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Sonntag» 7. Marz 1915.
Morgen-klusgabe.
Nr. 111. » 63. Jahrgang.
Der Urieg.
Der Tagesbericht vom 6. März. Neue Mißerfolge der Franzosen. — Nussische Angriffe wieder verlustreich zuriichgeschlagen.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 6. März, vormittags. (Amtlich.)
westlicher Kriegsschauplatz.
Den Eugläudern entrissen wir südöstlich von Ypern im Gegenangriff einen Grabe«.
Die französischen Versuche, uns aus der auf der Lorettehöhe eroberten Stellung wieder heraus- zndrängen, scheiterten. Die Angriffe wurden ab- gewicsen. 50 Franzosen blieben in unserer Hand.
In der Champagne setzten die Franzose» ihre Angriffe bei Perthes und Lemesnil fort. Alle Angriffe schlugen fehl. Im Gegenangriff entriffen wir den Franzosen ein Wäldchen nördlich Perthes und ein G r a b e n st ü ck ihrer Stellung bei Lemesnil.
Ergebnislos verliefen französische Angriffs- Versuche auf unsere Stellungen bei Vauquois und Consenvoye, sowie östlich Badonviller und nordöstlich C c l l es.
westlicher Kriegsschauplatz.
Nachdem die gesamte Kriegsbeute in dem Waldgebiet nordwestlich G r o d n o und um A u g «- stow geborgen ist, ohne daß die Russen uns trotz energischer Gegenmaßnahmen daran zu hindern mochten, stehen die dort verwendeten Truppen nunmehr für andere Operationen zur Verfügung.
Sonst um G r o d n o und bei L o m z a nichts Wesentliches.
Nordöstlich P r a s ch n ü s ch brach ein russischer Angriff unter schweren Verlu st en für den Feind zusammen. Auch nordwestlich P l o n s k wurde ein russischer Angriff abgewiesen.
Südlich der Weichsel ist nichts zu melden.
Oberste Heeresleitung.
rl-
In§"esamt 780000 Mann Gefangene.
Preußische Landtassabgeordnete in den Kriegsgefangenenlagern zu Diiberitz. — In den beiden ersten Monaten des Jahres über 200 000 neue Gefangene.
Sr. Berlin, 6. März. . (Eig. Drahtbericht, Ktr. Bln.) Die Mitglieder des verstärkten Haushaltsausschuffes des Abgeordnetenhauses und eine große Reihe anderer Abgeordneten besuchten gestern das Kriegsgefangenenlager und den Truppenübungsplatz D ö b e r i tz. Das gesamte Lager hinterließ bei den Abgeordneten den Eindruck einer musterhaften Organisation. Die Gefangenen, in bunter Mischung Engländer, Franzosen, Russen und Belgier, schienen fast allgemein zufriedener Stimmung zu sein. Die Russen, von denen viele Deutsch sprechen, sind offensichtlich ganz besonders mit ihrer Lage zufrieden. Sie sind willig und übernehmen gern Arbeit aller Art. Den Abgeordneten wurde die Mitteilung gemacht, daß bisher in den deutschen Kriegsgefangenenlagern insgesamt 780 000 Mann interniert sind. Die Gesamtzahl der bei Jahresschluß in Deutschland befindlichen und internierten Kriegsgefangenen (keine Zivilgefangenen) betrug 8838 Offiziere und 577 875 Mann. Demnach hat sich in den Monaten Januar und Februar die Zahl der Gefangenen um über200 000 vermehrt.
Der Handelskrieg gegen England.
Amerika und Lnoland.
Br. Haag, 6. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Div
Regierung der Bereinigten Staaten wird, wie „Het Baderland" mitteilt, Mitte der kommenden Woche in England einen Protest gegen die englische Ankündigung überreichen. Wiv verlautet, wird in der Note zum Ausdruck gebracht, daß das Borgehen Englands genau so gut eine Berletzung der Pariser Konvention bedeute wie die Berletzung der belgischen Neutralität durch Deutschland, für welch letztere England die Waffen ergriffen und womit es den Krieg gegen Deutschland gerechtfertigt habe. Ferner würde Amerika eine L i st e dersenigen Waren aufstellen, deren Bezug aus Deutschland es unbedingt benötige, wie auch Amerika die Unterbindung seiner Warenausfuhr nach Deutschland nichtzugebcn könne.
Schwierigkeiten im englischen Kohlenbergbau.
W- T.-B. London, 6. März. (Nichtamtlich.) Der Parlamentsberichterstatter der „Times" teilt mit: Es drohen
Schwierigkeiten im Kohlenbergbau. Der Bergarbeiterverband für Großbritannien hat für den 17. März eine National- konferewz wach Lonbon emberufen. Die Vertrauens
männer der Bergleute sammeln jetzt Informationen über die Ansichten der Mitglieder, ob eine sofortige Aktion für eine beträchtliche Lohnerhöhung angesichts der hohen Kohlenpreis« erwünscht erscheine oder nicht. Die Berichte der Vertrauensmänner sollen der Konferenz vorgelegt werden. Wahrscheinlich wird ein ausführender Ausschuß mit Smillis zum Vorsitzenden ermächtigt, den Plan zu einer Kampagne vorzubereiten. Sehr wahrscheinlich werden sodanu in den verschiedenen Bergwerksbezirken Verhandlungen mit den Unternehmerverbänden eröffnet loerden. Falls dann keine befriedigenden lokalen Abkommen erzielt werden, kann cm sehr gefährlicher Zustand eintreten.
Die Lage am Clhde.
W. T-B. London, 6. März. (Nichtamtlich.) Die „Times" meldet aus Glasgow: Die Lage am Clyde ist noch immer sehr unbefriedigend, obwohl die Arbeit wieder ausgenommen worden ist. Nur das Streikkomitee hat einen Einfluß auf die Arbeiter. Wenn die passive Resistenz erklärt würde, würde zwar wahrscheinlich nur ein Teil der Arbeiter mittun, dies würde jedoch genügen, die ganze Produktion aufzuhalten. Das Blatt fügt hinzu, der Vorwand, daß eine Firma amerikanische Arbeiter beschäftige und ihnen besondere Prämien bezahle, sei nicht stichhaltig, da dieselbe Arbeit den Clhde- arbeitern zu besseren Bedingungen angeboren worden sei, jedoch von ihnen zurückgewiesen wurde.
Ein neuer englischer Admiral.
W. T.-B. London, 6. März. (Nichtamtlich.) Vizeadmiral Jellicoe ist zum Admiral befördert worden.
Oie Aushungerung Deutschlands.
» Schon heut läßt sich übersehen, daß das deutsche Voll mit ruhiger Sicherheit und weiser Umsicht alle Vorkehrungen trifft, um die Aushungerungspläne Englands völlig zunichte zu nrachen. Wir werden mühelos beweisen, daß wir auch auf dem Gebiete der Lebensmittelversorgung durchaus in der Lage sind, uns nötigenfalls vollkommen selbständig und gut zu versorgen. Englands dunkle Absichten steigern unsere Kraft auch in dieser Hinsicht zu nie ge- ahnter Höhe. Wir lernen mit jedem Lage mehr erkennen, daß wir wirtschaftlich noch viel Größeres leisten können, als bisher. Millionenwerte liegen noch brach und kommen nun endlich zur Hebung. Ein tüchtiges, arbeitsames Volk weiß sich in jeder Lebenslage zurecht- zufinden und läßt sich weder von den großen Worten seiner Feinde noch von irgendwelchem Pessimismus anfechten.
Wenn auch manches hätte früher eingeleitet werden können, um den tiefen Eingriff in das wirtschaftliche Leben des Volles weniger plötzlich und empfindlich für den einzelnen zu machen, so kommt alle Vorsorge doch noch rechtzeitig. Ungeheure neue Bodenflächen werden der landwirtschaftlichen Nutzung erschlossen werden: allgemein erkennt man die Notwendigkeit einer verständigen haushälterischen Behandlung aller Lebensmittel: überall ist man bemüht, eine größere
Ökonomie im Wirtschastsbetriebe durch Verwertung von Stoffen (Küchenabfällen), die bisher achtlos fortgetan wurden, durchzuführen: für fehlende Rohstoffe ^werden brauchbare E r s a tz m i t t e I hevgestellt, und die Industrie stellt sich fortgesetzt mit beispielloser Energie und Schnelligkeit auf die Anforderungen der Gegenwart ein. Englands Volkswirtschaft verarmt mit der längeren Dauer des von ihm frevelhaft ins Werk gesetzten Krieges; nicht nur daß sein Handel und seine Industrie völlig lahmgelegt sind, es muß auch seine Milliardenaufträge für Kriegs- material außer Landes geben und mit seinem Gelde ausländische Arbeiter und Fabriken kräftig unterstützen und die eigenen Leute dem Hunger preisgeben. In Deutschland ist das glücklicherweise ganz anders! Da ernährt gewissermaßen der Krieg unser Volk. Viele Millionen unserer braven Arbeiter haben reichlich Arbeit und reichlich Verdienst, und neben der Industrie wird auch mehr und mehr unser Handwerkerstand mit ausgiebigen und lohnenden Aufträgen be- >dacht. Was wir für den Krieg auswenden müssen, verbleibt in der Hauptsache unserem Volke: daher hie Steigerung der Sparkassen-Einlagen, die Stärke unserer finanziellen Kriegsrüstung, die unbedingte Zu- verficht in den Sieg unserer Waffen. Unsere Wehr- mannsfrauen haben in Friedenszeiten im Berufe des Mannes mitgelernt und mitgearbeitet, so daß viele imstande sind, die Eristenz während des Krieges zu erhalten. Im gleichmäßigen Werkeltagsgetrieb unterschätzten wir vielfach unsere Kräfte: der Krieg aber hat uns das Maß unserer Leistungsfähigkeit gezeigt.
England hingegen ist weit überschätzt worden; der Krieg offenbarte seine Schwächen vor aller Welt und brachte seine unbeschränkte Weltherrschaft schnell ins Wanken. England muß heute einen großen Teil seines Reichtums nutzlos in den Schützengräben und im Meer versenken, wichtige Lebenskräfte opfern, das eigene Volk der Zersetzung entgegenführen und sich Rivalen wie
Japan großzichcn, die ihnr schnell genug gefährlich werden dürsten. Englands Bevormundungssucht der Völker ist endgültig beseiftgt. Wenn die englischen Staatsmänner meinen, durch Verlängerung des Krieges Deutschland zur Erschöpfung zu bringen, so werden sie sich auch in dieser Berechnung täuschen. Wir sind keineswegs geneigt. England zu unterschätzen; aber das ist doch klar, daß w i r, mit der längeren Dauer des Krieges, militärisch und wirtschaftlich w i d e r standsfähiger und unseren Feinden immer überlegener geworden sind, und daß sich die Verluste der Gegner mit jeder weiteren Woche beträchtlich erhöhen. Gerade England hat bisher mit der Länge der Zeit immer empfindlichere Nachteile erlitten und sich unserer Kriegsführung gegenüber immer ohnmächtiger erwiesen. Was auch immer England mit uns Vorhaben mag: es wird unsere oberste Kriegsleitung gerüstet finden: Wir fürchten nichts! Je mehr England einsetzt — desto besser; um so sicherer können wir darauf rechnen, den größten Feind und Störenfried der Welt niederzuringen. Das ist eines der ersten Kriegs- ziele! England hat den Krieg gewollt und ins Werk gesetzt; jetzt muß es auch mit voller, unbarmherziger Wucht bis zu entscheidenden Schlägen getroffen werden. Unsere Tatkraft an der Front und hinter der Front ist nicht im geringsten erschüttert, und wir haben nur einen Ehrgeiz, mit allen unseren Feinden so abzurechnen, daß ihnen die Lust, ein friedliches Volk in der friedlichen Arbeit zu überfallen, ein- für allemal vergeht.
von den östlichen Kriegsschauplätzen,
ver österreichisch - ungarische Tagesbericht.
W. T.-B. Wien, 6. März. (Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart vom 6. März: Partielle Vorstöße der Ruffen im Abschnitt östlich Petrikau in Polen jcheitertcn in unserem wirkungsvollen Artillerie- fcuer. Im übrigen hat sich an dieser Front und an jener in Westgalizien nichts Nennenswertes ereignet.
In den Karpathen dauern die Kämpfe um einige Höhensteünngcn noch an. Ungünstige Witte- rungs- und Sichtverhältnisie herrschen vor.
Im Kampfgebiet in Südostgalizien ist nach den Ereignissen der letzten Zeit vorübergehend Ruhe eingetreten.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: d. Höfcr, Feldmarschalleutnant.
Neue Schneefälle in den Karpathen.
W- T.-B. Wien, 6. März. (Nichtamtlich.) Die Blätter melden: Auf der ganzen Front, namentlich in den Kar
pathen fielen wieder gewaltige Schneemassen. Die mächtige Schneedecke im Verein mit dem unaufhörlichen dichten Schneetreiben, welches keinen Ausblick ge-> statte, machte jede militärische Aktion unmöglich. Selbst da, wo beide Fronten ganz nahe aneinander heranreichen, behindere das Wetter die Geftchtstätigkeit, so daß aesterm auf der ganzen Linie Ruhe war. Besonders unangenehm machte sich der Witterungswechsel in den Karpathen fühlbar, wo auf den Höhen ohnehin viel Schnee liegen geblieben ist, so daß hier augenblicklich jede Truppenbewegung ausgeschlossen ist.
Russische Blätter über das Vorgehen gegen Warschau.
Sr. Wien, 6. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Berichte aus Petersburg legen dar, daß die Deutschen in drei Kolonnen gegen Warschau marschieren, nördlich der Linie Ossowice-Lurza-Prüschnüsch und von Plonsl aus. Die Kriegsberichterstatter weisen darauf hin, daß erbitterte Kämpfe bei Bodzanow gleichfalls zeigen, wie sich der deutsche Vormarsch gegen Warschau vollzieht. Ossowice sei derart befestigt, daß man für die Festung nichts z u fürchten brauche, doch ständen hartnäckige Kämpfe um ihren Besitz bevor. „Rußkoje Invalid" ftihrt aus, man svlle die Deutschen nicht für unerschöpflich halten; sie verständen nur die Kunst, durch ungemein geschickte Tvuppenverschiebungen den Eindruck zu erwecken, als bekämen sie irmner frische Kräfte. Der Militärkritiker eines anderen Blattes behauptet dagegen, durch Truppennachschübe von Brabant und Limburg erhöhe sich die Zahl. der Deutschen unablässig. Man dürfe aber hoffen, daß der Vorstoß gegen Warschau ebenso wenig gelingen werde wie derjenige gegen Calais, auch wenn der Feind numerisch noch so stark sei.
Russische Armeebefehle.
Wien, 5. März. Der Kriegsberichterstatter des „Fremdenblatts" erhielt einen Einblick in erbeutete Armeebefehle der russischen 10. Armee, die für den Geist des russischen Heeres charakteristisch sind. Die Armeebefehle betreffen das Verbot der Beraubung der Gefallenen und Verwundeten durch die Sanitätsmannjchasten und die Bestrafung von Fällen von Selbstverstümmelungen sowie vor Überläufern mit dem Tode. Ein gleichfalls abgesangs-: ner Regimentsbefehl ordnet die Ausführung energischer Nachtangriffe an.
