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( ■— Morgen-Beilage des Wiesbadener Tagblatts, i« j»i

Nr. 89.

Donnerstag» 1t. MSrz.

I9!ö.

(16. Fortsetzung.)

Oore.

Roman von E. Krickrbers.

Nachdruck verboten.

„Wahvhast ideal, Liese Jugendfreundschaft!" spot- tete sie mit vor Ärger zuckenden Lippen. „Man be­kommt ja ordentlich Respekt vor Ihrer Amazononhaftig- feit, kleine Gärtnerin! Na. seien Sie ohne Sorge, ich überlasse Ihnen den Vetter ohne Kampf und Groll, wenn er freiwillig hier bleiben will. Aber wenn er hoch vielleicht, aller Voraussicht zum Trotz, die Residenz dem stillen Luisenwerder vorziehen sollte, so" — sie zuckte malitiös die Schultern — „kann ich es nicht ändern."

„Ich glaube nicht, gnädiges Fräulein, daß er cS tun ltvird!" sagte Dore, den Kopf hebend und Liddy fest an- Hlickend.

„Sie scheinen Ihrer Sache sehr sicher zu sein, kleine Gärtnerin!"

„In diesem Falle ja!"

„Haha, diese bescheidenen kleinen Mädchen! Da sieht nian wieder einmal, wie man sich im Menschen täuschen kann!" Dore erwiderte nichts, sie sah. daß Liddy die Absicht hatte, sie zu reizen, und sie »var nicht Willens, darauf einzugchen.

Heiuz erwartete die beiden Danren am Ausgange des Gewächshauses, Rittmeier war zurückgeblieben.

„Vergessen Sie auch nicht den Schlüssel zu suchen", lachte Liddy, „Fräulein Werlich, Sie haben ihn doch nicht am Ende gar aus Versehen in die Tasche gesteckt?"

„WaS soll das heißen, Liddy?" fragte Heinz scharf.

„O, du mußt mir zugeben, daß die kleine Gärt­nerin vorhin so drollig entsetzt aussah — wie ein Kind, das den schwarzen Mann zu sehen glaubt . . . das hat mir unbändig Spaß .gemacht." Sie sah Dore seit­wärts schelmisch an, aber in deren Antlitz zuckte keine Muskel, etwas Steinernes lag heut darin und etwas Stolzes und Entschiedenes dazu, dos Liddy nie zuvor an ihr gesehen hatte und das sie ganz besonders reizte.

„Du bist manchmal recht kindisch, Liddy."

„So? Danke sehr, lieber Vetter! — Aber ich glaube vielmehr, ihr alle verficht keinen harmlosen Scherz. Nun, dann laß uns also von ernsten Dingen reden: Wie ist das mit unserer Hühnerjagd? Morgen ist der Hausball, da wird nichts daraus werden, so wollen wir den Tag darauf dafür festsetzen, du kannst dann Graf Schliefen vom Ball gleich dazu hier behalten."

„Nein, das geht nicht. Wir müsion die Jagd noch einen Dag verschieben, denn Tante Riekchens Geburts­tag ist übermorgen, und wir dürfen sie nicht mit dem Kaffee warten lassen."

Liddy rümpfte spöttisch die Nase. „Nun, dann wer­den wir nicht mchr jagen können, da ich in drei Tagen ckbreisen will, wenn nicht vielleicht Tante Riekchen so liebenswürdig und einsichtsvoll ist, den Geburtstags- «rffee zu verschieben."

„Daran ist nicht zu denken, meine Eltern und ich von jeher den Geburtstag der alten Dame feiern und ich könnte es nicht über bas Herz bringen, ! Beleidigung einer Ktzs««e anzudun."

„Was sagt Fräulein Werlich dazu?" Liddy beugtS sich vor und sah Dore mit sunkelniwm Blick ins Auge.

„Dasselbe, gnädiges Fräulein, Tante ist Heinz schr zugetan, und ich möchte nicht, daß er sich der kleine» Pflicht entzieht, ein paar Stunden in ihrer Gesellschaft zu verbringen. Sie ist so stolz auf ihren Geburtstags- besuch."

„Wie rührend selbstlos! Sie. denken immer uni an andere."

„Nein, in diesen« Falle denke ich auch an n«ich, ich mag Heinz' Gesellschaft an diesein Tage r«icht missen."

„Schiebe doch die Abreise noch etSoaS auf!" schlug Heinz vor, aber er sah dabei Dore an, urrd die Auffor­derung klang nicht schr dringlich, und doch hatte Liddy vorhin, als sie ihre Abreise zuerst erwähnte, ein leises Erschrecken über seine Züge gehen scheu. Die Hart­näckigkeit, mit der er Dores Auge suchte, machte ihr Blut sichen.

„Nein!" sirgte sie, de«« Kopf hochmütig in dm Nacken werfend, „ich bin wohl schon zn lange hier! Man muß nicht bleiben, bis man lästig wird."

„Ich hoffe, du besinnst dich noch", sagte Heinz.

Liddy war stehen geblichen, um sich z«i verab­schieden.

„Adim, kleine Gärtnerin, grüßen Sie mir das ge­strenge Tantchen recht herzlick) und gehen Sie nicht gar zu hart mit meinem armen Vetter um!" Sie drückte Dores ihr widerwillig überlassene Hand, daß dieser vor Schmerz die Träne«« in die Angen traten.

„Wißt ihr, Kinder, an eurer Stelle würde ich «««ich doch definitiv znfammentun, ihr könnt ja doch nicht einen Tag ohne einander loben. War»»« heiratet ihr euch nicht?"

Heinz stiog eine Blutwelle jäh z«« Kopf, erschrocken sah er nach Dore hin, er zitterte vor Ärger. Dore tvar kaum einen Schein bleicher geworden, als sie gewöhn­lich war, vollkommen beherrscht begegnete sie Liddys gehässig gespanntem Blick.

„Nun, kleine Gärtnerin, wäre das nicht schön?"

„Das schönste Los, das ich mir auf Erden träumen könnte!" Langsam und feierlich kam es von Dores Lippen, sie vermied es, einen der beiden anznsehen, und ihre Hand krampfte sich um die Falten ihres Kleides, als ob die ihr einen Halt geben könnten, sonst keine Spur von Erregung äußerlich, während doch in ihrem Innern ein Sturm toste.

Liddy war euren Augenblick völlig verblüfft, das hatte sie doch nicht erwartet. Es kribbelte ihr in den Fingerspitzen, sie würde diesen« bornierten, anmaßen­den Geschöpf • mit Wollust in die Haare gefahren sein.

„Das nenne ich aufrichtig, haha«ha", brachte sie end­lich mit blassen, verzogenen Lippen hervor, „ist sonst nicht zarter Frauen Art, aber die kleine Gärtnerin ist rben ein Ansnahmewesen." , ,

„Ich darf aufrichtig sein, gnädiges Fräulein, tveft ich genau weiß, daß Heinz mich versteht. Ich wkll Ihnen sogar noch mehr verraten: wmn wir eiuai»«

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