Verlag Langgasse 21
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„T«,Uatt-H»uS" Nr. 6650-53.
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Dienstag. 23. Zebruar 1913
Wilmersdorf Güntzel str. 66. Fernspr.: Amt Uhland 4,0 u. 4o1. Lagen und Bi-ne » wird keine «ewadr »been°mmem
Nr. 89. . 63. Jahrgang.
Morgen - Ausgabe.
In den ttarpathen ^0000 Russen gefangen!
ver österreichisch-ungarische Tagesberickft.
Größere Kämpfe südl. des Dnjcstr; dort 2000 Gefangene,
4 Geschütze und viel Kriegsmaterial erbeutet.
W. T.-B. Wien. 22. Febr. (Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: An der Front in Russisch-Polen und
Westgalizien Artilleriekampfe und Geplänkel. Ber- einzelte Vorstöße deS FeindeS wurden mühelos abge-
"' X den Karpathen zahlreiche russische Angriffe, div im westlichen Abschnitt auch während der Nacht andauerten.
Alle diese Versuche, bis zu unseren Hindern,slinien vorzudringen. scheiterten unter großen Verlusten f«r den Feind.
Südlich des Dnjestr entwickeln sich d»e Kamine in größerem Umfang. Eine starke Gruppe des Feindes wurde gestern nach längerem Kampse geworfen; 2000 Gefangene wurden gemacht, 4 Geschütze und viel Kriegsmaterial erbeutet.
Die in einem offiziellen russischen Kommunique als falsch bezeichnet- Summe von 29 000 Mann Kriegsgefangenen, die unsere Truppen bis vor einigen Tagen in de», Karpathen- kämpfen feit Ende Januar eingebracht habe», hat sich «ittlerweife vergrößert und ist auf 6 4 Offiziere. 4 v 8 8 6 Wann gestiegen. Hinzu kommen 34Maschine«ge- wehre und 9 Geschütze.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Höf er, FeldmarschaNentnant.
Der große hindenburg-Sieg.
Berliner Preffestimmen.
Br. Berlin. 22. Febr. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Die heutige Siegesmeldung ist bereits von einem Teil der Abendblätter besprochen worden. Die „Boss. Ztg." zieht e,nc mter- essante Parallele. Um dieses Ergebnis _ der neuntagigen Schlacht und der sich anschließenden Verfolgungskampfe in ihrer ganzen Größe zu würdigen, genügt ein Vergleich mit der Siegesbeute von Sedan. Die Zahl der Franzosen, die sich während der Kämpfe am 1. September 1870 ergaben, betrug 21 000 Mann. Durch die Kapitulation freien noch 83 UUU Mann in deutsche Gefangenschaft. Das sind ,m ganzen annähernd so viele Gefangene wie setzt m der masurischen Schlacht. Während aber die Schlacht bei Sedan dre Franzosen etwa 17 000 Mann kostete, dürften die C p f e r der Russen an Toten ein mehrfaches dieser Zahl sein.
Die ..Deuts»- Tageszeitung" schätzt die Zahl der russischen Gesamtverlustc auf 200 000 und nennt den Erfolg einen Sieg, der in Anbetracht aller Schwierigkeiten so voll und glänzend, daß er seinesgleichen nicht habe in der ganzen Krieasaeicksichte. 'Noch einmal können die G l o ck e n l a u t c ,r ^d?e Fahnen wehen zu Ehren dieser Winterschlacht, die unser altes Ordensland vom Feinde befreite und dem russischen Millionenheere den rechten Flügel bis aus den letzten Rest zerbrach; zu Ehren unserer tapferen Krieger, die hier unter tausendfacher Mühsal das Höchste und Gemai- tlaste geleistet haben, was eine Truppe je geleistet, hat und jemals leisten kann; zu Ehren der genialeni Führung der Generale ».Eichhorn und v. B e l o w, für die uiwerwelk- licher Lorbeer aus den Schneefeldern zwischen Memel und Narew aufblühte, zu Ehren H i n d e n b ur g s, des R u s s e n- kieaers, der nicht'nur seinem Ruhmeskranz, sondern zu- gleich der Kriegsgeschichte ein neues Matt enrgestlgt hat, dessen Goldglanz den Ruhm deutscher Kriegskunst bi-.- überstrahlen wird zu den fernsten Zeiten und spatesten Ge jchlechtern.
Zur Lage der russischen Juden.
W T.-B. Petersburg, 22. Febr. (Nichtamtlich.) In der Konferenz, die vor Eröffnung der Duma zwischen der Regie- rung und den Abgeordneten abgehalten wurde, erklärte der Minister des Innern laut der Zeitschrift „Nowi- Woschod" bezüglich der Judeufrage. daß die Regierung unter den 'obwaltenden Verhältnissen zur Besserung der Lage der Juden nichts tun könne.
Der Unterseebootskrieg.
Die engliicke Flagge von der Nordsee ver'chwvnden!
IV 1' -B Kopenhagen, 22. Febr. (Nichtamtlich) „Politiken schreibt: Heute ist hier der e r st e D a,n p f e r seit der Blockade aus England eingetroffen. Er fuhr am 18. Februar aus G-o.e ab und nahm seinen Weg der englischen Küste Entlang, ~ Kapitän erklärt, die englische Flagge sei von der Nordsee verschwunden. Er habe ans der g a n z e n F a h r t von der eng- liscken Küste bis zu den Färöer kein einziges «chlfs mit der e n g l i s ch c n F! a g g e gesehen, sondern nur Kau;- fabrteischifse mit neutraler Flagge. Der Dampfer „Knuthen- bora" hat eine neue Mannschaft erhalten und ist gestern nach Newcastle abgesegelt. — Die Schwierigkeiten bei den »adere« Dampfern sind noch nicht erledigt.
Die Postoerbindung Paris-London unterbrochen.
Br. Mailand, 22. Febr. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.)
Nach ver Mailänder „Sera" sind die täglichen Verbindungen zwischen Paris und London seit zwei Tagen unterbrochen. Auch die Briefe sind ausgeblieben.
Die Zahrtverweigerung dänischer Seelente.
Br. Kopenhagen, 22. Febr. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Die Furcht vor der Nordseefabri wachst bei den dänischen Seeleuten in beunruhigendem Maße. Gestern lagen nicht weniger als f ü n f voll beladene Dampfer im Hafen, die nicht abgehen können, weil die Mannschaften sich weigern, die Fahrt zu wagen. Bei Dampfern, die mit Lebensmitteln beladen sind und m anderen dänischen Hasen liegen, bestehen d,e gleichen Schwierigkeiten. Die Abfahrt einiger Dampfer ist nur unter Bewilligung hoher Kriegszulageu für die Mannschaften zustande gekommen.
Zur Angelegenheit des Dampfers „Belridgc".
Br. Hamburg, 22. Febr. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Blu.) Der im Kanal gesunkene angeblich norwegische Dampfer Belbridge" ist, wie der „Neuen Hamburger Ztg." berichtet wird im Besitze eines englischen Reeders, der sowohl m London als auch in Christiama Schiffskoutore besitzt. Seine Schiffe können also die englische oder die norwegische Flagge führen.__
Vom französisch-belgischen Kriegsschauplatz.
Die französischen Tagesberichte.
W- T.-B. Paris, 22. Febr. (Nichtamtlich.) Amtlicher Bericht vom 21. Februar, nachmittags 3 Uhr: In Belgien kam es zu einigen Jnfanterieaktionen in dem Abschnitt von sypern. Wir nahmen Teile eines Schützengrabens, welchen der Feind einen Augenblick besetzt hatte. Es bestätigt sich, daß die Deutschen auf dem Gelände mehrere hundert Mann ließen; unsere Verluste sind wenig zahlreich. In der C h a m- pagne wurden alle Gewinne behauptet. Zwei feindliche Gegenangriffe am 20. Februar, abends, mißlangen. In den Vogesen schlugen- wir drei Angriffe zurück, einen auf dem nördlichen und zwei auf dem südlichen Fech-Ufer, und unternahmen darauf einen Gegenangriff. Der Kampf dauert noch an.
Amtlicher Bericht vom 21. Februar, abends 11 Uhr: Zwischen dem Meer und Lys Artilleriekämpfe. Das Feuer unserer Geschütze war sehr wirksani. In der Champagne folgte auf einen glänzend abgewiesenen feindlichen Angriff eine energische Verfolgung des Feindes, die uns in den Besitz sämtlicher deutschen Schützengräben nördlich und östlich des von uns gestern eroberten Gehölzes setzte. Auf der übrigen Front wurden zwei Gegenangriffe abgewiesen. Wir machten neue Forffchritte, besonders nördlich Lemesnil, wo zwei Maschinengewehre erbeutet und etwa hundert Gefangene gemacht wurden. Der Feind unternahm bei Ep arges einen siebenten Gegenangriff, um die von uns während zweier Tage eroberten Stellungen wieder zu nehmen. Der Gegenangriff brach, wie der vorhergehende, völlig zusammen.
Frankreichs umJeworfene Wirtschaft.
Frankreichs Volkswirtschaft ist durch den Krieg seit bald einem halben Jahre „umgeworfen"; ums unsere Feinde uns zudachten, uns durch Besetzung Rheinland-Westfalens von un- serem nationalen Jndustrierev,er abzufchneiden und dadurch unsere Volkswirtschaft zu desorganisieren und lahmzulegen, das hat das Schicksal gerade Frankreich zu- aedacht Die industrielle Bedeutung des von den deutichen Truppen besetzten französischen Gebietes, die in Deutschland gewöhnlich bedeutend unterschätzt wird, würdigt Dr.-Jng. E. Schrödter in einem Artikel: „Zur industriellen Niederlage Frankreichs" in dem neuesten Heft (Nr.<k) der Zeitschrift „Stahl und Eisen". Auf Grund der amtlichen franzostichen Angaben über die Zahl der Dampfkessel und Pferdestärken läßt sich' fesfftellen, daß auf den Kriegsschauplatz 65 v. H. von der Förderung der Bergwerke und Steinbrüche und 54.1 v. H. von der Eisenerzeugung und Bearbeitung entfallen. Allein der -ln- teil der Kohlen beträgt 68,8 v. H„ von Koks 78,3 v. H„ von Eisenerz 90 v. H., von Roheisen 85,7 v. H. und von Rohstahl 76 v. H. Obgleich zahlenmäßig 30 v. H. des Kohlenbergbaus Frankreich verblieben sind, erreicht doch die gegenwärtige tat- sächliche Förderung nur etwa 15 v. H. der normalen jährlichen Gesamtförderuiig. Es liegen ferner im Besetzungvgebret 46 8 v. H. der Nahrungsmittelindustrie, 68,7 v. H. der Textilindustrie und 14,2 v. H. der mit Dampfkesselbetrieb arbeiten den landwirtschaftlichen Betriebe. Insgesamt dürften sicher sich nicht weniger als 40 v. H. der gesamten gewerblichen Tätigkeit Frankreichs, die mit Dampfiraft arbeitet, innerhalb des besetzten Gebiets liegen.
Französischer Mißbrauch eines Zuavenregimcnts.
Br. Gens, 22. Febr. Mg, Drahtbericht. Ktr. Bln.)
Das dritte Zuavenregiment befirwet sich, wie die „Humamte berichtet, seit dem 22. September im Schützengraben, oh n e daß es bisher einmal a b g e I ö st worden ist. Ern ~eu der Mannschaften der Jahresklafie 1915 erhielt bisher weder Unterwäsche noch Schuhzeng. Die Kleidungsgegenstande, die an die Mannschaften verteilt wurden, sollen sich in kläglich e ui Zustand befinden.
Gegen die Einreihung feindlicher Staatsangehöriger in die Fremdenlegion.
Br. Genf, 22. Febr. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Senator Beranger beabsichtigt, im-Senat einen Vorschlag zur Abstimmung zu bringen, wonach die Einrerhun« von Angehörigen feindlicher Staaten in das französische Heer als Fremdenlegionäre zu untersagen sei und^allc seit 1. August 1914 erfolgten Anwerbungen für bic Fremdenlegion annulliert werden sollen.
Eine Ansprache an die Pariser Jngendwehr.
\X.. T.-B- Paris, 22. Febr. (Nichtamtlich.) Der Unter- richtsmimister Sarraut nahm gestern eine Parade der Pariser Schüler aus de!-. Jahrgängen 1916/17 und der Teilnehmer der Kurse der Gesellschaften für militärische Vorbereitungen ab. Der Minister hielt eine Ansprache, m welcher er Frankreichs unbesiegbare .Kraft und unvergcmg- liches Schicksal hervorhob und di- Jünglinge auf die An- strengungen hinwies, die sie als Soldaten W ertrage» hatten.
Er sei überzeugt, daß keiner zögern werde, sem Mut für Frankreich hinzugcb en.
ver Krieg im Grient.
Algerier und Tunefier find osmanische Untertanen.
W T--B. Konftantinvpel, 22. Febr. (Nichtamtlich.) Tcrdschuman-i-Sakkikat" meldet, daß auf Grund eines Beschlusses des zuständigen Komitees Algerier und Tunesier als osmanische Untertanen behandelt werden. Die ,n die Türkei Einwandernden werden dieselben Vorteile genießen, wie sie den aus den ehemaligen osmanischen Gegenden eur- gewanderten Muselmanen gewährt werden. Der oben erwähnte Beschluß bedeutet die Aufhebung des ,m ver- gangeuen Jahre zwischen der Pforte und Frankreich beschlossenen Übereinkommens, demzufolge Algerier ■ »no Tunesier als französische Staatsangehörige zu behandeln waren. __
Die Etatsberatung imLandtag
(Eigener Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung.)
8- Berlin. 22. Febr. (Ktr. Bln.) Die heutige erste Sitzung des Abgeordnetenhauses nach den wochen- lanaen Kommissionsberatnngen stand, wenigstens zu Aniang. ganz unter dem Eindruck der neuen Hmden- burgsckcn S i e g e s m e l d u n g. Als Graf von Sckwerin-Löwitz. der Präsident, gleich zu Beginn der Verhandlung die amtliche Depesche verlas, da hatte sich das ganze Laus erhoben, wiederum mit der ein- *iaen Ausnahme des Herrn Llebknecht. der io rat. als sei er völlig in die Zeiffrng verffest die er aerade vor sich hatte und als mteresfterte die ostpreutzr- siche Siegesmeldung nicht im geringsten. Die Der- leffma der Depesche war mit stürmischem Minuten- langem Beifall begleitet, ebenso der Vorschlag des Pra- sidenten, dem Kaiser ein Gliickwunschtelegramm zu
Dte Etatsdebatte, die nunmchr ihren Anfang imhm. wird nach dem Vorschlag des Präsidenten von vornherein in Kategorien eingeierlt sem. Zunächst wollte inan die Frage der Volksernährung besprechen, dam, die Frage der Viehhaltung und der Feldbestellung, endlich die Frage der Kriegsfursorge und die Zenstir- frage Der Abgeordnete H o e s ch, der Referent^ zu dem ersten Fragenkomplex, war sehr ausführlich. Dle Kom- misson, so führte er aus, sei, in allen wirtschaftlichen Fragen einmütig gewesen, einmütig insbesondere tu L o c hre die aus diesem Kriege gezogen ■ werden müsse, daß die deutsche Landwirtschaft nicht das ^nter. psse einer einzelnen Erwerbsgruppe, sondern das Inter. X s er ganzen Nation sei. Diese einmütige Selbstbezwingung in Fragen, in denen s°nst die Meinungen weit auseinander gegangen, werde Deiitlchland in die Lage versehen, den Krieg siegreich zu bestehen. In der Kommission Ivar man freilich Nicht rn allen Ein- Äheffen einmütig gewesen. So wies der Redner der- spielsweise auf gewisse Bedenken gegen die Beschlag- nahme der Hafervorräte hin und er war auch der M«- - nung, es wäre vielleicht besser gewesen, wenn dre Regreß
