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Donnerstag, 4. März 1915.
Der Krieg.
Der UnterseebootsKrieg.
Englische Truppen meutern wegen der Minengefahr.
Br. Hamburg, 3. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Beim Seetransport vou Kitcheners neuer Armee nach Frankreich sind unerwartete Schwierigkeiten entstanden. Es haben sich neuerdings, wie dem „Hamburger Fremdcnblatt" aus Rotterdam gemeldet wird, einige Truppenteile wegen der Minen- und Unterseebootsgefahr geweigert, mit dem Transport in See zu gehen.
Die Lahmlegung des englischen Handels
Br. Rotterdam, 3. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Infolge des deutschen Unterseebootskrieges sind, wie die holländischen Blätter melden, auS den elf englischen Grotzhäfen in der letzten Woche 174 Schiffe ausgefabren gegenüber 83Ü in der ersten Februarwochr.
Kamps zwischen einem deutschen Unterseeboot und einer feindlichen Jacht.
Nr.. Amsterdam, 3. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Bon der deutschen Gesandtschaft im H aa g wird bekannt gegeben, daß am 21. Februar, morgens 9,50 Uhr, ein deutsches Unterseeboot im Kanal auf der Höhe St. Georges von einer Jacht beschossen wurde. Die Jacht gab das Fouer in 5000 Meter Abstand aus zwei Geschützen kleinen Kalibers. Das Fahrzeug hatte eine drahtlose Einrichtung und führte keine Kriegsflagge.
Zur englisch-französischen Vlockadedrohung.
Die Auftastung in Norwegen.
W. T.-B. Chriftiania, 3. März. (Nichtamtlich) „Morgen- bladet" schreibt: Die englische und französische Drohung gegen den neutralen Handel nach Deutschland wird von den norwegischen Reedern mit derselben Ruhe ausgenommen wie die deutsche Ankündigung vom 4. Februar. Man hat in Norwegen den deutschen Beschluß nicht anerkennen können Md kann sich auch vor dem englischen n i ch t b e u g e n. In welcher Form die norwegiscke Regierung gegen die neue englische und ftanzösische Maßnahme Widerspruch erheben wird, ist abhängig von der Mitteilung, die von London und Paris den neutralen Mächten ziugestellt wird. „Aftenposten" schreibt: Nach eingegangenen Telegrammen zu urteilen, beabsichtigen die Verbündeten in formeller Beziehung keine eigentliche Blockade gegenüber Deutschland. Ihre Ankündigung kann als weiterer Schritt im Anschluß an die durch die englische Note eingeleitete Nordsee sperre angesehen werden. Der Seehunde! der skandinavischen Länder mit Deuftchland ist bisher nicht besonders gehemmt worden; die direkten Verbindungen haben durchweg aufrecht erhalten werden können, und so haben wir die nicht von dem Ausfuhrverbot betroffenen Produkte regelmäßig absetzen können. Das wird uns jetzt wahrscheinlich abgeschnitten, doch ist es zu früh, als daß man jetzt schon Bestimmtes darüber sagen könnte. Man muß ab- warten und sehen, wie England sein Vorhaben auszuführen gedenkt. Ein Recht zur Kontrolle über unsere oder andere neutrale Gewässer hat England nicht. Wenn England keine direkte Verletzung des Völkerrechts beabsichtigt, so wird es den skandinavischen Ländern nicht unmöglich sein, die Verbindung mit Deutschland aufrecht zu erhalten. Andererseits aber ist es klar, wenn England beabsichtigt, Deutschland von jeder^ Verbindung mit der Außenwelt abzuschneiden, so werden für die nordischen Länder Schwierigkeiten verschiedener Art entstehen, wenn sie die Verbindung mit dem Feinde der Verbündeten aufrecht erhalten wollen, selbst lvenn sie die völkerrechtlichen Bestimmungen durchaus für sich haben. — „Dagbladet" schreibt: Wie verhängnisvoll für mis der neue Zustand wer den kann, wird von dem Vorgehen der Verbündeten abhängen; erst wenn sie darüber Klarheit erlangt haben, werden die neutralen Staaten genau wissen, welche Haltung sie einnehmen sollen.
Große Bewegung in Holland.
Sr. Haag, 3. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Be reits jetzt ist ersichtlich, daß die amtliche Bekanntmachung der Dreiverbandsmächte mit deren Maßregeln gegen Deutschland in holländischen Handelskreisen eine große Bewegung im Ge folge haben wird. Gestern abend wurde von Parlamentär! scher Seite versichert, daß die holländische Regierung höchstwahrscheinlich diese Woche noch einen Protest nach England unv Frankreich senden wird, der vermutlich erheblich schärfer und b e st i m m t e r als alle anderen Protestnoten Hollands seit Kriegsbeginn sein wird. Auch bei den großen holländischen Reedern hat die Ankündigung der Dreioerbandsmächte große E n t r ü st u n g hervorgerufen,.
Eine italienische Stimme.
Sr. Rom, 3. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln. .Tribuna" bemerkt zu der englisch-französischen Note Über die Repressiv maßregeln gegen Deutschland, daß sie eine neue Verletzung der staatsrechtlichen Konventionen bedeutet, die freilich durch Deutschlands völkerrechtliche Maßnahmen veranlaßt sei. Sie hebt den ungeheuren Schaden hervor, den die NichtbemHIung der Konventionen zur Folge hat. Das Blatt wirst dann die Frage auf, ob sich die Neutralen diesen Zustand noch lange werden g e f a l l e n lassen.
Die Haltung der amerikanischen Presse.
W. T.-B. London, 3. März. (Nichtamtlich.) Das Reuter- kche Bureau läßt sich aus Washington melden, daß der .New
Morgen - Ausgabe.
Dork Herald" die Repressalien der Verbündeten billige. Dagegen verträten die meisten anderen Blätter, die sich in der Besprechung Zurückhaltung auferlegen, den Standpunkt, daß die Neutralen gegen jede Beschlagnahme protestieren müßten, die ohne effektive Blockade der feindlichen Küste den Schiffen widerfahren sollte.
Der deutsch-amerikanische Notenwechsel.
Ungarische Pressestimme«.
Vf. T.-B. Budapest, 3. März. (Nichtamtlich.) Dre grämte Presse zollt dem von Humanität und Klugheit diktierten Entgegenkommen der deutschen Regierung gegenüber dm Washingtoner Note ungeteilte Anerknnung und macht England verantwortlich für die Konsequenzen einer Ablehnung. „Matmany" schreibt, die deutsche Regierung habe einen neuerlichen Beweis"von Ritterlichkeit und Aufrichtigkeit gegeben, indem sie sogar auf den Gebrauch der stärksten Waffe teilweise zu verzichten geneigt ist, nämlich die Tauchboote und ihre Aktionssteihert zu be- schränken. — Ähnlich äußern sich auch das „Neue Pester Journal" und der „Pesti Hirlap". „Journal" schreibt: England muß, wenn es sein Schicksal nicht ganz unberechenbaren Zufällen preisgeben will, noch im letzten Augen- blick zu der amerikanischen Vermittelung wie zu einer Erlösung greifen. _ Der Berliner Berichterstatter des „Pester Lloyd" telegraphiert zu der Washingtoner Note: Solange nicht ein Grund gegeben erscheint, die am 18. Februar angemeldete Tätigkeit der Unterseeboote einzuschränken oder obzuändern, wird alles so bleiben, wie es ist. Die Folge davon werden sicher nicht ausbleiben. Die amerikanische Note bleibt, auch wenn das Schicksal sie rasch den Archiven zuführen sollte, ein Verdienst und für die Kultur ein bemerkenswertes Aktenstück.
Der „Dacia"-Fall.
Bon der holländischen Grenze, 1. März. Wie Frankreich den Fall der „Dacia" beurteilen wird, führt schon jetzt der „Matin" aus, indem er schreibt: Dieser Fall ist sehr einfach. Das internationale Seevecht erkennt den Kauf von Handelsschiffen, die kriegführenden Mächten gehören, durch Neutrale nicht an, wenn der Verkauf erfolgt, uni Folgerungen des Krieges zu vermeiden. Das ist aber der Charakter der Operation, deren Gegenstand die „Dacia" gewesen ist. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird also das ftanzösische Seegericht die in ein amerikanisches Schiff verkleidete „Dacia" als gute Prise erklären. _
Dom französisch-belgischen Kriegsschauplatz.
Die französischen Tagesberichte.
W. T.-B. Paris, 3. Marz. (Nichtamtlich) Amtlicher Bericht vom 2. März, nachmittags 3 Uhr: Zwischen Meer und der Aisne war der Tag ziemlich ruhig. Der Feind unternahm nur südöstlich von St. Eloi, südlich Upern, einen Angriff, der durch die Engländer zurückgeworsen wurde. Reims wurde wieder beschossen. Ungefähr 150 Granaten fielen aus die Stadt. Trotz des herrschenden Sturmes rückten wir fortgesetzt am gestrigen ganzen Tage zwischen Perthes und Beause- jour, besonders nordwestlich Perthes, und nordöstlich Lemesnil und nördlich Boausejour vor. Wir haben alle beherrschenden Punkte inne, die unserer Angrisfsftont parallel liegen. Es bestätigt sich, daß Teile der Garde, die in der Nacht vom Sonntag aus Montag einen Gegenangriff auf uns umchten, außerordentlich große Verluste erlitten. In den Argonnen gab es in den Abschnitten Bagatelle und Marie Therese Minenkämpfe und Jnsanteriekamps in einem vorgeschobenen Schützengraben, den wir wieder besetzten, nachdem wir ihn einen Augenblick geräumt hatten. Im Gebiet von Bauquois rückten wir vor. Wir behaupteten das eroberte Gelände trotz zweier Gegenangriffe. In den V o g e s e n, in Chapelotte bei Celles, eroberten wir einen Schützengraben und gewannen 300 Meter.
Amtlicher Bericht vom 2. März, abends 11 Uhr: Zwischen Meer und Aisne fanden oft ziemlich lebhafte Artilleriekämpse statt, wobei wir den Vorteil behielten. Auf der ganzen Front des Abschnittes von Reims, besonders bei der Farm Alger, nahe dem FortPompelle, unternahm der Feind Morgenangriffe, welche leicht zurückgeworfen wurden. Zwischen Souain und Beausejour dauern unsere Forffchritte an mehreren Stellen fort. Wir faßten in vom Feind eingerichteten Gehölzen Fuß und rückten jenseits des Grates vor, dessen Gipfel wir während der letzten Tage erreicht hatten. Ein starker Gegenangriff wurde zurückgeworfen. In den Argonnen im Gebiet von V a u q u o i s wurden alle unsere gestrigen Gewinne behauptet. Wir machten etwa 100 Gefangene. Bei Pont-ä-Mousson brach ein deutscher Nachtangriff im Lsprstre-Wald zusammen. Auf - der übrigen Front nichts Neues.
Die Friedensbewegung in Frankreich.
W. T.-B. Paris, 3. März. (Nichtamtlich.) Der „Temps" schreibt: Der Präfekt des Departements Deux Sevres fordert in einem Rundschreiben die Bürgermeister des Departements auf, Ansichtskarten, auf denen Wünsche nach Frieden um jeden Preis aufgedruckt sind, von den Postkartenhändlern vernichten zu lassen. Diese Ansichtskarten könnten einen entmutigenden Einfluß ausüben. Es sei nicht ausgeschlossen, daß sie auf deutsche Propaganda zurückznführen seien, um die Gemüter zu entmutiaeu.
Nr. 105. * 63. Jahrgang.
Eine Hetzschrift der französischen Katholiken.
Vf. T-B. Lyon, 3. März. (Nichtamtlich.) Der „Nouvel- . liste de Lyon" meldet aus Paris: Das katholische Institut in Paris beabsichtigt die Veröffentlichung eines Buches in sechs Sprachen, und zwar deutsch, srauzösisch, italienisch, englisch, panisch und portugiesisch, betitelt: „Der deutsche Krieg und die katholische Kirche", in dem besonders aus die dem Katholizismus feindliche Rolle Deutschlands (?) in der Welt hingewiesen werden soll. Dem Buche wrrd ein Album beigegeben, in dem Photographien angeblicher deutscher Greueltaten wiedergegeben werden sollen. Das Buch soll unter den Katholiken der ganzer» Welt verbrestet werden.
Rückkehr der in Paris erst verurteilten deuftchen Ärztk.
Sr. Berlin, 8. März. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Blm) Wie das „B. T." hört, sind die vom Pariser Kriegsgericht zuerst verurteilten, dann sreigesprochenen deutschen Ärzte über die Schweiz, wo sie ausgezeichnet ausgenommen wurden, nach Deutschland zurückgekehrt. In Berlin ist u. a. einer der Herren, Dr. Davidsohn, eingetroffen.
Der Flecktyphus in London.
Vf- T.-B. London, 3. März. (Nichtamtlich.) Hier kam der erste Todesfall infolge von Flecktyphus vor.
Das Ende des Streiks im Tlyde-Bezirk.
Vf. T.-B. London, 3. März. (Nichtamtlich.) Dein Rsuter- schen Bureau zufolge teilte das Streikkomitee von Clyde mit, daß die organisierten Arbeiter mit überwältigender Mehrheit beschlossen hätten, die Arbeit am Donnerstag wieder au^uniehmen.
Ei« Preis von 50V Pfund für den ersten Zeppelin.
W- T.-B- London, 3. März. (Nichtamtlich.) Sir Charles Wakefield hat einen Preis von 600 Pfund für den ersten auf britischem Boden niedergeholten Zeppelin ausgeschrieben.
Aus dem verdunkelten London.
Vf. T-B. London, 3. März. (Nichtamtlich.) Die „Daily Mail" schreibt: Die verdunkelten Straßen Londons sind'eilt wahres Paradies für Taschendiebe, die noch nie sv ergiebige Beutezüge gemacht haben. Die beliebtesten Punkte sind der verkehrsreiche Strand und Aldwhch, wo Gruppen von fünf bis sechs Taschendieben einsame Fußgänger umringen und ausrauben, manchmal sogar unter Anwendung von Gewalt. _______________
Don den östlichen Kriegsschauplätzen.
Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.
Nene örtliche Erfolge in den Karpathen. — Heftige Kämpfe in Südostgalizien.
W. T.-B. Wien, 3. März. (Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: In den Karpathen sind westlich des Uzsokcr Passes Kämpfe im Gange, die sich im größeren Umfange um den Besitz wichtiger Höhen und Brückcnlinien entwickeln. Mehrere russische Gegenangriffe wurden blutig abgewiesen und im Laufe des Tages auf der gesamten Front neue lokale Erfolge erzielt. Bei der Erstürmung einer Höhe nördlich C i s n a blieben 400 Gefangene in unseren Händen.
In Südostgalizien wurde an der ganzen Schlachtfront heftig gekämpft.
In D u n a j e c und in R u s s i s ch - P o l e u hat sich nichts Wesentliches ereignet.
Der Stellvertreter des Chefs des Gcneralstabs: v. H ö f e r, Feldmarschalleutnant.
Die Karpathenschlacht.
W. T.-B. Wien, 3. März. (Nichtamtlich.) Der Kriegsberichterstatter des „Fremüenblattes" meldet über die Karpathenschlacht: Gestern wurde auf der ganzen Front von nordwestlich Tschernowitz bis westlich des Dukla Passes andauernd gekämpft. Südlich des Dnjestr hat sich unsere kühn angroisende Infanterie bereits festgebissen und läßt nicht locker. Am Lupkower Paß kämpfen in dem meterhohen Schnee deutsche und österreichisch-ungarische Truppen mit einer Energie, die Wetter- und Terrainschwierigkeiten trotzt. Namentlich in überraschenden Nachtangriffen leisten die deutschen Truppen, die jetzt immer mehr den Anforderungen des ihnen bisher nicht vertrauten Gebirgs- krieges gerecht werden, Wunderbares- Über die Höhen des Uzsoker Passes drangen unsere Truppen in Galizien ein und bieten den verzweifelten Bemühungen des Feindes die Stirne. In der Duklasenke setzte gestern nach zweiwöchigem, ohne besondere Beunrulhigung von den Russen geführten Positionskrieg gleichfalls ein harter Kampf ein, der indes den Feind um keinen Meter vorwärts brachte. Me Stanislauer Schlacht, die noch immer nicht endgültig entschieden ist, brachte uns gestern wieder einige Vorteile. Die Wirkungen unserer schweren Haubitzen aus die übrigens ausgezeichneten Stellungen der russischen Artillerie inachten sich verheerend fühlbar. Trotz großer Opjer an Menichemnaterial machten die Riesen bisher
