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Samstag» 27. Zebruar 1913. HlOt s BUS^bC* Nr. 97. ♦ 63. Jahrgang.

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vom französisch-belgischen Kriegsschauplatz.

Der Nrieg.

von den östlichen Kriegsschauplätzen.

Die in der Masurenschlacht gefangenen Generale.

VV- T.-B. Berlin, 26. Febr. (Nichtamtlich.) Aus dem Großen Hauptquartier wird uns geschrieben: In den russischen amtlichen Mitteilungen wird die Ausdehnung der Niederlage in der Winterschlacht in Masuren ent­weder verschwiegen oder zu verdunkeln versucht. Auf diese Bemühungen näher einzugehen, erübrigt sich. Als Beweis der Größe der Niederlage mag nur folgende Liste der Dienststellungen der gefangenen Generale dienen. Vom 2 0. Armeekorps: der kommandie­rende General, der Kommandeur der Artillerie, die Kommandeure der 28. und 29. Infanteriedivision und der ersten Jnfanteriebrigade der 29. Infanteriedivision. Der Kommandeur dieser letzteren Division ist bald nach der Gefangennahme seinen Verletzungen erlegen. Vom 3. Armeekorps: der Kommandeur der 27. In­

fanteriedivision und von dieser Division der Komman­deur der Artillerie und der zweiten Jnfanteriebrigade. Von der 53. R e s e r v e d i v i s i o n: der Divisions­

kommandeur und der Kommandeur der 1. Jnfanterie- brigadc. Von der 1. sibirischen Kosaken­division: ein Brigadekommandeur. Kuszeichnunaen Hindenburgs und Sudendorfs.

W. T-B. Berlin, 26. Febr. (Nichtamtlich.) Wie das «B. T." erfährt, hat der Kaiser dem Generalfeldmarschall d. Hindenburg und seinem Generalstabschef General­leutnant v. Ludendorf das Eichenlaub zum Orden Pcrar le merite, ferner dem Oberstleutnant Hoffmann den Hausorden von Hohenzollern verliehen.

Hindenbur^s Dank an Posen.

P»sen, 25. Febr. Generalfeldmarschall v. Hinden- b u r g hat an den Oberbürgermeister von Posen, Gebeimrat Dr. W i l m s, unterm 2V. d. M. aus dem Hauptquartier im Osten folgendes Dankschreiben gerichtet: „Während meiner dreimonatigen Anwesenheit in Posen find mir unendlich viele Beweise des Vertrauens und wohlwollender Gesinnung aus allen Schichten der Bevölkerung entgegengebracht worden. Euer Hochwohlgeboren darf ich daher wohl ergebenst bitten, der Bürgerschaft meinen herzlich st en Dank für diese mich unendlich erfreuenden Kundgebungen gütigst zu übermitteln. Ich werde mich der in meiner lieben Vaterstadt verlebten Zeit stets gern erinnern und wünsche der Hauvt- und Residenzstadt Posen Blühen und Gedeihen. Meinen Mitbürgern herzlichsten Gruß. v. Hindenburg, Generalieldmarschall und Oberbefehlshaber der gesamten deutschen Streitkräfte im Osten."

Abgcsetzte russische Generale.

Be. Kopenhagen, 26. Febr. (Eig. Drohtibericht. Ktr. Bin.) Die Petersburger „Nowoje Wremja" vcröffent- licht mit Genehmigung der Zensur eine Liste von 2 6 Generalen des russischen Heeres, die in den letzten drei Wochen teils pensioniert, teils zur Disposition ge­stellt Morden sind, darunter 12 Divisionsgenerale.

General Dimitriew zum russischen Generalfeldmarschall ernannt.

W. T-B. Wien, 26. Febr. (Nichtamtlich.) Die „Reichs- post" meldet aus Sofia: Wie „Dmewnik" aus Petersburg be­richtet, ist der ehemalige bulgarische General Ratko Dimitriew, Oberkommandierender der dritten russischen Armee, zum Generalfeldmarschall ernannt worden.

Die neue deutsche Kngrrffsbewegung bei praschnüsch.

Br- Haag, 26. Febr. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bin.) „Evening News" erfahren auS Petersburg, die Deutschen hätten bei Praschnüsch abermals mit einem völlig neue» Armeekorps eine Angriffsbcwcgung auSgeführt. Heftige Gefechte hätten stattgefunden, und da nicht genügend schnelle Verstärkungen konnten herangeführt werden, seien zwei russische Brigaden abgeschnitten worden. Der russische Kundschafterdienst habe die Anführung sehr erheb­licher Truvvenmassen gegen Praschnüsch fcstgestellt. Man ver­mutet, daß der deutsche Plan der ist, die russischen Linien, die non Wüschogrod, die Weichsel entlang in nördlicher Richtung nor der Narewlinie, sich hinzichen, zu d u r ch b r e ch e n, um die Eisenbahnverbindung Warschau - Petersburg ab- z u s ch n e i d e n. Es wird befürchtet, daß nach dem Fall von Praschnüsch der linke russische Flügel, der Wüschogrod am südlichen Weichselufer besetzt hielt, sich zurückziehen muß, um nicht der Gefahr einer Umzingelung ausgesetzt zu werden.

Der russische Generalstabsbericht.

Br. Amsterdam, 26. Febr. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Der Petersburger Generalstab teilt mit: In dem Abschnitt von Kowno bis Olyta am Njemen drangen unsere Vorposten am Flusse weiter vor. I o j a, aus dem linken Ufer, ist in den Händen der Deutschen, die bei Swentojansk eine kleine Abteilung Infanterie auf das rechte Ufer übersetzten. Hier wurde gekämpft. Am linken Ufer des Njemen, östlich Grodno am B o b r, dauern die Kämpfe fort. Vor O s o w i e tz antwortete unsere FHtzrugsartillerie erzreich dev deutschen

Batterien. Auf dem rechten Ufer des N a r e w fanden Kämpfe an der gesamten Front statt. Der Feind sammelt alle Kräfte in der Richtung Rowo-Grodisk und Praschnüsch ^Inzwischen ist, wie gestern gemeldet, Praschnüsch von den deutschen Truppen erobert worden.)

Berurteilte russische T-lst-ianer und Sozialdemokraten.

W. T-B. Petersburg, 26. Febr. (Nichtamtlich.) Die Tolstoiancr Leschtschenke und Bjelenk wurden wegen Verbrei­tung nichterlaubter Schriften Leopold Tolstois mit einem Jahre Gefängnis bestraft. Der Senat gab der Berufung keine Folge.

W. T-B. Petersburg, 26. Febr. (Nichtamtlich.) „Rjetsch meldet, dah sieben Arbeiter, teils Wahlmänner für die Duma, zu Zwangsarbeit bis zu sechs Jahren verurteilt wurden, weil sie der sozialdemokratischen Partei angehören. Der Senat gab der Berufung keine Folge.

Die Verschickung der deutschen Kolonisten in Rußland.

XV. T-B. Petersburg, 26. Febr. (Nichtamtlich) „Rußkija Wjedomosti" berichtet aus T a m b o w, dass im Lause des Januar durch die Stadt 11920 deutsche Kolons st en kamen, die aus den westlichen Gouvernements nach Sowa- toff Archangelsk verschickt wurden.

ver österreichisch»ungarische Tagesbericht.

1240 Russe« gefangen genommen.

W. T-B. Wie», 26. Febr. (Nichtamtlich) Amtlich wird verlautbart vom 26.: In Russisch-Polen war gestern in dem Gefechtsabschnitt östlich Przedberz lebhafter Geschütz­kampf im Gange.

An der übrigen Front, nördlich der Weichsel, und in Westgalizien herrschte größtenteils Ruhe.

In den Karpathen scheiterten feindliche An­griffe im Ondavatal sowie aus unsere Stellung nördlich des Sattels von B e l o v e c. Bei der Erstürmung einer Höhr wurden in dem Kamps in Düdostgalizien 1246 Russen gefangen.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Höf er» Feldmarschalleutnant.

Der Unterseebootskrieg.

Englands Wehrlosigkeit gegen unsere Untersee­boote.

Eine richtige Beurteilung aus Amerika.

W. T.-B. Kopenhagen, 26. Febr. (Nichtamtlich.) „Ztational Tideri.de" erfährt aus Washington, daß die amerikanische Negierung ein« Erhöhung der Versiche­rungsprämien erwäge. In maßgebenden amerikani­schen Marinekreisen beginn« sich die Meinung zu bil­den, daß England den Aktionsradius und die Entwick- lungsniöglichkeiten der deutschen Unterseeboote stark unterschätzte. Die allgemeine Meinung gehe jetzt dabin, keine Vogelstraußpolitik mehr zu treiben und nicht mehr zu tun. als ob es völlig gleichgültig wäre, wieviel Unterseeboote sich im Fahrwasser um England bewegten. Englands maritime Vorbereitungen, so glänzend sie seien, schlössen bisher keine wirk­samen Verteidigungsmittel gegen Untersee­boote ein, und wenn es bisher nicht zu großen Zer- störungen kam, so verdanke England dies nur den un­ausgesetzten Patrouillensahrten. Es wäre aber lächer­lich, noch leugnen zu wollen, daß ein Gefühl starken Unwillens und Aufregung sich Englands be­mächtigt darüber, daß die deutschen Unterseeboote ihre Tätigkeit ungestraft hätten fortsetzen können, ohne daß es gelang, sich auch nur eines einzigen zu bemächtigen, was zu dem Eindruck führe, als ob die bisherigen Vor- kehrungen unzureichend seien.

Vernichtung eines weiteren englischen Dampfers.

Br. Stockholm, 26. Febr. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Das „Aftonbladet" meldet aus London: Ein

englischer Kohlendampfer ist gestern wieder von einen: Torpedo getroffen worden und im englischen Kanal gesunken.

Ein englisches Reiseverbot nach Holland.

W- T-B. London. 26. Febr. (Nichtamtlich. Reuter, bureau.) Nach dem 8. März darf niemand mehr von Til - borg oder Folkestone nc-ch Holland reisen, der nicht eine amtliche Erlaubnis dazu besitzt.

Die Störungen der nordischen Sch'ffahrl.

XV. T.-B. Kopenhagen, 26. Febr. (Nichtamtlich.) „Berlingske Ti-dende" meldet aus Malmö: Man ist

erst besorgt über das Schicksal des schwedischen Dampfers „M a r i e", der Englands Lstküste am 16. Februar ver­lassen hat. Der Dampfer „S u e v i a" aus Gothenburg, der von Amerika kam, ist ebenfalls überfällig. Die Dampfschiffsreedereien trafen ein Übereinkommen mit den Maschinenmeistern auf Erhöhung der Unfallver­sicherung von viertausend auf zehntausend Kronen. Die Seeleute und Feuerleute erhielten erhöhte Löhne. Die Lchifssoffiziere verlangten Kriegszulageerhöhung, Unfallversicherung sowie Teuerungszulage. Sie erhiel­ten die ersten beiden Zulagen bewilligt. Letztere wurde abgeWagen. Verhandlungen schweben noch,.

Die ttämpfe in der Champagne.

XV. T.-B. Bern, 26. Febr. (Nichtamtlich.) Zu den Kämpfen in der Champagne schreibt der „Bund": Nach allein zu urteilen, versprechen sich die Franzosen hier doch noch Erfolge. Selbst der offiziöse ,Llemps" umschreibt am 23. Februar die Kämpfe als große Schlachthandlung und sagt davon, dah sie für die Franzosen gut stehe. Nun hat ecker eine große Ak­tion keinen Sinn, wenn sie nicht mit idem Ziel eines strategischen Durchbruchs angeovdnet _wird. Also muß dieser glücken, um das Ergebnis mit dem Plan in Einklang zu bringen. Scheitert er, so ist nicht nur ein unter günstigen örtlichen Bedingungen unter­nommener Durchbruch steckengeblieben, sondern damit auch ein ungünstiges Prognostikon für alle weiteren Versuche in dieser Richtung gegeben. Der „Bund" stellt fest, daß die deutsche Front auch nicht ö r t- l i ch durchbrochen ist und hält überhaupt einen solchen Versuch für aussichtslos in Anbetracht der glänzend organisierten deutschen Straßennetze hinter der Front.

Die französischen Verluste in den ersten sechs Monaten.

Br. Brüssel, 26. Fsbr. (Eig. Dvahibericht. Ktr. Bln.) Hier werden die folgenden französischen Verlust­ziffern für die ersten sechs Kriegsmonate angegeben: 250000 Tote, 300 000 Schwer- und 400 000 Leichtver- wundete sowie 200 000 Gefangene und Vermißte.

Oberst Marchand wieder in das französische Heer auf» genammen.

Rom, 28. Febr. Der aus dem FaschiLa-Konfkikt bekamst« Oberst Marchand, der bisher im Ruhestand war, ist nach einer Pariser Meldung als Brigadegeneral ins fran­zösische Heer eingetreten.

Zur Wirtschaftslage in Frankreich.

XV- T-B. Paris, 25. Febr. (Nichtamtlich. Agence HadaS.) Tie von dem Arbeitsminister begonnen« Untersuchung über die Wiederaufnahme von Handel und^Jndustrie erstreckt sich über 31 676 Firmen, welche in normalen Zeiten 10 700 093 Arbeiter und Angestellte beschäftigen. Eine ausgedehnte Untersuchung war infolge der Einziehung von zwei Dritteln der Arbeits Inspektoren znm Heere unmöglich. Die Mobil­machung hatte im August die Schließung von ungefähr der Hälfte der internationalen und kommerziellen Betriebe herbeigeführt. Der Personalbestand wurde um über zwei Drittel ermäßigt. Im Januar 1915 besserte sich die Lage merklich. Im Verhältnis zum August erhöhte sich die Zahl der geöffneten Firmen um 43, die des beschäftigten Personals um 83 Prozent. Diese Zahl gebe jedoch kein vollständiges Bild von der Wiederaufnahme der wirtschaftlichen Tätigkeit, denn zahlreiche Firmen, welche im August ihre Arbeitsstun­den verkürzen mußten, erreichten im Januar die normale Zeit, überschritten diese sogar zuweilen.

Bereits Beschlagnahme der Sparkassenbestau-de in Frankreich.

Berlin, 24. Febr. Der „B. L.-A." will aus zuverlässiger Quelle erfahren haben, daß die ffanzösische Regierung bereits dazu übergegangen sei, die Geldbestände der ffanzösischen Sparkassen zu sequestrieren. Die Notlage, die dadurch für die kleinen Sparer geschaffen werde, sei groß und gebe zu weitverbreiteten bitteren Klagen Veranlassung.

Wie französische Siegesmeldungen entstehen.

Ein Feldpostbrief eines Heidelberger Universitätslehrers, der in einem Lazarett auf dem westlichen Kriegsschauplatz tätig ist, enthält folgende Feststellungen:

Wie verlogen die französischen Berichte sind, habe ich jetzt selbst einmal Gelegenheit gehabt, näher zu prüfen. Im ffan» zösischen Bericht steht: „daß am 2. Februar bei Notre Dame de Lorette ein feindlicher Angriff in unserem Artilleriefeuer zusammenbrach". — Die Sache spielte sich links von uns ab, wo Bayern sind, die vor einiger Zeit den Fran­zosen ein paar Gräben abgenommen hatten. Seitdem habe» die Franzosen eine große Wut und kanonieren immer an den Stellungen der Bayern herum. Am Morgen des 3. Februar wachten wir in unserem Keller von einer fürchterlichen Kanonade auf, die wir gleich richtig als „bei den Bayern" diagnostizierlen. Unsere Artillerie fing auch an, kurz, eS wasc ein Höllenlärm. Die Franzosen greifen an, dachten wir, ab» wir erfuhren am nächsten Tage, daß gar nichts erfolgt war. Von den Bayern hat auch niemand daran gedacht, auch nur den Kopf herauszustccken. Getan hat die Schießerei kaum jemandem etwas. Und diese reine Angstschießerei wird in dem französischen Bericht zu einem abgeschlagenen Angriff.

Eine andere Geschichte war bei den 113ern. Eine Patrouille von ihnen nahm einen Franzosen gefangen und erschoß zwei weitere, einer entkam. Das iuar eine französische Patrouille, die in einer Baumgruppe sich auszuhalten pflegte. Die deutsche Patrouille kehrte vergnügt zurück. Dia Stelle, ein paar hundert Meter von der deutschen Front, wurde dann 24 Stunden laug schrecklich von den Franzosen mit Woerer Artillerie beschossen. ES waren aber StM