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Wiesbadener Tagblati.

«erlag Langsafse 21 12 flUSÖöbCtt. ^ „T-,»l...A.ur-- Nr. SS5»-SS.

„Lsgfilall-HauS". rÄ) _ Bon £ USt morgens bis 8 Uhr abends, nutzer Sonntags.

«erlag Langgafse 21

„Tagblan-Haus".

SSatter-Hnlle gebfinet von 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends.

Keguas-PretS für beide «ns,-den: ?0 Psg. monatlich, ML — «ierteljihrlich durch den Verlag Langgasle st, ohne »ringerlohn M 3.— vierteljährlich durch alle deullÄen P«st-nst»lt«n, ausschlntzlich Bellenzeld — Kezuas-Bestellungen nehmen außerdem entgegen! ,n Wlesbaden die Zwetgstelle Bls- marckrmg iS. lowieoie ÄusgabefteLen in allen Teilen der Stadt: in Brebrlch: die dortigen Aus- gadekellen und in den benachbarten Landorten und im Rheingau die betreffenden Tagdlart- Träger.

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Mittwoch. 3. März 1413.

nur Artillerie.

Der ttrieg.

von den östlichen Kriegsschauplätzen,

ver Ssterreichlkch»ungarische Tagesbericht.

Russische Gegenangriffe in den Karpathen abgeschlagen. Fortdauernde Kämpfe südlich des Dniestr.

W-T.-B. Wien, 2. März. (Nichtamtlich.) Amtlich wird Verlautbart vom 2. März: In den Karpathen wurden im w e st l i ch e n Abschnitt zahlreiche Gegen­angriffe der Russen abgewieseu und die in den voraus- gegangrnen Kämpfen von den eigenen Truppen ge­wonnenen Stellungen und Höhen festgehalten.

Südlich des Dujestr dauern die Kampfe an. Auch gester« wurden feindliche Angriffe blutig zurück­geschlagen und hierdurch erstrittenes Gebiet gegen numerisch oft überlegene Gegner behauptet.

In Polen und Westgalizien kämpfe.

In der Bukowina herrscht Ruhe.

Am südlichen Kriegsschauplatz ist die Situation

unverändert. .

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs:

v. Höf er, Fcldmarschalleutnant. Bezeichnende russische Armeebefehle.

W. T.-B. Wien, 2. März. (Nichtamtlich.) Der Kriegs­berichterstatter des „Fremdenblattes" erhielt einen Einblick in die Armeebefehle der russischen 10. Armee, die für den Geist des russischen Heeres charakteristisch sind. Die Armeebefehle betreffen das Verbot der Beraubung von Ge- fallenen und Verwundeten durch Swnitätsmann schäften und die Bestrafung von Fällen von Selbstver­stümmelung sowie von Überläufern mit dem Tode. Ein gleichfalls eingefangener Regimentsbefehl ordnet du Ausführung energischer Nachtangriffe an.

vie Teuerung in Rustland.

W. T.-B. Moskau, 2. März. (Nichtamtlich.) „Ruß koje Wjedomosti" meldet: Die überall einsetzende

P r e i s st e i g e r u n g auf Gegenstände des Massen­verbrauchs, insbesondere solchen von ernster Notwen digkeit, zwingt das Ministerium des Innern, die Gon verneure, Distriktchefs, Kommunen, Börsen usw. zum Kampfe gegen die Teuerung mobil zu machen.

*

Der Erfolg einer Drohung gegen Serbien.

W. T.-B. Wien, 2. März. (Nichtamtlich) Aus dem Krtegs- pressequartier wird gemeldet: Das jüngste serbische Commu nique über dieBeschießungvonBelgrad enthält der­art plumpe Behauptungen, daß deren Widerlegung eigentlich überflüssig wäre. Niemand wird glauben, daß Österreich-Un­garn seine Geschotzfabriken, die angeblich die serbischen Ziele sind, an seiner Landesgrenze erbaute. Ebensowenig wird jemand daran zweifeln, daß die serbische Artillerie, wenn sie den außerhalb Mitrowitzas gelegenen Bahnhof zum Ziele nimmt, nicht das Stadtzentrum trifft. Obwohl also die serbi scheu Behauptungen haltlos erscheinen, ist doch die Tatsache . wissenswert, daß seit unserer Drohung, Belgrad erneut zu bombardieren, dieoffenenStädtean unserer Landes- grenze unbehelligt blieben. Man konnte seither d e u t - l i ch feststellen, daß die serbischen Batterien bei der Beschießung unserer Stellungen gegenüber Belgrad sowie unserer Flug­zeuge darauf Bedacht nahmen, Semlin nicht zu be­schädigen. __

vom französisch-belgischen Kriegsschauplatz, ver französische Abendbericht.

W.T.-B. Paris, 2. März. (Nichtamtlich.) Amtlicher Bericht von gestern abend 11 Uhr: Schnee sturm und Regen behinderten die Operationen an zahl' reichen Frontstellen. In der Champagne warfen wir nördlich Lemesnil einen starken Gegenangriff zu­rück. Wir behaupteten alle unsere gestrigen Gewinne, brachten dem Feinde starke Verluste bei und machten in derselben Gegend Fortschritte. Bei Pont°ä Mousson, im Le Pratre-Walde, eroberten wir ein Blockhaus: in Sulzern, nordwestlich Münster, war­fen wir in "der Nacht vom Sonntag zum Montag einen ziemlich starken Angriff zurück. In beiden Affären machten wir Gefangene. Am Hartmannsweile r- s o p f behaupteten wir trotz deutscher Gegenangriffe das von uns gewonnene Gelände.

3ur Aushebung der ly-jährigen ln Frankreich.

ZV. T.-B. Paris, 2. März. (Nichtamtlich.) Der Jntransigeant" meldet: Die Aushebungsarbeiten

für die Jahresklasse 1916 sind am 27. Februar abge­schlossen. Das Ergebnis ist noch unbekannt, doch dürfte diese Jahresklasse ungefähr dieselbe Mannschaftszahl ergeben wie die Klassen 1915 und 1914.

ver deutsch-französische Invalidenaustausch.

W- T.-B. Bern, 2. März. (Nichtamtlich.) Die Be­förderung der ptt Austausch gelangenden deutschen

Morgen - Ausgabe.

und französischen invaliden Kriegsgefangenen ist nun­mehr endgültig geregelt. Am Dienstag fährt der erste Zug von Konstanz nach Lyon bezw. von ^yon nach Konstanz 1800 französische Schwerverwundete -und 8 00 deutsche Schwerverwundete gelangen zum Austausch. Die g e r i n g e r e Zahl der Deutschen ent- spricht der geringeren Zahl der d eutsch ey Krr eZö­ge f a n g e n e n überhaupt.

Eine Rede Lloyd Georges im Streikgcbiet.

ZV-T.-B. London, 2. März. (Nichtamtlich.) In einer Versammlung in Bangor forderte der Finanz- minister Lloyd George die Teilnehmer dringend auf, in der Streiksrage zu einer Regelung zu kommen, da sie die Maschinenindustrie bedrohe. Der Minister erklärte, er hätte gegen die Flotte nur eine Anklage zu richten, daß sie das Land verhindere, einzusehen, w i e ernst der Krieg sei. Er wünsche, daß seine Landsleute die Aufgabe richtig beurteilten, die dem Lande gestellt sei, und nichts ungetan ließen, um den Triumph des Friedens so schnell wie möglich zu sichern. Die Verbün- deten könnten 20 Millionen Mann aufbringen, wahrend die Feinde kaum die halbe Anzahl aufbringen könnten. Was im Augenblick gebraucht werde, seien eher affen als Menschen. Der Krieg würde gewonnen oder verloren durch die M a s ch i n e n i n d u st r i e. Jeder Tag des Stillstandes bedeute eine Gefahr. Er ermahne deshalb die Arbeitgeber eindringlich, für öffentliche Wohl zusammenzuarbeiten.

DaS Suffragettenkorps — eine Ente.

Dem „Corriere della Sera" wird aus London gemeldet, daß kein einziger Frauenverein etwas von angeblich in Frankreich eingetroffencn Suffragettenkorps wisse. Auch aus dem Kriegsministerium wisse man nichts davon, und niemand habe sie je gesehen. Man könne sich nicht er- klären, wie das Märchen von dem Suffragettenregiment ver­breitet werden konnte.

Ein englischer Offizier über die deutschen Offiziere.

Ein Leser schreibt der „K. Z." folgende Sätze aus einem Briefe, den er von einer Verwandten in Montreux erhielt, die an einen Franzosen verheiratet ist: „Im allgemeinen sind die Engländer sehr fanatisch. Aber gestern traf ich einen verwundetem englischen Offizier, der sagte: „Ich kämpfe nicht gern gegen deutsche Offiziere, sie sind so ritterlich." Ich glaube, die Franzosen wären ganz froh, ein Ende zu machen."

das

Der Unterseebootskrieg.

Asquith spottet ver deutschen Blockade.

„Hochmut kommt vor dem Fall!"

W. T.-B. London, 2. März. (Nichtamtlich) Im Unt haus beantragte A s q u i t h einen neuen Kriegskredit von 250 Millionen Pfund Sterling und führte hierbei aus: Die Kriegskosten aller Art sind aus 2 Millionen Pfund täg- l i ch gestiegen. Aber England und das britische Reich sind so fest wie je entschlossen, den Krieg zu einem siegreichen Ende zu führen. Asquith sagte weiter, daß die Unternehmung gegen di-e Dardanellen sorgfältig vorbereitet sei und ein bestimmtes Ziel verfolge in politischer, strategischer und wirtschaftlicher Hinsicht. Die Unternehmung sei ein neues Beispiel für das enge Zusammenwirken der Verbünde­ten, die sich in die Gefahr und den Ruhm des Unternehmens teilten. Asquith spottete über die angebliche deutsche Blockade Englands und sagte: Die Wahrheit ist, daß die deutsche Flotte die englische Küste nicht blockiert, rächt blockie­ren kann und niemals wird blockieren können. Deutschlands Handlungsweise ist eine Verletzung aller bisher anerkannter internationaler Verpflichtungen und Übereinkommen. Die Verbündeten haben daher beschlossen, zu Repressivmaß­regeln überzugehen, um zu verhindern, daß Güter irgend welcher Art nach Deutschland eingeführt oder von dort ausge­führt werden. Die englische und die französische Regierung behalten sich die Freiheit vor, Schisse, von denen die Ver­mutung besteht, daß sie Güter mit feindlicher Bestimmung oder eines feindlichen Eigentümers oder feindlichen Ursprungs an Bord haben, anzuhalten und nach englischen oder französischen Häfen zu bringen. Die Verbündeten halten sich berechtigt, zu einer wirtschaftlichen Zwangsmaßnahme ihre Zuflucht zu neh­men, aber ihre Absicht ist nicht, die Ladung -der angeführten Schiffe für konfisziert zu erklären, wenn nicht besondere Um­stände die Konfiskation rechtfertigen. Die neue Maßregel soll nicht auf Schiffe angewendet werden, die vor diesem Datum ausgesahren sind. Asqufth fuhr fort: Wenn die

Neutralen durch diese Maßregel belästigt werden, so bedauern wir das, aber die Ncutvalen mögen bedenken, daß nicht wir diese Phase der Kriegsführung herbergeführt haben. Deutschland hat durch die Unterseebootskampagne mit der Seeräuberei und Plünderung begonnen. Die Ver­bündeten können nicht ruhig zusehen, als ob die Staaten noch des Schutzes der Regeln der zivilisierten Kriegsführung ge­nössen. Asquith erwähnte dann die Friedens gerächte und schloß unter lautem Beifall: Jetzt ist nicht die Zeit, vom Frieden zu reden, und wiederholte seine Erklärung aus der Guild-Hall-Rcde vom S. November 1914. Die Rede wurde mit großer Begeisterung auf allen Seiten des Hauses ausgenommen.

Ur. 103. ♦ 63. Jahrgang.

Eine Erklärung Frankreichs und Englands an die neutralen Staaten.

ZV. T--B. Amsterdam, 2. März. (Nichtamtlich.) Die Ncorgenblätter veröffentlichen folgende Mitteilung der fran­zösischen Gesandtschaft im Haag: Die Regierungen Frank­reichs -und Großbritanniens teilten den Regierungen der neu­tralen Staaten folgende Erklärungen mit: Deutschland

erklärt, daß der Kanal und die Nord- und Westküste sowie die die britischen Inseln umgebenden Gewässer Kriegsge- b i e t seien. Es gab amtlich bekannt, daß alle feindlichen Schiffe, die in dieser Zone angetroffen würden, vernichtet werden sollen, und daß neutrale Schiffe sich dort in Gefahr: befänden. Das bedeutet auf den ersten Blick, daß ohne Rücksicht der Bemannungen und der Passagiere jedes Handelsschiff, gleichviel unter welcher Flagge, torpediert wer­den soll. Da das deutsche Marineamt nicht die Macht hat, in diesen Gewässern ein einziges an der Oberfläche fah­rendes Schiff zu unterhalten, können diese Angriffe nur durch Unterseeboote ausgeführt werden. Das Völker­recht und die internationalen Kriegsgebräuche sind bei An­griffen auf Handelsschiffe stets von der Voraussetzung aus­gegangen, daß es die erste Pflicht derer, die ein Handels ­schiff nehmen, sei, das Schiff vor das Prisenge­richt zu bringen, wo der Fall beurteilt und die Recht - mätzigkeit der Beschlagnahme erwogen werden kann, durch dessen Spruch Neutrale ihre Ladungen zurückhalten können. Eine P r i s e versenken ist an und für sich eine anfechtbare Tat, zu welcher man nur unter außerordentlichen Umständen schreiten darf und erst, wenn Maßnahmen- für die Sicherheit der Besatzung und der Passagiere, falls sich sÄche an Bord befinden, getroffen worden sind. Die Verantwortung für die Unterscheidung zwischen Schiffen der Neutralen und der Kriegführenden sowie zwischen neutralen und feindlichen Ladungen fällt offenbar auf das angreifende Schiff, dessen Pflicht es ist, alle Papiere in Sicherheit zu bringen, be- vor es versenkt oder auch nur kapert. Ebenso verlangt die Menschenpflicht gebieterisch, für die Sicherheit der Besatzung und der Passagiere, seien sie neutral oder feindlich, zu sorgen. Auf diesen Grundlagen haben die früherem Besprechungen stattgefnNden und beruhen die Rechte, welche die Kriegfüh­rung zur See regeln sollen. Ein deutsches Untersee­boot hat nun aber nicht die Möglichkeit, -eine dieser Ver­pflichtungen zu erfüllen. Es übt keine Gewalt aus über die Gewässer, in denen es operiert, es bringt seine Prisen nicht vor das Priftngericht, cs führt keine Kaperungsmannfchast mit sich, die es an Bord seiner Prisen legen könnte, es wendet keines der wirksamen Mittel zur Unterscheidung zwischen einem neutralen und einem feindlichen Schiffe an, es nimmt die Besatzung und die Passagiere des Schisses, das es versenkt, nicht an Bord, um für ihre Sicherheit z-u sorgen. Seine Kriegsmethoden stehen außerhalb der Beobachtung aller inter­nationalen Texte, welche die Operationen gegen den Handel in Kriegszeiten regeln. Die deutsche Erklärung führt einen Krieg der blinden Zerstörung ein. Denffchland nimmt dieses Verfahren gegen die friedlichen Handeltreiben­den und nichtkombattanten Besatzungen zu dem eingestau- denen Zwecke an, die Ein- und Ausfuhr sämtlicher Waren ein­schließlich der für die Zivilbevölkerung bestimmten Lebens­mittel in und aus den britischem Inseln und Nordftcmkreich zu Verbindern. Seine Gegner sind infolqedessen gezwungen, nach Repressivmaßregeln zu greifen, um ihrerseits zu verhindern, daß die Waren jeder Art in Deutschland ern- öder ausgeführt werden. Immerhin werden diese Maßregel« von der französischen und der englischen Regi-erna« ohne Gefahr fiir die Schiffe der Neutralen und Nicht­kombattanten ausgefiihrt werden, in vollkommener Überein­stimmung mit den Grundsätzen der Menschlichkeit. Infolge« dessen halten sich die französische und englische Regierung für berechtigt, die Schiffe anzuhalten und in ihre Häfen zu bringen, welche Waren an Bord führen, die mutmaßlich für den Feind bestimmt sind oder vom Feinde stammen. Diese Schiffe und diese Ladungen werden nicht konfisziert werden, wenn sie nicht G'-gemstand der Aburteilung aus anderen Gründen sind. Die Behandlung der Schiffe und Ladungen, die vor dem heutigen Datum in See ge­gangen sind, soll nicht geändert werden.

Zrankreich und wir.

Von Professor Dr. med. H. Bogt (Wiesbaden).*)

Wir stchen gefühlsmäßig unseren drei großen Geg­nern im Westen und Osten in einer verschiedenen Position gegenüber, und wir sind mit unserem deut­schen Gemüt in gewissem Sinne gefährdet, diesen ge- fühlsmäßigen Standpunkt auch in kriegerischen Zecken ellzu hoch zu bewerten. Der Haß und die Erbitterung gegen Enaland sind heute glücklicherweise ern Ge- meingut von uns allen. Das kann auch nicht anders sein gegen ein Volk, das einen Geschäftskrieg führt und das uns diesen Standpunkt durch den Mund seiner be­rufensten Vertreter am Anfang des Krieges auch hat verkünden lassen. „Wenn wir am Kriege terlnehmen, so können wir nicht mehr verlieren, als wenn wir neu­tral bleiben", bat einer der englischen Mmrster gesagt, und ein anderer aus dieseni Kreise verkündete früher:

"Mit der Zustimmung des Verfassers der „Kölvstchen Zeitung" entnommen.