Der Roman.
a Morgen-Beilage des Wiesbadener Tagblatts, s
Nr 42.
lSMutz.)
Zrei tag» 19. Februar.
Die LH« der Herrn Terbrügge.
Roman von F. Carlfen.
INS.
Nachdruck verboten.
Das Blatt flatterte zu Boden. Stephan sah, mit einem Ausdruck auf. als erwache er aus eurem schweren Traum. Seine Lippen zuckten, er griff nur den Händen an die Stirn, dann stieß er einen Schrei auS, der in dem großen Zimmer widerhaltte. Er sprang auf und stürzte hinaus, di« Treppen hinauf in MagdaS Zimmer . . .
Die Jungfer kam ihm erschrocken entgegen.
„Wo ist meine Frau?" fragte er mit erner Stimme, der er sich vergebens bemühte, Festigkeit zu geben.
„Die gnädige Frau ist im Schlafzimmer, ich habe aber strengen Befehl, sie nicht zu stören ..."
Er schob das erstaunte Mädchen ohne werteres der- seile und durcheilte den Salon. An der Tür des Schlafzimmers blieb er stehen, sein Herz klopfte zum Zerspringen. Er drückte die Klinke leise nieder und trat ein. Vor dem Bette auf den Knien lag Magda. Sie * hatte die Kopf auf die verschränkten Arme gelegt, aber sie weinte nicht. Regungslos lag sie da wie gestorben. Und hörte nicht, daß Stephan dicht hinter ihr war.
„Magda!"
Sie fuhr zusammen und fing an zu zittern, als sie ihn erkannte. Kein Wort kam über ihre Lippen. Was wollte er noch von ihr? Hatte sie noch nicht genug gelitten !
Da zag er sie an den Armen zu sich empor, rauh fast, sie wand sich unter seinem Griff.
„Magda, einzig Geliebte! Kannst du meinen Wahn- sinn vergessen!"
Sie wurde erst rot. dann blaß und sah ihn -verstört an. Sie verstand ihn nicht.
Er hielt sie an beiden Handgelenken fest und sagte mit bebender Sttmme: „Ich bitte dich um Verzeihung für meinen sinnlosen Verdacht, ich weiß jetzt, daß kein Schatten eines Makels auf dich fällt, daß ich ein Rasen- der war, und habe nur eine Entschuldigung für mich .... ich liebe dich so grenzenlos, daß mir eine Welt zerbrach, als ich dich untreu glaubte!"
Er lag vor ihr auf den Knien und wartete mit ver- zehrender Sehnsucht auf einen Blick — ein Wort . . . aber sie war wie gelähmt, in dem unnatürlich weißen Gesicht lebten nur die Augen.
„Höre mich an. Magda. In der Stunde, in der rch dir sagte, daß ich dich aus meinem LÄen lösche, habe ich dich heißer, verlangender, hoffnungsloser geliebt als vorher, ffiir gingen wie zwei törichte Menschenkinder immer im Kreise hintereinander her. Laß mich gut- machen, was ich an dir verschuldet, lah uns ein neues Leben beginnen. Sieh, ich zwinge dlch nicht,, kch berühre dich nicht, aber meine Arme sind offen, ich warte mit allen Fibern meiner Seele darauf, daß du mir ein Zeichen gibst..." _ ,, _
i Wer Magda starrte noch immer vor sich hm. Der Umschwung noch all der stumm getragenen Qual war HU jÄh. st« begriff ihn nicht. ^ ,
Da tteß Stephan ihre Hände loS und wandte sich mit einen» bitteren Lachen zum Gehen.
Jetzt erst kam Leben in die starre Gestalt.
„Stephan", schrie sie auf. All die qualvolle Angst, ihu wieder zu verlieren, die sie überftel, lag in dem zitternden Ton.
Mit einem Satz war er neben ihr und rih sie in seine Arme. Und es war, als wenn -über die zlwer kühlen Menschen, die sich ein Jahr lang mit ihrer Selbstbeherrschung gemartert hatten, «in Taumel gekommen sei, der ihnen die Besinnung raubte. Sie hielten sich und liehen sich nicht los. Laute stteßen sie aus, die keine Bedeutung hatten, es -war, wie wenn ein Strom jäh sein Bett verließ und alles mit seiner entfesselten Flut überschwemmt«.
Dann wurden sie ruhiger. Stephan setzte sich auf einen Sessel und nahm Magda auf seine Knie. Er mußte sie fühlen, sie halten, um zu glauben, daß sie ihm jetzt gehöre. So verharrten sie stumm eine ganze Zeit, sie hatte die Arme um seinen Hals -geschlungen, und ihre Wange au die seine geschmiegt. Ihr Atem ging ruhig wie bei einem Kinde, sie fühlte sich so sicher, so geborgen in seinen Armen. Ab und zu zog sie Stephans Hand an ihre Lippen, es war, als habe sie ein Bedürfnis, ihm ihre Demut zu zeigen, weil sie ihru am Anfang ihrer Ehe durch ihren sinnlosen Stolz verletzt. ^
Eine Stunde verrann, und sie hielten sich noch immer umschlungen. Dann fragte Magda leise: „Wie -ist dies alles gekommen?"
Und in kurzen Worten, um ihr Glück um so wenig Minuten als möglich zu bestehlen, erzählte Stephan die Geschichte von Jngeborgs Brief.
Magda hörte schweigend zu, dann sagte sie: „Arme Jngeborg!"
Aber ihre Gedanken waren schon wieder fort von diesen häßlichen Bildern. Sie schmiegte sich eng an Stephan und flüsterte: „Weißt -du, seit wann ich dich liebe?"
Er hing an ihren Lippen.
„Seit jenem Abend in Monte Carlo . . .
„Liebling!" . , „ _
„Sich her, Stephan!" Sie zog ein dünnes Kett- chen aus dem Halsausschnitt ihres Kleides und legte ihm das Medaillon in die Hand, das ihr damals sein« Mutter zur Hochzeit geschenkt, und das die Aufschrift tru-g: „Mein Lichstes!" . . .
Er sah sie fragend an. Sie öffnete e§ und zeigte ihm -darin sein eigenes Bild.
Er küßte sie. daß ihr der Atem verging.
„Und so lange habe ich mich m einsamer Sehnsucht verzehrt, ,rnd die ganze Zeit wartete das Gluck, und ich Tor habe es nicht gewußt .,. ." .
Und wieder umfing sie seliges Schweigen.
Dann sagte Magda: „Komm zur Witter. . .
„Ja, mein Liebling, sie hat das größt« Anrecht dakauf, unser Glück zuerst zu kennen ...
Wie sie das Zimmer verließen, fraise Magda scheu, „Und das alles ist wahr? Ist kein Traum?
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