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Vienstag, 9. März 1918. lI?9?gEN - Ur. 113. » 63. Jahrgang.
Der Urieg.
Der österreichisch - ungarische Tagesbericht, vielfache Erfolge in Russisch-polen. — vernichtende Verluste der Russen in den ttarpathen. — Empfindliche russische Schlappe in Sirdost- galizien. — Insgesamt über 2200 Gefangene.
W. T--B. Wien, 8. März. (Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: Durch die noch andauernden Kämpfe in Russisch-Polen wurden vielfach Erfolge erzielt, der Gegner aus mebrercn vorgeschobenen Stützpunkten und Schützenlinien unter st arten Verlusten geworfen. Gleichen Erfolg Hatte ein kurzer Vorstoß unserer Truppen an der Front in W e st g a l i z i c %, wo im Raume bei G o r - l i c c eine der feindliche» Schützenlinien durchbrochen und ernc Ortschaft »ach blutigem Kampfe erobert wurde. Mehrere Offiziere und über 500 Mann des Gegners sind gefangen.
In den Karpathen wird hartnäckig gekämpft. Im Raume bei Lukow setzten die Rüsten gestern nachmittag einen Angriff mit starken Kräften an. Unter Einsetzung neuer Verst ärkungen wurden die gelichteten Reihen des Gegners stets erneuert und mit allen Mitteln oorgetrieben und der Angriff trotz schwerer Verluste dreimal bis nahe an unsere Stellungen vorgctragen. Jedesmal scheiterte der letzte Ansturm der Rüsten unter vernichtenden Verlusten an unseren Hindernislinien. Hunderte von Toten liegen vor den Stellungen. In einem anderen Abschnitt der Kampffront gingen eigene Truppen nach abgeschlagenen ruffischen Vorstößen überraschend zum Angriff über, e r - o b e r t e n eine bisher von dem Gegner stark besetzte Kuppe und machten 10 Offiziere und 700 Mann zu Gefangenen. Auch uf einer benachbarten Höhe wurden 1000 Rüsten gefangen.
In Südostgalizen holte sich starke feindliche Kavallerie, die gegen einen Flügel unserer Stellungen noliert vorging, eine empfindliche Schlappe.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. H ö f e r, Feldmarschalleutnant.
3um Untergang der russischen 10. Armee.
W.T.-B. Berlin, 7. März. (Nichtamtlich.) Aus dem Großen Hauptquartier wird uns übet den Untergang der russischen zehnten Arniee noch solgendes geschrieben:
Am 21. Februar hatten die Reste der zehnten Armee im A u g u st o w e r F o r st e die Waffen gestreckt, nachdem alle Versuche des russischen Armeeführers Generals Sieders, mit den ihm verbliebenen über ben Bodr und nach Grodno entkommenen Armeeteilcn die eingekesselten vier Divisionen. herauszuhauen, unter schwersten Verlusten gescheitert waren. Der Wald von- Augnstow barg eine ungeheure Beute. Sie zu bergen, war keine Kleinigkeit, da die deutsche Truppe auch in den auf die Kapitulation folgenden Tagen eine Anzahl russischer Angriffe abzuwehren hatte, die von frischen feindlichen Truppen aus der Festung Grodno heraus und über den Bobr hinweg geführt wurden. Trotzdem trafen schon vom 23. Februar ab die ersten erbeuteten Geschütze in Suwalki und Augustow ein, deren Zahl sich von Tag zu Tag vermehrte, so daß hier große Parks von je achtzig bis hundert Geschützen jeden Kalibers entstanden. Längere Zeit beanspruchte die Bergung der übrigen Beute. Da lagen ungeheure Mengen in dem Waldgebiete östlich von Augustow bis hinauf nach Makakze. Auf der großen Straße nach Grodno zwischen Augustow und Lipszk waren allein etwa fünfzig vollgefüllte russische Munitionswagen stehen geblieben. Auch der Weg über Czarnybrod - Rndafta - Supotzkin zeigte auf Schritt und Tritt die Spuren des russischen Rückzuges. Nahe diesen beid-en Straßen begegnet man rm Forste überall flüchtig aufgeworfenen russischen Schützen- grüben und Schützenlöchern sowie notdürftig errichte- ren Erdhütten oder Erdlöchern. Schier unermetz- * t ch wurde die Beute in dem Grodno zugelegenen südöstlichsten Teil des Augustower Forstes, wo die eingekesselten vier Divisionen die letzten Tage zugebracht und wo sie schließlich auch kapituliert haben. Bei dem Vorwerke Ljubinowo zählte man allein hundert Kriegsfahrzeuge aller Art. Losgertssene Artillerie- und Bagagepferde umschwärmten zu Dutzenden das Vorwerk, viele davon trugen noch ihre ganzen Geschirre, andere hatten sich dieser schon entledigt. Ähnliche Bilder waren bei den Dörfern Markowitz und Bogatyri zu beobachten. Bei Wolkusch betrug die Zahl der liegeng ebliebenen Munitionswagen und
Fahrzeuge der Gefechtsbagage mehrere hundert. Ganz Stapel russischer Gewehre waren hier aufgeschichtet, daneben la»en Fernsprechgeräte und Geschirre in großer Zahl. Am größten aber war das Bild der Zerstörung in dem Waldgelände Mischen Gut Wolkusch und Vorwerk Mlyneck. Hier lagen ganze russische Bagagekolonnen, die vom deutschen Artilleriefeuer niedergemacht worden waren. Bei Vorwerk Mlyneck erlitt eine anscheinend rm Übergang über den Wolkuschbach begriffene Munitionskolonne ein gleiches Schicksal. Die gefüllten, Mum- tionswagen lagen hier teilweise umgestürzt rechts und links des Weges beiderseits des Baches. Einige Fahrzeuge wurden von den durchgehenden Pferden bis ans Wasser gezogen und kippten hier um. In dem tiefen Mühlenschachte hingen zwei Pferde, die in ihrer Verzweiflung hineingesprungen und hinuntergestürzt waren, da sie anscheinend die Brücke selbst versperrt vorge- sunden hatten. Bei Bartnicki und Staroshintzy sinder man die Spuren des letzten russischen Widerstandes rn Gestalt von Schützengräben und Erdlöchern. Don hier ans machten die Russen die letzten Versuche, den eisernen deutschen Ring zu durchbrechen. Ans der Wegstrecke zwischen Mlyneck und Bartnrcki lagen Hunderte schwerer russischer Granaten, die hier von den Kanonieren entweder fortgeworfen oder bei der Kapitulation liegengeblieben waren.
Von nicht unerheblichem Interesse ist eine Reihe russischer Befehle, die in den Befehls- und Telegraphenbüchern der Bagagen der höheren Stäbe gesunden wurden. Wir geben den Wortlaut von einigen dieser Befehle hier wieder: Das Oberkommando der
russischen zehnten Armee erläßt am 5. Dezember __ den folgenden Befehl: „Der Oberbefehlshaber hat pünkt
lich Befolgung des Befehls der Obersten Heeresleitung angeordnet, wonach beim Angriff alle m ä n n - lichen Landeseinwohner in arbeitsfähigem Alter vom zehnten Lebensjahre «b vor sich herzutreiben sind." Befehl > vom 5. Dezember: „Der Oberbefehlshaber der Nordwestsront teilt telegraphisch mit, daß bei ihm täglich Klagen der Landeseinwohner über Plünderung einlaufen. . Es sollen dagegen die schärfsten Maßnahmen ergriffen werden. Es sind Fälle vorgekommen, daß feindliche Truppen unsere Dörfer durchzogen und diese völlig unberührt ließen, während unsere eigenen Truppen diese Dörfer hinterher a u s g ep l ü n d er t haben. Es ist sehr bedauerlich, daß solche Fälle in unserer Armee Vorkommen." Befehl vom 7. Februar: „Der Höchstkommandierende hat befohlen, auf die sich häufenden Fälle des Fehlens jeder Verbindung längs der Front und bei den hintereinander- liegenden Truppenteilen hinzuweisen. In dieser Hinsicht ist die Nachlässigkeit soweit gegangen, daß letzthin zwei zum Angriff angesetzte Truppenteile statt gegen den Feind gegeneinander selbst vorgegangen sind und sich im Feuergefecht Verluste zufügten, woher sie erst aus Entfernung eines Bajonettangriffs Halt machten." Befehl vom 9. Februar (Rückzugsbefehl): „Geschütze, die nicht mitgenommen werden können, sind zu vergraben, Verschlüsse und Aufsätze sind herauszunehmen und wenn möglich in den nächsten See zu versenken. Die G e s ch o s s e sind mitzuführen und wenn dies unausführbar, zu versenken." (Nach Gefangenenaussagen wurden in Ostpreußen schwere Geschütze vergraben und die betreffende Stelle mit einem Holzkreuz verschen, rm, ein Russengrab vorzutäuschen.) Der Chef der Gendarmerie des Kreises Suwalki ordnete an: „In letzter Zeit beginnen Briefe unserer Kriegsgefangenen einzutreffen. Es ist ausgefallen, daß Briesschreiber, um ihre Brrefe schneller zum Ziele gelangen zu lassen, zu der Lrst greifen, das Leben in der Gefangenschaft rn g u n st i - gern Lichte erscheinen zu lassen. Die unintelligenten Empfänger dieser Briefe können sich hierdurch eine verkehrte Vorstellung der, wie bekannt, sehr schweren Lobeirsbedrngungen unserer in feindlicher Gefangen- schaft befindlichen Soldaten nrachen und auf diese Weise eine verführerische Wirkung auf unsere Truppen ausüben. Die Verbreitung solcher der Wahr- heit nicht entsprechenden Mitteilungen bei den Truppen und Dienstpflichtigen erscheint unerwünscht." Dieselbe Stelle erließ am 29. Januar folgende als ganz geheim bezeichnete Weisung über die Behandlung deutscher kriegsgefangener Offiziere: „Nach Mitteilungen, die dem Stab des Dünaburger Militärbezirks zugegangen sind, sind in letzter Zeit wieder Fälle beobachtet worden, in denen Kriegsgefangenen, besonders Offizieren, zu weitgehende Aufmerksamkeiten und V e r g ü rr st i g u n g c n zuteil werden. Der Ober- konnnandierende des Bezirks befiehlt daher die strengste Befolgung folgender Vorschriften: 1. Kriegsgefangene Offiziere sind in Wagen dritter Klasse, aber getrennt von den Mannschaften, zu befördern. Sie dür- fen ihre Burschen nicht bei sich behalten; diese
sind vielmehr mit den übrigen Mannschaften zu befördern. 2. Als Ofsizrersquartiere sind die gleichen Räume wie für Mannschaften auszusuchen, aber getrennt von diesen. 3. Die Offiziere erhalten dasselbe Essen wie die Mannschaften. Besondere Vergünstigungen sind durchaus unstatthaft.
Eine Ehrung Hindsnburgs durch) eins türkische Gemeinde.
Br. Konstantinopel, 8. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bin.) Die Gemeinde Sonic in Kleinasien hat beschlossen, dem Generalfeldmarschall v. Hindenbnrg als Zeichen der Verehrung einen kostbaren türkischen Teppich zn schenken, der die masurischen Seen darstellen wird.
Der „Hindenburg"-LaZarettzug.
Auf die Meldung von der Fertigstellung des „Hinden- burg"-Lazarettzuges hat Generalfeldmarschall v. Hinden - bürg an die Vorsitzende des'Posener Mobilmachungsaus- schnstes, Frau v. Strantz, folgendes Telegramm gerichtet: „Euer Exzellenz danke rch herzlichst für Me Benachrichtigung von der Fertigstellung des DereinS-Lazarettzuges ..Hindenbnrg". Möge er dazu beitragen, die Verwundeten, deren sich das Rote Kreuz der Stadt Posen in so hervorragen- der Weise annimmt, baldigst der heimatlichen Pflege zuzuführcn. Allen denen, die dazu Leigetragen haben, das Werk zu fördern, bitte ich, meinen herzlichsten Dank übermitteln zu wollen, v. H i n d e n b u r g".
Ein friedliches Stimmungsbild aus Russisch-Polen.
In einem von Polen und Juden bewohnten Städtchen har das preußische Militär für Kriegszwecke die lange Hauptstraße mit prächtigem neuen Pflaster aus regelmäßig behauenen schlesischen G r a n i t ?t e i n e n versehen. Nie hatten die Ein- wohner solch vollkommene Straßenanluge gesehen. Zwar war die neue Psiasterung den russischen Beanrten schon mehrfach bezahlt worden, aber es war stets bei irgend einer holprigen Belegung mit unregelmäßigen, abgenutzten Geröll- steinen geblieben. Die Freude der Bewohner war so groß, daß eines Tage? eine Abordnung beim deutschen Befehlshaber erschien, um ben Dank der Bevölkerung auszusprechen und die Erlaubnis zu erbitten, die schöne neu angelegte Sttahe — „H inden vur gstr aß e" benennen zu dürfen! Nur vor etwas äußern die über die deutsche Ordnung glücklichen Bewohner ihre Furcht, nämlich vor einer etwaigen Rückkehr der Russen!
Aus dem polnischen Hilfskomitee.
Br. Wien, 6. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Ein Mitglied des von dem polnischen Dichter sienkiewice begründeten polnischen Hilfskomitees hat sich in Paris ohne Vor- wrflen des Vorstandes an den Botschafter Jswolskr wegen Übernahme des Ehrenpräsidiums eines sogenannten Polentages .gewendet. Jswolski und seine Frau nahmen an. Als diese Nachricht im Kreise der polnischen Gesellschaft m Paris bekannt wurde, haben sofort einige Mitglieder des Komitees ihre Demission überreicht. JswolSki legte dann das Ehrenpräsidium nieder.
Zum angeblichen „ruthenischcn Verrat" an Österreich.
u. p. Aus dem Lager im Thal erbos in Österreich wurden 180 Galizianer entlassen, die dort unter dem Verdacht der Spionage überwacht wurden und deren vollkommene Schuldlosigkeit sich heransgestellt hat. In den nächsten Tagen erfolgen weitere 120 Entlassungen. Das Verfahren gegen sie wurde schon vor längerer Zeit eingestellt, aber ihre Entlassung schien wegen der Gefahr der Über, tragung des im Lager herrschenden Fleckfiebers untunlich. Ein Teil der Entlassenen kommt in das Flüchtlingslager nach Leibnitz. Jenen, die über entsprechende Mittel verfügen, ist Freizügigkeit gewährleistet.
Wegen Friedenspropaganda nach Sibirien verbannt.
St. Petersburg, 7. März. Wie „Rutzkoje Slowo" meldet, wurde der Bürgermeister der Stadt Kiolowodok (im Gebiet des Schwarzen Meeres) Biegoff, wegen intensiver Propaganda zugunsten des Friedensschlusses nach Sibirien verbannt.
vom französisch-belgischen Uriegsscha'uplatz.
ver franzSsischs Rbendbsricht.
W. T.-B. Paris, 8. März. (Nichtamtlich) Amtlicher Bericht von gestern abend: Nördlich Arras bei Notre Dame de Lorette versuchten die Deutschen einen Gegenangriff, konnten jedoch nicht Vordringen. In der C h a m p a g n e, westlich von Perthes, faßten wir in sehr stark befestigtem Gehölz Fuß und machten Gefangene. Nördlich Perthes war- reu wir einen Gegenangriff zurtick. Wir gewannen auf der Kuppe nordöstlich Le Mesnil Gelände und eroberten einen neuen Schützengraben nördlich Beausöjour. Im Walde von Consenvoye (nördlich Verdun) ivarfen wir einen Gegenangriff zurück. In den Vogesen rückten wir auf den Hängen des Reichsackerkopfes vor und machten Gefangene. Am HartmannSweilerkovf warfen wir fiinf Gegenangriffe zurück.
stur Ausmusterung der früheren Dienstuntauglichen in Frankreich.
W. T.-B. Lyon, 8. März. (Nichtamtlich.) Der „Nouvel- liste" meldet aus Baris: Bei der erneuten Untcwsuchnna der
