Wiesbadener Tagblaü.
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Donnerstag, 23. Zebruar 1915.
Morgen - Ausgabe.
Nr. 93. » 63. Jahrgang.
Der Unterseebootskrieg.
Lin englischer Dampfer in der Nordsee zerstört.
Br. Stockholm, 24. Febr. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) „Aftonbladed" meldet aus Göteborg: Kaprtan Tran von der „Hemland", der am Sonntag von Sunderland ankam, meldet, daß ein engl:s che r Dampfer von einem deutschen Unterseeboot m der N o r d s ee to r p e d i e r t wurde., Dieses Erergms wurde von der Göteborger „Paprik" beobachtet, die von Sunderland nach Argentinien abgmg. Man hatte wahrgenommen, daß eine gewaltige Erploswn auf einem Dampfer stattgesunden hatte. Da stch mehrere Danrpser zur Hilfeleistung in der Nahe befanden, brauchte die „Paprik" keine HrlfeAU leisten Man er- kannte, daß der von einem deutschen Unterseeboot torpedierte Dampfer ein englisches Schiff war.
weitere englische Schiffsverluste.
W- T.-B- London, 24. Febr. (Nichtamtlich.) Der Dampfer „Hambland". 3027 Tonnen, von Hüll nach Tyne unterwegs, wird seit 22. Februar vermißt. Der Schooner „Maggie-Baratt" von Greenock nach Duddon unterwegs, ist stark" überfällig. Einer ferner Rettungsgurtel und mehrere Bootsplanken wurden an der Insel Man an-
ß ^ P Br. Rotterdam. 24. Febr. (Eig. Drahtbericht Ktr. Bln.) Reuterbureau meldet aus Newhaven: Der ^nfblffdampfer
„Bra nks o m e" ist heute mittag 2 Uhr südwestlich Beachh He ad auf eine Mine gelaufen oder torpediert worden. IS. Mitglieder der Besatzung sind hier gelandet. L>er Kap,tan und der Steuermann blieben an Bord des Schiffes, das schwer beschädigt ist. Rettungsboote sind ausgefahren, einem anderen größeren Dampfer Hilfe zu leisten, der in derselben Gegend sich in Not befindet.
Lin Gvfer englischer Minen.
W T.-B. Christiania, 24. Febr. (Nichtamtlich.) Der norwegische Generalkonsul in London telegraphiert am !8. Februar an das Ministerium des Äußern, das Dampfschiff „R e g r n" ans Christian,a ist heute früh ,n D o w n ^ in die Luft gesprengt worden. D,e Besatzung ist an Bord eines englischen Kriegsschiffes gegangen, beute '« Dover ge landet und dann nach London geschickt worden. Das Ministe rium des Äußern telegraphierte der Gesandtschaft wegen der Abhaltung der seegerechtlichen Verhandlung. ..Regin war ein Dampfer von 1107 Register-Tonnen. (Notiz des W. T--B: Die Lage der Unfallstelle läßt auf eine eng
lische Mine schließen.)
t.-B- Dünkirchen, 24. Febr. (Nichtamtlich. Agence Havas.) Der norwegische Kohlendampfer „Regin ist auf der Fahrt von Tyne nach Bordeaux auf der Hohe von Dover gestern früb zwischen 6 und 7 Uhr gesunken. Die Mannschaft wurde gerettet. Der Dampfer versank ,n einen, Zeitraum von 10 Minuten.
Ein bewaffnetes Handelsschiff im Kanal?
W. T-B. London, 24. Febr. (Nichtamtlich.) Nach einer Meldung des „Western Daily Mercury" sichtete der Dampfer ,.M a l a j a" der Pando-Linie, der am 20. Februar mit über 400 Fahrgästen von Australien in Plymouth ankam, be, der Einfahrt in den Kanal ein bewaffnetes Handelsschiff, leistete aber, da dessen Flagge infolge der großen Entfernung nicht sichtbar war, dem Befehl, anzuhalten, nicht Folge. Die von dem Hilfskreuzer abgegebenen scharfen Schüsse trafen das Schiff nicht. .
Zahrteinstelluny weiterer englischer Dampferlinien.
Er. Rotterdam, 24. Febr. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Der „Courant" meldet aus London, daß weitere fünf englische Dampferlinien ihren Gesamt betrieb ein- stellten wegen der deutschen Unterscebootsgefähr.
Wiederaufnahme des englisch-holländischen Postdienstes
W. T.-B. Amsterdam, 24. Febr. (Nichtamtlich.) Der „TÄegraaf" erfährt aus Londoner amtlicher Quelle, daß der Postdienst nach Holland wieder ausgenommen werden solle.
Ein dänischer Vorschlag gegen die Minengefahr.
W. T.-B. Kopenhagen, 24. Febr. (Nichtamtlich) Wie da? Ministerium des Äußern mitteilt, ist die dänische Regierung auf der Konferenz in Christiania einem ausgearbeiteten Vorschlag, betreffend gemeinsame nordische Veranstaltungen gegen treibende Minen, beigetreten.
Unterseeboot und Zluqieug.
Br. Haag, 24. Febr. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Über den Kampf zwischen einem deutschen Unterseeboot und einem englischen Flugzeug bringt „Daily Mirror" eme anschauliche Schilderung. Ein deutsches Unterseeboot war am letzten Samstag bei Dover gesichtet worden. Ein englischer Flieger begab sich sofort auf die Suche nach dem Unterseeboot und entdeckte es bald aus einer Hohe von etwa oOO Meter auf dem Wafferspiegel liegend. Aber auch das Unterseeboot hatte den Flieger bemerkt. Die von dem Flieger abgeworfenen Bomben verfehlten da? kleine bewegliche Ziel welches das Unterseeboot bot. Der Flieger ging darauf beträchtlich niedriger, plötzlich öffnete sich die Luke deS Kommandoturmes des deutschen Tauchbootes und zwc, Matrosen eröffneten ein lebhaftes Gewehrfeuer auf das Flugzeug, dessen Tragflä che fron 80 S chüssen durch - Der |Ik«a t wfortr sofort, «w px%tx*
Höhe zu gewinnen, so daß auch die letzten bei fünf abgeworfenen Bomben das Ziel verfehlte. Das Unterseeboot tauchte wieder und konnte wegen der cinbrechenden Dunkelheit nicht weiter verfolgt werden.
Deutsche Flugzeuge über der Themsemündung.
Br. Rotterdam, 24. Febr. (Eig. Dvahtbericht Ktr. Mn.) Aus Colchester wird gemeldet, daß sieben deutsche Flugzeuge gestern nachmittag über den Mapliu Sands gestchttt wurden, als sie m nord- wesllicher Richtung zogen. (Die Maplin Sands sind eine Sandbank, welche der Themsemündung nördlich vorgelagert ist.) __
„Der großeZeldherr und seinGehilfe."
Die Wiener „Rundschau" schreibt unter dieser Überschrift: .
Das größte Ereignis des Krieges mi neuen ^ahre 1915 ist die neuntägige Schlacht in Ostpreußen, m der die 10. russische Armee geschlagen und vernichtet wurde. Dii'ser neue Sieg Hindenburgs ist abermals ein glänzendes Beispiel tief durchdachter und erfolgreicher Kriegsführung. Man kann es heute schon sagen, daß dieser berühmte Heerführer nicht nur der größte Feldherr ist, den dieser Weltkrieg hervorgebracht hat, sondern auch eines der bedeutendsten militärischen Genies aller Zeiten. Gewiß hat er auch Glück, aber das Glück bleibt auf die Dauer nur bem, Tüchtigsten treu, und alle großen Generale bedurften in hohem Maße der Gunst Fortunas.
Die Anlage und Durchführung dieser neuen Schlacht Hindenburgs stellt sich seinen vorangegangenen großen Erfolgen würdig zur Sefte, ja übertrifft fie sogar: Eine feindliche Armee von mindestens 11 Divisionen, etwa 200000 Mann, ist vernichtet: ein Drittel davon ist gefangen: mindestens ebenso viel gefallen' oder verwundet und das letzte Drittel zersprengt, ftüchtend, sich in Wäldern verkriechend und gehetzt von den verfolgenden Siegern. (Nach den letzten Meldungen ist sogar über die Hälfte der Armee gefangen. Schrifü.)
Hindenburg hat sich eine eigene Strategie zurechtgelegt und auch als Schlachtenlenker vielfach neue — wenigstens in der Praxis neue — Bahnen beschritten. Wenn man bisher unter der Bezeichnung Strategie alle dein taktischen Schlage vorangehenden Krtegsyandürngen zusammenfaßte, also die Verteilung, Bereitstellung und Gruppierung der Kräfte sowie ihr Ansehen von ferne her, und andererseits unter der Tak- tik nicht nur die Detailhandlungen des Gefechtes und das Zusammenwirken der Waffen in der Aktion, son dern auch die Leitung des Kampfes von seinem Be ginn bis zu seinem Abschlüsse verstand, so muß inan heute die geistige Beherrschung der großen, aus viele Meilen ausgedehnten Schlachffront schon in das Gebiet der Strategie verweisen. Wir haben daher in Hindenburg vor allem den Strategen zu be wundern.
Die Hauptgrundsätze Hindenburgscher Strategie sind nun nach mehr denn halbjähriger Kriegsführung bereits in großen Zügen allgemein erkennbar. Sie er- strecken sich einerseits aus das Bereitstellen der , Kräfte, andererseits auf ihr Ansetzen und endlich aus die Aus Nutzung des Erfolges.
Die dem Bereifftellen der Kräfte vorangehende Entschlußfassung im großen hat vor allem den richffgen Zeitpunkt für die beabsichtigte Operation zu wählen. Das Erkennen des Moments ist wichtig und fast ausschlaggebend. Das läßt sich nicht lernen, das ist sozusagen Instinkt, Intuition, Talent, Genie. Dafür hat Hindenburg den sicheren Griff, weidmännisch gesagt — er ist nämlich auch ein großer Jäger — die richtige Witterung-
In der Bereitstellung der Kräfte hmwreder um zeigt sich der Meister der Technik. Unter Aus nützung der reich entwickelten Kommunikationsnehe, zunächst der Eisenbahnen, verschiebt Hindenburg von weit her seine Heeresmassen und ballt sie am entsche:- denden Punkt zusammen. Geheimhaltung ist sein oberster Grundsatz — die Folge davon ist die Überraschung des Gegners. Also rasche und un bemerkte Kräfteversammlung bei peinlich strenger Ver schleierung der eigenen Bewegungen. Die Ver ichleierung kann nur mit der feindlichen Aufklärung im Terrain, nicht über dem Terrain rechnen. Gegen richtige Fliegerausklärung gibt es noch keine richtige Verschleierung. Aber das weiß Hindenburg, und er rechnet mit den ihm bekannten Fehlern des Gegners und mit seinem guten Glück, das er sich vollauf ver- dient Er kennt die Versäumnisse seines Feindes und weiß, daß dessen Fliegeraufflärung vielleicht sorglos geleitet ist, jedenfalls nicht richtig funktioniert. Also glückt ihm das überraschende Ansetzen der Ofsensiv-
gruppen. .
Dieses Ansetzen ist immer gegen tue schwächsten fl fonfip des Feindes gerichtet — gegen ieiae Flanke
ja gegen seinen Rücken. Die eigene Front greift an, beißt sich hartnäckig fest, zieht starke Kräfte auf sich. Inzwischen beginnt die Zange ihr unheilvolle^ Werk und vollendet es mit mathematischer Präzision und unwiderstehlicher Gewalt.
Ist die Schlacht enffchieden, so kennen, Hindenburg und seine Truppen noch keine Ruhe. Nicht die Verdrängung des Feindes schwebt dem Feldherrn als Ziel vor, sondern seine Vernichtung, seine völlige Unschädlichmachung. Und das kann nur durch die Ausnützung des Sieges, durch die Verfolgung erreicht werden. Durch eine mitleidlose, erbitterte, unaufhaltsame Verfolgung. Der letzte Atem von Mann und Roß wird herausgepreßt, die höchsten Anforderungen an die Leistungsfähigkeit der Truppen werden gestellt. Aber dann „flutscht" es. Dann mehrt sich unausgesetzt die Kriegsbeute. Dann vervielfacht sich die Zahl der Gefangenen. Dann erst wird die Niederlage, des Gegners zur Zerschmetterung. Das ist Hindenburg- sche Strategie.
Wenn man diesen gottbegnadeten Feldherrn nennt, der mit Recht der Volksheld der Deutschen geworden ist, so -muß auch sein erster Gehilfe genannt werden, sein Generalstabsches Ludendorff. „Wie einst Napoleon einen Berthier hatte, wie Blücher seinen Gneisenau, Schwarzenberg seinen Radetzky, Radetzky seinen Heß, so steht heute Generalleutnant Ludendorss seinem Feldherrn als Berater und ausführendes Organ zur Sefte. Es herrscht ein inniges, vertrauensvolles, ideales Verhältnis zwischen beiden Männern, die sich gegenseitig ergänzen und nur einer an des anderen Größe gemessen -werden können. Eine glückliche Stunde hat diese zwei Menschen der Tat zusammengeführt. Und eine glückliche Hand und echte Sehergabe hat ihr großer Kaiser bewiesen, als er den verabschiedeten Korpskommandeur, der brütend in Hannover beim Kaffeetisch saß, aus dem Dunkel der Vergessenheit her- vorholte und ihm die prächtige Gestatt Ludendorffs zur Seite stellte.
Wir, die Verbündeten in LÄ>en und Tod, wir blicken nicht nur neidlos, nein voller Bewunderung zu diesen beiden Recken empor, die mit starkem Arm in das Rad der Weltgeschichte greisen. Die Namen Hindenburg und Ludendorff werden für immer zu den größten dieser großen Zeft, zu den größten aller Zetten gehören. Heil ihnen und ihren tapferen Mannen!
Die große vedeutung der Schlacht an der Narvka.
Br. Wien, 24. Febr. (Eig. Dvahtbericht. Ktr. Mn.) Der militärische Mftarbeiter des „Rußkoje Slowo" schreibt, die Schlacht an der Rawka genieße mit Rück- sicht auf ihren Wert für Hindenburgs Durchbruchsplan nach Warschau entscheidende Bedeutung. Die Zahl der Deutschen übersteige hier alles Bisherige, denn in einer Front von 11 Kilometer hätten die Deut- scheu 100 000 Mann und 600 Geschütze in Mion gesetzt. Dtanchmal kämpfen ans der Strecke von einem Kilo- meter bis 1400 Deutsche, die sich durch das russische Feuer nicht im geringsten zurückbalten ließen.
ver österreichisch- ungarische Tagesbericht.
W. T.-B. Wien, 24. Febr. (Nichtamtlich) Amtlich wird
verlautbart vom 24. Februar: An der poluisch-galizt- schen Front herrscht, abgesehen von vereinzelten lebhafte» Geschiitzkämpfcn und stellenweisem Geplänkel, größtenteils glühe.
Die Situation in den Karpathen ist im allgemeinen unverändert. In den gestrigen Kämpfen am oberen Sa« wurde eine Höhe erstürmt,5 Offiziere und 198 Wan» wurden gefangen genommen. Nördlich des Sattels von BÄovce versuchte der Gegner, dichtes Schneetreiben ausnntzend, i» hartnäckigen Angriffen in die von unseren Truppen besetzt«» Stellungen vorzudringcn. Der Vorstoß wurde unter schweren B c r l u st e n für den Feind zurückgeschlagrn. 308 Russe» wurden gefangen genommen.
Die Kämpfe südlich des D n j e st r nehmen noch Wetter a» Umfang und Ausdehnung zu.
Der sicllvcrttetende Chef des GeneralstabS: v. H ö f e r, Feldmarschalle utnant.
Zur Getreidebeschlagvahme in Österreich.
°W- T.-B. Wien, 24. Febr. (Nichtamtlich.) Die Blatter begrüßen die Maßnahmen der Regierung zur Sicherung der Brotversorgung und drücken die feste Überzeugung aus, daß sie, strenge gehandhabt, zum Ziele führen und den Anschlag unserer Feinde, uns ebenso wie das Deutsche Reich aus- zuhungern, zuschanden machen werden, weil genug Getreide und Mehl zur Beftiedigung aller Bedürftnffe im Reiche vorhanden ist.
Zollaufhebuugen »n Ungarn.
W. T.-B. Budapest, 24. Febr. (Nichtamtlich) Das ^Amtsblatt" veröffentlicht eine Verordnung des Minffteriums, be- tressend Aushebung des Zolles auf ungeschälten Reis, B ~7> rfjfr, Echwettteschmalz (Fetts, Speck und Gänseschmalz,
