Vti. 105 *
Donnerstag, 4 März 1815.
Wiesbadener Tagblatt.
Morgen-Ausgabe. Erstes Blatt.
Sette 3.
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Kultus» und Bauetat.
lBon unserer Berl iner SchriftIeitung.) s. Berlin, 3. März. (Ktr. Bln.) Nun gab es heute Loch noch eine Art Generaldebatte über den Kultusetat, allerdings eine Debatte, die auch bei deni sonst friedlichen Thema ganz im Zeichen des Krieges stand. Der konservative Abgeordnete v. Goßler, der in Feld- uniform auf der Tribüne stand, betonte auf Grund seiner eigenen Wahrnehmungen in Feindesland, daß Preußen und Deutschland noch immer an der Spitze der Kultur und Gesittung stünden, eine Tatsache, die nicht zum letzten auch dieser Kultusetat bewiesen habe. Das Land der Barbaren sei insbesondere hoch erhaben über den Vorwurf des Kulturraubs. Der Zentrumsabgeordnete Kaufnrann bezeichnete als eine besonders erfreuliche Folge des Krieges die Wiederherstellung des konfessionellen Friedens. Der nationalliberale Abgeordnete Dr. von Campe erklärte auch seinerseits, daß wir in allen Kullurfragen ein besseres Gewissen als unsere Feinde haben, die Baudenkmäler aus Ausguckposten benutzten. Der freikonservative Abgeordnete Viereck stimmte in das allgemeine Lob der Kultusverwaltung ein und der fortschrittliche Abgeordnete Professor Eickhoff gedachte besonders herzlich der deutschen Lehrer, dre der Jugend mst gutem Beispiel vorangegangen seien, sich auch als Führer im Felde bewährten und trotz bescheidener Mittel auch gewaltige finanzielle Opfer gebracht hätten.
Eine besonders bemerkenswerte Episode war aber auch heute wieder eine sozialdenwkratische Rede. Der Abgeordnete H a e n i s ch brachte es zum ersten Male seit viÄen Jahren fertig, daß auch ein Redner der äußersten Linken sich das Ohr des ganzen Hauses gewann und mehr als einmal den allgemein st e n und lebhaftesten Beifall fand. Es war überall da, wo sich die Rede, selbstverständlich ohne daß ein Name genannt wurde, gegen den Abgeordneten Liebknecht und seine gestrigen Tiraden wendete. Der Abgeordnete Haenisch betonte, datz es, solange Hannibal vor den Toren stehe, aussichtslos und sinnlos sein würde, innerparlamentarische Kämpfe auszufechten. Daß es sich jetzt nur um den Schutz des Vaterlandes handeln könne, das auch das Vaterland der Sozialdemokratie sei und dessen Glück und Sieg keiner Partei mehr am Herzen liege als der Sozialdemokratie. In dieser Zeit habe mit der Regie- rung jede einzelne Partei zu ge lernt, auch die Sozialdemokratie. Grundsätzlich nicht zulernen zu wollen, sei nicht immer ein Zeichen von Charakterstärke, sondern häufig nur ein Beweis geringer Intelligenz. Die innerpolitischen Kämpfe wieder aufzunehmen, dazu sei noch Zeit nach der Erkäinpfung eines siegreichen, ehrenvollen, gesicherten Friedens. Von diesem Standpunkt, den man sich sehr Wohl gefallen lassen kann, bedauert dann frellich auch der sozialdernokrati- sche Redner, daß auch dieser Kultusetat wieder einzelne Positionen enthält, die als Kampfpositionen gegen Polen und Sozialdemokratie aufgefaßt werden müßten. Ein warmes Wort fand Redner fiir die Kriegskinderhorte und ihren eifrigsten Für- derer, den eben verstorbenen Abgeordneten v. Sche Ilkendorfs. Was er dann zum Schluß noch sagte über die Erziehung unserer Jugend ini Gedanke,! des Opfermutes und der Freude am eigenen Volke, über die zu Anfang des Krieges unter den deutschen Hochschullehrern aufgetretene Aufklärungsepidemie ufw. un& wie er vor allem über das Märchen von der Vaterlandslosigkeit der deutschen Sozialdemokratie spottete, das alles war so vernünftig und hübsch, daß es sich auch im Munde eines bürgerlichen Redners ganz gut ausgenommen hätte, dem Windmühlenkänchfer Liebknecht freilich wird es einige schlaflose Nächte bereiten. . rr
So konnte der Kultusminister zum Schlüsse allen Rednern einschließlich des Sozialdemokraten danken. Auch der Minister bemerkte, daß nicht besser als durch die Zahlen dieses Etats d ie törichten Vor-
Die Nahrung dient, wie wir oben auseinandergesetzt haben, als Heizmaterial der organischen Maschine, aber sie hat im Gegensatz zur Dampfmaschine noch andere Aufgaben als die einer Kraftspenderin zu erfüllen. Sie hat auch das in Vertust gehende, abgebrauchte Maschinenmaterial zu ersetzen. Der Organismus, der stets brüchig gewordene Bausteine abwirft, ergänzt sie aus der Nahrung. Diese muß also so beschaffen sein, daß sie diejenigen Elemente enthält, welche di« Zellen zu ihrem Aufbau bedürfen. Der wesentliche Bestandteil der Zelle, von dem die Lebenserscheinungen aus- gehen, ist das Protoplasma. Dies ist Eiweiß. Eiweiß zeichnet sich vor den anderem Nahvungsstoffen, den Fetten und Kohlehydraten. durch seinen Gehcklt an Stickstoff ans, der jenen völlig fehlt. Hieraus folgt als wichtigstes Gesetz der ganzen Ernährungslehre, daß Eiweitzstoffe bei der Ernährung nicht zu entbehren sind. Denn nur sie führen Stickstoff und nur sie können sich daher an dem Neubau der Zellen beteiligen. Die eigentlichen Kraftspender sind Fette und Kohlehydrate, sie verbrennen im Körper völlig zu Kohlensäure und Wasser. Anders verhält es sich jedoch mit den Eiweißstoffen. Diese verbrennen nicht völlig, sondern werden nur zu Säuren aö- «ebaut. Der im Kalorimeter gefundene Verbrennungswert ist daher zu hoch, da hier die Verbrennung eine vollständige ist. Derjenige Grad, bis zu dem das Nahrungseiweiß ver- brarmt wird, heißt der „physiologische Nutzeffekt". Hat z. B. Muskelfleisch einen Brennwert von 5,3 Kal., so ist doch sein physiologischer Nutzeffekt nur 4,0 Kal.
Aus dem Gehalt an Kalorien einer Nahrung kann man nun leicht ermitteln, ob sie in dem betreffenden Falle zureicht oder nicht. Ein festes Maß, das ein für alle Mal stimmt, gibt eS ja nicht. Man hat mehrfach die Arbeitsleistungen e jne« Menschen in Kilogrammetern festgestellt und sie mit den zugeführten Mengen resp. deren kalorischen Wert verglichen. Immer zeigte sich, daß die Arbeit nnt der Nah- rung^ufuhr das Gleichgewicht hielt. Einige mittlere Werte mögen hier angeführt werden: Im Ruhestand kommt man
mit einer Kost auS. die 2300 Kal. enthält. Leichte Tätigkeit fnit geistige Tätigkeit^ Bureauarbeit erfordert 2600 Kal., der
würfe unserer Feinde gegen unser Barbarentum wider
legt werden könnten und auch er ist voll Anerkenn u n g vor allen: für die Lehrer und Schüler in den Schulen aller Kategorien, für dre- jenigen, die mit hinausgezogen und ihr Leben für das Vaterland eingesetzt haben. Aber auch für die, die zu Hause ihre Pflicht weiter erfüllen.
Der Rest der Sitzung galt dem Bauetat, ohne datz es hier zu einer Debatte kam.
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Sitzungsbericht.
Eigener DrahtbcriSt des „Wiesbadener TagblattS".
tz Berlin, 3. März.
Am Miniftertifch: v. Trott zu Solz.
Präsident Graf v. Schwcrin-Löwitz eröffnet die Sitzung um 1,45 Uhr.
Zunächst wird
die Beratung zum Kultusetat
fortgesetzt.
Abg. v. Gotzler (kauf.): Die Ausgaben für den Kultusetat sind diesmal fast ebenso hoch wie in den vergangenen Jahren, ein Beweis dafür, datz der preußische Staat auch in der jetzigen Zeit Mittel zur Befriedigung unserer Kultusbedurf- niffe hat. An Kultur und Gesittung stehen wir himmelhock; über manchen Völkern, von denen man jetzt spricht. Das gilt auch für unsere Truppen im Felde. Das Zusammenwirken in der Bildung von Herz, Verstand und Körper, das wrr im Rahmen des Kultusetats immer erstrebt haben, treibt jetzt für unser Vaterland die reichsten Früchte. (Zustimmung.) Dank und Anerkennung sprechen wir unseren Feldgeistlichen aus, die ihve schwere Aufgabe mit großer Aufopferung erfüllt haben. So mancher Soldat, der sich seinem Gotte entfremdet hatte, ist durch die Tätigkeit der Feldgeistlichen zu dem Glauben seiner Kindheit zurückgekehrt.
Wir würde»» es begrüßen, wen»» die Universität Frank fnrt a. M. möglichst bald eine theologische Fakultät erhält. Sehr erfreulich ist es, daß trotz der Lücken, die der Krieg auch in die Reihen der Lehrerschaft gerissen hat, unser Schulwesen aufrecht erhalten worden ist. Die Frage der Zulassung von Ausländern zu den Universitäten und ganz besonders zu den Technischen Hochschulen dürfte wohl durch den Krieg erledigt sein. Hoffen wir, daß aus der Zeit der allgemeinen Er- lMrng auch für unsere Kultur eine neue Zeit anbrechen möge. (Lebhafter Beifall.)
Abg. Dr. Kaufmann (Zentr.): Unser Kultusetat »st das Bild der Stetigkeit und Festigkeit, mit der das deutsche Volk seine große Kulturaufgabe mit Ruhe und Sachlichkeit zu lösen sticht. Dieser Etat wird ein Kulturdokument sein, geeignet, alle Phrasen vom Barbarentum und Militarismus vor dem Forum der Geschichte beschämend darzustellen.
Der Krieg ist ein glänzendes Zeugnis für unsere Volksschule» die unsere Soldaten fähig gemacht hat, durch Tüchtigkeit und Sittlichkeit und Ausdauer die Schwierigkeiten und Strapazen des Krieges zu überwinden. Auch die llnterbeamten der Eisenbahnverwaltung, die durch die Volksschule vorgebildet sind, haben an dem glänzenden Erfolg des Krieges teil. Die ausgezeichnete Haltung unseres ganzen Volkes ist auch auf unsere einzigartige Miale Fürsorge für die arme»» Volksklassen zurückzuführen. Dank unserer Schule lebt ein guter Geist in unserer Jugend. Es erfüllt uns mit Stolz, wenn wir sehen, daß die jungen Burschen aus unseren höheren Schulen in den blutigen Kampf hincmsstürmen. (Bravo!) Auch die Studenten sind demselben Beispiel der Hingebung an das Vaterland gefolgt. Die Universitäten haben in den Monaten des Krieges wertvolle Arbeit geleistet, z. B. durch Bekämpfung der Seuchengefahr.
Den Technischen Hochschulen sind die großartigen Erfolge
unserer Unterseeboote zu danken.
Sie haben auch die Männer der Industrie fähig gemacht, sich schnell den Kriegsverhältnissem anzupassen. Wir alle, die wir bei der Beratung dieses Etats in den großen Fragen von Staat nnd Kirche oft Meinungsverschiedenheiten gezeigt haben, stehen jetzt einig zusammen, wo cs sich um Ehre und Existenz des Vaterlandes handelt. (Beifall.) Ich will nicht unterlassen, der Verdienste des verstorbenen Abgeordneten Dittrich zu gedenken, der sonst zu diesem Etat das Wort zu nehmen pflegte. Wenn unsere Feinde sich darüber beklagen, datz wir Kunstdenkmäler im Kriege zerstören, so wird die Geschichte darüber das Urteil fällen. Wir erwarten, datz dieser
„mittlere" Arbeiter braucht 3100, der schwere 3600 Kal. Aber auch darüber hinaus kann besonders schwere Arbeit höher!- Kalorienmengen bis zu 8000 beanspruchen. Natürlich ist die Kalorienanzcchl nicht der einzige Maßstab, nach dem die Nahrung zu beurteilen ist. Es ist schon oben gezeigt worden, daß Eiweiß niemals fehlen darf, wenn der Organismus nicht zugrunde gehen toll. Mit wie viel Eiweiß man auskomnren soll, darüber gehen die Ansichten heute noch weit auseinander. Während inan früher eine reiche Eiweißkost bevorzugte — so gab man als Grundzahl 118 Gramm für den Tag an — mehren sich die Stimmen, die für eine beträchtliche Herabsetzung dieser Menge sprechen. So sollen nach neueren Untersuchungen schon zirka 80 Gramm ausreichen. Ja, einige glauben sogar, noch »nit 40 Gramm den Organismus im Gleichgewicht halten zu können, in deni er nicht mehr Eiweiß einschmilzt, als er aufnimmt. In der Tat kann man durch Mischen des Eiweiß mit Fett und Kohlehydraten den Eiweißbedarf herabstimmen. Kohlehydrate und Fett sind Eiweißsparer. Geht man von einem Tagesbedarf von 118 Gramm Eiweiß bei einem Arbeiter aus, so soll das Nahvu-ngsgemisch 56 Gramm Fett und 500 Gramm Kohlehydrate enthalten, das gibt insgesamt einen Effekt von 3100 Kalorien.
Es würde aber nun zu ganz falschen Anschauungen über den Krastwert der Nahrungsgemische führen, wollte man ohne weiteres die Kalorierrwerte in die Rechnung einsetzen. Man muß nicht vergessen, daß gewisse Bestandteile der Nahrung überhaupt unverdaulich sind und den Körper unverändert verlassen. Dahin gehören beim Fleisch die Sehnen, beim Brot und beim Gemüse die Zellulose, die, obwohl ein Kohlehydrat, für die menschlichen Berdauungsorgane zum größten Teil unangreifbar ist. Aber auch wenn inan diese gänzlich unbrauchbaren Bestandteile gänzlich außer acht läßt, so ist doch, um die Nettosume zu erhalten, die dein Körper zugute kommt, ein weiterer Abstrich vorzunchmen. Der Organismus nimmt nämlich durchaus nicht alles von den Nährstoffen auf. was ihm angeboten wird. Er nützt die Nährstoffe nicht gairz aus, sondern gibt einem gewffsen Prozentsatz unbenutzt zurück.
Krieg uns eine christliche Erneuerung unseres Volkes bring»
wird, daß ein neuer Frühling für uns kommen wird, daß wrr aus dem Kriege als ein geistig hochstehendes, vorbildlich wirkendes, sittlich religiöses Volk yervorgchen. (Lebh. Beifall.)
Abg. v. Campe (natl.): Den anerkennenden Worten
meines Vorredners über den Abgeordneten Dittrrch schließe ich mich voll und ganz an. Daß der Kultusetat unter der Einwirkung des Krieges steht, ist selbstverständlich. Ich freue mich aber, daß der Minister in der Kornmission versprochen hat, alles nachzuholen. Es erfüllt uns mit Stolz, daß di« Musen stets einen Platz im deutschen Volte gehabt haben, wie vielleicht in keinem anderen Volke, über den Vorwurf des Barbarentums können wir mit gutem Gewissen lachen; wo der Feind aber Kirchen und Kunstdenkmäler zu Wachtposten herabwürdigte, da ist es auch mit unserer Rücksichtnahme vorüber. dann hat Mars das Wort. Wir müssen dafür sorgen, daß unseren Soldaten, namentlich in den Lazaretten, ausreichende Seelsorge zuteil wird. Wir erkennen die Leistungen der Schule und der Lehrer cnr. In diesem Zusammenhang möchte ich Dank und Verehrung aussprechen dem verstorbenen Abgeordneten v. Schenckendorff, dessen ganzes Leben der Schule und Jugend gewidmet war.
Neue Ziele müssen unserer Schule gesteckt werden:
Erziehung zur deutschen Persönlichkeit.
Dann werden deutsche Kultur und deuffches Wesen für all« Zeit gesichert sein. . . . . .
Abg. Viereck (fteikons.): Dicher Krreg hat gezeigt, daß es nicht auf Zahlen ankonrmi, sondern aus die Volkskraft, auf die Schulung des Heeres. Unerschöpflich ist der Born der Kraft und inneren Festigkeit des deutschen Volkes. Sie benutzt auf feiner Erziehung, seiner Kirche und seinem Geizt. Was'uns so stark macht, das ist das Gottvertrauen, mit dem lvir in den Kampf für eine gerechte Sache gezogen sind. W,s danken den Geistlichen aller Richtungen, daß sie unseren Kriegern dieses Gottvertrauen erhalten, wir daniken aber auck; den Lehrern, die in unsere Jugend den Geist gepftcwtgt haben, der sie freudig hinausgeführt hat mit Gott für König und Vaterland. (Beifall.) ^ _ ..
Abg. Eickhofs (Vpt.): Auch ich möchte betonen, daß die Seelsorge im Feld und namentlich in den Lazaretten vielfach unzulänglich ist. Der Krieg hat gezeigt, daß unsere Söhne der Vorfahren von 1813 sich würdig gezeigt haben, und so lange unsere Soldaten von dieser Gesinnung beseelt sind, können wir ohne Sorgen sein. Im übrigen wollen wir, was die Pflege des Kultus betrifft, bestrebt sein, das Volk der Denker und Dichter zu bleiben.
Abg. Haenisch (Soz.): Die jetzige Zeit ist zu inmerpoüti- schen Kämpfen nicht geeignet. (Beifall.)
Ein siegreicher Friede liegt keiner Partei mehr am Herzen als der Sozialdemokratie.
Wenn wir foniit mit Rücksicht auf den Burgfrieden auf polemische Kämpfe verzichten, so werden lvir nach dem Kriege unsere Forderungen auf deur Gebiete des Unterrichtswesens wieder aufnehmen und mit unseren Gegnern die Klinge kreuzen. Der unerschütterliche Wille zum Durchhalten und zum Siege, der auch unsere Partei beseelt, wäre noch gesteigert worden, wenn das Kultusministerium durch entsprechende Maßnahmen gezeigt hätte, daß wir einer neuen Zeit entgegengeführt werden. Wir hoffen, daß in unserer Jugenderziehung und Jugendbewegung ein neuer Geist kommen möge, wir erwarten aber, datz in unserer Gesellschaft von unserer Jugend die Klassenkänipfe aufhören mögen. Wir empfinden es als eine brennende Schmach, wenn wir vom feindlichen Ausland als Hunnen und Barbaren bezeichnet werden. Wir erheben Anspruch darauf, daß wir ein Kulturvolk ersten Ranges find. Wir halten darauf, daß unsere Kinder zur Freude an unserem Volkstum erzogen werden. Man hat uns vaterlandsloS genannt; das war ein schlimmer Vorwurf. Wir wollen gute Deuffche sein, aber von diesem nationalen Boden aus wollen wir internationale und gute Weltbürger sein. Wir halten die deuffche Kultur für die un- versiegliche Quelle aller kulturellen Entwicklung. Wir fühlen uns als deutsche Sozialdemokraten, aber auch als sozialdemokratische Deuffche. (Beifall.)
Kultusminister Dr. Trott zu Solz: Trotz der schweren Kriegszeiten ist es möglich, einen Etat auszustellen, der aut besten geeignet ist, die törichten Vorwürfe unserer Feinde zu widerlegen. Ich danke den Vorrednern für das Lob, das sie einstimmig unserer Schule gezollt haben. Wir haben uns bemüht, den Bedürfnissen der Bevölkerung Rechnung zu wagen, und haben nichts versäumt, um den Schulbetrieb auch während
Die Ausnützung der verschiedenen Nahrungsmittel ist eine verschiedene. Es kommt dabei sehr auf die Zubereitung de, Speisen, auf die qualitative Zusammensetzung des Nahrungs-, gemisches und noch auf andere Faktoren an, die hier nicht nähen ausgeführt werden können. So wird rohe Milch besser ausgenutzt als gekochte. Und merkwürdigerweise nutzen Kinder Milch überhaupt besser aus als Erwachsene. Weiche Eier, die leicht verdaulich sind, werden schlechter ausgenützt als harte Eier. Man sieht daraus, datz Verdaulichkeit und Ausnutz- barkeit einer Nahrung nicht das gleiche sind. Fleischeiwetz wird besser resorbiert als Pflanzeneiweiß. Pllze und grüne Bohnen, die sehr viel Eiweiß enthalten, iverden dagegen schlecht ausgenützt. Die Resorption des MehleS fft um so besser, je feiner das Korn gemahlen ist. Werden von feinstem Weizenbrot nur 21,8 Prozent des Eiweiß nicht resorbiert, so steigt die Menge des unausgenützten Eiweiß bei grobgemahlenem Weizenbrot auf 30,5 Prozent, bei Roggenbrot aus ganzem Korne dagegen auf 46,6 Prozent. Gewöhnung cm eine Nahrung verändert die Resorptton kaum; ebenso wie es gleichgültig ist, ob die Speise schmeckt ob«: nicht.
Für die Auswahl der Nahrung ist ja nun nicht immer ihr Nutzwert allein bestimmend, sondern in den mefften Fällen, auch ihr Preis. Die Nahrung verbraucht einen großen Teil des Einkommens, und zwar einen um so größeren, je kleiner jenes ist. Die Kunstfertigkeit der Hausfrau besteht zunächst darin, für billiges Gffd Nahrung mit möglichst viel Kalorien emzukaufen. Der Kaufpreis der Nahrungsmittel beimßt sich aber nicht nach ihrem wahren Nährstoffgehalt, sondern nach der durch den Wohlgeschmack bedingten Nachfrage. ES sst daher sehr wohl möglich, daß teure Lebensmittel einen geringeren Nährwert besitzen als billige. Die in vorangehenden Zeilen ausgestellten Normen für die Bewertung der Ncchrung sind die Grundlagen für jede vernünftig zu gestaltende Er- nährung. Führt man sie durch, so werden sich Wahrscheinkuh gegen früher große Ersparnisse ergeben. Was dies heute für Deutschland zu bedeuten hat, braucht nicht erst ausgeführt Pt werden.
