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Mittwoch, 3. Marz 1913.

Oer Nrieg.

Der Tagesbericht vom 3. März. Neue schwere Verluste der Zranzosen in der Champagne. — Erfolgreicher Angriff bei Vadonviller. — Russische Angriffe in Nord­polen verlustreich zurückgeschlagen.—wieder 1800 Gefangene.

W. T.-B. Großes Hauptquartier» 3. März. (Amtlich.)

westlicher Nriegsschauplay.

Bei St. Elo i, südlich von Ypern» wurde ein Angriff zweier englischer Kompagnien nach blutigem Handgemenge zurückgeworfen.

Bei S e r « n n e landete infolge Motordefekts rin fr««- z ö s i f ch e s F l u g z e u g; die Insassen wurden gefangen ge­nommen.

Die französischen Angriffe in der Champagne hatten nicht den g e r i n g st e n Erfolg. Wieder wurden die Franzosen mit s ch w e r e n Verlusten in ihre Stellungen zurückgrworfen.

Nordwestlich von Bille-sur-Tourbe entrissen wir dem Feinde Schützengräben in Breite von 350 Meter. Feindliche Borstöße im Walde von C - n s e n v o y e und in der Gegend Ailly-Apremont wurden leicht abgewiesen.

Unser Angriff nordöstlich Badonviller brachte uns einen beträchtlichen G e l 8 n d e g c w i nn; wir schobeu unsere Front hier in den letzten Tagen um 8 Kilometer

vor. .

Nordöstlich von Celles machen die Franzosen ver­gebliche Versuche, die Verluste der letzten Tage wieder auSzugleichr».

lvestlicher Kriegsschauplatz.

Bei Grodno ist die Lage unverändert.

Südöstlich von Au gu stow versuchten die Rnffen den B o b r zu überschreiten. Unter schweren Verlusten wurden sie zurückgcworsen und ließen 1500 Gefangen« in unserer Hand. Andere Angriffe in Gegend nordöstlich L o m z a brachen dicht vor unserer Front gänzlich zu­sammen.

Südwestlich von K o l n o machten wir Fortschritte Südlich Mhsziniez nahmen wir unsere Vortruppen vor überlegenem Feinde etwas zurück.

Nordwestlich von Praschnüsch fühlten die Russen lang­sam vor. Mehrere russische Nachtangriffe östlich von Plozk wurden abgewicsen.

Oberste Heeresleitung.

Abend-Ausgabe.

Oer neue Notenaustausch mit Amerika.

Die zielklare Antwort Deutschlands auf die erste amerikanische Note hat ihren Eindruck nicht verfehlt. Sie ist von der nordamerikanischen Regierung als das gewertet worden, was sie sein sollte: ein Weg zur Ver- ständigung mit den Neutralen und eine Klarlegung der einseitigen Schuld Englands an der Verschärfung des Handelskrieges. Amerikas zweite Note beschreitet diesen Weg der Verständigung und richtet ihre Anregungen und Vorschläge an die Adresse der beiden kriegführenden Staaten. Nicht mehr der scharfe Unterton des „streng verantwortlich macheil" klingt in der zweiten amerikanischen Note wieder. Sie ist ein ehrlicher Versuch, dem Unterseebootskampf und Handelskrieg seine den Neutralen unter Umstän- den ebenso wie den Kriegführenden gefährlichen Formen u nehmen. Sichtlich scheint auf die amerikanische Re- lierung von Eindruck gewesen zu sein, was in der ersten mischen Note über den verwerflichen Aushunge- u n g s p l a n Englands gesagt worden ist. In der ingehenden Darlegung, wie man die freie Zufuhr von ^ebensmittelif an die Zivilbevölkerung der riegführenden Staaten ermöglichen könne, kommt zum .'lusdruck, daß Amerikas Vorschläge nicht nur von dem wohlverstandenen E'geninteresse, sondern auch vom leiste der Menschlichkeit diktiert sind. Zugleich wird damit aber auch gesagt, ohne daß es in Sätze zu formu liert werden brauchte, daß der britische Aushunge rungsplan ein verwerfliches und nicht zu billigendes Kampfmittel ist.

Im wesentlichen sind es vier Punkte, die nunmehr den Gegenstand eingehender Erwägungen zu bilden haben Die Bereitwilligkeit, mit der Deutsch land in eine Diskussion der nordamerikanischen An

regungen eingetreten ist, wird der Welt den klaren Be weis liefern, daß es Deutschland ernst ist, die Schrecken des Krieges selbst gegenüber den Feinden zu vermin­dern und die neutralen Länder so viel wie möglich von ihren Wirkungen zu verschonen. Es liegt in der Natur unseres Stärkeverhältnisses zu England, daß wir dabei der meist gebende Teil sind. Die deutschen Vor­behalte sind außerordentlich geringfügig, und es wird nicht an Stimmen fehlen, die unser Entgegenkommen für fast zu weitgehend erachten. Der erste Punkt, daß treibende Minen von keiner Seite einzeln in den Küstengewässern oder aus hoher See ausgelegt werden dürfen, wird von uns akzeptiert, ein Verzicht aus die offensive Verwendung verankerter Minen ist Deutich- land natürlich nicht möglich, aber diese Verwendung ist ja ausdrücklich in allen geltenden völkerrechtlichen Ab­machungen vorgesehen. Außerordentlich entgegen­kommend ist die deutsche Antwort in der Frage des Unterseebootskrieges gegen »Ä’

schiffe. Hier wollen wir soweit gehen, daß lediglich von dem Rechte der Anhaltung und Untersuchung Ge­brauch gemacht werden soll. Ist die feindliche Natio­nalität des Schiffes oder das Vorhandensein von Kon- terbande festgestellt, so würden unsere Unterseeboote ebenfalls nur nach den allgemeinen völkerrechtlichen Regeln verfahren. In dem deutschen Vorbehalte zu diesem Punkte liegt gleichzeitig der einzige Schutz für die neutrale Schiffahrt. Wir verlangen, daß Eng­land sich jedem Mißbrauch der neutralen Flügge und anderer Abzeichen enthält. Ganz selbstverständlich ist es -dabei, daß England von der völkerrechtswidrigen Bewaffnung von, Han­delsschiffen sowie von der Leistung jedes tätlichen Widerstandes absieht. Es wird wohl keine neutrale Macht geben, die Deutschland diese Haltung nicht dankte! An England ist es jetzt zu zeigen, ob es wirklich für die Neutralen diejenige, Sympathie hegt, die es in Worten zu haben stets vorgibt, durch die Tot bisher aber noch niemals bewiesen hat.

Ein sehr weites Zugeständnis räumt Deutschland Amerika in der von der amerikanischen Regierung an­geregten Regelung der legitimen Lebens- m i t t e l z u f u h r ein. Wir gehen darin so weit, daß wir Amerika jede gewünschte Kontrolle dahin ein- räumen, daß das gelieferte Getreide ini freien Verkehr ausschließlich Verwendung für bie friedliche Zivil­bevölkerung finden soll. Hier ist nur der Vorbehalt gemacht worden, daß uns auch die Zufuhr anderer, der friedlichen Volkswirtschaft dienenden Rohstoffe ein­schließlich der Futtermittel ermöglicht wird. Klar er­gibt sich hieraus, daß es Deutschland Ernst ist mst dem von ihm stets proklamierten Ziele: die Freiherr

der Meere für alle Länder sicher zu stellen.

Es ist der G e i st loyalen Entgegenkom­mens, der aus jedem Satze unserer Antwort spricht Wir erkennen dabei gern an, daß die amerikanischen Anregungen von wahrer Neutralität und dem ernsten Bestreben, das Völkerrecht wieder wirksam zu machen, diktiert sind. Alles hängt jetzt in bezug auf das Ge­lingen des ernsten Werkes von der Haltung Eng­lands ab. Unsere Erklärungen werden ihre Berbrnd- lichkeit erst dann erlangen können, wenn England un­zweideutig ohne Hintertüren ferne An sichten über die amerikanischen Vorschläge darlegt. Bis zu diesem Zeitpunkte muß naturgemäß der verschärfte Handelskriegszustand an dauern. Alle Schädigun­gen die in dieser Zeit etwa auch den neutralen Handel treffen sollten, sind a u s schl ießlr ch ,auf En g­lands Konto zu setzen. Sollte die britische Regie­rung in ihrem Vernichtungswahn die Beschrer tung der Verständigungsbrücke ab lehnen, dann wären wir jeder R ü ck si ch t n a h m e u b e r h o b e n. Nach unserem weitgehenden Entgegenkommen ist es wohl dann auch dem Übelwollendsten klar, daß Englan­den Krieasschrecken für die ganze Welt, insbesondere auch für die Neutralen will, und daß Englands Niederzwing ung so gut wie im deutschen wie

im neutralen Interesse liegt.

*

Porofcfri!

Unter dieser Rubrik schreibt die „Deutsche Tageszeitung" „ a : Die „Kölnische Volkszeitungl und die „Kreuzzertung

haben dieser Tage mit Betonung erklärt, sie brelten es für ausgeschlossen, daß die Einstellung des deutschen Unterseebootkrieges in England für irgendeine Stelle m Deutschland ernstlich in Frage kommen konnte. Und ine Kölnische Volkszeitung" meint: wenn jemand tn Deutsch­

land jetzt flau machte und den Unterseebootkrieg abbrache, wo er England unbequem zu werden anfängt, der würde die Entrüstung des ganzen deutschen Volkes gegen sich haben! Dieser Ansicht sind wir auch (auch wir haben sie von Anfang an vertreten. Schriftl. d. „WieÄb. Tagbl.), möch­ten aber nicht glauben, daß diese Betonung notwendig war. Der Unterseebootkrieg gegen England ist im Gange. Er hat vor kurzer Zeit oegonnen, und die Intensität seiner

Nr. 104. - 63. Jahrgang.

Führung hat schwerlich schon ihren Gipfel erreicht. Will

haben unmittelbar nach der Kriegsgebieterklärung wiederholt Nachdruck daraus gelegt, daß dieser Unterseebootkrieg kern „Knalleffekt" sein würde, sondern daß nur langaus- dauerndeTatkraft zum Ziele führen könne. Es kann nicht dem mindesten Zweifel unterliegen, daß die maßgeben­den und einschlägigen Stellen der deutschen Reichsregierung sich gerade über diesen Punkt lange vor Erlaß der Kriegs-, gebieterklärung völlig klar gewesen sind. Den Entschluß zu einem solchen Unterseekriege zu fassen und ihn einzuleiten, ohne den gleichzeitigen unwiderrufbaren Entschluß, den Krieg auf lange Dauer durchzuführen, ist ganz un>i denkbar. Ebenso kann nicht davon die Rede sein, daß man deutscherseits den Unterseebootkrieg gegen England aufgeben würde, wenn es etwa den Vereinigten Staaten gelingen sollte — was wir nicht glauben —, Großbritannien zu ver­anlassen, daß es die Einfuhr von Lebensmitteln nach Deutsch­land gestattete. Möglicherweise möchte Präsident Wilson eine solche Lösung herbeiführen, was wir ihm an und für sich im geschäftlichen Interesse seines Landes nicht verdenken. Wie aber die „Kölnische Volkszeitung" ganz richtig sagt, brauchen wir Lebensmittel nicht so notwendig, sondern können mit Sicherheit ohne Einfuhr durchhalten. . . . Wie hier immer wieder auseinandergesctzt worden ist, betrachten «ir diesen Handelskrieg gegen Großbritannien als ein wirk­sames Mittel der Kriegführung der größten Seemacht der Welt gegenüber. Die kurze Zeit seiner praktischen Anwen­dung schon hat seine Wirksamkeit im vollen Maße dargetan. Die neutralen Mächte können, wie gestern hier ausge­führt wurde, leicht den Schwierigkeiten und Gefahren aus dem Wege gehen, auch dem Mißbrauche ihrer Flaggen Vorbeugen, — wenn sie wollen! Die Vertreter der deut­schen Reichsregierung wird aber niemand für fähig halten können, sich dieses ebenso legitimen wie wirksamen Kriegs­mittels aus irgendeinem vorstellbaren Grunde oder Motive zu begeben. Eine Waffe, die gegen den Feind vorbereitet wurde und angewandt wird und wirksam ist, zu eigenem Harakiri zu verwenden, das ist an sich etwas so Unwahr­scheinliches, daß wir es auch für den „Spezialfall" nicht er» örtern zu brauchen glauben!

*

weitere Mpfer.

W. T-B. Lyon, 2. März. (Nichtamtlich.) Der „Republicain" meldet aus Dieppe: Die Marineverwaltnn«

von Dieppe wurde Frcitagnachmittag durch den Lencht- turmwächter von Ailly benachrichtigt, daß ein eng­lischer Dampfer 15 Meilen vor Dieppe angeschoffen wurdr. Ein englischer Dampfer fuhr sofort zur Hilfeleistung aoS, doch konnte er an der Unfallstelle nichts mehr von dem ange. schoffenen Dampfer entdecken außer einem Brett, das erst kurze Zeit im Wasser gelegen hatte.

Der englische Schiffsverkehr erlahmt immer mehr!

Berlin, 3. März. (Ktr. Bln.) Trotz der Beschwichtigungs­versuche in der englischen Presse erlahmt der Schiffsver­kehr immer mehr. Ter Verkehr mit Holland und Däne­mark ruht fast gänzlich. Zwischen Lowestvft und Grimsbq begegneten nach derselben Quelle einem schwedische». Schifte mcht weniger als fünf englische Dampfer, die die schwedische Flagge führten und die Erkennungsmarken ihrer Reedereien auf den Schornsteinen übermalt hatten. Einer der Dampfer war mindestens 6000 Tonnen groß.

Die Zrage der Behandlung der in englische Ge­fangenschaft fallenden Besatzungen der deutschen Unterseeboote.

W. T.-B. Kopenhagen» 3. März. (Nichtamtlich) „Ratio­nal Tiöcnde" berichtet aus dem Unterhaus in London: Auf die Frage, wie die englische Regierung die Seeoffizier« und Mannschaften eines deutschen Unterseebootes behandeln würde, die nach Versenkung eines Handelsschiffes in Gefangenschaft fallen würden, antwortete A s q u i t h, daß die Regierung diese Frage in ernste Erwägung ziehen würde.

Auch ttönig Georg hat Angst vor der Untersee­booten.

Berlin, 3. März. (Ktr. Bln.) Der Plan einer neuen Reise des Königs Georg zu seinen Truppen auf dem Fest­lande ist verschiedenen Morgenblättern zufolge vorläufig auf­geschoben worden. Der Anfschub dürfte auf die Untersee­bootgefahr zurückzuführen sein.

Das ».am meisten enttlluschte" England.

Eine neutrale Fesfftellung.

W- T.-B- Kopenhagen, 3. März. „NationalTidende* schreibt in einem Leitartikel: Die Engländer und der eng­lische Premierminister kommen erst jetzt zu klarer Einsicht darübw, daß der Weltkrieg viel härter undopfer- voller für England ist, als sie bei Beginn des Krieges ahnten. Wen,n man einen Blick auf die vergangenen acht Monate des Weltkrieges wirft, zeigt sich, daß aller Länder Feldherren und Staatsmänner sich verrechnet baben, der deutsche Generalstab in der Annahme, daß es ihm gelingen würde, Frankreich rnsdwzuwerfen, ehe die russi­sche Mobilmachung beendet sei; die französischen und russi­schen Leitungen bann, daß sie nicht voraussahen, daß Deutsch­land so gewaltige Heere zur Deckung seiner beiden Fronten werde aufftellen können, und das russische Kriegs- Ministerium in der Annahme, daß es gelingen würde, das deutsche Heer zu vernichten. Die größte Ent,