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Dienstag, 9. März 1915.
Nbend-Kusgabe.
Nr. 114. ♦ 63. Jahrgang.
wieder 5550 Russen gefangen!
Der Tagesbericht vom 9. März.
Ein Er oig auf der Loretlohöhe. — 256 Gefangene. — Kämpfe in der Champagne und In den Vogesen. — Vermiedene bedeutende Erfolge in polen.
W. T.-B- Großes Hauptquartier, 9. März, vormittags. lLmtlich.)
westlicher Kriegsschauplatz.
Auf der Loretlohöhe entrissen unsere Truppen den Franzosen zwei weitere Gräben, machten 6 Offiziere, 2Sv Mann zu Gefangenen und eroberten zwei Maschinengewehre sowie zwei kleinere Geschütze.
In der Champagne sind die Kämpfe bei S o u a i n noch nicht zum Abschluß gekommen. Nordöstlich von L e m e s . n i I wurde der zum Borbrechen bereite Gegner durch unser Frner am Angriff gehindert.
In den B o g e s c n erschwerten Nebel und Schnee die GrfechtStätigkeit. Die Kämpfe westlich von M ü n st e r und nördlich von S e n n h e i m dauern noch an.
Destlrcher Kriegsschauplatz.
östlich und südlich von Augustow scheiterten russische Angriffe unter schweren B e r l u st e n für den Feind.
Nordöstlich von L o « z a ließ der Feind nach einem miß- ungeneu Angriff 8VV Gefangene in unseren Hände«.
Nordwestlich von O st r o l e n k a entwickelte sich ein Kampf, der noch nicht zum Abschluß kam.
2» den für uns günstig verlaufenen Gefechten nordwestlich und westlich von Praschnüsch machten wir 3VVÜ Gefangene.
Russische Angriffe nördlich von R a w a und nordwestlich von R o« « m i afto hatten keinen Erfolg. 1750 Russen
wurde» hier gefangen.
Oberste Heeresleitung.
Der Krieg im Grient.
Der türkische Bericht.
Erfolglose Beschiehung der Forts von Smyrna und der Dardanellen. Line empfindliche Niederlage der Engländer im Irak.
W. T.-B. Konstantinopel, 9. März. (Nichtamtlich.) Aus dem Großen Hauptquartier wird gemeldet: Gestern beschossen drei feindliche Panzerschiffe,
ohne eine Wirkung zu erzielen, drei Stunden lang aus der Ferne mit langen Zwischenpausen die Forts von Smyrna, worauf sie sich zurückzogen. Vormittags setzte» sie das ebenfalls wirkungslose Feuer eine Stunde lang fort. Diese beiden Beschießungen richteten keinen Schaden an und verursachten keine Verluste. Am Nachmittag beschosien vier englische Kriegsschiffe mit Zwischenräumen unsere Batterien an den Dardanellen austerhalb der Treffweite unserer Batterien; sie zogen sich dann, ohne rin Ergebnis erzielt zu haben, nach Tencdos zurück. Ein feindlicher Kreuzer im Golf von Saros, der die Umgebung bei Harwb und Bulair beschoß, wurde von zwei Granaten aus oer Brücke getroffen. — Als die Engländer versuchten, längs des Flusses Karun im Irak vorzugchen, erlitten sie eine neue Niederlage. Drei Bataillone englischer Infanterie mit zwei Schnellsenergeschützcn und zwei Berg- geschntzen, eine Maschineuaewehrabteilung^ und eine Eskadron versuchten am 3. März unsere Stellung in der Gegend von Ahraz anzugreisen. Nachdem unsere Truppen und Freiwillige einen Gegenangriff unternommen und der Feind 4 0 0 Tote und Verwundete verloren, sowie eine große Zahl von Ge- s a n g e n e n in unseren Händen zurückgelassen hatte, floh er durch den Karnnfluß in Unordnung nach seinen südlich Berber und Naßrie festgemnchten Schiffen. Unter den Toten befand sich ein englischer Major und vier andere Offiziere. Wir erbeuteten zusammen mit allem Zubehör und Munition 3 Kanonen, 560 Gewehre» 200 Pferde und eine große Menge Sanktätsmaterial. Unsere Verluste sind unbedeutend.
wie es in Wirklichkeit um die englisch-französischen „Erfolge" in den Dardanellen sieht.
W T-B Berlin, 8. März. (Nichtamtlich.) Bon best- nnterrichteter Seite geht uns über die Lage bei den Dardanellen folgende Mitteilung zu: Die Meldungen der eng
lischen Admiralität, die von bedeutenden Erfolge« der Verbündeten bei dem Angriff auf die Dardanellen zu berichten, wiffen, sind augenscheinlich nur darauf berechnet» einen moralischen Druck auf die Bal!anstaaten anszn- üben und bei den Neutralen Stimmung zu mache». Tatsächlich hat aber noch kein Fahrzeug der Verbündete» bisher das Minenfeld erreicht und keine einzige Mine ist weggeräumt worden. Die Landungsversuche am 6. d. M. bei Knm-Kaleh und Ted-ul-Bal sind völlig gescheitert. An beiden Stellen wurden die Angreifer unter großen Verlusten durch Bajonettangriffe der türkischen Truppen zurückgcworfen und inS Meer gettieben. Die inneren Dardanellensorts haben noch gar nicht in den Kampf rinae- griffen. Die Stimmung in Konstantin-pel ist ruhig und zuversichtlich. Das politische und wirtschaftliche Leben geht seinen gewohnten Gang.
Zur neuen veschietzung der Forts von Smyrna.
Berlin, 9. März. (Ktr. Bln.) Das Konstantinvpeler Blatt „Turan" meldet aus Smyrna: Vier englische Kreuzer und sechs Torpedoboote erschienen gestern vor dem Hafen von Smyrna und bombardierten die Forts. Unsere Batterien eröffneten hierauf das Feuer. Unsere Granaten trafen ein feindliches Kriegsschiff, das sofort das Feuer e,nstellte und sich aus der Feuerlinie zurückziehen mutzte. Ern zweite^ Kreuzer wurde am Mast getroffen. Von der Küste aus konnte man bemerken, wie mehrere Verwundete von feindlichen Kreuzern auf ein Spitalschiff verbracht wurden. Ferner wurde ein englischer Transportdampfer zum Sinken gebracht. In der Stadt Smyrna herrscht vollkommene Ruhe. . . ,
22 französische Truppentransportdompfer nach den Dardanellen.
Rom, 8. März. (Frkft, Ztg.) Der „Messaggero" meldet: Das Paketboot „Tolemaide" begegnete bei Malta 2 2 fra n -
rösischen Truppentransportdampfern, die
von französischen Panzerschiffen begleitet waren und sich auf der Kabrt nach den Dardanellen befanden.
Lin grotzer französischerpanzer in denvardanellen verloren?
Pichon warnt vor übertriebenen Hoffnungen.
Bon der schweizerischen Grenze, 7. März. (K. Z.) AuS Konstantinopel meldet man, datz ein grotzer französischer Panzerkreuzer in den Dardanellen auf Grund geraten und datz es unmöglich sei, ihn wieder flott zu machen. Du Nachricht bedarf der Bestätigung — oder sollte man auch in Paris bereits von diesem oder ähnlichen Mitzgeschicken etwas wissen? Jedenfalls ist es auffallend, daß plötzlich der ehemalige Minister des Nutzern, Pichon, in den Optimismus, womit bis jetzt die ganze französische Presse die Erfolge der vereinten Tätigkeit der englischen und französischen Flotte in den verheihendsten Farben geschildert hat, einen warnenden Ton zu bringen für angebracht findet. „Um jeder Über-, raschung zu entgehen" übcrschreibt Pichon einen Artikel zu diesem Vorgehen und erläutert dieses Wort folgendermatzen: So sehr man in den Erfolg des Vorgehens gegen die Dardanellen Vertrauen haben darf, so sehr ist es aber auch notwendig, sich in diesem Falle vor unbedachtem Optimismus in acht zu nehmen. Das englisch-französische Geschwader hat eine sehr schwere Sache unternommen; daraus, datz es bis jetzt noch keinen grohen Schwierigkeiten begegnet ist, darf man nicht schließen, datz es sie bis zum Ende wird vermeiden können. Die doppelte Expedition zu Wasier und zu Lande,
die darin besteht, die Meerenge zu bezwingen und Konstant!, nopel zu nehmen, ist nach dem, was diejenigen Stellen vorausgesehen haben, die den Plan gefaßt haben und um jeden Preis ausführen wollen, dem auSgesetzt, ans Hindernisse und Widerstände zu stoßen, die herabzusetzen unvorsichtig wäre. Pichon mahnt deshalb, keine halben Maßregeln anzuwenden, denn der Einsatz sei zu groß.
Der frühere bulgarische General vimitris w als „Eroberer Konstanlinopels" ausersehe > ?
Sofia, 6. März. Man will hier wissen, datz General Radko Dimitrijew von seinem Kommando in Galizien nach Petersburg berufen sei, um seine Ernennung zum Kommandeur einer Armee zu erhalten, deren Aufgabe sein werde, zur Eroberung von Konstantinopel mitzuwirken. Hier herrscht die Annahme, datz trotz des Menschenbe- d a r f s auf dem Hauptkriegsschauplatz Rußland für diese ihm so wichtige Unternehmung Truppen finden wird. Eine russische Anerkennung der türkischen
Eapfer^ait.
W. T.-B. Petersburg, 8. März, (Nichtamtlich.) Der Berichterstatter des „Rjetsch" meldet: In den Kaukasus
kämpfen zeigen die Türken eine überraschende Hartnäckigkeit und todesverachtenden Mut. Die Türken werden auch unterstützt durch die topographische Lage, die sie vorzüglich ausnützen. Besonders vorzüglich schlagen sich die Konstantinopeler Truppen. Der Berichterstatter erzählt von einer kleinen Abteilung türkischer Truppen, die vor
einer erdrückenden Übermacht russischer Truppen weder flüchtete noch sich ergab, söndern bis zum letzten Augenblick im Bajonettkampf standhrelt und schließlich rmedcrgemacht wurde, obwohl sie Gelegenhest gehabt hatte, die Stellung zu räumen.
Oie Pariser Enttäuschung überden Nabinettswechfel in Griechenland.
Der Rücktritt des Ministeriums Venizelos hat in Frankreich überrascht und verstimmt. Während trotz dieser Verstimmung der „Ternps' abwarten will, bis man den wahren Grund des Rücktritts kenne, geht aus der sonstigen Pariser Presse deutlich genug hervor, wie gut man an der Serne über den Grund des Rücktritts bereits unterrichtet ist. Die Stellungnahme gegen ein Kabinett Zairnis und der Ausdruck der Erwartung, datz englischer Einfluß jedes andere Ministerium als ein neues Kabinett Venizelos unmöglich machen werde (!), lassen keinen Zweifel darüber, daß Venizelos zurücktrat, weil seine Hinneigung zum Dreiverbände von König Konstanttn nicht gebilligt wurde. Der griechische Gesandte in Paris ist also nach Athen mit einem Sack Versprechungen gelangt, ohne damit den Übergang von der bisherigen Neutralitätspolitik Griechenlands zu einer Einmischungspolittk herbeiführen zu können: letzterer war wohl Venizelos, nicht aber König Konstantin geneigt. Wenn ein süddeutsches Blatt umgekehrt in Venizelos den Vorkämpfer der Neutralitätspolitik, in König Konstantin den Anhänger einer Einmischungspolitik erblickt, so ist das durchguH.Irrtümlich. Die realpolitt s ch e Beurteilung der Weltlage im allgemeinen und der Bedürfnisse Griechenlands im besonderen ist auf seiten dev Königs. Datz Kömg Konstantin sich hierbei im Kronrate vereinzelt gesehen habe, entspricht wiederum nicht den Tatsachen; denn der Chef des griechischen Generalstabes D u s m a n i teilt den Standpunkt König Konstantins. Ob für die Auffassung beider die militärische Gesamtlage der Kriegführenden oder die Widerstandskraft der Dardanellen oder die Rücksicht auf das griechische Heer und Finanzlage den Ausschlag gegeben habe, mutz dahingestellt bleiben. In jedem Falle beweist das belanglose Ergebnis der schon geraum» Zeit währenden Dardanellen-Beschietzung, wie sehr der Dreiverband sich verrechnet hat, als er von der Möglichkeit einer raschen und opfeiarmen Dardanellen-Bewältigung träumte. Die Feststellung dieses Sachverhaltes vor aller Welt hat einen dicken Strich durch die Rechnung des Dreiverbandes gezogen, mit der Dardanellen-Beschietzung als einem Bluff irgend welchen neutralen Staat auf die Seite des Dreiverbandes zu bringen. Datz König Konstantin und je». Eeneralstabschef, unbeirrt durch billige dreiverbändte» rische Angebote, weder vor Konstantinopel dem Dreiverband« die Kastanien aus dem türkischen Feuer holen mögen, noch dazu beitragen wollen, datz griechische Lebensinteressen mit griechischer Hilfe durch eine Fesffetzung der Dreiverbandsmächte in den Meerengen aufs schwerste gefährdet werden, darf bis zu einem gewissen Grade vielleicht als typisch für die augenblickliche Stimmung aller in Frage kommenden neutralen Staaten angesehen werden. In diesem Zusammenhänge erscheint die Pariser Enttäuschung über den Rücktritt des Kabinetts Venizelos besonders begreiflich.
Der Umschwung der Stimmung in Griechenland.
»r. Athen, 9. März. (Eig. Drahtbericht. Ktt. Bln.) Es unterliegt keinem Zweifel, datz die Entscheidung des Königs Konstantin und des Generalstabschefs zugunsten des Friedens von dem größten Teil der Athener Bevölkerung dankbar begrüßt wurde und selbst die früher der Regierung nahestehenden Zeitungen, die gestern den Krieg als u n - vermeidlich ansahen und ihn wünschten, behandeln ihn nach der durch den Rückttitt Venizelos neugeschaffenen Lage nüchtern und objektiv. In einem Teil der Presse herrscht die Meinung vor, daß die Regierung nicht genügend positive Garantien besaß, um das Land in einen zweifelhaften Krieg zu stürzen. Eine Zeitung betont, datz der König diesmal nicht als unverantwortlicher Monarch, sondern als verantwortlicher Generalissimus zum Heile des Landes gehandelt habe. Zweifellos ist in Athen für den Entschluß des Königs eine übergroße Majorität vorhanden.
Ein Anschlag ans König Konstantin vereitelt?
Mailand, 8. März. (Frkf. Ztg.) Nach einer Athener Meldung ist der epirotische Bandenführer Athanasius Kutzior in Athen verhaftet worden, weil er einen Anschlag auf dos Leven des Königs organisierte.
Der englische Druck auf Griechenland.
Br. Konstantinopel, 9. März. (Eig. Drahtbericht. Ktt. Bln.) Eine aus Athen eingetroffene Meldung besagt, daß England von Griechenland kategorisch ein politisches Glaubensbekenntnis verlangt habe, mit der Drohung, die Herrschaft Griechenlands im Ägätschen
