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Wiesbadener Tmblatt

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Montag» 1. März 1915.

Abend-Ausgabe.

Nr. 100. * 63. Jahrgang.

Der Krieg.

Der Tagesbericht vom 1. März.

Die französischen Vorstöße in der Champagne restlos abgeschlagen. Schwere französische Verluste in den Argonnen. Zurückweisung russischer Angriffe bei Lomza und Gstrolenba.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 1 . März. .Amtlich.,

westlicher Kriegsschauplatz.

Bei Lervicq, nördlich Lille, wurde ein englisches Flug­zeug durch unsere Beschießung zum Landen gezwungen. An einer Stelle unserer Front verwendeten die Franzosen wieder­um, wie schon vor einigen Wochen, Geschosse, die bei der Deto­nation übelriechende und erstickende Gase ent­wickeln. Schaden wurde dadurch nicht angerichtet.

Unsere Stellungen in der Champagne wurden gestern mehrfach von mindestens zwei Armeekorps ange­griffen. Die Borstöße wurden nach heftigem Nabkampfc r « ft- l o i abgeschlagen.

Fn den Argonnen erbeuteten wir zwei Minenwerfer. ]

Zwischen dem £ ft raub der Argonnen und B a u a u » i s setzten die Franzosen fünfmal zu einem Dnrchbrnchsversnch an; die Angriffe scheiterten unter schwe r e n B e r l u st e n des Feindes.

Die östlich Bado nvillers von uns genommenen Stellungen wurden auch gestern gegen feindliche Wicderrrobe- rungsversuche gehalten.

(vestiicher Kriegsschauplatz.

Russische Angriffe nördlich Lomza und nordwestlich Lstrokcnka wurden abgewiesen.

Sonst nichts Wesentliches. . '

£brrste Heeresleitung.

Der Kamps um die Dardanellen.

Von Major a. D. M. von SchreiberSbofcn.

Tin englisch-französische Flotte versucht einen Stoß gegen das Herz des türkifchen Reiches zu führen. Sic will gegen die Landeslfauptstadt Konstantinopel selbst Vordringen und versucht sich dazu den Eingang in das Marmara-Meer zu erzwingen. Durch die enge Darda- nellenstratze führt der Weg dorthin, und seit Jahr­zehnten haben die Türken an ihr starke' Küsten­befestigungen ausgeführt, die die Zufahrt verteidigen. Schon seit mehreren Tagen ist ein heftiger Kampf da­gegen cirtbrannt, 10 größere und mittlere Kriegsschiffe sollen, wie dieCentral News" aus Venedig erfährt, den Kampf gegen die türkischen Befestigungen aufge- iwmmen haben. Bis fetzt aber ohne entscheidenden Erfolg.

Die Dardanellen, die das Ägäiiche mit dem Marmara-Meer verbinden, sind etwa 65 Kilometer lang, iui Durchschnitt 5 bis 6 Kilometer, an ber schmal- sten Stelle aber nur 1000 Meter breit. Tie europäische Küste ist Steilküste, init Ausnahme kleiner Mündungs­ebenen der Flüsse, und wird von kahlen, 200 bis 300 Meter hohen Bergen begleitet. Die Flachküste des asiati- säten Ufers geht landeinwärts in ein niedriges Hügel­land über, der bedeutendste Lrt und Hafenplatz ist Gallipoli. Auch große Kriegsschiffe können die Straßen befahren, nur der starke Strom aus dem Marinara-Meer erfordert Vorsicht. Er hat für gewöhn­lich eine Stärke von etwa 1V> Seemeilen in der Stunde, kann aber bei heftigen Nordwinden 5 Seemeilen er­reichen. Die ans alter Zeit auf beiden Ufern angeleg­ten Küstenwerke sind in den letzten Jahren ansgebaut und vervollständigt worden, namentlich nach deni letzten Balkankriege, als die griechische Flotte durch ihre Tätig­keit und die Drohung einer Landung die große Be­deutung einer Verteidigung dieser wichtigen Zufahrt­straße erwiesen hatte. Tie Befestigungen zerfallen rat L allgemeinen in drei Gruppen, von denen die eine am r Weste:ngang der Straße liegt, die zweite in der Mitte und die dritte am Ausgang nach dem Marmara-Meer. Sie stellen also drei bintereinanderliegende^ Verteidi- ; gungsstellungen dar, die an den schmälsten Stellen an- gelegt sind. - Zu der ersten Gruppe gehören auf euro- päischer Seite die Werke von Sedil-Bahr und ihnen gegenüber auf asiatischer Seite die Werke von Kum- Kaleh. Die Werke bestehen hauptsächlich aus offenen Erdbotterien, die mit modernen Kruppschen Geschützen schwersten Kalibers ausgerüstet sind. Die mittlere Gruppe liegt etwa in der Mitte der Straße an der engsten Stelle, der sogenanntenTschanak-Enge", bei Kilid-Bghr auf europäischer und bei Kale Sutnanise ' auf asiatischer Seite. Sic ist die stärkste und mächtigste, aus deren Verstärkung namentlich Brialmont im Jahre

1892 das größte Gewicht legte. Über den Zustand der Werke und ihre Ausrüstung find keine genaueren Nach­richten bekannt geworden. Es sind jedoch für eine er­folgreiche Verteidigung in letzter Zeit große Mittel auf­gewendet worden. Alle Küstenwerke find sowohl auf europäischer wir auf asiatischer Seite durch Mititär- stvaßen sowie durch Telegraphen- und Telephonleitun­gen miteitlander verbunden, so daß die zurückgehaltenen Reserven schnell nach einer bedrohten stelle geschafft werden können. Es ist ein merkwürdiger Zufall, daß die zweite Gruppe gerade aus englische Anregung in den Jahren 1864 bis 1877 errichtet worden ist. Tie dritte Gruppe befindet sich bei Gallipoli beim Austritt der Straße in das Marmara-Meer. Die Landenge von Gallipoli ist hier an ihrer schmälsten Stelle durch die befestigten Linien von Bulair, die vom Marmara-Meer bis zum Golf von Saros gehen, vollkommen geschlossen. Sie haben im letzten Balkankriege eine große Rolle gespiejt. .

Einen besonderen Schutz erfährt die Ltratze noch durch die Minensperren, die an verschiedenen Stellen ausgelegt sind, uirö die sich im wirkungsvollen Feuerbereich der Küstenbatterien befinden,ffo daß ihre Aufräumung sehr schwierig fein dürfte. Solange sie aber nicht beseitigt sind, ist jeder Versuch, durch die Straße selbst durchzudringen, vergeblich. Tie ein­zelnen Werke waren früher nach der Lan d fe ite offen, seitdem aber die Ereignisse des Balkankrieges ge­zeigt haben, daß mit einer Landung feindlicher Trup­pen gerechnet werden muß, find sie auch nach jener Seite hin befestigt worden, so daß sie jetzt ge­schlossene. nach allen Seiten verteidigungsfähige Befestigungen darstellen. Der Hauptschutz gegen Lan­dungen rttitß aber durch mobile Streitkräfte erfolgen. Es ist kein Zweifel, daß die Türkei, wie es auch in früheren Fällen geschehen ist. starke Truppenkräfte an der ganzen Küste bereitgestellt hat. Es ist vorläufig auch nur mit einer Landung schwächerer feindlicher TruppencKteilungen zu rechnen, wie sie von der Flotte i'elbst ausgeschifft werden können. Für größereTrupven- landungen dürsten weder Frankreich noch England ge­nügende Kräfte verfügbar haben, namentlich da bei dem umriitlelbar drohenden Angriff der Türken gegen den Suezkanal aus Ägypten schwerlich erhebliche Kräfte weggezogen werden können.

Tie Beschießung soll nach den bisher vorliegenden Nachrichten keinen Erfolg gehabt haben. Und selbst, wenn einntal die vorderste Gruppe der türkischen Befestigungen zerstört sein sollte, so ist die Durchfahrt noch immer nicht frei, da dann der Kampf gegen die weiter rückwärts befindlichen Gruppen erneut ausgenommen werden ,nutz. Er würde unter wesent­lich schwierigen Berbältiiisien stattftnden müssen, da die feindlichen Kriegsschiffe in dem schmalen Fahrvwsser nur hintereinander fahren und nicht viel manövrieren können. Sie haben deshalb wenig Aussicht, wivkungs- volle Treffer zu erzielen, lvährend sie selbst ein außer­ordentlich günstiges Ziel darstellen. Das Vorgehen hätte nur dann Erfolg, wenn es gleichzeitig mit einem Landangriff größeren Stiles ver- Hunden würde', ein solcher erscheint aber unter den jetzi­gen Verhältnissen gänzlich aussichtslos.

-!-

Die feindliche Zlotte vor den Dardanellen.

Am Lanntag keine neue Beschießung.

W. T-B- Konstantinovel, 28. Febr. (Nichtamtlich. Mel­dung der Agentur Milli.) Wie wir «s amtlicher Quelle er- fabven. hat die stindliche Motte die Dardanellen heute nicht beschossen.

Ein Landungskorps gegen die Dardanellen?

>N»m, 28. Febr. (Frkft. Ztg.) Nach einer Meldung der Tribuna" aus Toulon wurde vor einer Woche ein Armee« f'orps nach Gallipoli (an den Dardanellen) eingeschifft, das vereint mit indischen Truppen aus Ägypten wahrscheinlich schon gelandet sei. (?)

Gras Andrassq über bie russische vardanellenpolrtill.

W. T-B- Wien, 28. Febr. (Nichtamtlich.) In der Neuen Freien Presse-' erinnert Graf Julius A n d r a s s h an der Hand historischer Taren an die unausgesetzten Be­mühungen Russlands, in den Besitz des Bosporus und der Dardanellen zu gelangen, und legt dar, ein russischer Sieg würde für die neutralen Balkanstaaten Rumänien und Bul­garien ein Sklaventum bedeuten, denn die russische Herr­schaft in den Dardanellen und im Bosporus würde aus dem Schwarzen Meer einen russischen Binnensee machen, so dass die Verbindung dieser Balkanstaaten mit der übrigen Welt ganz von Russland abhängen würde. Auch Griechenland werde in der unmittelbaren Nähe dieser gewaltigen russischen Stützpunkte nur ein Scheinleben führen. Es wäre naw. zu glauben, bah die Griechen dann noch Herren der Inseln blei­ben könnten. Diese Machtstellung Russlands würde aber auch Italien bedrohen. Nicht ich, fährt Andrasst) fort, sage das, sondern der grösste Staatsmann und Patriot

des modernen Italiens, Cavour, der in einer Rede ausgeführt l«t: Sollte der Ausgang des Krimkrieges

fiir Russland glücklich fern und der Siegesadler des Zaren infolgedessen seinen Flug nach Konstantinopel nehmen, so würde Russlands absolute Oberherrschaft auf dem' Mittel­meere eine bedrohliche Überlegenheit in den Kabinetten Euro­pas erringen. Diese Folgen müssten aber für Piemont wie für ganz Italien in böchstem Grade unheilvoll sein. Das Schwarze Meer, das mittels Absperrung des Bos­porus, dessen Schlüssel in den Händen des Autokraten bliebe, zu einem russischen Meere würde, bekäine gleichsam des» Charakter einer riesengrossen, ausgedehnten 'Reede von Sebastopol. Derselben Ansicht war C r i s p i. Des­halo hat er uns und England in den achtziger Jahren gegen die russische Expansion in Bulgarien das Bündnis angeboten. Andrassy erinnert daran. Laß auch der dritte Napoleon und Wellington die Absperrung der Meerengen als eine Gefahr für Frankreich und England erklärt hätten, und sagt: Nun, da Großbritannien urid Frankreich

dem russischen Besitz der Meerengen prinzipiell zugesnmmt haben, wirb boffentlich jeder Zweifel bei den Neutrale» darüber schwinden, welche Gefahr eilt russischer Sieg für sie bedeutet.

DasNeue Wiener Tagblatt" sagt: Die Erklärungen

Ssasonows und Greys lassen keinen Zweifel darüber, dass Ko n stant i no pe l und die Dardanellen an Russ­land verkauft sind, und dass man die H ö h e des Kaufpreises beim Friedensschluss erfahren wird. Gibraltar gehört den Engländern, auf C y p c r n und Ma l t a webt die britische, in B i s e r t a die französische Flagge. Mit dem Suezkanal wird England de» Schlüssel zum Mittelmeer behalten und Russland, das im Mittelmeer einge schlossen blecht, mag sich damit trösten, daß es dies Schicksal mit Österreich, Italien, d»n Bal- kanstaatcn und Griechenland teilt.

Der Unterseebootskrieg.

weitere <vpfer.

Berlin, 1. März. <Ktr. Bin.) Einem Amsterdamer Telegramm aus Amlwich zufolge ist auf der Nordküfte der z» Wales gehörigen -Insel Angleseä, dem Orte, an dem die C ambank" torpediert wurde, ein Rettunzsgürtel mit dem NamenW eehawken Swansea" sowie ein totes Pferd angeschwemmt wordenWeehawken" war 1881 ge­baut und hakte eine Grösse von 2784 Tonnen

W- T -B. Paris, 1, März) (Nichtamtlich.) Wie dev Temps" aus Le Havre meldet, soll der englische Danlpser Harpalion", welcher im Ärmelkanal von einem deutschen- Unterseeboot angeschossen worden war, nicht gesunken sein Das Wrack sei vielmehr Mxilen nördlich von Kap Antifcr gesehen worden. .

Die holländischen Reeder und der britische Zlaggendetrug.

Amsterdam, 28. Febr. In einer allgemeinen Versamm­lung der Niederländischen R e e - c r c i v e r e >i n i g u u g wurde auf den Mißbrauch der niederländischen Flagge Lurch Handelsschiffe kriegführender Mächte, speziell britischer Schiffe, hingewiescn. Man bedauert, wie die Blätter berichten, aufs h ö cki st e. dass die britische Regierung durch ihren lw- kannten Erlaß an die HaiiLclSschisfahrt diesen Missbrauch sanktioniert zu baben scheine. Man habe deshalb mit größter Zustimmung von dem Protest Kenntnis genom­men, den die niederländische Regierung best der britisch:« d>r- gegen eu>gelegt habe. Die Erwartung wurde ausgesprochen, dass die britische Negierung ihren Erlaß widerr-ufe.

Die Lohnbewegung in England.

Berlin, 1. März. (Ktr. Bln.) Zu dem Streik in Lem Clhdc-Distrikt lässt sich derVorwärts" aus Amsterdam mel­den: Das Regicrungskomitec für Rcgiernngsarbeiten iu

Metallarbeiten und Schiffsbauten fordert eine schiedsgericht­liche Beilegung aller Konflikte innerhalb 10, Tagen. Das Komitee empfiehlt, in den Munitionsfabriken von der orts­üblichen Arbeitszeit abzuschen. Abzüge vom Stücklohn auszn- schließen, mehr Fvaucnarbeit zuzulassen, jede Arbeitsein­stellung abzulehneii.- Weiter wird dem Blatt gemeldet, daß 200 000 Weber in Lancashirc eine Lohnzulage von 10 Pritzcnt forderten. Die Arbeitgeber lehnten die Lohnzuiage ivegen der gesteigerten Prodnktionskosten und der schlechten Geschäfts­lage ab.

französische presiestimmen zu dem neuen Vor» seblag Rmerista«.

Keine Rücksicht auf dir deutsche Zivilbevölkerung!"

W. T.-B. Paris, 1. März. (Nichtamtlich.) Die Press« erklärt, Wilsons Vorschlag bezüglich des Handelskrieges könne von England nicht angenommen werden. Selbst Wilson werde es nicht anders erwartet haben, als dass die Verbündeten die Blockade Deutschlands noch ver­schärfen müssten, um das Ende des Krieges zu be­schleunigen. - DerTemps" erklärt, Deutschland und Lstcrreich-Unaarm seien ein ungeheuer befestigtes Lager. Die Belagerer brauchten keine Rücksicht auf die Zivilbevölkerung zu nehmen. Das Ziel der Be­lagerung Deutschlands sei eben die Kapitulation. Keine Intervention könne die Massmchmen aufhalten. welche ge­troffen würden, um die Blockade zu verschärfen und die deutsche Seeräuvcrei zu beantworten. Keime Erwägung kenne

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