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Verlag Lang-afse 21
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Donnerstag» N. März 1915.
Kbend-Kusgabe.
Nr. 118. ♦ 63. Jahrgang.
Die Rache an „U 8".
Eine Drohung der Londoner Admiralität.
Die Engländer scheinen ihre perfide Drohung wahr machen zu wollen, nämlich daß sie die in ihre Hände geratenden Besatzungen deutscher Tlndersesboote. als „Mörder" betrachten werden. Die Londoner Admiralität gibt bekannt, sie „fühle sich nicht berechtigt" (echt britischer Heuchelsiill), die 29 Mann des Tauchbootes „II 8" ihrem militärischen Range entsprechend zu behandeln, wie das mit den gefangenen Offizieren ^ im Falle der „Emden" geschehen sei. Insbesondere könne chnen nicht gestattet werden, sich unter anderen Gefangenen frei zu «bewogen. Mit anderen Worten: die II-,Bootsdeutschen, wenn ihnen das Unglück passiert, in die Klauen des britischen Löwen zu kommen, sollen nicht als ehrliche Kriegs-, b. h. Sicherheitsgefangene, sondern als Sträflinge eingesperrt werden.
Will man ein englisches Gegenstück zu den Pariser Kriegsgerichtsprozessen der deutschen Sanitätspersonen schaffen? Der Ausgang jener ebenso lächerlichen wie traurigen Gerichtsverhandlungen hätte die Engländer belehren sollen, daß man sich mit solcher Kriegsrechtsbougung vor der neutralen Welt und vor der Geschichte nur blamiert. Noch sind ja die eigentlichen Absichten der Londoner Admiralität nicht klargestellt. Ihre Bekanntmachung ist reichlich verworren. Sie behauptet vorläufig, dos deutsche Tauchboot „U 8" stehe „ernsthaft im Verdacht", unbewaffnete Handelsschiffe versenkt und Torpedos abgefeuert zu haben auf Schiffe mit Nichtkontbattanten und Neutralen und Frauen an Bord. Unter anderem werde der Dampfer „Otiole" vermißt. Es sei natürlich schwierig, eine Anzahl besonderer Missetaten einem bestimmten Tauchboot zur Last zu legen. Erst nach Friedensschluß könne man Sicherheit erlangen. Inzwischen aber wolle man gegen diejenigen Vorgehen, deren man eben habhaft geworden. Hierin liegt die größte und niederträchtigste Teufelei der neuesten englischen Repressalien. Man will nicht nur das Recht der Kriegsgefangenen beugen und schänden, sondern man will den Rechtsbruch anwenden gegen Wehrlose, von denen man gar nicht weiß, ob gerade sie das getan haben, was man „bestrafen" möchte! Aus ehrlichen Kriegsgefangenen sollen also Häftlinge und Geiseln gemacht werden, an denen man sein Mütchen kühlt. I Die deutsche Heeresleitung wird gegenüber dieser unerhörten Völker- rechtsverletzung die gebührende Gegenmaßnahme — das siud wir sicher — nicht schuldig blei- ben. Sie wird sich wohl zunächst durch Vermittlung einer neutralen Macht (ähnlich wie im französischen Fall der Sanitätspersonen) auf das Reglement der. Haager Friedenskonferenz von 1907 be rufen, worin die Behandlung der k r i e g s gefangenen Militärpersonen geregelt ist. Danach können die Kriegsgefangenen im ganzen Gebiet des feindlichen Staates, in Städten, Festungen, Lagern oder an anderen Orten untergebracht werden mit der Verpflichtung, sich nicht über eine bestimmte Grenze hinaus zu entfernen; dagegen ist ihre Einschließung nur statchaft als unerläßliche Sicherheitsmaßregel und nur während der Däuser der diese Maßregel notwendig iwachenden Umstände (Art. 5). Die gefangenen Offiziere müssen als solche behandelt werden; sie haben dieselbe Besoldung zu erhalten, wie sie den Offizieren gleichen Dienstgrades in dem Lande zusteht, wo sie gefangen ge- halten werden (Art. 17). Die Offiziere dürfen nicht zu Arbeitsleistungen angchalten werden, die Mannschaften nur nach ihrem Dienstgrade und ihren Fähigkeiten (Art. 6). Wenn also die englische Admiralität die ge- sangene Besatzung des deutschen U-Boots „nicht ihrem Range^ entsprechend" zu behandeln gewillt ist, so muß schon darin eine Verletzung des Völkerrechts erblickt werden. Und wir haben, Gott sei Dank, reichliche Möglichkeit, solche Schikanen sofort zu ahn den. Wir haben eine solche schöne Menge kriegsgefangene Engländer auf deutschem Boden, >daß den Londonern Hören und Sehen vergehen dürfte, wenn wir an die Durchführung von Repressalien gehen und diese Tommys genau so wenig nach ihrem Range und Rechte einschätzen, wie es die englische Admiralität mit unseren armen wenigen Blaujacken vorhat. Und sollten die Engländer in ihrer wahnwitzigen Rachsucht so weit gehen, diesen braven deutschen Matrosen nach Pariser Muster den Prozeß zu machen, nur zu! Die ganze neutrale Welt soll Zeuge dieses Schauspiels sein, wie Albion seinen Niederträchtigkeiten die Krone aussetzt. Und ehe noch ein Urteil in solchem Schandprozeß gesprochen ist, wird John Bull endgültig von allen noch unbefangen und redlich denkenden Nationen des Erdenrundes der urteilt sein. Vor allem aber glaube die britische Ad miralität nur ja nicht, daß sie aus die k l e i n c n d e u t-
scheu Grau schiffe, die rings um Großbritannien schwimmen, mit ihrer Drohung den geringsten Eindruck macht. Schon mehrt sich wieder die Zahl der von unseren U-Booten torpedierten englischen Schisse, schon schließt sich der furchtbar« Ring, wenn auch ab und zu, wie gestern wieder „U 12 , ems unserer Boote von den Engländern vernichtet Wird, enger und enger, und der Churchillsche „Knebel" wird nicht in unsereui, sondern in Englands Halse sitzen. Mag man in London mit Kerker und Galgen drohen, unsere Tauchboote werden unbeirrt weiter ihre Schuldigkeit tun. ^
Neun englische Dampfer vom 1. bis 8. März überfällig.
W. T,-B. Hamburg, 10. März. (Nichtamtlich.) Das „Hamburger Frcmdeublatt" meldet auS Rotterdam: Vom 1. bis 8. März sind auf der Fahrt von England nach Holland und England nach Skandinavien neun englische Dampfer überfällig. Die Londoner Reedereien schränken auch weiterhin die Annahme von Frachtstücken nach Holland und Skandinavien ein.
Ein französischer Zischdampfer versenkt.
W. T-B. Rotterdam, 11. März. (Nichtamtlich.). Der „Rotterdamsche Courant" meldet auS London: Die Bemannung des Boulogner Fischdampfers „Gris Nez" wnr^ heute in Newhaven gelandet. Das Schiff erhielt, als es sich gestern ungefähr 20 Meilen westlich Beachv Head befand, von einem deutschen Unterseeboot das Signal, daß die Insassen das S ch i f f v e r l a s s e n sollen. Nachdem sich alle in ein Boot gerettet hatten, wurde der Dampfer in den Grund gebohrt. Das Boot wurde durch ein anderes Schiss auf- gefischt.
Von einem Unterseeboot verfolgt.
Br. Haag, 11. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Bei Mer sei, entkam der Dampfer „Clan Mac Rae" knapv einem deutschen B-Boot. das ihn 25 Minuten lang verfolgte. Der Dampfer fuhr mit Volldampf im Zickzackkurs. — Bei M i d l e s b o r o u g h wurde der Dampfer „Harland" nur durch die Dazwischenkunft von Torpedobooten ge» rettet. Das angreifende Unterseeboot entkam.
Zu der Versenkung des englischen Dampfers „vlack Wood".
Br. Amsterdam, 11. März. (Eig. Dvcchtbericht. Ktr. An.) Die „Times" meldet aus Liverpool: Der Kapitän Souter von dem bei Hastings torpedierten englischen Dampfer „Black Wood" und die Bemannung er- zählten über das Zusammentreffen mit dem deutschen Unterseeboot folgendes: Das Schiff war von Blyth an der Ostküste Nordenglands nach Le Havre mit einer Ladung von Steinkohlen unterwegs. In dem Augenblick, als das Schiff torpediert wurde, herrschte ein Schneesturm. Die Spur des Unterseeboots konnte verfolgt werden, die Nummer . wurde jedoch nicht wahvgenommen. Ein Schiffsoffizier sah das Periskop eines zweiten Unterseebootes in nächster Nähe. Eine vorherige Warnung durch das Tauchboot erfolgte nicht. Das Schiff sank innerhalb 10 Minuten.
Zum Fall des Dampfers „Belridge".
W. T.-B. Christian!«, 10. März. (Nichtamtlich) Nach einer Meldung der „Sjöfahrts Tidende" soll nachgewiesen sein, daß ernes der auf dem Dampfer „Belridge" nach der Explosion gefundenen Metallstücke deutscher Herkunft war, da es eine deutsche Inschrift trug. Ob der Schaden von einer Mine oder einein Torpedo herrühre, sei noch unbestimmt. Außer dem hierher geschickten Metallstück feien noch andere gefunden worden, als das Schiff in Nelv Castle ins Dock ging; das Metallstück sowie der entstandene Schaden würden von Sachverständigen untersucht.
Tine Erklärung der deutschen Regierung über die Verfolgung von englischen Hospitalschiffen durch II-Voote.
Br. Amsterdam, 11. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Die deutsche Gesandtschaft im Haag veröffentlicht folgend Erklärung: Das britische Hospitalschiff „Asturias" ist zum großen Bedauern der deutschen Regierung am 1. Febr. von einem deutschen Unterseeboot durch einen Torpedoschutz angegriffen worden. Die „Asturias" hatte die für ein Dampfe schiff vorgeschriebenen Lichter ausgefetzt und wurde bei Be ginn der Dämmerung, als man die Kennzeichen des Hospital schiffes nicht unterscheiden konnte, für ein Truppentransport ichiff gehalten. Das abgeschofsene Torpedo ging glücklicherweise vorbei. Sobald der Charakter der „Asturias" als Hospitalschiff sestgestellt war, wurde selbstverständlich von einem weiteren Angriff abgesehen. Das Hofpitalschiff „Andrew", das sich auf dem Heimweg nach England mit Verwundeten von der belgischen Front befand, wurde in der Nähe der ftanzösischen Küste von einem II-Boot verfolgt, aber nicht beschossen.
Das deutsche Unterseeboot II 12 gesunken
W- T.-B. Berlin, 10. März. (Amtlich.) Einer Bekannt machung der brktischen Admiralität zufolge ist das deutsche Unterseeboot „TT 20" durch den englischen Zerstörer „Ariel"
gerammt und zum Sinken gebracht worden. Die Besatzung ist gerettet.
Der steüvcrtetende Chef des Admiralstabes: gez. B e h n ck e.
Nur 10 Mann gerettet?
W. T-B. Berlin, 11. März. (Amtlich.) Die britische Admiralität gibt bekannt, daß das vom Torpedobootszerstörer „Ariel" vernichtete deutsche Unterseeboot nicht „TT 20", sondern „TT 12" ist. Bon der 28 Mann starken Besatzung des Bootes sollen 10 Mann gerettet sein.
Der stellvertretende Chef des Admiralstabes: gez. B e h n ck e.
Die Niedertracht des Admirals veresford.
IV. T.-B. Paris, 10. März. (Nichtamtlich.) »Echo de Paris" meldet, daß Admiral Beresford aus Grund eines alten Scekriegsgesetzcs, welches bestimmt, daß Seeräuber gehängt werden sollen, verlangt, daß dies Gesetz aus die gefangenen Offiziere deutscher Unterseeboote cmgewendet werde. 'Der edle Lord ist sich offenbar gar nicht darüber klar, daß wir viel, viel mehr englische Gefangene in unserer Hand haben als die Engländer deutsche. Schriftl.)
Unterbrechung des Handelsverkehrs zwischen Amerika und England.
Br. Hamburg, 11. März. (Eig. Trahtberichi. Ktr. Bln.) Die „.Hamburger Nachr." melden aus New Jork: Wie die hiesige „Tribüne" mitteilt, werden vom 6. bis 17. März keine amerikanischen Handelsdampfer von New Joffk nach England äbgehen. Ms Gründe werden für diese Verfügung die überfüllung der englischen Häfen und die Verwirrung, die durch den Dockarbeiterausstand in England hervorgerufen worden ist, angegeben.
9
Grey über die Forderungen Japans.
IV. T-B. London, 11. März. (Nichtamtlich.) In der ntznng des Unterhauses am 9. März sagte bei Beantwortung einer Anfrage Grey über die Forderungen Japans, er habe den Text von der japanischen Regierung eben «st erhalten und es bestehe kein Grund anznnehmen, daß er nicht mit dem Text der von der chinesischen Regierung überreichten übereinstimme. Die Forderungen verfielen in 5 Gruppen. Die fremden Regierungen hätten keine Vorstellungen erhoben, eS seien jedoch nichtformelle Mitteilungen von einer oder zwei Mächten cingelaufen. Da die im B«- sitz der britischen Regierung befindlichen Informationen vertraulich seien, habe diese keiner fremden Regierung formelle Mitteilungen gemacht. Die Regierung ziehe die Folgen der japanischen Schritte in Betracht, um die britischen Interessen, mit welchen sie eventuell in Konflikt geraten können, zu schützen. — Runctman teilte auf eine Anifrage mit, daß der .Handel mit deutschen Firmen und Zwcigfirmen in China gestattet sei. Nach Ansicht der britischen Regierung sei es nicht wünschenswert, daß sich britische Firmen mit deutschen Firmen in China ernließen.
Englisch« Rritik an der Schweigsamkeit Sreqs:
IV. T-B. London, 11. März. (Nichtamtlich.) „Daily News" schreibt in einem Leitartikel: Die Auskünfte, die Grey gestern, über die. japanischen Forderungen gegeben hat, waren unbestimmt, aber beunruhigend über den Charakter der Forderungen. Es scheint kein Zweifel zu herrschen, daß sie auf die faktische Oberhe-rschaft Japans üb« China hinauSlaufen. Unter den gegenwärtigen Unfftänden ist die Reserve, die sich Grey auserlegt, natürlich und zweifellos notwendig, aber die japanische Frage zeigt, was fiir ge, wichtige Probleme von der öffentlichen Diskussion fern, gehalten werden. Das Pressebureau knebelt die Presse andauernd in wichtigen Angelegenheiten, die von keinerlei militärischem Interesse seien. Das geschah beispielsweise bei der holländischen Note über den Gebrauch der neutralen Flagge, die in England nicht veröffentlicht werden durfte. „Daily News" fragt, mit welchem Recht das Pressebureau die Bevölkerung solchen Insulten aussetze. Die Zeit sei gekommen, daß ganz offen über die An- gelegenheit gesprochen werde.
Die scharfe englische Zensur.
Bon der holländischen Grenze, 10. März. (K. Z.) Die gestrigen englischen Blätter sind wieder in Holland auSge- blieben, und zwar, wie das VaS Diazsche Bureau vernimmt, iml sie aus unbekannten Gründen von der Zensur angehalten worden seien.
Staatliche Kontrolle der Fabriken von Kriegsmaterial in England.
W. T.-B. London, 10. März. (Nichtamtlich) Der Schatzkanzler Lloyd George hat im Unterhaus einen Gesetzentwurf erngeoracht, der ein früheres Gesetz erweit«n soll, durch das die Regierung ermächtigt wurde, eine Kontrolle üb« alle Fabriken von Kriegsmaterial auszuüben. DaS neue Gesetz gewährt der Regierung das Kontrollrecht üb« alle die Fabriken, die zurzeit kein Kriegsmaterial Herstellen, dazu aber imstande sind. Es handelt sich darum, namentlich Werkzeugfabrrken zur Herstellung von Kriegsmaterial zu benutzen. Lloyd George betonte bei der Begründung des Gesetzentwurfs, es sei nicht der Fall, daß sich die Fabrik an t en i» Schwierigkeiten befänden. Die Absicht sei aber, die Fabeil«.
