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«ff«* jfffi?b l TOflV?.aru«a. ai ^r 3 t> m l r*i^d t mittgt c Berliner Schriftleitung des Wiesbadener Tagblatts: Berlin-Wilmersdorf Gimtzelstr. 66, Feruspr.: Amt Uhlaud 450 u. 4Y1. Tagen und Platzen wird keine Gewähr übernommen.

Samstag, 6. März 1915. flbCll6=RU$0üf>£. Ur. 110. . 63. Jahrgang.

Der Krieg.

Der Unterseebootskrieg.

Ein deutsches Unterseeboot verloren.

W. T.-B. Berlin, 5. März. (Amtlich.) Nach amt­lichen Bekanntmachungen der britischen Admiralität ist das deutsche Unterseeboot17 8" gestern abend in der Nähe von Dover durch ein englisches Torpedo­boot zum Sinken gebracht worden. Die Besatzung ist gerettet.

Der stellvertretende Chef des Admiralstabes: (gez.) Behacke.

Ein Dampfer der Hollaud-Amerika-Linie von de« Engländern angehalten.

W T.-B. Amsterdam, 5. März. (Nichtamtlich.) Der DampferSommelsdyk" von der Holland-Amerika-Linie ist von den Engländern angehalten und nach Gravescnd gebracht worden.

Ein neutrales Urteil über die verzweifelten Schritts Englands.

W. T.-B. Basel, 5. März. (Nichtamtlich) DarBasler- Anzeiger" erblickt in der Rede des englischen Premier­ministers am 1. März wohl das H e f t i g st e, was bisher au verantwortlicher Stelle gegen Deutschland gesagt worden sei. Der äußer st scharfe Ton zeigt, daß man offenbar in den englischen Regierungskreisen über den bisherigen Gang der Dinge sehr v e r st i m m t ist. um so mehr, als die Regierung 622 Millionen Pfund Sterling Nachtragskredit fordern mutz. Solche Eröffnungen, daß das Geld nicht reichen will, pflegen, zumal in Kriegszeiten, nicht gerade mit Wohlwollen ausge­nommen zu werden. Es ist sehr wahrscheinlich, daß Asquith, schon um der unbequemen Kritik des Unterhauses auszu- weichen, zu großen Tönen griff, wobei er sich übrigens ge­legentlich verhieb, denn wie man sich eine Plünderung s- kampagne unter der Oberfläche des Meeres vorslellen soll, dürfte das Geheimnis des englischen Premier­ministers bleiben. Ärger dürste besonders die Entdeckung aus­gelüst haben, daß der Unterseebootskrieg Deutschlands doch viel wirksamer ist, als man zugeben will. In den eng­lischen Häsen liegen 130 fahrbereite Schiffe, welche die Reeder nicht ausfahren lassen. Dazu kommen die Meldungen, daß sich englische Truppenteile geweigert haben, sich nach Frank­reich einschiffen zu lassen. Die Rekrutierung stockt stark, denn an der schon im Dezember gesuchten zweiten halben Million wird laut den Plakatanschlägen noch weiter ge- s u ch t. Die Anwerbung blieb seit Februar sicher bedeutend hinter den bereits tiefgeschraubten Erwartungen zurück. Zu bei dadurch verursachten englischen Blockadeansage bemerkt das Blatt: Eine große Gefahr bedeutet sie nicht mehr, da Eng­land bisher schon alles aufgehalten hat. Die nächste Folge wird eine weitere Schikane der Neutralen sein. Da fragt es sich, ob England diesmal im Ärger sich nicht zu etwas hat Hinreißen lassen, was entweder auf die Dauer undurch­führbar ist oder zu Gegenmaßregeln der Neutra­len führt, welche England sicher mehr schaden, als es durch seine neuen Maßnahmen Deutschland schadet, abgesehen da­von, daß es den Neutralen mit Hammerschlägen die Erkennt­nis einhämmert, wie gefährlich es ist, wenn eine einzelne Macht die ausschließliche Beherrscherin der See ist.

Die anhaltende Steigerung am Frachtenmarkt.

W- T.-B. London, 6. März. (Nichtamtlich.) Nach dem FachblattFair Play" ist die Tendenz am Frachtenmarkt an­haltend sehr fest bei weiterem Anziehen der Raten, wozu die Bedrohung betreffs der effektiven Blockade beiträgt. Die Frachten für Getretdeverladungen von den Bereinigten Staaten nach.Großbritannien sind um 2 Schilling per Quartres gestiegen. Das Blatt meint, daß durch diese enorme Steigerung die vorhandene Tonnage mit Beschlag belegt wird. Bon Amerika liegen phantastische Angebote für den Schiffsraum vor, und zwar für die Zeit von sechs bis zwölf Monaten; doch rät das Blatt den Reedern ab, sich auf derartige langsichtige Abschlüsse einzulassen. Die Frachten für heimkommende Schiffe vom Mittelmecr sind ungefähr unverändert, doch finden kaum Abschlüsse statt, da die Raten hier erheblich geringer sind als auf anderen Märkten. Die Frachten für heimkommende Schiffe vom L a p l a t a sind in der letzten Woche unverändert geblieben. Tatsächlich sind die Berfrmhtungen dort aber sehr gering. Das Matt meint, daß die Schwierigkeiten nur vorübergehend seien. Bei den Reedern bestünde keine Meinung für eine Ermäßigung der Raten, sie rechneten vielmehr mit einer weiteren Stei­gerung. Im Verkehr mit den Vereinigten Staaten fanden bei steigenden Raten große Abschlüsse statt. Man rechnet mit einem scharfen Anziehen der Raten für Märzladungen. Für die Verfrachter dürfen große Schwierigkeiten er­wachsen, Schiffsraum für Kohlen, Öl und Stückgut zu erhalten.

Schwere englische Uränkung der schwedischen Neutralität.

Einem schwedischen Schiffe rnzlische Besatzung aufgezwungen.

W- T.-B. Hamburg, 6. März. (Nichtamtlich.) Die Hamb. Nachr." melden aus Stockholm: Über eine überaus schwere Kränkung der schwedischen Neutralität durch Eng­land wird aus Karlskrona gemeldet: Der Kapitän Nilsson, der einen schwedischen Frachtdampscr von Spanien nach Karls­

krona führte, wurde bei Dover angehalten. Eine Anzahl englischer Soldaten stieg an Bord und ihr Befehlshaber er­klärte:Ich habe Befehl, aus einem ne u t r al em D a m P f er eine Strecke mitzufahren, damit meine Leute auf etwa sich zeigende Unterseeboote schießen können." Obwohl der Kapitän einen förmlichen P r o t e st einlegte und den Engländern in scharfen Worten das im höchsten Grade Schimpfliche und Ehrlose ihrer Handlungsweise vorwars, blieb die aufgezwungene englische Besatzung an Bord. Selbst die Vorhaltungen des schwedischen Kapitäns, daß die deutschen Unterseeboote eine Beschießung selbstredend beantworten würden und sich also die englischen Soldaten, deren Kapltan und die ganze schwedische Besatzung der größten Lebensgefahr aussetzten, machte auf die Engländer nicht den geringsten Eindruck. Weiter sagte der schwedische Kapitän aus: Er habe am anderen Tage seiner Reise einen englischen Handels­dampfer des sogenannten Lcmdcm-Collier-Typs gesehen, der die schwedische Flagge führte. Die Aussagen des Kapitäns, der als eine vertrauenswürdige Persönlichkeit ge­schildert wird, machen in Schweden einen sehr t i e f e n E l n - druck. In volitischen Kreisen wird versichert, daß eine ge­naue Untersuchung des Zwischenfalles angeordnet sei/

König Georg an die englische Flotte.

London, 4. März. Der König telegraphierte an den Admiral Jellicoe:Es war mir eine große Genugtuung, einen Teil der Flotte zu besuchen. Ich war an Bord der be­deutendsten Schiffe aller Typen und habe den b e st e n E i n^- d r u ck erhalten von dem Zustand der Schiffe und dem Geist der Offiziere und Mannschaften. Ich bin fest überzeugt, daß meine Flotte den Traditionen getreu bleiben wird."

Allerhand Anfragen aus dem englischen Unterhaus.

W. T.-B. London, 5. März. (Nichtamtlich.) Lord Charles Beresford fragte im Unterhaus den Premierminister, ob die Ankündigung, daß von jetzt ab keine Güter die Häsen der Feinde verlassen oder durch sie eingeführt werden dürfen, auch die Einfuhr von Anilinfarben nach England mit Er­laubnis der Board of Trade ausschließe. Runciman antwortete, daß das nicht der Fall sei. Beresford fragte weiter, ob da? nicht eine Modifikation der Ankündigung des Premierministers bedeute. Asquith verneinte dies. Runciman sagte ferner, die Erlaubnis zur Einfuhr der Anilinfarben sei notwendig für das Kriegsamt, die Admarlität Anilinfarben sei notwendig für dasKriegscnnt, die Admiralität und für zivile Zwecke. Mac N e i l l fragte an, ob -S unter nach Anierika zu verhindern. Runciman antwortete, er könne aus die Erörterung der Frage nicht eingehen. Es sei aber notwendig, einige Güter aus Deutschland zu beziehen; wenn England z. B. Explosivstoffe brauchte und sie aus Deutschland beziehen könnte, würde es sie ohne Be­denken einsühren. Mac Neill fragte tveiter, ob der Premier­minister, ehe die Regierung sich entschließt, die Einsuhrerlaub- nis weiter bestehen zu lassen, die Folgen bedenken wolle, die sie auf die diplomatische Frage, die zwischen England und Amerika schwebt, haben könnte. Asquith bejahte dies. Johnson Hicks ftagte, wie viele Spione in England seit Beginn des Krieges erschossen worden seien. Tennant antwortete: Einer. Hicks sagte daraus, es sei wünschenswert, daß die Ausführung aller Kriegsgesetze und Vorschriften über feindliche Fremde in die Hände eines ein­zigen Ministers gelegt würden, der dem Hause verantwortlich sein sollte. Es gehe nicht an, daß Kitchener, dem der Krieg genug zu schaffen mache, auch mit der Angelegenheit der feindlichen Fremden belastet sei. Tennant ant­wortete, daß das Kriegsamt sich von Anfang an die Ent- scheidrmgen in allen feindliche Fremde betreffenden Fragen vorbehielt. Dem Hause gegenüber übernehme er die volle Verantwortlichkeit. Bonar Law tadelte, daß die Regie­rung Ärzte, Angehörige gelehrter Berufe und feindliche Fremde, die britische Arbeiter beschäftigen, von der Inter­nierung ausgeschlossen habe. Gerade diese Leute könnten ge­fährlich werden, und zwar viel mehr als die armen deuffchen Arbeiter, die sich im Lande aufhielten. Mac Neill kam neuerdings auf B a r o n B i s s i n g, der sich in England auf­hält, zu sprechen. Bissing war lange Zeit Korrespondent eines der englandfeindlichen deuffchen Blätter und äußerte vor vier Jahren, er sei nur scheinbar Journalist, in Wirklich­keit stehe er im Dienste des deutschen Auswärtigen Amtes. Damals war er schon naturalisiert. Trotzdem befinde sich Bissing auf freiem Fuße. Er wurde lediglich gezwungen, von Brighton nach London überzusiedeln, und auch das nicht auf Veranlassung der Behorchen, sondern infolge des Druckes der Brightoner Gesellschaft.

Der Kohlenträgerstreik in Liverpool bcigelegt.

W. T.-B- Rotterdam, 5. März. (Nichtamtlich.) Wie der Nieuwe Rotterdamsche Courant" aus Löndon meldet, ist der Streik der Kohlenträger in Liverpool durch die Vermittelung des nationalistischen Abgeordneten O'Connor beigelegt worden.

Die amerikanischen Vermittelungsbemühungen.

Berlin, 0. März, (Ktr. Bln.) Über eine persönliche Note Wilsons an Grey meldetDaily News" aus' Washington: Präsident Wilson werde in den nächsten Tagen eine diplomatische Note an Grey richten, um von ihm eine ausführliche Erklärung zu erlangen, wie England sich die Unterbindung aller Zufuhren nach Deutschland und Öster­

reich-Ungarn denkt. Er dürste dabei auch den deutschen Standpunkt vertreten, der sich in der deutschen Antivort aus die amerikanischen Vorschläge zur Verhütung der Torpedie­rung von neutralen, namentlich amerikanischen Handels­schiffen, kundgebe. Nach derDeutschen Dägesztg." habe Präsident Wilson vor einigen Tagen einen außerordent­lichen Bevollmächtigten nach Europa entsandt, um in den kriegführenden Ländern die Stimmung für eine Ver­mittlung Amerikas zu untersuchen, und zwar sei es der Oberst Hausse, der bereits auf dem Wege nach London sei. Dann werde er Paris, Petersburg, Berlin und Wien auf. suchen.

weitere scharfe Keutzerungen aus Amerika.

W. T.-B. New Dark, 5. März. (Nichtamtlich)Sun" spricht die Ansicht aus, daß eine Erklärung w i r kl i ch e r Blockade keinen Protest der Bereinigten Staaten rechffertigen würde, fährt aber fort: Diese illegitime komplizierte Konterbandeblockade ist eine Handelspolitik, die nicht nur den Handel der Neutralen hemmt, sondern auch eine Ver­höhnung der Bernunft ist, eine Herausforde­rung der Unabhängigkeit der neutralen Nationen. Es ist eine grobe Beleidigung und ein haar sträuben­des Unrecht, wenn Großbritannien, das ftüher der un­beugsame Vorkämpfer des Rechtes der Neutralen war, zusam- men mit seinem Verbündeten Frankreich darnach handeln würden. Nur ein Lichtstrahl erhellt den trüben Ausblick. Asquith erklärte im Unterhaus in seiner Rede, daß die Vor­schläge, die von den -Vereinigten Staaten bezüglich der Auf­hebung des Kriegsgebiets gemacht würden, nicht verworfen worden seien. Es ist denkbar, daß das englisch-französische Projekt, Deutschland abzuschließen, nichts anderes ist als ein Versuch, die Aufhebung des Kriegsgebiets zu erzwingen.

Ter fühlbare Mangel deutscher Waren in Amerika

Amsterdam, 3. März. Aus Chicago schreibt ein Mit. arbeiter derTjid", daß die Deutschen auch noch etwa? anderes verstünden, als nur Krieg zu führen, bekämen die Amerikaner zu spüren. Man könne ganze Listen von Bedarfsartikeln aufzählen, die Uncle Sam vom wissenschaft­lich-industriellen Deuffchland beziehe, und die jetzt entweder nicht zu bekommen seien oder nur durch Minderwertigkeiten ersetzt werden könnten. In den Apotheken sogar sei Mangel an sehr wichtigen Chemikalien. In einzelnen Fällen sei es unmöglich geworden, sie zu liefern, in anderen sei der Preis so schreiend aufgeschlagen, daß sie fiir einen gewöhn­lichen Menschen nicht zu bezahlen seien. Ein Apo­theker babe dem Korrespondenien anvertraut, daß man m solchen Fällen den Leuten irgendetwas in die Hände stecke und auf die Wirkung der Suggestion vertraue. Es fehlen Anilinfarben und Rohstoffe für die Textilindustrie, wovon 80 Prozent aus Deutschland geliefert wurden, so daß viele Zweige der amerikanischen Industrie lahmge- legt seien. Andererseits habe gerade dieser Mangel den Scharfsinn der Amerikaner gereizt, so daß jetzt Uhrgläser, Zellulose, Kompasse, Gelatine, weißes Porzellan und manches andere mit Erfolg oder auf mehr oder minder primitive Weise in den Vereinigten Staaten hergestellt oder ihre Her­stellung mindestens versucht ivürde.

vom französisch-belgischen Kriegsschauplatz.

Die erneute heftige Seschietzung von Keims.

Br. Genf, 6. März. (Eig. Drahtbertcht. Ktr. Bln.) Das Petit Journal" berichtet über die Beschießung von Reims, die in den letzten Tagen ganz besonders heftig war, folgendes: Wemi die Beschießung vom 22. Februar wohl die heftigste war, die die Mnwohner je mitgemacht haben, so fft das nichts im Vergleich zu dem, was in der Nacht zum 3. März geschah. Die Stadt wurde mit Zündbomben geradezu übersät. Diese verursachten in mehreren Stadtteilen Brände und es schien, als ob -die ganze Stadt in ein Feuermeer getaucht sei. Es gibt wohl keine Straße, die von den Geschossen verschont ge­blieben wäre, kein Haus, das unversehrt ist, keine Familie, in der sich nicht ein Verwundeter befände. Die Deutschen be­warfen die Stadt bald eine, bald zwei Stunden lang, bald von Morgen bis Abend, ja bisweilen 24 Sffmden lang, mit Geschossen. Der Donner der Kanonen und das Pfeifen der Geschosse hörte nicht auf. Täglich nimmt die Zähl der Ver­wundeten und Toten zu, die in den zu Verbandplätzen um­gewandelten Kellerräumen der Häuser ärztliche Hilfe erhalten.

Oie französischen Tagesberichte.

W. T.-B. Paris, 6. März. (Nichtamtlich) Amtlicher- Be» richt vom 5. März 1915, nachmittags 3 Uhr: NöMich Arra-s bei Notre Dame de Lorette nahmen wir den grüßten TeÄ der vorgeschobenen Schützengräben, die wir vorgestern verloren hatten, wieder ein. Wir machten etwa 150 Gefangene. Der Feind beschoß wiederum die Kathedrale von Reims. In der Champagne, nördlich Souain, Le Mesnil und BeansLjour, feit dem gestrigen Wendbericht nichts Neues. In den Argonnen warfen wir bei Bauquois zwei Gegenangriffe zurück und machten neue Fortschritte, indem wir dem Feinde empfindliche Verluste Leibrachten und zahlreiche Gefangene machten. Wir sind Herren des größten Teiles des Dorfes.

W. T--B. Paris, 6. März. (Nichtamtlich.) Amtlicher Bericht von gestern abend 11 Uhr: In den belgischen

Dünen richteten wir einen vorgeschobenen Schützengraben ein, der gestern von unseren Truppen eingenommen wurde. Die Deutschen versuchten, ihre Schützengräben- bis an die