er versenkte sein Auge forschend in ihr Gesicht, es war blaß, hatte dunkel umrandete Augen und müde Züge, aber trotzdem lag etwas Kerniges, Stählernes in dem ganzen Persönchen, — konnte sie wirklich so ernsthaft leidend sein? Die Spannung in ihm ließ nach, er Wußte selber nicht, woher es kam, daß ihn plötzlich eine Art von Beruhigung erfüllte.
„Ich werde mit dem Sanitätsrat rüden, Dore. Aber
B t wenn er deine Worte bestätigt, wird das meinen Muß nicht ändern. Dann sicht es vielmehr erst recht fest, -daß du mich und keinen anderen heiraten darfst. Ich werde mein Weib nicht iveniger scharrend behandeln als meine kleine Freundin", — jetzt lächelte
Nachdruck verboten.
Krickeberg.
er sogar, als sie erglühend den Kopf senkte — „die Hauptsache ist ja doch, daß 'du meinen Namen und meinen Schlitz erhältst."
Plötzlich, wie emporgeschnellt, sprang sie auf, ihr Kopf hob sich mit energischem Protest: „Nein, das ist die größte Nebensache dabei!" rief sie mit einer Leidenschaftlichkeit, die ihn völlig überraschte, „ich brauche deinen Namen und deirreir Schutz nicht, ich werfe sie unter allen Umständen zurück . . ."
„Nachdenr du soeben gesagt, -daß es dein größtes Glück sei . . ."
Sie ließ ihn nicht ausroden. „Es ist iricht zart von dir, das als Waffe gegen mich zu kehren, was ich als Waffe fiir dich gebraucht habe. Was ich ausgesprochen habe, nehme ich nicht zurück, laß dir aber ebenso ein- sür allemal gesagt sein: ich kranke für dein Almosen, ich bin es satt, den Bettler zu spielen!"
„Dore!" Sie hörte ihn nicht, sondern lief mit schnellen Schritten -und einer Energie dorr Weg -nach ihrer Behausung entlang, daß er merkte, er dürfe sich ihr augenblicklich nicht nahen.
Was war -das? Dieser leidenschaftliche Protest bej der kleinen, sanften Dore — er starrte ratlos grübelnd vor sich hin. Sollte er wirklich doch noch auf sie verzichten müssen? Zrr ihrer eigenen Weigerung, ihn zu nehmen, mm n-och das Verbot des Sanitätsrats, da mußte er wohl «doch endlich in seiner Zuversicht erschüttert werden.
So still, bescheiden und zurückilmltend Dore immer gewesen war, ihm hatte sie die höhere Instanz bedeutet. In allen Stüvrnen seines Lebens hatte ihn eiir Gefühl innerer Sicherheit immer auffecht erhallten: du kannst ja nicht verderben, dir bleibt ja selbst in der ärgsten Not ein Rettungsanker, an den du dich klammern kannst. Ja, -als er gemerkt hakte, wie die Reize seiner Cousine seine Sinne «mehr und mehr gefangen nahmen, hatte er trotz seines innererr Unbehagens iricht allzu err-ergisch dagegen angekämpft, — tvas konnte ihm denn passieren, solange er die Dore hatte, die ja nur die Hand nach ihm auszustreckcu, u-ur eine initzbilligende Miene aufzusetzen brauchte, u-m ihn zu ihr zurückzii- führen. Sie war ihm unentbehrlich gewescrr, er mar gewöhnt, sie als sein Eigentum zu betrachten, und mm sollte sich sein ganzes St&cn, das auf ein Zusairmreu- gehen mit ihr zngeschrmtten war, auf einmal nach völlig rreuen Gesetzen abspinnen? Das evschierr ihm un-denkbar. Und mit welcher Empörung man ihm sein „Almosen" vor die Füße geworfen hatte! Überhaupt welche Idee: „ein Almosen". Sein Grübeln brach plötzlich jäh ab, er sah mit weitgeöffneten Augen vor sich hin, als ob er etwas Wunderbares, Norries erschaue. Das „Almosen" — war es das vielleicht? Eirr Heller Sonnenstrahl fiel in sein Herz, unwillkürlich breitete er seine Arme ans: „O Dore, liübe törichte kleine Dore'. Wenn ich das nur erst weiß, vielleicht, vielleicht wird dann noch alles gut — vielleicht besiegen wir .dann sogar auch noch «den Sianitätsrat." —
vore.
