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Der Homai

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!■ Morgen-Beilage des Wiesbadener Tagblatts, r»—^»>

Nr 45. Dienstag, 23. Zebruar.

(2. Fortsetzung.)

vore.

Roman von E. Krickrbrr».

Nachdruck verboten.

Liddy war seine Cousine: als Kind war sie einmal auf Luisenwerder zürn Besuch gewesen, daher kannte Dore sie, aber sie wußte nicht, daß Heinz in letzter Zeit öfters mit ihr zusammengetroffen war. Die beiden Familien Grening waren lange entzweit gewesen, und erst der Eintritt des Neffen in ein Reiterregiment der Residenz, wo auch der Onkel als Oberst eines Infanterie­regiments stand, hatte die beiden Herren einander wie­der näher gebracht. Heinz war gezwungen gewesen, bei den Verwandten Besuch zu machen, und Liddy und ihre Mutter hatten das Anknüpfen der alten Beziehun­gen mit Enthusiasmus begrüßt, während sich Heinz' Eltern bis jetzt noch immer durchaus fern hielten.

„Liddy von Grening?" fragte Dore, uin etwas zu sagen.

,%a, von den Birkeuhainer Grenings: sie wohnen jetzt ganz in Berlin, seitdem der älteste Sohn das Gut übernommen hat, und ich verkehre dann und wann bei ihnen."

„Davon hast du mir nie etwas geschrieben."

„Ach, du weißt ja, die Eltern sind noch immer er­zürnt auf sie, — Erbschastsgeschichten — im Grunde nichtige Streitigkeiten, Prinzipienfragen, — wie das oft so ist, jeder steift sich auf seine Meinung."

Er hatte es rasch und mit forciertem Gleichmut hin­geworfen, dann fuhr er eigentümlich gepreßt fort:

„Weißt du, Dore, du könntest für Liddy ein gutes Wort bei Maina einlegen, du giltst so viel bei ihr, und sie schlägt dir so leicht nichts ab. Die Birkenhainer leben nicht in besonders guten Verhältnissen, und außer­dem ist die Familie ewig uneins. Es wäre für Liddy wirklich ein Glück, wenn Maina sie einmal für eine Zeitlang bei sich aufnähme. Und wenn erst Mama zur Versöhnung geneigt ist, bringt sie auch Papa herum. Man kann doch solch nichttgen Zwist nicht bis in alle Ewigkeit fortsetzen. Willst du, Dore?"

„Wenn du es wünschest, natürlich", sagte sie, kaum die Lippen öffnend. Sie nahm Messer und Bast auf. „Wir wollen jetzt zu Tante Riekchen gehen, sie wird schon nach uns ausspähen."

„Liddy muß sehr hübsch geworden sein", sagte sie im Gehen plötzlich» „sie war schon als Kind ausnehmend schön."

„Ja, sie ist recht hübsch."

„Und sie war als Kind auch schon recht kokett." Dore sah ihm mit einem forschenden Blick ins Gesicht, seine Mundwinkel zuckten nervös, und eine Falte lag zwi­schen seinen Brauen.

„Du uleinst, ob sie das jetzt noch ist?" sagte er mit leiser Ungeduld. „Vielleicht, aber solch schönes Geschöpf wird auch gar zu sehr verwöhnt. Jedenfalls steht es ihr vorzüglich, sie ist ganz grande da me. Nun, du wirst sie ja sehen."

„Du hast doch gewiß ein Bild von ihr?" Dore war sehr blaß, und ihr Auge sah an ihm voriiber.

„Ja, ich habe ein Bild, — soll ich's dir zeigen?" Er zog sein Taschenbuch hervor, entnahm ihm eine Photo­

graphie und reichte sie Dore. Sie tvarf nur eine« kurzen, hastigen Blick darauf, dann schoß ihr das Blut siedendheiß in die Wangen.

„Sie ist beriickend", murmelte sie, „übrigens sieht sie dir ähnlich, — sie muß vorzüglich zu dir passen."

Er sah sie betroffen an. „Wie komnist du darailf?, Nun freilich, Familienähnlichkeit, — ich bin nicht ge­rade eine Vogelscheuche neben ihr, das ist alles. Ich denke und hoffe, sie wird deine Freundin werden, Dore", fügte er warm hinzu.

„Das glaube ich kaum! Sie gehört einer ganz an­deren Sphäre an. „Mein Anblick ist nichts für eine „grande dame"."

Er hatte sie nie so bitter sprechen hören und beugte sich erschrocken zu ihr hinab. „Wie kannst du so etwas sagen, Dore, cnrpfindest dir nicht, daß du mir damit wehe tust?" Er faßte nach ihrer Hand und zog sie durch seinen Arm. „Wenn Liddy dich nicht schlitzte, wie dir es verdienst, würde sie nicht mehr für mich existieren. Du stehst mir doch viel näher als meine Cousiue. Auf dich wird es ankommen, ob sie in unserem Hause will­kommen sein soll."

Sie ging still neben ihm her, ohne ein Wort zu er­widern.

„Du bist ja so blaß, Dore. Ich glaube, du über­arbeitest dich, weil du keinen strengen Aufpasser mehr hast."

„Du siehst Gespenster, Heinz", suchte sie abzulenken, „ich fühle mich wohler denn je. . . Sieh, da kommt schon Tante, um uns zu holen, wahrscheinlich droht der Kaffee kalt zu werden."

„Hast du immer noch nicht den Abscheu vor dem Photographiertwerden überwunden?" fragte er im Laufe des Nachmittags. „Willst du mir nicht auch ein Bild von dir mitgeben?"

„Ich werde mich niemals photographieren lassen", sagte sie bestimmt. „Das wäre ja eine unverzeihliche Geschmacklosigkeit von mir. Soll der Photograph lügen, oder könntest du ein naturgetreues Bild von nrir wünschen?"

,Hch will dich besitzen, wie du .da bist, Dore, — ich will dich jederzeit vor mir haben können."

„Fürchtest du, daß du mich sonst eines Tages ver­gessen könntest?"

„Dore! Habe ich das verdient? Wie sonderbar du heute bist! Vermagst du wirklich zu glauben, daß ich dich je auch nur für einen Augenblick vergessen könnte?"

„Nein, dazu bist du viel zu — gewissenhaft! Das ist's ja eben."

„Wie meinst du das?"

„Ach, verderben wir uns den schönen Nachmittag doch nicht mit Wortklaubereien! Ich denke, es ist Zeit, daß wir zu deiner Mutter gehen/'

„Du wirst dich also für Liddy verwenden?"

Ein schwerer Atemzug — ein kurzes Zögern. „Wenn ich nur vorher wissen könnte, ob es gut ausfällt! Ab« gleichviel, ich werde tun, was du verlangst."