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~=g) Morgen-Beilage des Wiesbadener Tagblatts. ig=a]

Nr 48. Lreitag» 26. ffcbruar.__ i91o>

(5. Fortsetzung

Dore.

Roman von E. Krickeberg.

Nachdruck verboten.

Welch einen schroffen Kontrast die beiden Fronen bildeten! Dore klein, schlicht, mit glatt gescheiteltem, braunen Haar und Ebenso anspruchslos erscheinenden Gesichtszügen, deren feine Schönheit und Harmome nur dem zum Bewußtsein kam, der sich gewohnt hotte, über die entstellende schwarze Binde hinwegzusehen. Dazu ihr bescheidenes, natürliches, ruhiges Wesen, und das kleine Persönchen in ein derbes, wetterfestes Ge­wand gekleidet, eine große, bunte Gartenschurze ver- hüllend darüber, gleich einem armen kleinen Schmetter- sing, der, in die Puppe gebannt, geduldig der Erlösung

Daneben die pikante, blendende Erscheinung der Weltdun,e, launisch, kapriziös und berückend von den eigenwilligen Stirnlöckchen an bis auf die Spitzen der Pariser Schuhchen, -f- ein glänzendes Meteor, leuch­tend, aber nicht wärmend.

Heinz blickte von einer zur anderen. Jetzt sah er erst, wie steghaft schön Liddy war, — uni) 3 WTtt ersten- jiiqI störte ihn auch die Binde um Dores Stirn.

Liddy war längst ungeduldig, ihre Neugierde war befriedigt, und sie drängte zum Gehen. .....

„Sie ist eine kleine Phrsisterm, die Dore! sagte sie als sie durch den Schloßpark schritten, mit eurem spöttischen Kräuseln der Lippen. Sie hatte ihren Hut an den Arm gehärrgt, das alabasterweiße Gesicht mtt den heißen Augen und dem üppigen schwarzen Mar erschien doppelt bestrickend in der fahlen, herbstlichen

Beleuchtung. , ,, , r .. . , .,

Heinz sah an ihr vorüber, ihr Anblick verwirrte rhn.

„Aber sie ist gut wie ein Engel." ,

„Das ist ein Gemeinplatz. mern Lieber, der t-m Mund" eines schneidigen Gardesoldaten ein bißchen albern klingt, nimm's nicht übel!" rief sie mit ihrem klingenden Auflachen. „Und dann, Engel haben immer etwas entsetzlich Langweiliges! — Müssen wir oster nilt dieser kleinen zahmen Gärtnerin zusammensern?'

„Aber Liddy. gegen die Dore darfst du mrr nichts sagen, auch nicht im Scherz! Ein solches irrlichterndes Teufelchen wie du ist sie allerdings nicht, aber sie ist gediegen und bei allem Ernst durchaus nicht philiströs und teinperamentlos. Sie hat wegen ihres leidenden Zustandes viel Zeit, die wir mit Nichtigkeiten ver- trödeln, zun, Nachdenken amvenden können. Du hast ihr übrigens nicht gedankt!"

Nein, ich denke, es ist nicht nottg! Glaubst du denn wirklich, daß dies kühle, indisferente Persönchen rineu entscheidenden Einfluß bei deiner Mutter, — bei irgend jemand hat?" „ ^ _

„Einen so entscheidenden Emflnß, daß du cs sehr enchfinden würdest, wenn sie ihn zu deinem Schaden bei meiner Mutter brauchen wollte."

„Es scheint, daß ich der Gnade oder Ungnade dieser — Gärtnerin anheimgeqeben sein soll", sprühte Liddy auf. „Hättest du mir da8 früher gesagt, würde ich seinem Drängen, euch zu besuchen, vielleicht nicht so be­reitwillig nachgekommen sein."

Er sah sie überrascht an: er hatte nicht besonders viel zu „drängen" brauchen, und wenn man genau zu- sah, so war doch eigentlich sie oder ihre Mutter es ge­wesen, die diesen Besuch zuerst angeregt hatte.

„Nein, Liddy, so ist's nicht gemeint", sagte er dann, „aber ich möchte dich recht dringend bitten, dich gut mit Dore zu stellen, — auch meinetwegen."

„Lieber Gott! Du tust ja gerade, als ob sie dir persönlich nahegetreten wäre."

„Das ist sie auch!" Er machte eine kleine Pause, holte tief Atem und sagte dann kurz und bestinunt: „Dore ist meine zukünftige Frau."

Liddy fuhr zurück, sie faßte mit der Hand nach dem Stamm eines Birkenüäumchens neben ihr. Die herab-, hängenden Äste streiften ihre Stirn, wie inattes Gold hoben sich die gelben Herbstblätter von ihrem schwarzem Haar ab; an ihre», Gürtel leuchtete noch immer die rote Rose Dores. Ein fahles Weiß überzog langsam ihr Gesicht, und dann schoß ihr plötzlich wieder das Blut siedendheiß zu Kopf.

„Wir haben doch heute nicht den ersten April", sagte sie unsicher. „Du mußt mich erst einnial ansehen, ehe ich so etwas Ungeheuerliches glaube."

Langsam, widerstrebend wandte er ihr das Auge zu, ihr Blick tauchte sengend in den seinen, aufreizen­der Spott und etwas däinonisch Zwingendes lagen in ihm, ihre Mundwinkel zuckten, ihre Nasenflügel vibrierten stolz und tvegwerfend. Er fühlte, wie ec inehr und mehr unsicher und befangen wurde, und in Schmn und Zorn darüber richtete er sich nüt einem heftigen Ruck zu seiner vollen Höhe einpor, aber sein Blick war mehr eigensinnig als fest.

„Du meinst . . .?"

„Sieht so ein glücklicher Bräutigam aus?"

„Das ist etwas, was allem Dore und mich angeht!"

Sie merkte, daß sie den falschen Weg Ungeschlagen hatte, und blitzgeschwind änderte sie ihre Taktik.

„Du bist beleidigt! Aber Heinz, empfindest du nicht selber, daß diese Mitteilung zuerst etwas überwältigend Überraschendes für einen Ahnungslosen haben muß? Du und die kleine Dorel Der Erbherr von Luisen- Werder und noch so und so vieler anderer Güter und Liegenschaften und diese bescheidene bürgerliche Gärt­nerin, die nicht einnral schön ist. Doch verstehe mich nicht falsch, ich bin nur erstaunt, verblüfft! Warum solltest du sie nicht heiraten, wenn sie dir gefällt und deine Eltern einverstanden sind! Derartige Mes­alliancen grassieren ja jetzt förmlich, und obendrein wirst du in der Gloriole erhabenster Tugend erstrahlen, weil du dich aufopferst für die eingebildete Schutt» des Knaben. Repräsentieren wird ste freilich nicht können als Frau von Grenrng. aber das ist ja Nebensache, dann zieht man sich eben unter irgend einem Vorwand von der Gesellschaft zurück und lebt ein innige» und sinnige« Schäferdasein. Für mich wäre e§ freilich nichts, — solch sachbeS, anfregungsttses Spazierengehen zu zweien; ich ziehe einen Parforceritt vor, sÄbst wenn da?