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Wiesbadener TsMatt.

5öecl t Ä 12 Husqaben. „Ta«»la«l.^M,S" Nr.6650-53.

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Landorte» und im Rdeingau die betrelsenden Tagdlatt-Träger.

„Tagblatl-HiMS" Nr. 6650-53.

Von 2 Uhr morgen» bis 8 Uhr abends, außer Sonntag».

*Mti«t«.*cttf für di- Zeile: 15 Pi«, für önliche Angoigen im „ArdeirSmarkN und ..Kleiner Anzecher» in nuuettüwrr Sablerm' ml Pf« ln davon abweichender Layausführung. iowre für alle übrigen örtlichen A«iig^ Mr all7°uA°äNi«en Anzeigen: l Pik für bliche ReNamen: 2 surauEtig. RrNamen. Gange halbe, drittel und viertel Seiten, durchlaufeno, nach belonderer Berechnung - Bei nncderdvltrr Aufnadi« unveränderter Anzeigen in kurzen Zwischenräumen entwrechender Nachlaß

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Berliner Schriftlritung d.-Wiesbadener Tagdlatts: Berlin-Wilmersdorf Güntzelftr. 6«. sternipr. : Amt Uh,and 450 u. 4»1. Tagen ,,<* «tat«, wird m- «-mäh, übernommen..

Mittwoch, 10. März 1915.

Morgen - Ausgabe.

Nr. 115. * 63. Jahrgang.

Die dritte Kriegstagung öes Reichstags.

Von Dr. Müller-Meiningen. M. d. R.

Die dritte „Kriegstagung" des deutschen Reichs­tags unterscheidet sich von den beiden vorangegangenen vom 4. August und vom 2. Dezember 1914 dadurch, daß sie in erster Linie die ordentliche Etatsberatung bezweckt, während jenes außerordentliche Tagungen waren. Die Eigenschaft der fetzigen, „ordentlichen", jährlichen Etatsberatung bedingt, daß die Verhandlun­gen sich nicht so kurz gestalten können wie die beiden anderen Sitzungen. Die Doppelsitzung vom 4. August hat ausweislich des stenographischen Berichts kaum zwei Stunden, die Sitzung vom 2. Dezember von 4,19 bis 5,47 Uhr gedauert.

So rasch werden sich diesmal die Verhandlungen nicht abwickeln lassen. Trotzdem ist mit einer verhält­nismäßig kurzen Dauer auch dieser Tagung zu rechnen. Während man in normalen Zeiten im Durchschnitt 3 his 4, aber auch schon 5 Monate für den Etat gebraucht hat, hofft man diesmal in etwas mehr als 14 Tagen den Reichshaushalt in allen drei Lesungen bewältigen FU können.

Der Etat selbst fordert zu einer kritischen Be­sprechung diesmal nicht heraus. Wie schon aus den kurzen, in der Presse veröffentlichten Auszügen sich zeigt, erscheint er in der Hauptsache im Rahmen des vorjährigen Etats. Natürlich muß diesmal mit beson­ders zahlreichen Nachtrags- und Ergänzungs-Etats ge­rechnet werden. Auch der Militär- und der Marine- Etat werden sich im wesentlichen im Rahmen der bisher geltenden Reichsgesetze bewegen. Die Bedürfnisse der Kriegszeit werden in geeigneter Form Berücksichtigung finden. Außer dem Etat wird die Kritik der verschiedenen Bundesratsverord- n u n g e n, die auf Grund des § 3 des bekannten Ge­setzes vom 4. August 1914 (über die Vollmachten zum Erlaß notwendiger wirtschaftlicher Maßnahmen durch den Bundesrat) ergangen sind, den Reichstag in erster Linie beschäftigen. Einige interessante wirtschafts­politische Überraschungen werden folgen.

Die Kriegsforderung von 10 Milliarden Mark wird keinen Widerspruch erfahren. Der neue Staatssekretär Dr. Helfferich hat wahrlich mit Recht eine gewisse Schonzeit für sich anzusprechen. Er tritt ein undankbares und ungemein schwieriges Amt mrter den denkbar schwierigsten Verhältnissen an.

Die Form der Verhandlungen wird wohl im wesentlichen den Vorgängen bei den ersten Kriegs­tagungen des Reichstags wie bei den Kriegstagungen des preußischen Abgeordnetenhauses entsprechen. Man wird also rrach der Rede des neuen Reichsschatzsekretärs in der ersten Lesung des Etats wohl sicher auf lange politische Reden verzichten. Hoffentlich sehen alle Parteien, daß die ewigen, uniformen „prinzipiellen Erklärungen" nicht gerade erhebend wirken und auch für di? erste Lesung wohl erspart werden könnten. Dies um so eher, als den Parteien das Wort bei der zweiten Etatslesung ja nicht abgeschnitten werden soll. Die Hauptarbeit wird freilich auch diesmal und noch mehr als früher die verstärkte Budgetkom- Mission leisten müssen. Den mehrfach erprobten Modus des ewigen Wechselns der Mitglieder, um mög­lichst alle sachverständigen und an einer Materie be­sonders beteiligten Mitglieder des Reichstages an den Debatten in der Kommission teilnehmen zu lassen, wird man wohl auch diesmal wieder wählen. Kein idealer Zustand, dieser „Taubenschlag". Aber außerordentliche Zeiten, eine im ganzen außerordentliche Form der par­lamentarischen Verhandlung macht auch diese früher ungewöhnliche Form der Kommissionsberatungen ent­schuldbar und nützlich.

Es bedarf keiner Begründung, daß es empfehlens­wert erscheint, daß im Plenum möglichst wenig Erörterungen stattfinden. Wir wissen ja, wie die vir­tuose Lügenpresse des Dreiverbands aus allem Honig ziecht. Die denkbar größte Vorsicht ist daher gerade im Plenum des Parlaments von allen Par­teien als Notwendigkeit anerkannt worden. Den hohen Grad von Takt, den bisher alle Parteien des wutschen Parlaments bewiesen haben, werden sie sicher­lich auch diesmal — hoffentlich rest- und ausnahmslos — Wen. In der teilweise vertraulichen Kommissions­beratung können alle Dünsche, Beschiverden und Klagen über Wirtschaffs- und sozialpolitische Maßnahmen des Bundesrats wie der Einzelreaierungen zum Vortrag kommen. Sie werden sicherlich der Regierung nicht er­spart werden.

Für große politische und militärische Erörterungen wird zunächst wenig Lust und Neigung bestehen. In der großen Politik haben noch immer und ausschließlich bis auf weiteres nur unsere Heerführer und un­ser« heldenmütigen Armeen das Wort. Der

Augenblick für solche Erörterungen wird freilich in nichst allzu ferner Zeit auch kommen müssen. Die Be­sprechungen des bekannten ,,Kriegsziel"-Artikels in der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" durch das preu- zische Abgeordnetenhaus kann ja bereits als die erste Probe für die zu erwartenden hochpolitischen .Friedens­erörterungen gelten. Vielleicht hat man in einem ge­wissen Kreise den Artikel absichtlich mißverstehen wollen. Es wäre ungemein unklug, wenn,der Reichskanz­ler, der eine starke Volksstimmung hinter sich nötig hat wie das liebe Brot, eine falsche Scharfmacherei gegen eine verständige Erörterung der Kriegsziele treiben würde. Eine solche Absicht nehme ich aber auch durchaus nicht an.

Wir hoffen, daß auch die zweite und dritte Lesung des Etats ohne scharfe Polemik der Par­teien unter sich auf die Erörterung praktischer, wirt­schaftspolitischer (Ernährungsfragen) und sozialpoliti­scher Fragen (Kriegsfürsorge) sich in der Hauptsache beschränken wird.

Eine Reihe kleiner Einzelausgaben (Regelung .des Falles W eiterig usw.) wird rasch zu erledigen sein.

Die ganze deutsche Station hat den Wunsch, und dieser Wunsch stößt auf volles Verständnis 'bei der Volksvertretung, daß in denselben würdigen und exak­ten Formen, in denen das Parlament seit Kriegsbeginn seine Aufgaben erfüllt, es auch diese ordentliche Tagung zum Segen des Vaterlandes durchführen, wird. Einig und geschlossen, bls der Sieg über den äußeren Feind errungen ist! Die gute Disziplin -der politischen Par­teien im deutschen Parlament bürgt neben dem Patrio­tismus dieses Parlaments 'dafür, daß die 'deutsche Volksvertretung auch diesmal dasselbe Bild einiger Entschlossenheit und zurückhal­tender Klugheit bieten wird wie die deutsche Heeresleitung.

Zur parlamentarischen Lage.

(Eigene Meldung unserer Berliner Schriftleitung.)

Br. Berlin, 9. März. (Ktr. Bln.) Die Reichstagsfraktion der Fortschrittlichen Volkspartei war heute nachmittag um 4 Uhr zur ersten Sitzung nach der Pause zusammengetreten. U. a. erstattete der Vorsitzende Bericht über die Be­sprechungen, die der Stellvertreter des Reichskanzlers am Abend z.uvor mit den Parteiführern gehabt hatte. Die morgige Sitzung wird vermutlich rein formell sein, ins­besondere steht noch nicht fest, ob der Kanzler an der Sitzung teilnShmen wird, ebensowenig, ob der neue Reichs- schatzsekretckr schon morgen seine Etatsrede halten und sich gleich 'dem neuenKriegsministererstbeider zwei­ten Etatsberatung dem Plenum vorstellen wird. Die Dauer der Tagung wird wesentlich davon abhängen, ob sich auch dies­mal das R e d e b e d ü r f n i s ähnlich wie bei den ersten Tagungen einschränien lassen wird. Alle Parteien, auch die Sozialdemokraten, sollen, so viel man hört, zu solcher Selbstbeschränkung bereit sein. In diesem Falle würde der Reichstag wahrscheinlich schon am 24. oder 28. März sich aufs neue vertagen können.

Der Rrieg.

Zur Verletzung der Dardanellen.

(Von einem deutschen Sonderberichterstatter.)

W. T.-B. Konstantinopel, 9. März. (Nichtamtlich.) Der Sonderberichterstatter des W. T.-B. berichtet aus den Dardanellen: Ter Samstag brachte eine neue

Entwicklung des Kampfes. Die Eröffnung des Feuers fand nach der üblichen Methode aus großer Entfernung gegen die Batterien von Dardanos und gegen die Forts von Medschidie statt, welche erwiderten und trotz der großen Entfernung Treffer erzielten. Bald nach dem Beginn der Beschießung griff ein eng­lischer Dreadnought von der Bucht von Saros mit indirektem Feuer über den Berg und die Landzunge auf europäischer Seite in den Kampf ein. Wie Ihr Berichterstatter von einer Beobachtungs­stelle in dem Gefechtsbereich der Forts von Hamidie be­merkte, schlugen die Granaten teils in das europäische User, teils in das Wasser, wo sie platzten. Am Nach­mittag überflogen abirrende Geschosse das Fort Hamidie und schlugen in einen entfernten Acker rin, wo sie ge­waltige Erdschollen anfwarfen. Tic türkischen Batterien erwiderten das Feuer und zwangen mit w o h l ge­zielten Schliffen die e n a l i s ch e n Schiffe zum Rück zu g. Am Abend durchschlug ein Granatsvlitter das Dach eines leeren Hauses. In dem Dorf Tschanak- Kale ist die Bevölkerung völlig ruhig, vre verbündeten Geschwader ror den Dardanellen

Haag. 8. März. (L. N. N.) Nach englischen Blättern nehmen zurzeit folgende Schiffe an der Aktion gegen die Dar­danellen teil: „Queen Elisabeth" (27 500 Tonnen, 1913 er­baut), „Agamemnon" (16 500 Tonnen, 1906 erbaut), „Swist- sure" (11 800 Tonnen, 1903 erbaut), „Triumph" (11800 Tonnen, 1903 erbaut), „Cornwall" (14 000 Tonnen, 1901 er­baut), „Jrresistible" (15 000 Tonnen, 1908 erbaut), „Canopns"

(12 960 Tonnen, 1897 erbaut). „Albion" (12 950 Tonnen, 1898 erbaut), „Ocean" (12 950 Tonnen, 1898 erbaut), „Vengeance' (12 950 Tonnen, 1899 erbaut), „Prinz Georg" (14.900 Tonnen, 1895 erbaut). — Von französischen Schiffen: „Charle- magne" (11260 Tonnen, 1895 erbaut), „Gaulois" (11260 Tannen, 1896 erbaut), „Bouvet (12 500 Tonnen, 1896 erbaut) und der russische Kreuzer „Askold" (6500 Tannen, 1900 erbaut).

Enver-Pascha an der Dardanellenfroirt.

W. T.-B. Konstantinvpel, 9. März. (Nichtamtlich.) Den stellvertretende Generalissimus Kriegsminister E n v et - Pascha inspizierte gestern die Dardanellen und drückte seine lebhafte Befriedigung über die heldenhafte Ver­teidigung der Meerenge aus. Dann besuchte er etwa fünf­zig Verwundete, die er belobte, namentlich den Sergeanten Mehmed, und überreichte ihnen dabei die vom Sultan ver­liehenen Auszeichnungen. Die Antworten der Sol-' daten gaben Zeugnis von ihrem trotzigen Mut und der Ver» achtung gegen die Engländer. Alle sind von dem Wunsche beseelt, bald wieder in den Kampf zu ziehen.

Die Beschießung völlig ergebnislos.

W. T.-B- Konstantinopcl, 9. März. (Nichtamtlich.) Der Berichterstatter des „Tanin" in den Dardanellen schreibt, daß die über 14 Tage währende Beschießung an den türkischen Batterien keinen Schaden verursacht habe.

Eine große Offensive der Verbündeten auf allen Fronten.

Br. Kopenhagen, 9. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Dem „Extrabladed" wird aus London tele­graphiert: Niemand in England zweifelt daran, daß

die D a r d a n e I l e n b e s ch ie ß u n g die _ G t n = leitung einer großen Offensive der Verbündeten aus allen Fronten ist. Dieser Generalangriff wird auf allen Fronten gleichzeitig einsetzen. In Groß­britannien sind in allen Lazaretten die außerordentlich­sten Vorbereitungen getroffen worden.

Trügerische Hoffnungen eines englischen militärischen Sachverständigen.

Nr. Kopenhagen, 9. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Zu dem Angriff gegen die Dardanellen schreibt der militäri­sche Mitarbeiter des „Times", Oberst M a u t h e : Das Vor­gehen der Verbündeten gegen die Meerenge beweise, daß das stanzösisch-englische Heer sich an der Westfront gegen­über dem deutschen Heere sicher fühle. Das Vordringen der Verbündeten nach Konstantinopel bedeute aber nichts weniger, als die U m f o r m u n g des Aussehens der europäischen Karte, za der Weltkarte.

Die türkische Kriegsmedaille auch für Angehörige der verbündeten Streitkrifte.

W. T.-B. Konstantinopel, 9. März. (Nickst nntlich) Durch ein kaiserliches Jrade wird bestimmt, daß die bronzene Kriegs­medaille auch an Angehörige der verbündeten Arinecn und der Marine sowie an Krankenpfleger verliehen werden kann.

Die Lage im westen.

Hervö über die mißlungene französische Offensive in der Ehampagne.

Br. Genf, 9. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Gustave Hervö bespricht in seinem Blatte „La Guerre Sociale" jetzt die mißlungene französische Offensive in der Champagne. Trotz des Optimismus, der in den franzö­sischen Schlachtberichten an den Tag gelegt wird, schreibt Herde, wird man finden, daß es in der Champagne nicht vorwärts geht, und daß man da ein blutiges un­nützes Spiel unternimmt, um sich die Köpfe gegen eine Mauer einzurennen. Es wäre bei weitem besser gewesen, wenn man eine deutsche Offensive gegen die ftanzö- sische Linie abgewartet hätte und den Feind an den französischen Graben sich bätte erschöpfen lagen und dann mit frischen Truppen zu einem kräftigen Gegenangriff vorge- gangen wäre.

Die französischen Tagesberichte.

W. T.-B. Paris, 8. März. (Nichtamtlich.) Amtlicher Bericht von gestern nachmittag: In der Champagne nichts Bedeutendes. Die gemeldeten Fortschritte wurden ausge- breitet. Gegen tlbend eroberten wir außerdem Schützen­gräben nordwestlich Souain. Die zwischen Perthes und Beau-Sejour eroberten Schützengräben haben eine Aus­dehnung von 400 bis 500 Meter. Wir machten Gefangene, darunter mehrere Offiziere. Im Gebiete der Maas- hohen beschädigte unsere schwere Artillerie nach den Be­richten von Gefangenen ein 42-Zentimeter-Geschütz schwer, welches der Feind in Stellung gebracht hatte. Das Geschütz mußte abmontiert und zur Ausbesserung zu­rückgeschickt werden. Vier Mann der Bedienungsmannschaft wurden getötet, sieben verletzt. In Lothringen rückten wir nördlich Badonviller vor. In den Vogesen am Reichs­ackerkopf machten die Deutschen heftige Gegenangriffe. Am späten Nachmittag konnten sie einen Augenblick auf dem Grate Fuß fassen, aber unsere Alpenjäger warfen sie nach wütendem Nahkampf zurück. Wir blieben endgültig Herren des Reichs­ackerkopfes. Der Feind erlitt äußerst schwere Verluste. Im Oberelsatz, südlich des Bahnhofs Burnhaupi, wurde ein