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Sonntag» 28. Zebruar 19t5.

Morgen - Ausgabe.

Nr. 99. » 63. Jahrgang.

Der Urieg.

Der Unterseebootskrieg.

Sperrung der französischen ttanalhäfen.

Br. Paris, 27. Febr. (Gig. Drahtbericht. Ktr. Bin.) Die Regierung hat die französischen Kanalhäfen nach dem Vorgehen Englands vom 24. Februar ab für den Handelsverkehr gesperrt. Gründe für die Maß­nahmen werden nicht bekannt gegeben, doch steht die Verordnung tm Zusammenhang mit dem deutsche» Nuterseebo otskriege.

Die Postverbindung nach England wieder unterbrochen.

Rotterdam, 26. Febr. Während die Postverbindung nach England gestern wieder völlig hergestellt war, ist sie heute ganz abgebrochen.

Erneute Beschränkungen der englischen Handelsschisfahrl durch England.

Br. London, 27. Febr. (Gig. Drahtbericht. Ktr. Sin.) Die englische Admiralität hat den Behörden mehrerer bedeu­tender Häfen Englands eine Reihe weiterer Vorschriften zu­gehen lassen über erneute Beschränkungen in der Handels­schiffahrt. Genauere Einzelheiten sind noch nicht bekannt, doch steht bereits fest, datz mehrere Häsen, u. a. Southampton, von nun ab für die Handelsschiffahrt völltg gesperrt sind.

Die Lohnbewegung der englischen Seeleute.

Br. Haag, 27. Febr. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Der „Sunderlandpost" zufolge ist die Ausstands- und Lohnbewegung der englischen Seeleute wesentlich größer als aus den bisherigen Meldungen hervor- geht. Im Clvde, im Humber und in der Themse liegen über 130 Schiffe, deren Mannschaften dir Ausfahrt verweigert haben. Als Grund der Arbeitsein­stellung wird das Verlangen nach Lohnerhöhung angegeben, die man angesichts der erhöhten Gefahr und der Lebensmittelteuerung für gerechtfertigt hält.

Der „Regin" auf eine englische Mine aestosten.

W.T.-B. Christiania, 27. Febr. (Nichtamtlich.)' Aus telegraphischen Aufklärungen, die das Ministe­rium des Äußern von der Gesandtschaft in London er­hielt, geht hervor, daß der Dampfer „Regin" sich in dem britischen Minenfeld befunden hatte und daß das Generalkonsulat in London annimmt, daß das Schiff aus eine Mine aestosten ist.

Kopenhagen, 26. Febr. Der Londoner Korrespondent der .National Tidende" hatte mit dem Kapitän und dem Steuer­mann des gefunkenen norwegischen Dampfers „Regt n" eine Unterredung. Der Kapitän erklärte, es sei unmöglich, bestimmt zu sageu, ob der Dampfer auf eine Mine gestoßen oder von einem Unterseeboot angeschosfin worden sei. Der Kapitän und der Steuermann vermöchten bloß zu sagen, daß nach einem furchtbaren Knall eine Säule vom K o b l e u - staub bis zur höchsten Mastspihe aus dem Schiss schoß, worauf es zu sinken begann. Nack Beendigung des Verhörs bei dem norwegischen Gesandten kehrte die Besatzung heute von England nach Norwegen zurück.

Kriegszulagen auf norwegische» Dampfern.

W. T.-B. Christiania, 27. Febr. (Nichtamtlich.) Die Soendenfiaeldsche Dampfschifsgesellschaft und die Jeloelinie geben bekannt, wie ,. Mo rgenü ladet" meldet, daß die Kriegszulage sür die Schiffahrt nach Lübeck ab 1. März um fünfzig Prozent erhöht wird.

Die neue amerikanische Antwortnote an England.

Br-. Kopenhagen, 27. Febr. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Wie Londoner Blätter wissen wollen, schlägt die amerikanische Antworrnote vor, England solle gewiffe Garantien geben, daß Lebensmittel nach Deutschland unter der Be­dingung eingeführt werden können, daß diese ausschließlich für die Zivilbevölkerung bestimmt würden. Der „Globe" schreibt dazu: Dieser Vorschlag ist so im hohen Maße im In­teresse des Feindes, daß wir annehmen müssen, Amerika habe sich von Deutschlandüberlisten lassen. Die „Evening News" schreiben: Wir wünschen nicht, grausam zu sein, können andererseits aber nicht vergessen, daß wir um unsere Existenz kämpfen. Dies berechtigt uns, die Sache mit an­deren Augen zu betrachten, als die neutralen Staaten tun. Wie die „Times" meldet, gewinne überhaupt die Neigung in den Bereinigten Staaten Anhang, durch ein Ausfuhrver­bot aller Konterbande auf eine rasche Beendigung des Krieges hinzuwirken.

vom französisch-belgischen Kriegsschauplatz.

Die französischen Tagesberichte.

W. T.-B. Paris, 27. Febr. (Nichtamtlich.) Amtlicher Bericht von gestern nachmittag 3 Uhr: Die belgische Armee ge'vann einen kleinen Schützengrabenabschnitt wieder, welchen sie vorübergehend verloren hatte. Die

Engländer warfen einen deutschen Angriff in Bel­gien zurück und gewannen etwa 100 Meter auf der Straße nach La Bassäe. Im Aisnetale zeigte sich die deutsche Artillerie ziemlich tätig, aber unsere Batterien brachten sie am Nachniittag zum Schweigen. In der Champagne setzten wir unsere Fortschritte fort und gewannen Gelände im Gehölz nordwestlich Perthes und nördlich Le Mesnil und Les Hurlus. Im Maastal dauern die Kämpfe fort. Bei Jumelles zerstörten wir Unterstände für Maschinengewehre und feindliche Schützengräben. Im Bois Brul 6 bei Apremont machten wir neue Fortschritte und Vertrieben die Deutschen aus mehreren Verbindungsgängen zwi­schen ihren Schützengräben. Der Feind erlitt schwere Verluste. Er ließ zahlreiche Schilde und Gerätschaften zurück.

W. T.-B. Paris, 27. Febr. (Nichtamtlich.) Amtlicher Bericht von gestern abend 11 Uhr: Geschühfeuer auf

der ganzen Front. In der Champagne dauerten unsere Fortschritte an. Indem wir zwei hintereinander- liegende Reihen Schützengräben einnahmen, gelangten wir nördlich von Les Mesnil bis zur Höhe des von den Deutschen besetzten Geländes. Westlich davon dehn­ten wir unseren Besitz durch Eroberung eines bedeuten­den Stückes der feindlichen Linien aus. Von den A r- g o n n e n bis zu den V o g e s e n ist n i ch t s zu melden.

Ein französischer Bericht über erbitterte Gefechte bei §t. Mihiel.

Br. Rotterdam, 27. Febr. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) In einem amtlichen Bericht der „Agence Havas" vom 26. Februar werden Einzelheiten mitgeteilt über erbitterte Gefechte, die vom 17. bis zum 21. Februar in der Gegend von Verdun und St. Mihiel stattfanden. Es sei um den Be­sitz der R e d o u t e E p a r d e £ gekämpft worden, die von den Franzosen erobert und gehalten worden sei, obwohl die Deut­schen acht ungestüme Gegenangriffe ausgeführt hätten. In dem Bericht wird gesagt, daß die Redoute die vordersten Be­festigungswerke beherrsche, die den Deutschen zur Vertei­digung von St. Mihiel dienen. Der französische Erfolg sei durch systematisches Vorrücken mittels Schützengräben er­zielt worden.

Dar (vffiziersmangel in Frankreich.

W. T.-B. Paris, 27. Feor. (Nichtamtlich) Der „Temps" meldet, daß der Kriegsminister die Zivilbehörden ersuchte, sch n e l l st e n s die Namen der ehemaligen Artillerie- und Genieoffiziere bekanntzugeben, welche als Beamte tätig sind und wieder zum aktiven Dienst eirkbernfen werden könn­ten. ohne daß der Dienst der Vorwaltungszweige durch die Einberufung gestört würde. Die wiedereinberufinen Offi­ziere haben gemäß ihrem Dienstalter Anspruch ans Be­förderung.

Kleinliche französische Rachsucht.

W- T-B. Paris, 27. Febr. (Nichtamtlich.) Dem „Temps" zufolge hat die Foeiete nationale de Chirurgie alle deut­schen und österreichisch-ungarischen Mitglieder gestrichen.

Französische Erhebungen über die deutschen Gefangenen­lager.

W. T.-B. Lyon, 27. Febr. (Nichtamtlich) „Nauvelliste" meldet aus Paris: Das Ministerium des Äußern hat be­schlossen, allen Franzosen, welche aus dem von dem deutschen Heere besetzten Gebiete zurückbefördert wurden, einen Fragebogen vorzulegen, um eine ausführliche Unter­suchung über die Behandlung der Franzosen in deutscher Ge­fangenschaft durchzuführen.

Austausch von deutschen und englischen Konsularbeamten.

W. T.-B. London» 27. Febr. (Nichtamtlich. Unterhaus.) Mac Kinnou Wood sagte in Beantwortung einer Anfrage, es seien Verhandlungen im Gange, daß gewisse deutsche Konsulavbeamte, die sich in England befinden, gegen britische Konsularbeamte in Deutschland ausgetauscht werden.

Die Stimmweiber im englischen Heeresdienst.

Stockholm, 26. Febr. Das Automobilistenkorps der Suffragetten besteht aus zwei Bataillonen von vier Kom­pagnien. Jedes Bataillon zählt 560 Frauen. Man hofft, daß jede Frau einen Mann ablösen kann, so daß diese Männer zum Kampf in der Front ftei würden.

von den östlichen Kriegsschauplätzen.

Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.

Ein ruffischer Angriff unter schweren Verlusten zurück- geschlagen. — 730 Gefangene. — Fortdauernde hart­näckige Kämpfe in Südostgalizien.

W. T.-B. Wie», 27. Febr. (Nichtamtlich) Amtlich wird verlautbart: An der p o l u i s ch - g a l i z i s ch c » Front stellen­weise lebhafter Geschützkampf.

In den Karpathen ist die allgemeine Situation un­verändert. Im Abschnitt Pucholla-Whschkow wurde heftig gekämpft. Hier wurde ei» ncurrlichcr Angriff auf die eigenen Stellungen im O v o r t a l „ach erbittertem Nahkampf unter schweren Verluste» des Gegners zurückgeschlagrn. Das angreifende 9. finnische Schützenregimcnt ließ 360 Tote, mindestens ebensoviel Verwundete an unseren Stellungen zu­

rück. 730 Mann des Regiments wurden unvcrwundet ge­fangen genommen.

Die mit großer Hartnäckigkeit geführten Kämpfe in Siidostgalizien dauern an.

, Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Hofer, Feldmarschalleutnant.

Die Kämpfe bei Stanislau.

W. T.-B. Wie», 27. Febr. (Nichtamtlich.) Der Kriegs­berichterstatter des „Fremdenblattes" telegraphiert: Die Kämpfe anr Nordabhang der Karpatben und am Abschnitt bei Stanislau nehmen derzeit einen ruhigen Charakter an. Gehemmt ist das Tempo unserer Aktion durch große Sch nee fälle, die alle Bewegungen verlangsamen. Die Russen haben große Verstärkungen herangezogen Sie scheinen unserem Vordringen gegen den Dnjestr eine entscheidende Bedeutung beizumessen und konzentrieren hier alles, was sie an Kräften in Ostgalizien freibekom­men. Die Situation ist uns insofern günstig, als die Verhältnisse einen Bewegungskrieg gestatten, in dem erfahrungsgemäß die Taktik der Verbündeten der schwer­fälligen Positionstaktik der Russen überlegen ist. Der An­griffsgeist unserer Truppen ist vorzüglich. Insbesondere be­währen sich die kroatischen Regimenter.

Ein enalisckier Bericht über die Gefechte im Osten.

Br. Amsterdam, 27. Febr. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bin.) Reuter meidet aus Petersburg: Die Gefechte an der Rjemen, Bobr, Narew und Weichsel entwickeln sich zur größten Feldschlacht des Krieges. „Daily Telegraph" berichtet aus Petersburg, man glaube dort fest, daß die Deutschen einen allgemeinen Angriff auf die Njemen-, Bobr­und Narewlinie beabsichtigen, da diese durch gewaltige Ver­teidigungswerke geschützt seien, während die Deutschen bet Warschau ihren Flügel bloßftellen würden. Man würde sich daher nicht wundern, wenn die Deutschen (?) sich in den nächsten Tagen zurückziehcn.

Zreigabe weiterer Teile Ostpreußens für die Rückkehr der Flüchtlinge.

W. T.-B. Königsberg, 27. Febr. (Nichtamtlich) Der Landeshauptmann der Provinz Ostpreußen gab <rls Staats- kormnissar für das Flüchtlingswefin im Einvernehmen mit dem Oberbefehlshaber im Osten folgende weitere Teile der Provinz Ostpreußen den Flüchtlingen für die Rückkehr frei: Stadtkreis Tilsit, Landkreis Tilsit, südlich der Memel, dem westlichen Teil des Kreises Ragnit, der im Norden durch den Memelstrom und die Szeczuppe, im Süden durch den Inster und zwischen der Szeczuppe und den Inster durch die Linie begrenzt wird, die von der Szeczuppe zum Inster über Naujejingken zu ziehen ist.

Russisches.

W- T.-B. Petersburg, 27. Febr. (Nichtamtlich.) Das Strafgericht verurteilte mehrere Sozialdemokraten, unter denen sich fünf Mitglieder der Duma befanden, zum Verluste aller bürgerlichen Rechte und zu Verbannungs- strafeu. Die Dumamitglieder waren angeklagt, in ihrer Eigenschaft als Mitglieder der sozialdemokratischen Partei eine Agitation gegen den Krieg eingeleitet zu haben und für die Verbreitung des Gedankens, alle europäischen Staaten mit Einschluß Rußlands in demokratische Republiken umzuwanbeln, in Arbeiterkveifin eingetreten zu sein.

W. T.-B. Petersburg, 27. Febr. (Nichtamtlich.) Baron Dr. Taubel, Professor für internationales Recht und Gc- bilfe im Ministerium für den öffentlichen Unterricht, ist zum Senator ernannt worden.

W. T.-B. Petersburg, 27. Febr. «Nichtamtlich.) Ein Rundschreiben des Finanzministers verbietet die Aus­fuhr von Alkohol nach den Rußland befieundeten und verbündeten Staaten.

Der Krieg im Grient.

Ein Bericht des türkischen Hauptquartiers.

W. T.-B. Koustaniinopel, 27. Febr. (Nichtamtlich) Das Große Hauptquartier teilt mit: Durch die s i e b e n st ü n d i g e Beschießung mit schweren Geschützen beschädigten feind­liche Schiffe gestern unsere Autzenforts an den Darda­nellen an einigen Punkten. Trotzdem hatten wir nur 5 Tote und 14 Verwundete. Auch heute setzte die feind­liche Flotte die Beschießung fort, zog sich aber nachmittags aus dem Feuerbereich unserer Batterien zurück.

Bei Sedulba schiffte am 10. Februar ein französischer Kreuzer an der Küste von A k a b a etwa 100 Soldaten aus. Nach einem zweistündigen Gefecht zog sich der Feind unter Verlusten auf das Schiff zurück. Trotz der Heftigkeit seines Geschütz- und Maschinengewehrfiuers hatten wir nur 3 Tote und 3 Verwundete.

Aus Walto. '

Venedig, 26. Febr. (Ktr. Bln.) Malta befindet sich jetzt tm Belagerungszustand, der sehr streng gehandhabt wird, niemand kann die Insel verlassen oder dort landen. Augenblicklich ist Malta ein fran­zösischer Stützpunkt im Mittelländischen Meer. Es befinden sich 20 französische Kriegs- sowie Handels­schiffe dort, aber auch englische. Im Konzentra­tionslager sind ungefähr 4000 Gefangene, und zwar Deutsche, Österreicher, Türken und Ägypter, die aus Ägypten nnd anderen afrikanischen Ländern ge­kommen sind.