Nr. 111*.
S«itr 4« _ Mvrgen-Ltttsgabe. Erstes 4klarr. _ WWS»«rSrner CagMilN.
neu. Man sagt, daß der französische Gesandte Chccdas wegen Unstimmigkeiten mit der Regierung demissioniert habe. Gestern verhinderte in Lissabon Polizei und Kavallerie eine van den Demokraten einberufene Versammlung. Bar dem Parlamentsgebäude erfolgten Fest- naftinen.
Teneruugsunruhen in Italien.
Mailand, 5. März. i.Frks. Ztg.) Aus Aviano, Feltre und Belluno, kleinen Orten Venetiens, werden Unruhen tn- folge der Teuerung und der Arbeitslosigkeit gemeldet. Einige Lebensmittelläden wurden gestürmt. Mit den Kirchenglocken wurde Sturm geläutet. Nach einigen Verhaftungen war die Riche wiederhergestellt.
Eine Lebensmittelkrise in Spanien.
W. T.-B. Paris, 5. März (Nichtamtlich.) „Petit Puristen" meldet aus Madrid: Die Minister traten gestern zu einer Besprechung zusammen, um darüber zu beraten, welche Maßnahmen angesichts der in ganz Spanien geplanten Kundgebungen infolge der Lebensmittelkrise ergriffen Iverden sollen. Die Minister ließen nach der Besprechung eine halbamtliche Note an die Presse gelangen, in der erklärt wird, daß die Getreidereserven augenblicklich den Bedürfnissen des Landes genügen. Außerdem seien von den Bereinigten Staaten und von Argentinien Angebote gemacht worden.
Eine Studenten-Kundgebnng für die Verbündeten in Madrid.
W. T.-B. Paris, 5. März. (Nichtamtlich.) „Echo de Paris" meldet aus Madrid: Studenten veranstalteten gestern abend eine Kundgebung zugunsten der Verbündeten. Sie durchzogen die Stadt und brachten vor den Gesandtschaften der Verbündeten Hochrufe aus.
vir militärischen Vorkehrungen Griechenlands.
Br. Wien, 6. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Hinsichtlich der Vorgänge in Griechenland hält man es hier für wahrscheinlich, daß die griechische Regierung militärische Vorkehrungen beschließt, die zunächst eine bewaffnete Neutralität ergeben würden. Ein offenes Abschwenken Griechenlands von der Neutralität wird nicht für wahrschein, lich gehalten.
Der Arbeitsplan und die Vertagung des A bgeor dueten Hanfes.
W. T.-B. Berlin, 6. März. (Nichtamtlich) Der Senioren- kondent des Abgeordnetenhauses hielt eine Besprechung über die Frage der Vertagung des Landtags ab. Es wurde einst i m m i g beschlossen, bei der Regierung dahin zu wirken, daß die SBÖemöffmtng Ende M a i etntritt, da unter Umständen die gegenwärtigen Zsitverhöltmsse schleunig« Maßnahmen, wobei die Mitwirkung des Landtags erforderlich ist, notwendig machen kennten. In der Sommersession könnte dann auch das Fischereigesetz, möglicherweise auch das Wohnungsgesetz erledigt werden, das letztere, sofern es gelingt, die noch bestehenden Meinungsverschiedenheiten zu beseitigen. Der Präsident des Abgeordnetenhauses nahm fük die nächsten Tage folgenden Beratungsplan in Aussicht: Montag, 8. MS«, 1% Uhr: Zentralgenossenschaftskaffe, direkte Steuern, indirekte Steuern, Finanzministerium mit kleinen Nebenetats und StotSgefetz; Dienstag, 9. M«cz, 11 Uhr: Beratung des Antrags des Staatsministeriums, betr. die Pertagung beider Häuser des Landtags, dritte Beratung des Etats, zweite und dritte Beratung des Eisenbahnanleihe- gesetzes mit der Kleinbahndenkschrrft, zweite und dritte Beratung des Knappschaftskriegsgesetzes, Verordnung, betr. die Bildung von Genossenschaften zur Bodenverbesserung, und Verordnung, betr. Zusammensegung von Moorländereien. Bon Mittwoch, 10. Pärz, bis Samstag, 13. März, sollen keine Sitzungen statkffnden. Montag, 15. März, soll das Haus vertag werden.
Aus der Zlschereigesetzkommifsion des Abg eordnetewhcmfes.
(Eigener Dcahtbericht unserer Berliner Schriftleitung.)
8. Berlin, 6. März. (Ktr. Bln.) Die Fifchereikom- nrission des Abgeordnetenhauses beendete gestern abend die zweite Lesung des Gesetzes. An wesentlichen Abände
rungen^ der Beschlüsse erster Lesung sind hervorzuheben: 1. der Fischereischein soll nicht vom Landrat, sondern von den Fischereibesitzern erteilt weiden; 2. für 'den Fischerei schein dürfen weder Stempel noch Gebühren erhoben werden; 3. der Fischererschein kann Personen versagt werden, die keinen Wohnsitz im Deutschen Reiche haben. Ferner wurde eine Resolution angenommen, die die Regierung anffordert, zur Förderung der Fischzucht reichliche Mittel in den Etat ein- zustellen.
Das Eiserne Rreuz erster Masse
erhielten: Major Karl v. Hagen, Generalftabsosfizier der 42 . Division; aus den Reihen der deutschen Durnerschcrft: General Schoch vonr Turnverein Ulm; Oberstleutnant Passavant vom Turnverein Neu-Ulm; Major Bass er- mann vom Mannheimer Turnverein; Hauptmann von Stockhausen vom Turnverein Trendelburg; Unteroffizier Simon vom Männerturnverein Ober-Glogau; Oberjäger Schellenberger vom Turnverein Jahn. Altlöbau; Karl Eapraro vom Turnverein Steinbach; Hallenberg und Paul Saffian von der Hamburger Turnerschaft von 1816, dem ältesten Turnverein.
Das Beileidstelegramm des Kaisers an Frau von Bock und Pollach.
W. T.-B. Berlin, 6. März. (Nichtamtlich) Der Kaiser sandte an Frau v. Bock und Pollach nach der „B. Z." folgendes Telegramm: „Großes Hauptquartier, 5. März. Zu dem Hin- scherden Ihres Gatten spreche ich Ihnen mein herzliches Beilerd aus. Ein treuer Offizier, vorbildlich in seinem Leben und Wirken, geht mit ihnr aus unserer Mitte. In großer Zeit im Kriege geschult, hat er seine reichen Erfahrungen in höchsten Stellen für die Armee nutzbar gemacht. Die Früchte seiner Tätigkeit können wir jetzt ernten. Meines Dankes und des der Armee ist der Entschlafene sicher. Gott tröste Sie in Ihrem Schmerz. Wilhelm, l. R.".
Der evangelische Oberkirchenrat zu Berlin und die zweite Kriegsanleihe.
Der evangelische Oberkirchenrat zu Berlin hat durch die Konsistorien alle kirchlichen Vermögensverwaltungen innerhalb der Landeskirche auffordern lassen, sich nach Kräften an der Zeichnung der zweiten Kriegsanleihe zu beteiligen. Auch haben alle Geistlichen Arrweifung erhalten, bei ihren Gemeindegliedern di« Beteiligung an der Zeichnung zu fördern. Für die vom Oberkirchenrat selbst, bezw. von eigenen Vorständen verwalteten kirchlichen Zentralfonds sind bisher auf die zweite Kriegsanleihe rund 4250000 M. gezeichnet worden, nachdem bereits auf die erste Kriegsanleihe von ebendenselben Stellen rund 2 200 000 M. gezeichnet waren.
Deutscher Kelch.
dl. p. C. Die Geburt einer Prinzessin zur Lipve. Die Fürstin zur Lippe. Prinzessin von Hessen, ist am Donnerstag früh in Detmold von einer gesunden Prinzessin glücklich entbunden worden. Nach den schweren Verlusten, die das lippesche Fürstenhaus im Felde erlitten hat — es verlor mit dem ihm eng verwandten herzoglich-meiningenschen Hause zu- samnren vier Mitglieder vor dem Feinde — wird dies freudige Ereignis auch in weiteren deutschen Kreisen herzliche Anteilnahme erregen.
* Der Bnrgsriedo« für die bayerischen Landtagswahlen. München, 5 März. Nach der „Donau-Zeitung" ist zwischen den politischen Parteien in Bayern ein Abkommen dahin getroffen worden, daß für die während des Krieges sich erledigenden Landtagsmandate der Burgfrieden gewahrt werde, d h. daß die Mandate immer derjenigen Partei überlassen bleiben, die sie innegehabt hat. Es werden also Gegenkandidaten von den übrigen Parteien nicht aufgestellt
Br. Dir Landtagsnachwahl in Frauitadt-Liffa. Posen, 6. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Das polnische Provinzial-Wahlkomitee ordnete an, daß an der preußischen Landtags Nachwahl in Frwuftadt-Lissa die Polen nicht teil, nehmen sollen.
* Der Kriegsausschuß der deutschen Industrie hat soeben einen Geschäftsbericht über seine Tätigkeit während des ersten Halbjahres seines Bestehens erstattet. Der Bericht schließt sich an den bereits Anfang September veröffentlichten „vorläufigen Geschäftsbericht" an und legt Zeugnis daffr ab. daß die Tätigkeit des Kriegsausschusses mit der
Sonntag, 7. Marz 1915.
Dauer des Krieges einen ständig wachsenden Umfang angenommen hah und daß er fortgesetzt vor eine Fülle neuer Aufgaben gestellt worden ist. Dabei ist zu berücksichtigen, daß der Geschäftsbericht insofern nur ein unvollständiges Bild von der gesamten Tätigkeit des Kriegsausschuffes zu geben Vev- mag, als gerade seine wichtigsten Arbeiten nach Lage dar Sache einen derart vertraulichen Charakter tragen, daß sie vor weiteren Kreisen nicht erörtert werden können. Alles in allem entrollt der Bericht trotz der Selbstbeschränkung, die er sich aus den oben angeführten Gründen aufeolegen mutzte, ei« erfreuliches Bild reger und erfolgreicher Tätigkeit des Kriegsausschusses der deutschen Industrie im Dienste, unserer Kriegswirtschaft und in der Mitarbeit an der Lösung der ebenso vielseitigen wie schwierigen und ernsten Aufgaben, die ihr gestellt sind, und deren Bedeutung die Voraussetzung dafür war und Reibt, daß wir den Krieg auch wirtschaftlich unbekümmert um seine Dauer durchzuhalten vermögen.
. Rechtspflege und Verwaltung.
TM. Justiz-Personalien. Die Referendare Dr B a n s a W e st e r rm Bezirke des Oberlandssgertchts zu Franfturt am Main wurden zu Gerichtsassessoren ernannt.
Heer und Slotte.
Personal - Beränderungen. Meisenheldor (Wies, baden). Lt. d. Res. d. Fußärt.-Rezts. Nr 13, jetzt im Landw.» Futzart.-B. 13, zum Oberleutnant befördert. * Hensgen, Oblt d. Landw. a. D. (Wiesbaden), zuletzt von d. Landwc- FeKdart. 2. Ausgeb. (Siegen), jetzt bei den Mun.-Kot des
12. Res-Korps, zum Hauptm. befördert. * Frhr. v. Brau- d i s. Qberleut. der Landw. a. D. (WiesbM>'N), zuletzt von der Landw.-Äav. 2. Aufgeb. (Wiesbaden), jetzt beim Stabe des Gen.-Äom. emes Res.-Korps. zum Rittm befördert * Hummrich, Unteroff. im Pion.-Bat. Nr, 25. jetzt beim Plon.-Regt. Nr. 25. zum Fähnrich befördert. * Weicke. Oberst von der Armee, bisher Kom. des Jns.-Regls. Nr 56. mrt der gesetzlichen Pens, zur Disp. gestellt und zum Kam. des Landw-Bezirks 1 Kassel ernannt. * Graf v. Matuschka Frhr. v. Toppolczan u. Spaetgen, Lberstleut. und Bats.-Kom. im Jnf.-Regt. Nr. 165. mit der gesetzlichen Pens, zur Disp gestellt und gleichzeitig zum Kom. des Landw.- Bezirks 2 Darmstadt ernannt. * Loebell (Höchst) Bize- wachtm., jetzt beim Ers.-Bat des Fußart.-Rc-grs. Nr 3 zum Leut, der Landw-Feldart. 1. Amgeb. befördert. * Schmitt, Leut der Res. a D. (Mainz), zuletzt der Res. des Fußarü- Regts Nr 3 (Mainz), jetzt im Landst -Fuhart.-Bat des
13. (K. W.) Armeekorps. zum Oberleut, befördert, * Koeth,
Wmor rm Feldart.-Regt Nr. 44, kommandiert zur Dienst- lefftung berm Kriegsminister mm in das Kriegsminiftermm versetzt und trat Wahrung der Geschäfte eines Abü-Choss be auftragt. _
£tus Stato und Land.
Wiesbadener Nachrichten.
Die Woche. V
Das Wiesbadener Kreiskomitee vom Roten Kreuz hat bekanntlich unter dem Motw: „Gold gab ich für Eisen" einen Ausruf erlassen. Wie man uns mitteilt, hatte der Auf. ruf bereits einen recht schönen Erfolg: der Wert der bis heute gegen Broschen und Vorstecknadeln aus Eisen hinge- gebenen Wertgegenstände beläuft sich bis jetzt auf etwa 15 000 M. Unsere Juweliere und Goldschmiede haben sich m anerkennenswertester selbstloser Weise der Sache angenommen; ihrer Mitarbeit verdankt man zum großen Teil den Er- folg des „Tauschgeschäfts", bei dem, • wie wir kürzlich schon ausgefithrt haben, nicht nur zwei, sondern sogar drei Teile ge- Winnen: der fteundliche Spender das beglückende Gefühl, Gutes getan zu haben, und ein Erinnerungszeichen an den Weltkrieg 1814/15 von unschätzbarem persönlichen Wert; das Rote Kreuz Mittel für seine wohltätige und im höchsten Grade gemetnnützige Arbeit; der Staat Edelmetall für die Münze. Der dreifache Zweck des Austausches von Gold und Silber gegen zwar schlichtes, aber unendlich wertvolles Eisen wird jedenfalls noch viele Schmuckkästen öffnen, er ruft lauter noch, als es dev in der vorliegenden Nummer des „Wiesbadener Tagblatts" enthaltene, von zahlreichen angesehenen Mitbürgern unterstützte Aufruf des Kreiskomitees vom Roten Kreuz tut: Bringt eure überflüssigen Gold- und Silbersachen zu unseren Juwelieren und Goldarbeitern! Wir sagten, die Sammlung habe bereits einen schönen Erfolg gehabt, und gewiß sirü> 15000 M. eine schöne runde Summe. Aber es darf noch besser kommen. Wenn in Frankfurt für 250 000
das arme Weib sah sich wohl zwanzigmal um, obgleich ihr
Mann ihr's stteng verboten hatte. Wären sie bloß um die Ecke, eh's losgeht, dachte ich immerineins. Auf die Biester vor uns, die schon ihre Flinten im Anschlag hielten, hatt' ich gar nicht mal acht. Da knallt es los: der erste fällt, der
zweite fällt — sie können ja nicht mal zugleich schießen. Keine Zucht drin. Ich war vielleicht der fünfte. Da hö' ich's schreien: „Vati, Vati!" und wie ich grad seh', daß die
nächsten drei auf uns angelegt haben, kommt der kleine Bengel auf — mich —Herr von Parpat machte eine Pause.
„Wurden sie gerührt?" ftagte Klotilde leise, während er die Augen mit der Hand bedeckte.
„I, Gott bewahre.-So was kennen die nicht. Sie»
knallen kos, ich spür' einen Schlag an der Schulter, aber gleichzeittg auch, daß jemand meine Beine umfaßt. Ich fiel um, und wahrhast'ger Gott, ich hatt' dabei noch den Gedanken: „Reiß das Kind mit!" — Ich kann bloß' neu Augenblick betäubt gewesen sein, denn ich hör' Trommelwirbel und Schreien und Rennen. Ich lieg noch einen Augenblick, spür' das Kind neben mir sich"regen und denk': Donnerwetter, das find doch preuß'sche Trommeln? Also ich richt' mich auf und seh' die Gebundenen schon um mich herumtanzen und von den Kosaken bloß noch die letzten ganz hinten in der Sttaße. Die, unseren Wcwen da, und bei ihrem ersten Trommelschlag hatte das Mordgesindel die Flinten hingeworfen und war gerannt."
Klotilde faltete die Hände.
„Wer der Jubel, als unsere Feldgrauen nun einrückten — unbeschreiblich! Wenn man so was gefeh'n hat, meint man, man kann nie wieder von elendem Dasein reden. Das wär' was für dich gewesen, Miesekatz."
„Ich f&m ja, RkBert, ich — nein, Worte können das nicht ausdrück sn!"
Me warf sich auf das Bett zurück und weinte. Er streichelte sanft chren weißen, geliebten Arm.
Der Heldentod Ewald von Kleists
Grrm Gedenktag des Dichters am 7. März.)
Ewald v. Kleist, der preußische Major und Säuger des .Frühlings", dessen 200. Geburtstag auf den 7. März fällt, ist •i* 1 Theodor KSrner des siebenjährigen Krieges" genannt rvmbev, und wückkich erscheint er in seiner glühenden Vater- la-ckSSech^ in jft»-r Berrrmgiu^ von .Bei« und Sctzoert".
von hoher dichterischer Begabung und unerschrockenster Tapfer
keit, in seiner Sehnsucht nach dem Heldentoüe als ein Vorläufer der Männer von 1813, der die Morgenröte eines deutschen Pcttriotismus und einer nationalen Dichtung mitherauf- führte, während die Sonnenhöhe erst mit den Befreiungs- kriegen erreicht wurde. Wie Körner hat Kleist sein Dichteit mit seinem Mute besiegelt, und sein stolzes, heroisches Sterben hat seinen Gesang erst mit jenem Schimmer der Verklärung umgeben, der noch heust auf seinen besten, aus dem Geist des Krieges geborenen Gesängen ruht. Wie der jugendliche Körner, so hatte auch der bereits gereifte Major eine deutliche Vorahnung seines Todes, als er mit seinem Bataillon in die Schlacht von Kunersdorf zog. Auch seine Sttmmung kennzeichnen die Worte, die der Lützower nach der Einsegnung der Freischar schrieb: „Diese Stunde hatte um so mehr Ergreifendes für uns, da die meisten mit dem Gefühl hitmusziehen, es fei ihr letzter Gang. Es gleicht wohl nichts dem klaren, bestimmten Gefühl der Freiheit, das dem Besonnenen im Augenblick der Gefahr lächelnd entgegentritt. Kein Tod ist so mild wie der unter den Kugeln der Feinde; denn was den Tod sonst verbittern mag, der Gedanke des Abschiedes von dem, was einem das Liebste, das Teuerste auf dieser Erde war, das verliert seinen Mermuth in der schönen Überzeugung, daß die Heiligkeit des Unterganges jedes verwundete, befteundete Herz bald heilen werde." So erzählte Kleist, als ihn am Morgen des 11. August Kameraden auf seinem Pferde eingeschlummert fanden, er habe soeben einen merkwürdigen Traum gehabt. Der Oberst, der Oberstleutnant seien in der Schlacht verwundet worden, ein Major habe das Regiment kommandiert; ob er es selbst gewesen sei, wisse er nicht, aber es sei ihm nun so seltsam zu Mute. Während der Schlacht ging Kleist mit der Infanterie des Finkschen Korps durch detttKuh- grund zum Sturm gegen die Russen vor; er stellte sich an die Spitze seines Bataillons, Rieb aber zu Pferde, obwohl er damit die Vorschrift verletzte, die dem Anführer befahl, vor der Front vom Pferde zu steigen. Wie August Sauer in seiner schönen Biographie Kleists hervorhebt, tat er dies absichtlich nach dem Grurrdsatz, den er einmal in einem Briefe äußert: „Ich dachte, dte Attacke zu Pferde mitzumachen, damit Übelgesinnte nicht sagen könnten, ich steige ab, um nicht so leicht getroffen zu werden." Im Sturmschritt vorreitend, wurde er cm der rechten Hand verwundet und dadurch gezwungen, den Lesen in die linke zu uehmeu. Als ihm dann eine weitere
Kugel den Unterarm durchbohrte, nahm er den Degen wieder in die Rechte und hielt ihn mühsam zwischen dem Daumen und den beiden unverletzten Fingern. Im Vordringen erhielt er dann noch 12 starke Kontusionen. Er rief nun die Fahnen seines Bataillons zu sich, nahm selbst einen Fahnenjunker, der schon drei Standarten ttug, beim Arm und stürmte vorwärts. Etwa 30 Schritt von der feindlichen Linie entfernt, erhielt er eine Kartätschenkugel, die ihm das rechte Bein zerschmetterte, so daß er vom Pferde fiel. Zweimal versuchte er wieder auszusteigen, aber es ging nicht, und so konnte er nur noch, am Erdboden liegend, seine Leute anfeuern. „Kinder, verlaßt Euren König nicht!", soll er ihnen immer wieder zugerufen haben. Einige Soldaten seines Regiments trugen ihn dann hinter die Front; ein Wundarzt, der ihn verbinden wollte, wurde dabei von einer Kugel getötet, und so lag er hilflos und verlassen da. Bei seinem Fall hatte die Sieges- sonne den Preußen gelächelt; nun wandte sich das Glück: die Russen drangen vor. Um den schwerverwundeten Offizier sammelten sich Kosaken, die ihn völlig ausraubten, ihm selbst .Hemd und Perücke nahmen und ihn ganz nackt in seinem Blut in einem Sumpf ließen. Weil er sie Polnisch anries, töteten sie ihn nicht. Unterdessen war die Dunkelheit hereingebrochen, und nun nahmen sich russische Husaren, die das Schl«htstld behaupteten, des Todwunden an, bedeckten ihn mit einem Mantel und erquickten ihn mit Brot und Wasser. Die ganze Nacht lag er so unter furchtbaren Schmerzen. Als morgens die Husaren forttitten, warf ihm noch einer ein Achtgroschenstück zu, dos Kleist sich anzunehmen weigerte. Dann kamen wieder Kosaken und nahmen ihm alles, was ihm die mitleidigen Husaren gegeben. Im Laufe des Tages wurde er endlich vom Schlachtfeld nach Frwitkfurt a. d. O. gebracht, doch konnten ihn die Ärzte nicht mehr retten, und er starb am 24. August. Obwohl er in russischer Gefangenschaft geendet hatte, wurde ihm doch das ehrenvollste Begräbnis zuteil. 12 russische Grenadiere trugen den Sarg, der mit dem preußischen Offi. ziersdegen und den Sporen des Gefallenen geschmückt war. Alle russischen Offiziere gingen im Trauerzuge, ihnen fRgten viele Studenten und Bürger Frankfurts. So ergreifend und erhebend war diese Bestattung, des preußischen Offiziers durch seine Feinde, daß sie noch Schiller als das erhabenste Btld eines echten Soldatenbegräbnisses vorschwebte, als er die schöne Erzählung von der Beerdigung Max Piccolominis durch die Schweden im „Walleustein" dichtete.
