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Nr 50.

Sonntag, 28. Kebrriar.

I91&.

Ci. Fortsetzung.)

Dore.

Roman von E. Krickeberg.

Nachdruck vcrrboten.

„Gib mir eine kleine Personalbeschreibung von die­sem Schliefen", bat Liddy, als sie im Wagen neben dem kutschierenden Heinz saß. „Man mutz doch wissen, mit wem man es zu tun hat."

„Ein schneidiger Gardeoffizier, «das genügt wohl eigentlich", sagte Hein^ einsilbig. „Allenfalls kann ich noch hiuzusügen — steinreich."

„Also eine gute Partie", lachte Liddy, „da muß ich mich heute sehr schön machen."

„Willst du auf den Männerfang ausgchen?" warf er mißtrauisch hin. „Das hast du doch nicht nötig!"

„Ja, mein Lieber, ich habe 22 Jahre hinter mir. Meinst du. daß ich als alte Jungfer mein Leben be­schließen will?"

Er sah sie erstaunt an. Hatte sie sich versprochen oder wollte sie ihm, dem eigenen Vetter, ein paar Jahre ihres Daseins abstreiten? Dann lächelte er nachsichtig: „Ich denke, die Liebe ist dir die Hauptsache?"

„,O, mir ist nicht bange! Der Mann, den ich liebe, liebt mich wieder, — verlaß dich darauf!"

Sie sab ihn mit ihren versiihrerischen Augen her­ausfordernd an, so daß ihm seltsam heiß zumute wurde.

„Ihr Männer seid ja so unendlich eitel, — man kann jeden von euch zur Liebe zwingen, wenn man es nur richtig anzufangen weiß. — Es ist nett, daß man Mit dir so offen' seine Ansichten anstauschen darf, weil

in festen Händen bist und keine Mißverständnisse obwalten können. Findest du nicht?"

„Ich finde, daß du ein kleiner Satan bist!" stieß er zwischen den Zähnen hervor. Sie lachte lustig auf.

„Das akzeptiere ich mit Dank, nur kein Püppchen, aus Mondschein und Blumenduft zufammeirdestilliert. Aber so laß doch den Braunen etwas mehr ansgreifen, es ist schon spät." Sie zog die Uhr. „Lieber Gott, schon ä^-Uhr, ich kann ja gar nicht mehr Toilette machen."

„In einer Viertelstunde sind wir zu Hanse, so bleibt dir doch eine volle halbe Stunde zum Anziehen."

„Viel zu wenig für einen Gärdeleutnant."

„Du wirst wohl deine Ungeduld zügeln müssen, das Pferd hat eben erst die Lungenentzündung über­standen und muß noch geschont werden."

„Was bei euch alles geschont werden muß! Wenn der Johann eS nachher ordentlich frottiert, fo schadet ihm ein kleiner Trab nichts."

Er antwortete nicht, aber er hielt das feurige Tier fest tm Zügel. Nach einer Weile wandte er sich zum Groom auf dem Rücksitz herum.

„ES Hustet noch leicht, — hast du gehört? Wir hat« U»u es doch wohl noch nicht anspannen sollen."

„Der Tierarzt wollte, daß „Sturm" im leichten Wagen ginge", meinte der Groom.

In diesem Augenblick sprang .das Pferd unverhofft scharf an, fo daß Heinz fast die Zügel verloren hätte.

und sich ins Geschirr legend, raste es wie sinnlos vor­wärts. Er mußte alle Kraft aufwenden, es wieder in seine Gewalt zn bekommen, und als sie im Schloßhof anlangten, stand das Pferd röchelnd, zitternd mit fliegenden Flanken.

Liddy war vom Wagen gesprungen, lachend klopfte sie dem Tier die Schenkel. „Das hast du brav gemacht. „Sturm"! Hast ihnen gezeigt, daß Raffe in dir steckt!"

und Heinz ein Schnippchen schlagend, schlüpfte sie ins Haus.

„Was hatte der Racker nur?" fragte Heinz dm Grooms „er muß doch gescheut haben."

„I wo!" Johann stieß cs mit verhaltenem In­grimm hervor. „Das gnädige Fräulein hatten ihn: ja einen Schwips mit der Peitsche gegeben, als der- gnädige Herr nicht hinsah. Das ist „Sturm" nicht gswohnt, das verträgt er nicht mal in gesunden Tagen, und jetzt ist er desperat vom laugen Stehen."

„Reibe ihn sofort gelinde ab und packe ihn in Decken." Heinz ging langsain in das, Haus, Heiyüich — nein, heimtückisch hatte sie den; kranken Tier einen Peitschenhieb gegeben, damit sie ein paar Minuten länger für ihre Toilette erübrige. Ob das Tore . . . Potz Element! Warum er immer die beiden einander gegenüberstellen urußte, sie waren nun einmal ganz heterogene Temperamente. Dore würde mich nickst eine» Mann zur Liebe zwingen wollen! Wie hatte Liddy ge- sagt? Ein Püppchen ans Mondschein und Mnmcnduft destilliert — mit Honigsemmeln großgepäppÄt — dis Dore? Hahaha, da irrte sie sich dach!

Er lachte, aber in feinem Innern einpörte sich etwa?, Widerwillen und Zorn gegen fick und den kleinen Satan mit den schwarzen Augen packten ihn. Seitdem Liddy auf dem Schloß weilte, erfaßte ihn in diesem Augenblick zum erstenmal eine heiße Schnsucht nach Dore und dem still seligen Behagen, das ihm das Zu­sammensein mit ihr so teuer machte. Warum sprang er nicht schnell- auf einen Augenblick zn ihr hinüber?

Er hatte schon ein paar Schritte in der Richtung irach ihren: Hänschen getan, als ihn: Rittmeier begeg­nete. „Gehen Sie zn Fräulein Werlich?" fragte er. „Dann bitte, grüßen Sie sie recht «herzlich tooit mir und wir erwarten sie heute abend bestimmt."

Er hatte ja keine Zeit, er mutzte sich zum Diner an-, kleiden. Und während der Toilette ärgerte er sich wie­der, daß er nicht doch selber gegangen war. Der Zwie­spalt seines Wesens machte ihn unruhig, nervös, reiz­bar. Es war etwas Verworrenes in rhu:, das ihn peinigte und das er doch anfzulösen sich fürchtete. ES drängte ihn. klar zu sehen, und er schloß doch fest die Augen. Ji: diesen: Zustand empfand er eine solche Ab­neigung gegen Liddy, daß es ihn Überwindung kostet^ ihr wreder gegenüber zn treten. Und doch ärgerte e» ihn, alS er sah, wie sie den Grafen Schliefen zu be­zaubern suchte — ihm zun: Trotz, oder weil fie lieb« irgend einen nehmen alS alte Jungfer werden toottirt