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platzenden Schrapnells Wölkchen über Wölkchen am Horizont. Allem Anschein nach bleiben wir noch längere Zeit in Stellung. Unsere Munition ist vorzüglich, und Blindgänger ganz selten, dagegen die belgische und französische sehr minderwertig, fast drei Viertel Ausbläser und Blindgänger, .dagegen ist die eng­lische Munition von unheimlicher Wirkung. Die massenhaft erbeutete belgische Munition, die wir durch Verschieben un­schädlich machen, hat auch nur minimale Wirkung. Gestern Nacht und auch heute beschossen Ivir St., wo sich englische Truppen gesammelt haben. Bei unserer Beobachtung, o:e ziemlich weit vorgeschoben ist, sieht mau mit bloßem Auge ganz gut feindliches Militär. Eine Menge Leichen, von nächtlichen Angriffen herrührcnd, meistens Franzosen, liegen unbeeidigt da herum, teilweise noch im Wasser. Beim Bau von frischen Schützengräben fanden unsere Pioniere halb verschüttete, durch feindliche Geschosse getötete deutsche Infanteristen. Jetzt ruhen die Braven in einem Soldatengrab. Währenddem ich diese Zeilen schreibe, donnern feste die Geschütze und knattern die Gewehre, wahrscheinlich versuchen die Gegner, durchzu­brechen. Es-ist einige Minuten vor 12 Uhr nachts. Sie können kommen und können sich blutige Köpfe holen, bei unS ist jeder auf seinem Posten!

Der gelehrige Franzose. Ein heiteres Stückchen erzählte ein Remscheider Krieger aus dem Lazarett in Douai. Einem der Lazarettwärtcr, einem französischen Artillerie-Unter­offizier. wünschten die Deutschen einmal beim Schlafengehen angenehme Rübe mit den Worten: „Gute Nach,. Plattkopp! Der Franzose besitzt nämlich eine grobe Grave. Die An­rede verstand er natürlich nicht; man sah es ihm aber an, daß er sich geschmeichelt fühlte. Am nächsten Tage schenkte chm der deutsche Arzt eine Zigarette, und mit emcr höflichen Ver­beugung be.daiikte sich der Franzose, indem er sagte: .^Danke schön Platekopp!" Ta gab es ein großes Gelachter; denn der Arzt, ein älterer Herr. besitzt ebenfalls eine enorme

englischer Knigge für de» Zeppelin-Empfang. Wie der seltge Knigge noch, beute unv-rg-ffene Anweisungen für den Umgang mit Menschen gab. so sehen sich die englischen Behörden verairlaßt, genauere Regeln für den „Umgang mit Zeppelinen" auszuarbeitcn, uich dabei sind Vorschriften er- lasten worden, die einen hohen unfreiwilligen komischen Reiz haben So wurde vor einigen Wochen im englischen Oberhaus über die Instruktionen verhandelt, die den höchsten Beamten der einzelnen Grafschafteii für den Fall gegeben wurden, daß ein feindlicher Luftangriff in ihrem Bezirke erfolge. Einer der „edlen Lords". Lord Harris, erklärte entrüstet, ihm sei eine offizielle Mitteilung zugcgangen, die besagte, daß er ioenii eine Bombe bor seiner Vorderlür niederfallen würde, am besten täte, sein Haus durch die Hintertür zu verlassen. Diese Aufforderung, die ihm augenscheinlich mit seiner Würde nickt vereinbar schien, wurde mit herzlichem Lachen begrüßt, bind ein anderer Redner führte aus. daß cs allerdings ein starkes Stück sei. einer so voriiehmen Persönlichkeit ein „Ent- weichcn durch die Hintertür" zuzunmten; es sei aber anzu- nehmen daß die Behörden der Ansicht seien, er könne, wenn die Bombe vor der Hintertür liiederficle. ruhig zur Border- türe berauSgehen. Ähnliche Anweisungen sind anderwärts ertasten worden und wurden mit Kopfschüitein oder Lächeln ausgenommen. Den Vogel aber hcrt sicherlich die Kirchen- bcHürde von St. Marcus in dem englischen Städtchen New Barnet abgcschossen, die in der „Barnet Preß" an die Mit­glieder ihrer Gemeinde die folgenden wohlüberlegten Rar- schlage erließ: „In dem Falle eines feindlichen Angriffes aus der Luft wird die Gemeinde ein Kirchenlied singen, während die an den Seiten sitzenden Männer die Gemeinde-Mitglieder aus den Bänken heraus in guter Ordnung zu den Ausgängen führen, und zwar die auf der Rordseite sitzenden nach der Nordtür der Kirche, die auf der Südseite nach der Südtür. Niemand hat seinen Platz zu verlosten, bevor er von den dazu beauftragten Vertrauensmännern dazu aufgefordert wird." Dieser Erlaß der Behörde der Äirdx: St. Marcus ist zwar sehr weitschauend, aber er läßt doch noch manche Fragen un­gelöst. Man wird z. B. mit einem gewiffen Recht wissen wollen, was für ein Kirchenlied dann gesungen wird, und es wird der Ratschlag erlaubt sein, daß dies Lisd nicht zu biele Strophen aufweist. Vielleicht nehmen sich die ehrsamen Kirchenväter von New Barnet Cromwell zum Muster, der vor der Schlacht bei Dunbar seine Truppen einen Psalm singen ließ, aber doch so viel Vorsicht anwcndete, zu diesem Zweck den 117. Psalm auszusnchen, der nur zwei kurze Verse aufweist. Sodann wäre der Augenblick, da der frormne Gesang ange- stinrmt werden soll, genauer festzulegen. Soll man schon beim Surren der Propeller beginnen oder erst beim Auf­

schlagen der Bombe auf dem Kirchdach? Jedenfalls aber wer­de« diese Anweisungen nur ihre rechte Wickung tun, wenn eine oder mehrere Proben veranstaltet werden, denn das Zu­sammenarbeiten der Vertrauensmänner mit den Gemeinde- Mitgliedern, unter denen sich wohl auch Frauen und Kinder befinden werden, dürfte nicht sofort ganz glatt gehen; eine Einübung für den Fall der Gefahr ist also dringen» anzuraren.

Vom schweizerischen Soldatcnlebcn gibt ein Brief eines Soldaten aus dem Fort Stöckli, das in einer Höhe von 2800 Metern bei der Furka liegt, ein anschauliches- Bild: Auf dem Fort liegt der Schnee 6 bis 6 Meter hock). Die Beförderung der Lebensmittel und der Post ist mit großen Gefahren und Mühen verbunden. Alles geht auf Sckstern. Stets ist die Gofahr wegen der Staublawinen Und der Schneestürme groß. Einige unserer Kasematten sind bis über den Kamin ver­schneit und daher zurzeit nicht bewohnt. Wir haben jene be­zogen, in denen es möglich ist, die Schlafräunre zu beizen. Stellenweise bedienen wir uns der Schneetunnels. Die Speise­säle der Mannschaften erhalten kein Tageslicht. Do leben wir ein echtes Bergmannsleben.

Flohlieb aus dem Unterstand.

Lieber Alfred! In Worten, noch Bildern Kann kaum dieses Leben im Felde Dir schildern!

Vor allem in den'. Unterstand Erlebt der Krieger allerhand.

Es beißt der Floh, es juckt die Laus,

Im feuchten Stroh, da hüpft die Mails.

Es juckt die Laus, es beißt der Floh,

Man wird nicht seines Lebens froh!

Zwar so ein Floh, empfindlich beißt er Natürlich! Übung macht den Meister!

Der rauhe Krieger, er entdeckt So ziemlich jegliches Insekt.

Mit Fenchelöl und Naphthalin Und mit Geduld, da fängt man ihn!

Und hat man ihn, macht ihn zunichte Die Flamme von dem Kerzenlichte.

Und wird die Jagd sodann geschlossen.

Der Jagderfolg, — der wird begossen!

Mit Rum und sonst'gem Alkohol,

Das tut dem bied'reu Krieger Ivohl,

Tenn nicht allein dem bösen Ruff'

Ist „Wutki" ein solch Hochgenuß!

Jedoch im dreck gen Schützengraben Kann man nicht immer so n>as haben.

Der Russe schickt zwar Zuckerhüte,

Doch sind sie zweifelhafter Güte,

Und selten sagt man dafür „Tanke",

Von wegen ihrem Saugestankc.

Auch zieht cS „källlich" an die Beine,

Am besten wär's, man hätte keine!

Da würde man nicht daran frieren.

Ganz abgesehen von manchen Tieren!

Das ist nicht gerade schöne eben.

Doch kann man leicht so was erleben.

Sowie noch andre Abenteuer,

Kurz, es ist hier nicht ganz geheuer!

Aus diesem Grunde folgt der Schluß:

N-ach Rußland gehe nur, wer muß!

Wer aber schön zu Hause bleibt Und sich daheim die Zeit vertreibt,

Der sende fleißig durch die Post Dem Krieger Unterhalt und Kost,

Wofür derselbe sehr empfänglich.

Denn Hunger macht den Magen länglichr Und ungewohnt, was zu verdau'n.

Wie soll man da den Ruff' verhau'n?

Dies führe man sich zu Gemüte!

Doch denk' nur nicht:

„Du meine Güte!

Der Kerl, der will schon wieder essen!

Nein, nein, man soll nur nicht vergessen,

Ihn ab und zu und stets voin neuen.

Auch manchmal schriftlich zu erfreuen!

Denv daran macht sich auch 'mal laben,

Der Seppel in dem Schützengraben!

Er grüßt Dich und die andren herzlich.

Ist ihm die Trennung doch so schmerzlich!

Und freut sich auf das Wiederseh'n.

Stets hoffend, mög' es bald gescheh'n! Seppel

»eranlworttt» für die SchrifNettun,: ». ». «»verdsrl In Bltlbatta. —

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