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Samstag, 6. März 1915.
Der Krieg.
Der Unterseebootskrieg.
Deutsche Unterseeboote im Golf von Viskaqa.
Br. Haag, 5. März. (Erg. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Zwischen der englischen und französischen Marinevcr- waltung finden nach Mitteilung der „Daily News" zurzeit Verhandlungen über die Einrichtung eines ständigen Torpedobootswachtdienstcs im Golf von Biskaya statt, da die Anwesenheit deutscher Unterseeboote in den Gewässern jetzt zweifelsfrei fest- gestellt ist, ja selbst in der Reede von St. Sebastian deutsche Unterseeboote beobachtet worden sind.
Angriffe deutscher Flieger auf englische Schiffe.
W. T.-B. London, 5. März. (Nichtamtlich) Der „Daily Telegraph" meldet aus G r i m s b y : Ein Öltankdampfer, der in Humber eintraf, berichtet, er sei zwischen Darmouth und Spurnhead von einem feindlichen Flugzeug angegriffen worden, das aus geringer Höhe drei Bomben warf. Dem Schiff fei es durch schnelles Manövrieren gelungen, dem Angriff zu entgehen.
W. T.-B. London, 5. März. (Nichtamtlich) Der „Daily Chronicle" berichtet aus D u n d e e : Der Glasgower Dampfer „Damblai", der eine Ladung Jute aus Kalkutta brachte, wurde auf der Höhe von Essex von einem feindlichen Flugzeug angegriffen, das drei Bomben warf, welche jedoch fehl- gingen.
Die folgen der englisch-französischen „Blockade".
W. T.-B. Kopenhagen, 5. März. (Nichtamtlich.) In einem Leitartikel erklärt „Politiken": Das Ergebnis der englischen Erklärung ist augenblicklich das, daß England die öffentliche Meinung Amerikas ab gestoßen hat. Durch die letzte Maßnahme Englands haben die Deutschen endlich in Amerika erreicht, was sie seit Beginn des Krieges erstrebten. Alle Agitation der Deutschen in Amerika erzielte das Gegenteil der beabsichtigten Wirkung, besonders wegen ihrer Heftigkeit. Nun scheint die Möglichkeit nicht fern zu liegen, datz sich die S t i m m u n»g der kommer ziellen und industriellen Kreise zugunsten Deutsch lands wendet. Welche Bedeutung ein derartiger Umschlag hat, bleibt abzuwarten. Die Aufgabe, die sich Präsident Wilson gesetzt hat, scheint unlösbar, nämlich die, den Krieg zurückzusühren auf die völkerrechtlichen Grundlagen vor August 1914. Die „Times" kritisiert Wilsons Gedanken in einem eingehenden Leitartikel scharf und mit offenbarem Widerwillen gegen den leisesten Kompromitz seitens Englands. Asquiths Rede könne als Antwort auf die Anregung Amerikas kaum betrachtet werden.
Scharfe amerikanische pressestimmen gegen England.
W. T.-B. New Aork, 5. März. (Nichtamtlich.) „Sun" spornt die Regierung an, um gegen die Blockade, die keisie Blockade sei, zu protestieren. Die Absicht Englands sei, Vorteile aus der Blockade zu ge Winnen, ohne sich den Anstrengungen und Gefahren der Blockade zu unterziehen. Me Idee bezwecke, alle neu tralen Schiffe zu plündern und sie der Rechte des freien Meeres zu berauben. — „Evening Post" schreibt unter dem Titel „Englands false move": England
will jetzt die Pariser Erklärung ebenso kalt blutig verletzen, wie Deutschland das Versprechen, betreffend Belgien, verletzte. — Die „World" sagt: Me englische Regierung stellt das Gutdünken der D o w n i n g st r e e t an die Stelle des WlkerrecKs und gibt als Rechtfertigung die Notwendigkeit an. — Au dere amerikanische Blätter nehmen den gleichen Stand Punkt ein.
Eine Ansprache im Unterhaus zur neuen Blockade.
W. T.-B. London, 5. März. (Uirterhaus.) Bull fragt, ob die englische Regierung mit Rücksicht darauf, daß es nach dem Völkerrecht die erste Pflicht des Erbeuters eines Handelsschiffes sei, es vor ein P r i s e n g e r i ch t zu bringen, beabsichtige, diesen Weg einzuschlagen, wenn das Schiff mit Gütern, die mutmaßlich für den Feind bestimmt sind, von ihm stammen oder ihm gehören, aufgebracht werde. Ferner fragt Bull, ob die Regierung beabsichtige, das Prisengericht zu veranlassen, solche Güter als gute Prise zu erklären und die Schiffe freizulassen, ivenn die Neutralen die Fracht bezahlen. Falls dies nicht die Absicht der Regierung sei, was sie mit solchen Ladungen und Schiffen zu tun beabsichtige. Asquith antwortete, die Antwort der Regierung werde offenbar werden, wenn die Verordnung über die Mahregeln und Repressalien gegen Deutschland veröffentlicht werden. Ich kann augenblicklich keine bestimmte Erklärung ckbgeben.
Die englische Arbeiterbewegung.
Schwere Sorgen der Regierung.
IV. T.-B, London, 5. März. (Nichtamüich) Die „Times" schreibt: Die Arbeiterbewegung verursacht der Regierung
Sorge, abgesehen von den Verwicklungen in Clyde sind -ie Londoner Hafenarbeiter sehr widerspenstig. Die Arbeiter in Schuhfabriken von Northampto:: machen Schwierigkeiten. Die Gewerkschaften befinden sich allgemein in ungewöhnlich aufgeregtem Zustand. Die Verhältnis-
Morgen ° Ausgabe.
mätzige Leichtigkeit, womit die Eisenbahner die jüngste Lohn erhöhung erreichten, hat viel mit dem gegenwärtigen Zustand der Gärung zu tun. Das Ministerium wünscht natürlich nicht, zu den äußersten Mahregeln zu greifen, ehe eS dazu gezwungen ist. Aber die verantwortlichen Arbeiterführer vergessen nicht, daß die R eich s v er teid i gu ng der Regierung nahezu unbeschränkte Gewalt gebe. Eine Bestimmung ermächtigt die Admiralität und das Army Council, jede Waffen- und Ausrüftungssabrik sowie der?n Werte m Besitz zu nehmen, und es ist vorgesehen, datz jeder Inhaber, Beamte und Angestellte derselben ihren Befehlen als derzeitigen Benutzer der Fabrik oder Werke gehorchen mu Weigerung würde Zuwiderhandlung gegen das Gesetz sein.
Die Zustände im Llqde-Vezirk.
W. T.-B. London, 4. März. (Nichtamtlich) „Daily Chronicle" beklagt in einem Leitartikel über die Zustände m Clyde die langsame Rückkehr der Ausständigen zur Arbeit, ihre Verweigerung von Überstunden und den Vorbehalt einer passiven R e s i st e n z als Zeichen der leidenschaftlichen Verbohrtheit der Arbeiterführer. Nur selten habe der englische Trade-Unionismus zu diesem letzten, schlmimsten und am meisten demoralisierenden Kampfmittel gegriffen. Da die dortigen Arbeiter zu den bestbezahlten in Europa gehören,
da sie für die Kriegsrüstung des Land es Zweiten
und jeder verlorene Arbeitstag den Krieg und die Verlustliste verlängert, iKt sie auch die Wahl zwischen dem von ihren eige- neu Vertrauensmännern getroffenen Abkommen und dem Angebot des unparteiischen Schiedsgerichts gehabt hatten, könne ihr Verhalten nicht entschuldigt werden. Da Schottland sonst so viel Heldenmut für die gemeinsame Sache ausgebracht HE, hätte ihm dieser unauslöschliche Schandfleck erspart werden sollen.
Eine Lohnbewegung auch in den Hauptkohlendistrikten Englands.
W. T.-B. London, 5. März. (Nichtamtlich.) „Daily News" meldet: Am Mittwoch fand eine Versammlung der Conciliation Boards der Bereinigten Kohlen-Mrg- baudistrikte von England und, Nord-Wales statt, in der die Arbeiter Vorschläge sür em neues Lohnabkommen unterbreiteten. Die Leute fordern eine Erhöhung des Mindestlohns um 5 Prozent, des H ö ch st l o h n e s um 7 Prozent. Dre Beratung wurde bis 11. März vertagt, um den Bergwerksbesttzer« zu ermöglichen, die Vorschläge in Betracht zu ziehen. Die Mehlteuerung in England.
W. T--B- London, 4. März. (Nichtamtlich.) Die „Times" meldet: Die Londoner Müllervereinigung hat den Mehl
preis um einen Schilling, also auf 52 Schilling ermäßigt. Dies ist die erste Preisherabsetzung seit Beginn des Krieges. Auch die Preise für Weizen sind herabgegangen, und zwar für englischen Weizen um einen Schil- lung, für fremden um 1% Schilling. Es herrscht groher Be? darf an Dampfern für die Weizen- und Haferfrachten aus Amerika nach Deutschland.
Unrecht Gut gedeiht nicht.
W. T.-B. London, 5. März. (Nichtamtlich) Wie die „Times" berichtet, stieh gestern der Dampfer „Carnish Coast" mit einer Ladung Zement, von Rochester nach, Liverpool unterwegs, im Mersey mit dem erbeuteten deutschen Dampfer „Jeanette Woermann" zusammen. Der Kapitän und fünsi Mann erttanken.
Die
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verlorene en-lifche Hilfskreuzer.
Br. Rotterdam, 5. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) e britische Admiralität gjbt bekannt, datz der Hilfskreuzer lanMac Naugto n" seit dem 3. Februar vermißt wird, und daß mit dem Verlust des Schiffes gerechnet werden müsse. Die angestellten Nachforschungen seien vergeblich gewesen. W r a ck st ü ck e seien gefunden worden, die wahrscheinlich von dem vermißten Schiff herrühren. Es wird angeiwmmen, datz der Hilfskreuzer, von dem mau die letzten Signale am 3. Februar empfangen hatte, im schlechten Wetter untergegangen sei. Der Dampfer war 4985 Tonnen groß. Zugleich veröffentlicht die britische Admiralität die L i st e der anderen bisher verloren gegangenen Hilfskreuzer. Am 9. September „Oceanic" auf der Höhe von Schottland, am 80. Oktober „Rohilla" aus der Höhe von Wisby und im Januar „B i k n o r" aus der Höhe der Nordküste Irlands. Das offene Zugeständnis dieser Verluste ist beachtenswert.
vom französisch-belgischen Kriegsschauplatz.
Die „vierte Offensive".
Über die Truppenbewegungen im Pas de Calais erzählte in Holland ein aus Dieppe eingetroffener Belgier: Zwischen Amiens-Arras-Hazebrouck-Bethune-St. Omer vollzieht sich jetzt eine völlige Neugruppierung der verbündeten Streitkräft Die letzten englischen Verstärkungen, 15 000 Mann und Artillerie, kamen zuerst nach Amiens und wurden dann nach B e t h n n e gebracht, um mit den im Kampfe stehenden Mannschaften, die >n den Gefechten bei Givenchy sehr gelitten haben, gemischt zu werden. Wie englische Offiziere erzählten, wür den auch nach der Champagne Engländer gebracht. Man cr- . warte in diesen Lagen die Ankunft großer Truppentransporte
Nr. 109. » 63. Jahrgang.
in Le Havre nnd St. Nazairc. Die Aufstellung der sranzäsisch- englisch-belgischen Armee vollziehe sich unter dem Oberbefehl des Generals de Ca sie ln au. Poincare setze die größten Hoffnungen auf den' Offensivplan Castelnaus. Insgesamt zwei Millionen Streiter seien zwischen Nieuport und Ar ras ausgestellt, und ununterbrochen rückten aus dem Süden neue Abteilungen fast ausschließlich während der Nacht an. Der Belgier sprach mit einem belgischen Offizier über die Aussichten der großen „vierten" O f f e n s i v e der Verbündeten. Er hörte folgendes: „Wir führen jetzt alles ins Feld; es ist die letzte gewaltige Anstrengung, den Feind zu werfen. Und wir werden, wir müssen ihn zurück- ireiben. Erreichen wir es diesmal nicht, dann i st d e r lieg unwiderruflich für uns zu Ende. Wir wären nach einem Fehlschlag dieses Riesenangriffs zu einer Defensive verurteilt, die vom Feind bald zerbröckelt werden könnte. Natürlich wäre das der Anfang vom bitteren Ende. Ich hoffe aber, daß wir einen Sieg erringen werden."
ver französische Kbendbericht.
IV. T.-B. Paris, 5. März. (Nichtamtlich) Amtlicher Bericht von 11 Uhr abends. In Belgien führte im Dünen- gebiet unsere Artillerie ein besonders wirksames Feuer aus. Unsere Infanterie besetzte einen neuen Schützengraben vor unseren Stellungen. — In der Champagne fuhren wir mit unserem Vorrücken fort. Wir verstärkten und erweiterten unsere Stellung, namentlich nordwestlich Perthes und nordwestlich Lemesnil. Wir machten dabei etwa 100 Gefangene. Auf der Kuppe nordöstlich des letzteren Dorfes fanden Gegenangriffe statt, die zurückgewovfen wurden. Gefangene bestätigen, daß die Verluste beider im gestrigen Kampf angesetzten Garde-Regimenter schwer waren. In den Argonnen wurde ein deutscher Angriff auf Four de Paris zurückgeworfen, ebenso in Va u q u o i s. Bei Verdun am Bauxfort wurde ein deutsches Flugzeug in unsere Linien heruntergeholt und die beiden Flieger gefangen genominen.
französische Urttiken an der Heeresleitung
W. T.-B. Paris, 5. März. (Nichtamtlich) In der „Liberty" schließt sich Oberstleutnant R o u s s e t der von Herve in der „Guerre sociale" vertretenen Meinung an, daß das von der französischen Heeresleitung angewandte System der örtlich beschränkten Angriffe nicht zur Lösung der seit September bestehenden militärischen Lage führe. Wenn man mit diesem System da und dort Schützengräben stücke einnehmc, müsse dieser Erfolg oft a l l z u t e u e r mit dem besten französischen Blut bezahlt werden. Mit den verzettelten Angriffen werde nichts Ernstliches erreicht. Nur eine groß- angelegte Massen off fensive könne zum Ziel führen.
Die Beschränkung des Alkoholausschankes in Frankreich.
IV. T.-B: Paris, 5. März. (Nichtamtlich) Die Kammer nahm in der Gesamtabstimmung das Gesetz, betreffend Beschränkung des Alkoholausschanks, mit 472 gegen 95 Stimmen an. — Ribot brachte verschiedene Anträge ein, darunter den Antrag auf Erhöhung des Ausgabebetrags der Schatzscheine von 3i/ 2 : auf 4%, Milliarden und einen anderen Antrag bezüglich 1350 Millionen, welche Belgien, Serbien, Montenegro und Griechenland vorgestreckt werden sollen.
ver Transport der neuen englischen Armee.
Br. Rom, 5. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Ein Londoner Brief der „Tribuna" meldet, der Transport der neuen englischen Armee in den verschiedenen Häfen stehe unmittelbar bevor. Die Million Soldaten Kitcheners sei vollständig bereit. Zwischen Anfang März und Ende Mai werde eine ganze Million den Kanal überschritten haben. Der Brief schildert das schnelle Anwachsen der englischen Flotte, die im kommenden Herbst um ein gut Drittel zahlreicher und gewaltiger sein werde als im letzten August.
Ein deutscher Soldat.
Berlin, 5. März. (Ktr. Bln.) Die „B. Z. a. M." meldet aus Namur' Die in Nannrr erscheinende französische Zeittmg enthält folgendes Schreiben des Bürgermeisters v-on Gib et an den Generalmajor v. Huber: „Ich habe die Ehre, Ihnen folgende rechtschaffene Tat des Soldaten Hermann Rudolph bekanmtzugeben. Der Soldat, der in einem Hause einguartiert ist, dessen Besitzer abwesend ist, brachte heute morgen dem Bürgermeisteramt eine Kassette, die er im Schlafzimmer gefunden hatte, und die Papiere von hohem Werte enthielt. Ich beglückwünsche den Soldaten, dessen Tat verdient, bekannt zu werden."
Grey über den Kriegsinvalidenanstausch.
W- T--B. London, 5. März. Im Unterhaus^ teilte Grey mit, daß die britische und deutsche Regierung übereingekommen seien, Kriegsgefangene, die für den weiteren Kriegsdienst untauglich seien, cruszutanschen. Die Entscheidung darüber, welche Gefangenen in Betracht kämen, müsse natürlich der betreffenden Regierung Vorbehalten bleiben. Sin Austausch habe bereits stattgefundeu und weitere würden zweifellos folgen. Auch Zivilärzte und Zivilpersonen in nicht militärischem Alter dürften nach einem Übereinkommen zwischen der deutschen und briti- schen und österreichisch-ungarischen Regierung in ihre Heimat zurückkehren. Die Abkommen, die hierfür, bestünden, seien von den betreffenden Regierungen eingehalten worden. In einzelne,! zweifelhaften Fällen seien besondere Borstxsiungcn erhoben worden.
