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Mittwoch, 24. Zebruar 1915.
Morgen - Kusgabe.
Nr. 91. » 63. Jahrgang.
ver Urieg.
Zu den großen Ziegen über die Nüssen.
Das Echo in der wiener preffe.
XV. 1.-8. Wien, 23. Febr. (Nichtamtlich) Die Blätter bringen ihre hohe Genugtuung und große Freude über die letzten Siege der deutschen und österreichisch-ungarischen Armeen über die russischen Streitkräfte zum Ausdruck.
Das „Frcmdenblatt" sagt: Mehr als 140 000 Mann allein an Gefangenen hat das Zarenheer in den beiden jüngsten Flügelschlachten im Norden und Süden verloren. Das ist im Vergleich zu entscheidenden Schlachten der Vergangenheit, aber auch gemessen an den Proportionen dieses Weltkrieges, eine schwer ins Gewicht fallende Ziffer. An anderer Stelle weist das Blatt darauf hin, daß die Offensive der Russen, welche der Haupttrumpf in dem militärischen Plan der Triple-Entente bildete, zusammen gebrochen ist, welches Ereignis eine unzweifelhaft nicht genug hochzuschätzendc politische Bedeutung besitze, denn ohne den festen Glau^u an die unwiderstehliche Macht der russischen Maffen hätie Frankreich sicher nicht ldas Schwert gezogen, und dann auch England sich nicht in diesen Krieg gestürzt. Die französische Milliardenspekulation aus das russische Millionenheer war keine. glückliche.
Im „Neuen Wiener Tagblatt" heißt es: Mehr als 3 0 0 0 0 0 Russen gibt es heute in der nördlichen und südlichen Kaurpffront weniger, als an demselben Datum des vorigen Monats. Die Wahrheit am Njemen und Dnjestr ist so gigantisch, daß sie auch der ohnehin nicht mehr wie am Anfang bereiten Masse des Entente-Publikums verborgen bleiben könnte.
Auch die „Neue Freie Presse" zieht einen Vergleich mit der Schlacht bei S e d a n, deren Ziffer, an Gefangenen weit hinter denen in den Masurischen Seen Zurückbleiben. Diese Ziffern mögen doch ein Merkmal von beginnender "Kampfesmüdigkeit und eine Erschütterung der militärischen Zucht sein. Ter Eindruck in Paris und London wird trotz des Panzers der Verstellung und Anmaßung stark sein. Auch die Neutralen werden aushorchen.
Die „Reichspost" betont, daß durch die Vernichtung der Armee des Generals Sieders der ganze rechte O st - f l ü g e l a u f g e r i s s e n und daß es sehr f r a g l i ch sei,, ob die Festungen am Njemen und an der Bobr und Narew- linie imstande sein werden, dem deutschen Ansturm Widerst and zu leisten.
Ungarische Prcssstimmen.
XV. T.-B. Budapest, 23. Febr. (Nichtamtlich.) Sämtliche Blätter drücken ihre freudige Genugtuung über den Sieg Hindenburgs in Masuren aus. Der „Pester Lloyd" weist darauf hin, daß die ungeheueren Verluste, welch« wir den Ruffen bisher beigebracht haben, Dimensionen angenommen haben, welche beinahe das menschliche Borstellungsvermögen übersteigen. Das „Neue Pester Journal" sagt: Nach dem Maßstabe früherer Zeiten hätte Rußland den Krieg bereits verloren und müßte sich besiegt erklären.
: „Pesti Hirlap" schreibt: Mit Liebe und bundesge-
nössischer Treue begrüßen wir den Sieg der Deutschen.
Die „Times" über die Schlacht in Masuren.
Ein Leitartikel der „Times" bespricht nach einer Depesche des Mailänder „Corriere della Sera" die. Lage in Ostpreußen wie folgt: „Die Deutschen haben ihren linken Flügel befreit, indem sie einen kräftigen Druck nach vorwärts ins russische Gebiet ansübten, um die H a u p t l i n i e Petersburg- Warsibau, die schon vom gleichzeitigen Vormarsch in Polen nach Ostrolenka bedroht ist, 'abzuschneiden. Falls die Bahnlinie erreicht tverden sollte, wäre die Behauptung Warschaus sehr gefährdet. Die Russen haben bisher ähnliche Angriffe zurückgewiesen; keiner von ihnen war aber so furchtbar und so gut organisiert wie die jetzigen. Die . Russen fechten mit großem Mut an einer kolossalen Front und sind wahrscheinlich durch Schwierigkeiten der Verpflegung behindert." Die „Times" beschließt diese Kritik mit folgender Ermahnung an die Franzosen und Engländer, die auf dem westlichen Kriegsschauplatz kämpfen- „Was auch geschieht, jedenfalls wird Rußland in den nächsten Wochen die Hände voll zu tun haben. Es ist Pflicht der Verbündeten aus dem westlichen Kriegsschauplatz, immer nrehr in ihren Anstrengungen standzuhalten, so lange es möglich sein wird, ohne viel auf die Operationen an der Ost front zu hoffen. Der Krieg hat im Westen begonnen, und im Westen wird wahrscheinlich der entscheidende Schlag geführt werden." I»gekt«nbniffe in tonbon.
3r. Haag. 23. Febr. (Eig. Drabtbericht. Ktr. Bln.) Der „Daily Chronicle" berichtet aus Petersburg: Die Rückzug s b e w e g u n g der russischen Streitkräfte erscheint nunmehr, nach Erreichung der neuen Stellung, beendet. Da der Rückzug wegen der überraschenden Natur des deutschen Vormarsches unter äußerst ungünstigen Bedingungen — sehr koher Schnee und daun plötzlich einsetzendes Tauwetter — vor sich gehen mußte, blieben viele Geschütze im Morast stecken und muhten den mit unheimlicher Behendigkeit nachrückenden Deutschen überlassen werden. Die Rückzugsbewegung erfolgte unter andauernden heftigen Gefechten. Leider steht z>u befürchten, daß im Waldgebiet nördlich von Grodno eine Reihe Abteilungen sich vom Feinde nicht loSz »lösen vermochte, abgeschnitten und u m z i n g e I t wurde. Aus den bisherigen Gefechten wird gemeldet, daß die Russen
über 30 Geschütze i>n die Moraste stürzten und über 50 Automobile, für die nicht mehr genügend Benzin vorhanden war, in Brand setzen mußten. Es erscheint u n m ö g l i ch , so sagt der „Daily Telegraph", dies zu verheimlichen, denn selbst in Petersburg wird zugegeben, daß schwere Fehler begangen wurden, zumal man über die deutschen Truppenbewegungen bereits seit 4. Februar unterrichtet war. Bemerkenswert 'sei ferner das immer engere Zusammen, arbeiten der deutschen und ö st err e i ch i sch - u n g ar i- scheu Heeresleitung. Selbst aus dem rechten Weichselüfer, nördlich von Plozk, hätten größere österreichische Abteilungen Anschluß an die deutschen Streitkräfte gefunden.
Oie Verluste der Ruffen.
Br. Kopenhagen, 23. Febr. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Die Berichterstatter der Kopenhagener Blätter beziffern nunmehr die Verluste der Russen in der letzte» Masurenschlacht auf ü b e r 16 5 0 0 0, einschließlich weit über 100 000 Gefangene.
Auch eine Nachwirkung des großen Sieges.
Die Niederlage bei den masurischen Seen hat in Rußland zu neuen Zornesausbrüchen gegen die Russen deutscher Abkunft geführt. Man weist nämlich darauf hin, daß der geschlagene Oberkommandant der 10. Armee, Baron v. S i e v e r s, gerade wie v. Rennenkampf, Scheidemann und Krause, deutsch und evangelischlutherisch sei; das lasse „tief blicken". Bekanntlich finb Rennenkampf und Scheidemann gefangen gesetzt; Krause wurde nach kurzem Verhör auf dem Schlachtfelde erschossen. Die später aufgetauchte Nachricht, Rennenkampf habe ein Kommando im Kaukasus erhalten, hat sich nicht bestätigt. Man kann gespannt darauf sein, ob jetzt auch gegen General v. Sievers eingeschritten wird.
Die verwuftunoen der Russen in Ostpreußen.
XV. T.-B. Königsberg, 23. Febr. Bon maßgebender Stelle erfahren wirr Bei dem zweiten Eirissll der Russen in Ostpreußen sind weiter gewaltige Zerstörungen an beweglichem und unbeweglichem Gut eingetreten. Die Ruffen waren überall konsequent in völliger Mißachtung des Begriffes von Eigentum. Alles, was ihnen irgendwie von Wert erschien, auch wenn von militärischer Verwendbarkeit keine Rede war, nahmen sie fort und verkauften es teils an Händler oder sandten es teils unmittelbar nach Rußland. Hausgerät und Wirtschastsgerät, das man nicht fortschasfen konnte, zertrümmerten sie und vernichteten sie bis zum geringsten Stück. In den meisten Orten ist in den Läden und Wohnungen fast buchstäblich nichts mehr vorhanden als Schmutz und Unrat. In der Behandlung der zurückgebliebenen Bevölkerung zeigt sich, wie überhaupt bei den Ruffen, eine nicht verständliche Ungleichmäßigkeit. So sind aus einem Orte viele Leute, auch nichtwehrpflichtigen Alters, verschleppt worden, während die Rachbardörfer davon verschont geblieben sind; hier sind schwere Grausamkeiten verübt, während dort die Bewohner menschlich behandelt wurden.
Die notdürftige Ernährung der zurückgebliebenen Bevölkerung wird nicht so große Schwierigkeiten machen, wie anfänglich befürchtet wurde. Außer Kartoffeln sind an vielen Orten noch einige Vorräte von ungedroschenem Roggen vorhanden. An Vieh und Geflügel fehlt es dagegen überall gänzlich. In baulicher Hinsicht scheint ein erheblicher Teil der von den Ruffen besetzt gewesenen Gegenden zum Teil wohl infolge der überschnellen Räumung durch .Brandstiftung nicht so sehr gelitten zu haben, wie man befürchtete. Immerhin find stellenweise sehr schwere Beschädigungen festgestellt worden. So sind völlig z e r st ö r t im östlichen Teile des Kreises Lötzen zahlreiche Ortschaften, z, B. Swidwinnen. Noch bei ihren: Abzug brannten die Russen in jener Gegend, anscheinend aus Rache, mehrere große Güter nieder, z. B. Heibutten, Berghof und Plansten. L y ck hat durch die Beschießung anfangs November und durch die recht heftigen Kämpfe Ende der vorigen Woche wiederum stark gelitten. Die Städte Goldap, Stallupönen und Pillkallen sind ebenfalls arg mitgenommen, die Wohnungen bis auf den Grund au s g e p l ü n d e r t und eine Reihe Häuser niedergebrannt. Immerhin ist die Zahl der stehengebliebenen Häuser recht groß, so daß ein erheblicher Teil der Einwohner bei der Heimkehr, wenn diese zugelaffen wird, ein Obdach findet.
Die Rümpfe in Russisch-Polen
Das glänzende Zusammenarbeiten der deutschen und österreichisch-ungarischen Truppen.
XV. T.-B. Wien, 23. Febr. (Nichtamtlich.) Der Kriegsberichterstatter des „Fremdenblattes" schildert in einem Telegramm seine Eindrücke von dem Nordflügel der österreichisch-ungarischen Stellung in Russisch-Polen und hebt dabei das glänzende Zusammenarbeiten mit den Deutschen hervor. Das wechselseitige Jneinandergrcifen der deutschen und österreichisch-ungarischen Kommandostellen trete sinnfällig in die Erscheinung. Täglich spielen sich'größere und kleinere Kämpfe ab, die in ihrer Gesamtheit die allgemeine Lage günstig beeinflussen. Insbesondere in den Artillerieduellen war die verheerende Wirkung der ganz modernen F l ach b a h n g e sch ü tz c, deren Tragweite außerordentlich groß ist, deutlich festzustellen. Aber auch die Infanterie gewann wiederholt Terrain und macht täglich Gefangene. Der Berichterstatter betont, daß die Bestände durch Ersatzformationen und die Rückkehr zahlreicher Genesener
vollkoinmen ausgefüllt sind. Er rühmt insbesondere den Mut, die Tapferkeit und Todesverachtung der auf dern Nordflügel kämpfenden, zum größten Teil rumänische n Regimenter, und das ideale Zusammenwirken der österreichisch-ungarischen Truppen trotz ihrer Nationalitäte.n- verschiedenheiten.
Der Heldentod des Generals der Infanterie v. Briefen.
Bekanntlich ist der General der Infanterie v. Briefen am 13. November v. I. im Osten gefallen. Über seinen Tod schreib: die „N. pol. Korresp.": General v. Briefen fiel als Kommandeur einer Reserve-Division bei der Einnahme der Stadt Wloclawek. Der tapfere General ritt an der Spitze seiner Division in Wloclawek ein, obwohl ihm gemeldet worden war, daß die eigene Infanterie noch nicht darin sei, die Stadt dagegen noch von feindlicher Infanterie besetzt wäre. Er fiel gleich beim Einreiten durch Schüsse aus den ersten Häusern.
Der russische Generalstabsbericht.
XV. 1.-8. Petersburg, 23. Febr. (Nichtamtlich) Der Große Generalstab gab gestern abend bekannt: Auf dem rechten Ufer vom Bobr und Narew finden immer iwcb einzelne Kämpfe statt. Ein Zusammenstoß von minderer Wichtigkeit ereignete sich auf der Straße von Grodno nach Lypsk, wo wir die Deutschen angrisfen. In den Gefechten in der Gegend von O s s i w i e z hat die Artillerie der Festung tätigen und wirksamen Anteil am Kampfe genommen. Aus der Straße van L o m z a nahmen wir Jeüwabno nach erbittertem Kampfe. In der Gegend von Prasznhsz machte der Feind einen Angriff mit starken Kräften. Auf den Straßen zwischen Racionz und Plonsk nahmen wir nach Gefechten mehrere Dörfer und machten 500 Deutsche zu Gefangenen. Längs der Weichsel wiesen wir Angriffe des Feindes zurück, und zwar aus dem nördlichen Pillicaufer und in der Gegend von Lopuschow. In W e st g a I i z ie n setzte der Feind das Geschützfeuer ununterbrochen fort. Es ist sestgestellt worden, daß den Österreichern am 17. Februar sehr erhebliche Kräfte in der Gegend nördlich Zaklizin zu Hilfe kamen. In den Karpathen nahmen unsere Truppen eine Höhe bei Smolnik. Östlich L u p k o w warfen wir wiederholte Angriffe der Österreicher zurück, ivelche unseren Stellungen bis aus 60 Schritt nahe kamen, aber jedesmal unter unserem Feuer mit ungeheuren Verlusten zurückgehen mußten. In der Schlacht am 20. Februar griffen die Deutschen die Höhen von Kosiuwka viermal hintereinander erfolglos an. In der Gegend von W y s k o w nahmen wir eine Höhe weg, die einen wesentlichen Teil der feindlichen Stellung bildete. In Ostgalizien griffen wir ■ die Österreicher südöstlich S t a n i s l a u. in der Gegend von Crasno, Nebie und Pereschinska, an, warfen nach verschiedenen Bajonettkämpfen zwei Brigaden zurück und wiesen auch einen mit sehr starken Kräften unternommenen Gegenangriff des Feindes ab. Wir nahmen 2 Offiziere, 1500 Wann gefangen und erbeuteten mehrere Maschinengewehre.
Der österreichisch - unoorifche Tagesbericht.
Neue schwere Verluste der Russen in den Karpathen. — 550 Gefangene. — Mehrere stark besetzte Hohen- stellungen am Dnjestr genommen.
XV. T--B- Wien» 23. Febr. (Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: In Russisch-Polen hat sich nichts Wesentliches ereignet. Unsichtiges Wetter verhinderte in Westgalizien die Artillerie- und sonstige Gefcchtstätigkcit.
An der K a r v a t ü c »f r o n t zerschellten russische Angriffe in der gewohnten Weise unter bedeutende» B e r l u st e n des Gegners. 7 Offiziere und 550 Mann wur. den gefangen.
Die Kämpfe südlich des Dnjestr dauern an. Am Schlachtfeld gelang cs den bewährten kroatischen Truppe«, in erfolgreichen Angriffen die Ruffen auS mehreren Ortschaften zu werfen, vom Feind stark besetzte Höhen st cllun- >, e n zu nehmen und Raum nach vorwärts zu gewinnen. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: v. Höf er, Feldmarschallcutnant.
Vas Ringen in üen Rarpathen.
XV. 1.-8. Wien, 23. Febr. (Nichtamtlich) Der Kriegsberichterstatter des „Fremdenblatts" meldet: Das Ringen u: den Karpathen, wo nun schon seit vielen Tagen ununterbrochen die zäheste, erbittertste Schlacht im Gange ist, die der Krieg bisher gebracht, hat. dauert mit unverminderter Heftigkeit an. Die'Russen kämpfen mit verzweifeltem Mut, da sie sich der Bedeutung der- Entscheidung wohl bewußt sind. In der Gegend W y s ck o w- erneuerten sie ihre Angriffe bei Tag und Nacht, obwohl ihnen trotz ungebeurer Verluste nicht d e r g e r i n g st e E r f o l g zuteil geworden ist. Am D u k l a- Paß ist e-s stiller, feit die Gegner in beiderseits günstigen Stellungen eingegraoen sind. Eine große Schlacht tobt südlich von Stauislau, wo sich die Russen unserem über Radworna vorrückeude». rechten.'Flügel zatn drittenmal entgegengestellt haben: wo sie die, für ihre Karvathenarmeen s e h r gefährliche Eroberung der nach Osten führenden Eisenbah n ll n i e hindern. : Heute' eingetrofsene Nachrichten aus dieser Gegend lauten günstig. Trotz der ungeheuren Anstrengungen der letzten Tage ist die Stimmung der verbündeten Truppen s i e g e s g e w i ß. Die überlegene Initiative) der U n t e r s ü h r er. ' ja selbst des einzelnen Mannes kommt in.dem Gebirgskamps besonders zur Geltung, da hier der einzelne weit mehr Gelegenheit hat, semenTeil'
