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Donnerstag, 23. Zebruar 1915.
Kbend-Ausgabe.
Nr. 94. . 63. Jahrgang.
prarznysz im Zturm genommen!
wieder 13000 Gefangene, 20 Geschütze!
Der Tagesbericht vom 25. Zebruar. prasznqsz im Sturm genommen. Insgesamt wieder 15 OVO Gefangene und 20 Geschütze sowie ein ganzes Lager von Maschinengewehren und Kriegsgerät erbeutet.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 25. Febr., vormittags. (Amtlich.)
westlicher Kriegsschauplatz.
In der Champagne setzte der Gegner gestern seine verzweifelten Angriffe fort. Sie blieben, wie die vorhergehenden, trotz der eingesetzten starken Kräfte ohne jede» Erfolg.
Sonst nichts Wesentliches.
(vestlicher Kriegsschauplatz.
Die Gefechte am Rjemen, Bobr und Narew dauern an. Die festungsartig ansgebaute Stadt PraSznysz wurde gestern von o st p r e n ß i sch e n Reservetruppen nach hartnäckigem Kampfe i m Sturm genommen. Über 10000 Gefangene, über 2V Geschütze, ein großes Lager von Maschinengewehren und sehr viel Gerät fielen in unsere Hand.
In anderen Gefechten nördlich der Weichsel sind in den letzten Tagen 5000 Gefangene gemacht.
In Polen südlich der Weichsel besetzten die Rusicn nach einem mit fünffacher Überlegenheit ausge führten Angriff das Borwerk M » g i l y (südöstlich B o l i „ m o tu).
Sonst nichts Wesentliches.
Bemerkenswert ist, daß der bei Augustowo gefangen genommene Kommandeur der russischen 57. ReservcdivisioN deutsche Offiziere fragte, ob cs wahr sei, daß.das von den Deutschen belagerte Antwerpen bald fallen würde. Als ihm darauf die Lage im Westen erklärt wurde, wollte er nicht daran glauben, daß das deutsche Westhcer auf französischem Boden stehe.
Oberste Heeresleitung.
Oie erste Woche des verschärften Seekrieges.
Der 18. Februar, an dem nach der Ankündigung der deutschen Regierung ein verschärfter, rücksichtsloser Kamps gegen Englands Kriegs- und Handelsflotte beginnen sollte, liegt jetzt eine Woche hinter uns. Die ersten Erfolge dieses Seekrieges lassen sich übersehen. Wir können mit ihm zufrieden fein.
Gewiß sind sie, soweit man als Maßstab die Zahl der von uns durch Minen und Unterseeboote vernichteten feindlichen Schiffe anwenden will, nicht genau festzusteüen. Zwar sind seit einer Woche fast täglich Meldungen durch die Presse des Inlandes und des Auslandes gelaufen, die i m m e r wieder neue Namen nannten bald englischer, bald französischer, bald neutralen Staaten angehörender Schiffe, die als Opfer des deutschen Seekrieges bezeichnet wurden, aber die Angaben schwankten im einzelnen so, daß man von keiner absolut zuverlässigen Ziffer für die Verlustliste dieser ersten scharfen Seekriegswoche reden kann, will man gewissenhaft verfahren. Und solche G e - w i s s e n h a f t i g k e i t ist gerade bei der Beurteilung dieses Teils des großen Krieges ganz besonders von Nöten. Wir dürfen durch falsche Angaben uns weder selbst Erfolge vorspiegeln, die erst dann später als Produkte nur einer wilden Phantasie erwiesen, noch dürfen wir dem Ausland durch Mangel an Genauigkeit den Triumph bereiten, daß wir, an der Wirklichkeit des Erreichten gemessen, leerer Großsprecherei geziehen werden können.
Die Pflicht zur Gewissenhaftigkeit der Prüfung der Meldungen aus dem Seekrieg ergibt sich aber auch aus der Schwierigkeit, klar zu sehen, was Wahrheit ist und was nur als Falschmeldung aus allerlei unkontrollierbaren Gerüchten herausgeboren wird. Es fehlt ein sicher und vor allem ein rasch funktionierender Melde dien st. da die Kabel zumeist in englischem Besitz sind, England nichts daran liegt, unsere Erfolge bekannt werden zu lassen, wir
aber von unseren eifrig arbeitenden Unterseebooten eigene Meldungen nur sehr verspätet erhalten können. Das mutz man immer wieder alles in Betracht ziehen.
Aber die Verkehrsverhältnisse sind doch nicht so schlecht, daß wir nicht als zahlenmäßiger Ertrag für die erste Woche als deutschen Erfolg konstatieren können die Vernichtung von zwei englischen Trusten- transportdampsern durch Unterseeboote und die Vernichtung von mehreren englischen Kohlendampfern und eines französischen Handelsdampfers. Wirkliche Zahlen fehlen uns aber, wie gesagt, bis jetzt, da ja unsere Unterseeboote unterwegs sind und von ihnen noch, wie überhaupt, keine eigene Meldung vorliegt.
Der eigenUiche Erfolg dieser Seekriegswoche liegt denn auch auf einem ganz anderen Gebiet. Es kommt nicht nur auf die Zahl vernichteter feindlicher Schisse an, so wichtig diese auch ist. Die moralische und politische Wirkung unseres energischen Vorgehens ist zu beachten. Und diese Wirkung war gut.
Tie Furcht vor unserem Vorgehen hat gleich in dieser ersten Woche die Einstellung einer großen Zahl von Schisfahrtslinien — jetzt sind's schon 22 —, die die Verbindung mit England Herstellen, zur Folge gehabt. Das bedeutet ein Stück wirtschaftlicher' Absperrung Englands vom Ausland, wie wir jie ja erstreben, um England wirtschaftlich so zu schädigen, wie es dies uns gegenüber von Anfang des Krieges an versucht hat. Weiter bedenke man die Schwierigkeiten, die nicht nur in neutralen Ländern, sondern gleich in dieser ersten Woche gerade auch in England für die Schisfahrt entstanden sind, in dem sick Matrosen und Maschinenpersonal weigern, auf dem als Kriegsgebiet um England herum erklärten Seegebiet zu fahren. Auch das Lust auf eine England bedrohende Isolierung hinaus. Und dann der ganze politische Eindruck, den die Unfähigkeit des in die Defensive auch zurückgedrängten Englands inacht, sich kraftvoll gegen unser Vorgehen zu schützen. Derselbe Staat, dessen Flotte als „Beherrscherin des Meeres" gepriesen wurde, so daß ein englischer Lord einmal sagen konnte, d-e Deutschen würden eines Mor- gens in der Zeitung lesen, ihre Flotte sei von England vernichtet — dieser selbe Staat derinag mft eigener Flagge seine Handelsschiffe vor der von ihm bisher mißachteten deutschen Flotte nicht zu schützen sondern leiht sich d-e Flagge fremder Staaten, um den sicheren Geschossen deutscher Unterseeboote zu entgehen. Mit dieser Tatsache hat England eine m o r a ! i s ch e Niederlage vor aller Welt erfahren, eine Niederlage, die hoffentlich mehr und mehr nach den Er- folgen dieser ersten Seekriegswoche sich auch in Zahlen der verlorenen Schiffe und Mannschaften umsetzen wird.
So dürfen wir vertrauensvoll in die Zukunft sehen und uns der Erwartung hingeben, daß, wenn dieser Seekrieg auch nicht ohne schwere Opfer auf unserer Seite vor sich gehen wird, sein E n d z i e l doch erreicht wird: England durch harte Verluste in diesem Kriege m ü r b e und k r i e g s m ü d c zu machen.
Die Vernichtung englischer Handelsschiffe.
W- T.-B. London, 24. Febr. (Nichtamtlich.) DaS Reutersche Bureau meldet aus Ramsgate: Das Fischerboot „Gratia" landete heute 14 Matrosen von der Bemannung der „Oakleh", die gestern nachmittag südöstlich Rye torpediert wurde. Ter erste Ingenieur iagte er habe das Periskop eines Unterseebootes gesehen. Der Rest der Mannschaft wurde rn Dover gelandet. Die „Oakley" versank heute morgen aus der Höhe von Follestontz, während sie nach Dover geschleppt wurde.
W- T.-B. London, 24. Febr. (Nichtamtlich.) Die Admi. ralität meldet: Das Postboot von Follestone nach Bou-
logne wurde gestern abend durch ein Unterseeboot angegriffen, bald nachdem es den Hafen von Buuiogne verlassen hatte. Das Torpedo ging in einem Abstande von 80 Dards an dem Vordersteven des Schiffes vorbei. 92 Pafsa- giere des Schisses waren Zivilisten, darunter waren auch Angehörige neutraler Staaten. -— Die Admiralität kündigt Beschränkungen für die Schiffahrt sowohl in der nörd» lichen als auch in der südlichen Einfahrt der Irischen See am
Ein weiterer Kohlcndampser versenkt.
W. T.-B- London, 25. Febr. (Nichtamtlich.) „Times" meldet aus Rtzs vom 23. Februar, nachmittags 3i/ 2 Uhr: Hier wurde eine starkeExplosion gehört und später ge. meldet, daß ein unbekannter Dampfer von ungefiih».- 2000 Tonnen in Seenot sei. Rrttnngsboote und Fischerfahrzeuge eilten zu Hilfe. Rach anderen Meldungen fuhren auch Rettungsboote von Eastbourne und Newhaven aus. ES soll sich um einen Kohlendampfer handeln, der Feuer fing.
Der englische Zlaggenbetrug.
Berlin, 25. Febr. (Ktr. Bln.) In einem Telegramm meldet „Daily Telegraph" aus Bilbao: Es batte geheißen, datz in dem dortigen Hafen am 18. Februar etliche 28 Dampfer cingelaufen seien, mit der Absicht, ihr Äußeres durch neutrale Farben zu verändern und fremde Namen an den Schiffen anbringen zu lassen. Wie der „Deutschen Tageszeitung" jetzt gemeldet wird, handelte eS sich ausschließlich um englische Dampfer, die jetzt in diesem spanischen Hafen ihr Aussehen verändern.
vejchränttung der britischen Schiffahrt in der Irischen See.
München, 24. Febr. Rach einem mittelbar aus London erhaltem-eu Privartelegramm der „Münch. N. N." kündigte die englische Admiralität Beschränkungen der britischen Schifffahrt im Nord- und Südeingang der Irischen See an.
Die Bewaffnung der englischen Handelsschiffe!
Bern, 22. Febr. Das „Berner Tagbl." veröffentlicht folgende amtliche Mitteilung der deutschen Gesandtschaft in Bern: Ein deutsches Unterseeboot ist am 1. Februar in der Irländischen See von einem englischen Handelsschiff mit Kanonen beschossen worden. Das Handelsschiff hat keine Flagge geführt.
Eine neue Drohung der Berbündete«.
W. T-B- Paris, 25. Febr. (Nichtamtlich.) Als Antwort auf die von Deutschland ergriffenen Maßnahmen beabsichtigen die Verbündeten, nach einer Meldung des „Journal", zu erklären, daß alles deutsche Eigentum beschlagnahmt werden kann, unter welcher Flagge es auch immer fei, und daß jede für Deutschland bestimmte Ladung eine gute Prise ist. Die schärfften Untersnchungsmaßncchmen sollen angeordnet werden.
Kriegsfragen im englischen Unterhaus.
Ein ganz schlauer Vorschlag gegen die augenblickliche Unterseebootsgcfahr.
W. T.-B. London, 25. Febr. (Nichtamtlich.) In ,er Sitzung des Unterhauses vom 23. Februar erklärte Air Edward Grey aus eine Anfrage: „Es werde von Zeit zu Zeit berichtet, datz für Italien und die Schwerz bestimmte Güter in deutschen Eisenbahnvagen verladen würden"; die italienischen und schwer- erischen Behörden versichern, datz eine gewisse Anzahl deutscher Wagen normalerweise auf den italienischen und schweizerischen Bahnen verkehrt, alsÄquivalent für die gleiche Zahl italienischer und schweizerischer Wagen auf deutschen Bahnen. Die Benutzung deutscher Wagen sei also noch kein Beweis dafür, datz die Güter nach Deutschland bestimmt seien. — Der Unionist Stewart fragte A s q u i t h, ob es angesicht der Bedrohung durch Tauchboote in der Irischen See nicht ratsam wäre, den Bau eines unterseeischen Kanals von England nach Irland in Angriff zu nehmen, um zukünffthm
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