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Montag» 8. Marz 1915.
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Kbend-Kurgtlbe. Nr. 112. . 63 . Jahrgang.
Oer Urieg.
Der Tagesbericht vom 8. März.
Erfolgreicher Gegenangriff in der Champagne. Russische Angriffe verlustreich zurückgeschlagen. 1300 Russen gefangen.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 8. März.
(Amtlich.)
westlicher Kriegsschauplatz.
Feindliche Flieger bewarfen Ostende «it Bomben, die drei Belgier töteten.
Die Kümpfe in der Champagne dauern fort. Bei S o u a i n wurde der Feind gestern abend im Handgemenge zurückgcschlagen. Nachts setzte der Kampf wieder ein. In der Gegend nordöstlich von Le M e s n i l mißglückte ein feindlicher Angriff nachmittags gänzlich. Unser nächtlicher Gegenangriff war erfolgreich; 140 Franzosen wurden gefangen genommen.
Im Priester-Walde, nordwestlich Mn Pont-a- Mousson, wiesn wir französische Vorstöße ab.
In den B o g c s c n sind die Kämpfe in Gegend westlich M o u s s o n, wiesen wir französische Borstöße ab. schlossen.
«vestlicher Rrregsschauplatz.
Südlich von Augustow scheiterten russische Angriffe unter schweren Verlusten für den Feind.
Bei S o m j a sind weitere Kämpfe im Gange.
Westlich von P r a s ch n ü s ch und östlich von Plozk machten die Russen mehrere vergebliche Angriffe.
Bei R a w a schlugen unsere Truppen zwei russische Nachtangriffe ab.
Russische Borstöße aus Gegend Nowo Miasto hatten keinen Erfolg; die Zahl der gefangenen Rüsten betrug dort 15vv Mann.
Oberste Heeresleitung.
Griechenlands Zchicksalsstunde.
Venizelos' Rücktritt und der Krieg um den Krieg.
„Gibt's ein Vergnügen, so sind's die Grieche n", hat der Altmeister Gosche einmal versichert. Ein nicht geringer Teil der Griechen, denen sich das klassische Hellenentum mit den Erfolgen der beiden Balkankriege zu einem Großmachtsrausch verknüpft, hÄt offenbar den Weltkrieg 1914/15 für ein Vergnügen, bei dein sie auch mitmachen möchten. Die rührige D i p l o n; a t i e des Dreiverbandes hat in Athen alle Minen springen lassen, die griechische Presse ist sehr zugänglich, die öffentliche Meinung in Neuhellas aber außerordentlich leicht zu beeinflussen. Dazu kommt neuerdings, daß der englisch-französische Vorstoß gegen die D a r d a n e I l en, der mit e r- logenen Erfolgen aufgeputzt wurde, auch die bisher nüchterner denkenden politischen Kreise Athens in eine Erregung versetzt hat, die vielleicht begreiflich, .aber vom höheren politischen Standpunkt aus, nichtsdestoweniger sehr undiplomatisch ist — um uns höflich auszudrücken.
Was zunächst die Operationen der englischen und französischen Flotte gegen die Dardanellen, den Zankapfel Europas, betrifft, so sind die Griechen doch nahe genug am Schuß, um zu wisse n, daß mit der Beschießung, ja selbst mit der Niederzwinguug der ä u ß e- ren Dardanellenforts gar nichts getan ist, bezw. Wäre, und daß das dicke Ende in diesem Falle das dünne ist, nämlich die eigentliche Meeren g e, in welche die englische Flotte, falls sie es wirklich ernstlich wollte, Menfalls hinein, — aus der sie jedoch schwerlich wieder herauskäme. Wir betonten aber schon früher, daß man überhaupt nicht an den Ernst der englischen Aktion zu glauben vermag, daß man die Briten nicht für so dumrn halten kann, ihre Flotte zn opfern, um Konstautinopel für die Russen zu erobern. Wenn die Presie des Zarenreiches jetzt mit unverkennbarer Besorgnis sehr entschieden betont, daß K o n st a n t i n o p e l den Russen z u- fallen müsse, so macht das stark den Eindruck, als ob man in Petersburg glaubte, die Engländer hätten es nur so eilig, um den Russen in Konstantinopel zu- vorzu kommen.
Wenn aber bei dieser verfrühten Teilung des Bärenfells Griechenland im Bunde der Dritte sein möchte, dann zeugt das sür die naive Denkungsart des Hellenenvolkes. Es ist ja bekannt, daß dieses von solchen Träumen erfüllt ist, daß es den Besitz Salon i- ki s nur als eine Etappe auf dem Wege nach Konstantinopel, dem alten Byzanz, ansieht, und daß auch dem vom einstigen kretischen Rebellen zum mäch-
tieften Mann in Griechenland, zum Ministerpräsidenten und Kriegsminifter, avancierten und jetzt demststo- nierten Venizelos der Traum emes neu- griechischeu Kaisertums vorschweüt. Allem Träume sind Schäume, und wenn bisher die Türken den griechischen Großmachtsfanatikern den Weg nach Byzanz versperrten, so würden die Russen oder öre Engländer, wenn sie erst am Goldenen Horn saßen, das zweifellos noch viel gründlicher tun. Der Glaube, daß Großbritannien oder das Zarenreich sich mit dem kleinen Griechenland in den Besitz teilen konnten, ist ein Köhlerglaube, der an die griechische Leichtgläubigkeit allzuviel Anspruch stellt.
Freilich der Dreiverband hat es an Versprechungen gegenüber Griechenland nicht fehlen lassen, denn er war immer nobel auf anderer Leute Kosten. Sogar das Wilajet Smyrna hat mmi den Griechen noblerweise „vermacht", mit dem freundlichen Anherm- stellen, es von der Türkei zu erobern. Bedingung ist aber außerdem, daß die Griechen die Dardanellen erobern helfen, denn wenn auch ihre kleine, 24 Schisse fast durchweg älteren Datums umfassende Flotte erm- germaßeii belanglos ist, so könnten sie dem Drerveroand doch das stellen, was ihm vor den Dardanellen fehlst nämlich eine Landmacht. Venizelos hat sich lange gesträubt, den Forderungen der Kriegspartei nachzugeben. Die festeste Stütze der Friedenspartei bildete' von jeher.der König, der immer wieder dar- auf hinwies, daß das Land bei diesem Kriege wenig zu gewinnen und viel zu derlieren habe, um so mehr, da ein Anschluß Griechenlands an den Dreiverband notwendigerweise Bulgarien auf die Gegenseite treiben müßte. König Konstantin steht Mit seinen Sympathien so entschieden auf seiten Deutschlands und der Donaumonarchie, daß er am Geburtstage Kaiser Wilbe.lms preußische Uniform anlegte, und als Venizelos sich endlich hon der Kriegspartei breitschlagen ließ, setzte der König dieser Schwenkung so entschiedenen Widerstand ent- regen, daß der Ministerpräsident seine Demission ein- 'eichte.
Damit stehen die Dinge in Griechenland so, wie sie ,ot der beabsichtigten Schwenkung standen, and man darf wieder Hoffnung hegen, daß in dem Lande die gesunde Vernunft zum Durchbruch tommt wie bei den anderen Staaten, uni deren Seele England ringt. Englands Doppelspiel sollte eigentlich durchsichtig genug fein. Wie es cm geschwächtes Frankreich und Rußland erstrebt und bereits erreicht hat, so möchte es auch noch ein schwaches Italien und ein schwaches Griechenland haben, um später als arbiter mnoäst als Schiedsrichter der Welt, übrig, zu bleiben, ebenso wie das Zarenreich ein dringendes Interesse an der Schwächung aller B alkansta a t e n hast um der Beherrscher des Balkans zu werden. Sollte man in Griechenland, rn Rumänien und in Italien, welches Zweifellos durch seine Diplomatie weit mehr zu erreichen hoffen könnte als durch sein nie vom Kriegsglück begünstigtes Heer, dies heimtückische Doppelspiel nicht durchschauen?
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Fum Siege des griechi-cken ttönigs über die Rriegsvartei.
Berlin. 8. März. (Ktr. Bin.) Im ,^Serl. Tagbl." erklärt Theodor Wolfs, daß die italienische Frage sich infolge der Dardanellenangelegenbeit zwar noch verschärft habe, daß Mer beruhigende Möglichkeiten vorhanden seien, die freilich im Augenblick noch keine Sicherheit sind. Zwischen Italien und Rumänien bestehe keine zwingende Verbindung, aber die Haltung Rumäniens könne von den italienischen Entscheidungen beeinflußt werden. Gerade setzt könne nur ein stärker äußerer Anlaß Rumänien vom Verlassen der bisher unter der ruhigen Leitung Bratianus eingeschlagenen Richtung drängen. — Zur Demission des Kriegshetzers Venizelos wird ausgesührt, daß Venizelos Fehler darin gelegen haben, daß er nicht gewußt habe, daß auch das Schicksal der Türkei auf den Schlachtfeldern Polens und N o r d f r a n k r e i ch s m i t e n t s ch i e d e n werde und daß nach Verschickung der griechischen Truppen Bulgarien, das du: Verlust Salonikis nicht verschmerzt habe, sicher auch ein Wort mitreden würde. Zaimis, Venizelos' vermutlicher Nachfolger, entstamme einem berühmten griechischen Politikergeschlecht, sei setzt Gouverneur der Nationalbank und gehöre zurzeit keiner polit'schen Partei an. Immerhin dürste sich der König durch sein kühnes Vorgehen die Kriegshetzer nicht dauernd vom Halse geschasst haben.
Mailand, 7. März. (Ktr. Frkft.) Nach Informationen des „Corriere della Sera" ist der Widerstand des griechischen Kronrats gegen die Lockungen der Entente auf den Generalstabschef Ausmann und den General Dusmanis zurückzujühren.
Die Stellungnahme des griechischen Generalstabs
Berlin. 8. März. (Ktr. Bln.) Der „58. 2.41.“ meldet zu der griechischen Ministerkrise, daß der energische Entschluß des Königs als ein Beweis dafür genommen werden kann, daß die Pressemeldungen über die Zustimmung des General» stabschefs zu Venizelos' Vorgehen irrig waren und daß der Generalstab sich im Gegenteil völlig den Entschlüssen deS Königs angeschloffen hat. — Auch die römische Presse ist, wie der „58. 2.41." meldet, überzeugt, daß König Konstantin die Vorschläge Venizelos auf den Rat des Generalstabschefs, der ein Eingreifen Bulgariens fürchtete, abgetehnt hat.
Das neue Nentralttatsministerkmn.
Br. Berlin, 8. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Mn.) In gut unterrichteten diplomatischen Kreisen in 58erlin glaubt man nach den letzten hier eingetroffenvn Nachrichten annehmen zu können, daß es dem vom König Konstantin zur Kabinettsbildung berufenen früheren Ministerpräsidenten Alexander Zaimis gelingen wird, ein Ministerium zustande zu bringen. Wenn man aus der Person Zaimis auf die Farbe seines Kabinetts schließen kann, so wird es sowohl in der inneren wie der auswärtigen Politik neutral sein. ES gewinnt den Anschein, daß diese von König Konstantin in kluger Weise festgehaltene Richtung selöst in denjenigen politischen Kreisen, die einer Intervention geneigt sind, so weit Verständnis findet, daß zu Besorgnissen wegen der inneren Lage keine Veranlassung vorliegt.
Der Eindruck der griechischen Entschlüffe in Italien.
Zürich, 7. März. (Köln. Ztg.) In Italien rief die Nachricht von dem Ausgang des Kronrats in Athen erhebliche Überraschung hervor. „Corriere della Sera" bemerkt, offenbar halte der König den entscheidenden Augenblick noch nicht für gekommen und wolle sich die Freiheit des Entschlusses noch Vorbehalten. Er habe den Dreiverbandsmächten wohl die griechischen Häfen zur Verfügung gestellt, möchte aber rn Berlin nicht versstmmen. Immerhin bedeute der Entschluß nicht einen Umschwung zugunsten Deutsch- lands. „Secolo" führt ans, Venizelos habe dem Dreiverband ungefähr 100000 Mann zur Verfügung stellen wollen. Der König übernehme nun eine schwere Verantwortung. Der „Perseveranza" erklärt ein Balkandiplomat, der Entschluß des Königs sei nrcht als endgültig anznsehen; wahrscheinlich fei die angebliche Spannung zwischen dem König und Venizelos nur vorgetäuscht, um für alle Fälle freie Hand zu haben.
Salandra und Giolitti.
Zürich, 7. März. (ft. Z.) Die „Stampa" berichtet aus Rom, Salandra und Giolitti hätten die internastonale Lage einer längeren Besprechung unterzogen, die durch den gegenwärtigen Finanzminrster T a n e o veranläßt worden fei. Salandra habe sich zu Giolitti in dessen Privatwohnung begeben; die beiden Politiker seien in voller Übereinstimmung und von dem Ergebnis der Unterredung sehr befriedigt geschieden. Die Tastache allein, daß diese Unterredung stattgefun- den habe, sei von größter Bedeutung.
Die feindlichenMitzerfolge vor de« Dardanellen
IV. T.-B. Konstautinopel, 7. März. (Nichtamtlich.) Das Hauptquarster teilt folgende ergänzende Einzelheiten über das heutige Bombardement mit. Die englischen Schiffe „Majestic" und „Jrresisttble" verstärkten die feindliche Flotts. Aber durch das Feuer unserer Batterien wurde ein französischer Panzerkreuzer außer Gefecht gesetzt und ein englischer Panzerkreuzer beschädigt. Infolge unserer Beschießung zogen sich die feindlichen Schiffe um 3*4 Uhr zurück und stellten das Feuer ein. Unsere Batterien -haben keinerlei Schoden erlitten.
Be. Konstautinopel, 8. März, (Erg. Drahtbericht. Ktr, Bln.) Bisher ist die Beschießung der Dardanellen ohne jedes nennenswerte Ergebnis geblieben. Nur ganz vereinzelte Außenwerke wurden zum Schweigen gebracht, während die eigentlichen Verteidigungswerke noch keinerlei Beschädigungen erlitten hÄben. Zwei Linienschiffe, von denen eines der „Vi?toria"-Klasse, das andere dem „Aoomemnon"-Typ angehört, begannen kurz nach Mittag ein heftiges Feuer auf das Fort Medjidte, das keinen Schaden angerichtet hat. Zahlreiche Geschosse fielen zu kurz und krepierten im Wasser. Gegen- Ende der Beschießung stieg ein feindlicher Flieger auf, der eine Bombe warf, aber durch das Feuer der Forts bald vertrieben wurde. Die Beschießung, die vier Stunden dauerte, hat keinerlei Panik verursacht; die Bevölkerung ging ihren alltäglichen Beschäftigungen nach. In den Kanonendonner klang vom Minaret die Stimme des '-luessin, der die Gläubigen zum Nachmittags» gebet rief.
Wahrnehmungen eines italienischen Kriegsberichterstatters.
Br. Mailand, 8. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. BlnI Der auf türkischer Seite zugelassene KriegskorrespondeNt der „Italic;" meldet von den DardanellenbefesstgUALLN, Lech
