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Wiesbadener Sagblatt.

21 wöchentlich _ 12 Ausgaben.

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§rettag, 19. $ebmat 1915.

Der Krieg.

ver Chef des stellvertretenden Kdmiralstads v. vehnke über den Unterfeebootskriey.

Sr. Amsterdam, 18. Febr. (Eig. Drahtbertcht. Ktr. Bin.)

(jti einer von amerikanischen Blättern veröffentlichten Unter­redung mit dem amerikanischen Marineattache Kapi­tän Geradi gab der Stellvertreter des deutschen Adnnrat- stabes v. B e h n k e eine Erklärung.über die Lage ab, indem er u. a. ausführte: Bis jetzt hat sich Deutschland in dem Seekrieg an die Bestimmungen der Londoner Deklaration ge­halten. Die Sperre der Nahrungsmittel ist aber nunmehr so weit vorgeschritten, daß es für Deutschland notwendig geworden ist, England durch Anwendung von Gewalt zur Dernuust zu bringen. Deutschland weiß, daß England durch die Anwendung von Unterseebooten in eine Lage ge-- bracht werden kann, in der es selbst Mangel an Nah­rungsmitteln erleiden wird. Deutschland hat ge» nügend Unterseebootsstreitkräste, um dies durchzuführen. Die Schwierigkeiten, welche sich dieser Unterseeboots- kampagn« eutgegenstellen, hängen zum größten Teil mit der Rücksicht zusammen, die man auf neutrale Schiffu und Menschenleben an Bord aller Handelsschiffe zu nehmen wünscht, ganz gleich, ob sie neutral oder feindlich sind. Deutschland wünscht nicht im geringsten, amerikanische oder andere neutrale Schiffe oder deren Ladungen zu beschä­digen, soweit sie nicht Kriegskonterbande führen. Den kom­mandierenden Offizieren der Unterseeboote ist der Befehl er­teilt worden, alle möglichen Anstrengungen zu machen, um den Neutralen die möglichste Rücksicht angedeihen zu lassen. Obwohl der deutsche Admiral­stab überzeugt ist, datz die Anwendung von Untersee­booten von großem Einfluß auf einen schnellen Friedensschluß sein wird, wünscht er doch nicht, dies prm Nachteil des neutralen Handels und des Völkerrechts auf hoher See anzuwenden. Er hat infolgedessen die Erklärung abgegeben, daß Deutschland die ganze Untersee­blockade fallen lassen wird, sobald Großbritan­nien erklärt, daß es sich bei Einschränkungen an die L o n- doner Deklaration oder auch den Pariser Ser« trag halten wird, so daß die für die Zivilbevölkerung not­wendigen Nahrungsmittel frei nach Deutschland hinmnge- bracht werden können. Dieser Vorschlag ist auf diplomatischem Wege übermittelt worden. Sollte er von England angenom­men werden, so würde die Angelegenheit nicht länger eine Streitfrage zwischen Amerika, und Deutschland bilden. Der stellvertretende Chef des Ädmiralstabs machte schließlich darauf aufmerksam, daß England, als es durch seine Prokla­mation die Nordsee verschloß, den amerikanischen Schif­fen, die nach dem neutralen Holland fuhren, keine freie Fahrt gewährte, sondern' sie zwang, eine bestimmte Route einzuschlagen, einen englischen Lotsen an Bord zu nehmen und sich auf Kriegskonterbande durchsuchen zu lassen. Behnke erklärte, daß Deutschland hingegen bereit sei, Amerika eine freie und sichere Methode vorzuschlagen: Amerikanische Schiffe, die durch den Kanal nach englischen Häfen fahren, sollen von amerikanischen Kriegsschiffen in einem Hafen an der Südwestküste Irlands erwartet werden und sobald die drahtlose Verbindung hergestellt ist, soll eines dieser Kriegsschiffe den Handelsfahrzeugen entgegenfahren und sie durch jenen Teil der englischen Gewässer begleiten, die von Deutschland als gefährdet erklärt worden sind.

Die Haltung der niederländischen Regierung.

W. T.-B. Amsterdam, 18. Febr. Die Matter melden oon maßgebender Stelle, daß die niederländische Regie­rung den Schiffahrtsgesellschaften völlig freie Hand läßt, wie sie es betreffs Fortsetzung der Schiff­fahrt in das neue Kriegsgebiet halten wollen. Die vllitter melden weiter, daß man in offiziellen Kreisen gegenüber den kommenden Ereignissen eine rein ab­wartende Haltung einnimmt.

Hollands Entrüstung über den englischen Flaggenmißbrauch.

Sr. Rotterdam, 18. FÄ>r. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Die holländische Rsederkonfereuz beschloß in einer acht­stündigen geheimen Beratung, es den einzelnen Reedern zu überlassen, ob sie den Dienst einstellen oder fortsetzen wollen. Es herrscht große Entrüstung über einen Leeds-Dampfer, der unter holländischer Flagge gefahren ist. Die Regierung soll ersucht werden, denjenigen Schiffen, die un­erlaubt unter der holländischen Flagge fahren, für ein Jahr die Landung zu verbieten. Die nach Amerika bestimmten Dampfer sollen den Weg über Schottland wählen. Die durch den Kanal ankomrnenden Schiffe berichten von einem großen Patrouillendienst der englischen Tor- pedojäger. Im allgemeinen ist die Stimmung gegen England wegen des Flaggcnmißbrcruchs schärfer als bisher.

„Der englischen Weltherrschaft letzter Tag."

W. T.-B. Kopenhagen, 18. Febr. (Nichtamtlich.) „Estra- bladet" schreibt: 38ie sehr man in England über die deut­sche Drohung spotten mag, so hat sie doch in der gesamten übrigen Welt ganz bedeutende Wirkungen gehabt. Es heißt mm, daß die Deutschen ganz England mit Minen umgeben wollen. Kann man aber über die Beherrscherin des Meeres mehr spotten? Wenn dies möglich ist, so ist der 18. Februar der englischen Weltherrschaft letzter Tag. Die deutsche Blockadeerklärurrg enthält nichts überraschendes.

Morgen- Ausgabe

Der Hauptpunkt des Planes istdieUmlegungder Inseln mit Minen und eine Stütze dafür der energische Kampf der Unterseeboote gegen die englische Han­delsflotte. Man versucht auf englischer Seite die Gef ahr zu mildern durch übermalen der Schiffe mit neutralen Farben. GegerrWer den Minen hilft dies ja nichts. Nach der Erklärung der deutschen Admiralität wird das übermalen auch gegen die Unterseeboote wenig nützen. Man muß anerkennen, wenn die Deutschen einen Aushungerungskrieg _ gegen England führen, so wäre eine Kriegführung, die englische Schiffe mit so plumpen Kniffen, wie übermalen der Schornsteine und Seiten, durchschlüpfen liehe, geradezu lächerlich. Von deutscher Seite soll die Aufhebung der Blockade angeboten worden sein, wenn England die Einführung von Lebens­mitteln für die deutsche Bevölkerung zulasse. Es ist, glaubhaft, daß die deutsche Diplomatie mit dieser Möglichkeit rechnet. England hat vor der Hand keine anderen Waffen gegen Deutschland mehr als den Aushungerungsplan, und diese Waffe sollte es wohl gar aus humanen Gründen meder- legen? Es ist eine offenkundige Tatsache, daß England den Aushungerungsplan begonnen hat; letzt hat Deutschland den Gedanken crufgegriffen. Keine Rücksichten,

sondern nur Machtverhältnisse werden jetzt . tef 1

Sieg oder den Tod Englands entscheiden. Auch dte Note der nordischen Mächte kann daran nichts ändern.

Norwegische Mutmaßungen.

Christiunia, 18. Febr. (Ktr. Frkst.) Das „Morgenbladet" veröffentlicht ein Interview mit dem Vizepräsidenten des norwegischen Reedervereins, der ausspricht, er glaube, daß die Situation für den neutralen Seehandel von morgen ab äußerst ernst würde. Er habe aus bester Quelle er­fahren daß auf vier deutschen Wersten Tag und Nacht ge­arbeitet inerde und jetzt 100 Unterseeboote Deutschland zur Verfügung stünden. Nicht die deutschen Minen, sondern die Unterseeboote seien nach seiner Auffassung jetzt doppelt zu furchten. Die Maßregeln der Neutral«!. ihre Schiffe mit den Nationalfarben zu kennzeichnen, könnten nicht l ebe Gefahr rbwenden, da die Kriegführenden sie wahrschetnltch nachmachten. Dies würde es jedoch erleichtern, daß den Neu­tralen ein Schadensersatz bei zu Unrecht torpedierten Schiffen geleistet wird. Die Kriegsversicherungsprämien würden für gefahrvolles Fahrwasser sicherlich steigen. Ob der Berkehr mit England teilweise oder ganz aufhören müsse, werde sich in den nächsten Tagen entscheiden. Würde er aufhören, so könne man wohl als eine direkte Folge davon annehmen, datz auch der norwegische Handel mit Deutschland aufhöre.

Noch eine Mannschaft gegen die Abfahrt nach England.

Sr. Kopenhagen, 18. Febr. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Die Mannschaft des dänischen Dampfers „Nyfjord", der von Narhus nach England cibgehen sollte, stellte so weit- gehende Forderungen wegen der den Schiffen drohen­den Gefahren in den englischen Gewässern, daß die Damvf- sckiffahrtsgesellschaft es a b l e h n t, darauf einzugehen. Die Mannsclxrft wurde abgemustert und der Abgang des Dampfers ausgesetzt.

Die Teuerung in England.

W. T.-B- London, 18. Febr. (Nichtamtlich.) Die Ar­beiterpartei beabsichtigt, wie der parlamentarische Mit­arbeiter des „Daily Telegraph" berichtet, im Unterhaus wegen zunehmender Teuerung der Lebensmittel etnen direkten Appell an das Parlament zu richten.

was ein Neutraler in Deutschland sah.

Berlin, 16. Febr. Dem „L.-A." zufolge lenkt die „Times" heute die Aufmerksamkeit auf eine beginnende Artikelserie eines „neutralen Beobachters von weit ausgedehnter Erfah­rung, der eine sechs Wochen andauernde Reise durch Deutschland und Österreich unternommen hat und seine Ein­drücke völlig urteilslos wiedergibt". In der Tat beginnt der Beobachter heute mit der Schilderung, wie er, im Gegensatz zu düsteren Prophezeiungen, er würde Berlin nur unter größten Schwierigkeiten tagelanger Fahrt erreichen, zwar von England bis Holland 30 mühselige Stunden brauchte, ober nach glatter, höflicher Erledigung der Formalitäten an der deutschen Grenze von dort im Eilzug trotz wütenden Schneesturmes und trotz des Truppentransportes auf die Minute Berlin in zehn Stunden nach ausgezeichnetem 3-Mark-Diner im Speisewagen erreichte. Gleich pünktliche Beförderung fand er später auf Fahrten kreuz und giter durch Deutschland. Die „Times" gibt schon im voraus einen Extrakt aus der Artikelreihe dahin, daß Deutschland, so weit ersichtlich ist, in keinerlei ernsthaften Schwie­rigkeiten stecke. Das Leben in Berlin sei so normal wie nur möglich, ebenso in anderen Großstädten. Die wunder­bare maschinenmäßige Organisation arbeitet überall mit absoluter Glattheit und wird mit größter Sorgfalt in ihren kleinsten Einzelheiten geleitet. Dazu bemerkt die „Times" selbst, man werde vielleicht aus den Schilderungen des Neu­tralen den Schluß ziehen müssen, daß diese wunderbare Maschine überperfekt ist, und daß sie auch den geheimen schwachen Punkt aller feinen Maschinenkonstruktionen besitzt. In zwei Richtungen drohe ihr Gefahr: Etwas in der Leitung kann schief gehen odev^ein Teilchen brechen, und dann steht der ganze Maschinenorganismus still. Allerdings sagt die „Times", es sei heute dafür noch kein Anz eichenen sehen, und es sei weise, damit zu rechnen, daß die deutsche [ Maschine noch sehr lange gut arbeiten wird.

Oer deutsche Hatz gegen England.

' Die Schilderung des ueutralen Beobachters der „Times".

Br. Rotterdam, 18. Febr. (Eig. DrahiberiA. Ktt. Bin.) In einem Artikel in der „Times" schildert ern „neutraler Beobachter" den deutschen' Haß gegen Eng­land. Dieser Haß sei nicht nur weitverbreitet im Volke, weil „England uns aushungern will , son- dern noch st ä r k e r in den höchsten gesellschaftlichen, gebildeten und politischen Kreisen. „Nie", rief ein Herr, der trotz verhältnismäßig jungen Jahren schon einen wichtigen Posten bekleidet, „hoffe ich und erwarte ich, daß die Freundschaft mit England erneuert wird." Ein Bankier bemerkte: „Wir sind durch das

britische Doppelspiel hinters Licht geführt worden wir hofften auf eine Annäherung an England und arbeite­ten für sie, als England treulos handelte. Die Engländer sind eine fe ig e Ra ff e, die sich ohne Hilfe nicht an uns herangewagt hätte."

Wiener Preffestimmen zur deutschen Antwortnote an Amerika.

W. T.-B. Wien, 18. Febr. (Nichtamtlich.) Die Blätter heben den kräftigen, ernsten und doch friedlichen Ton der deutschen Antwortnote an Amerika hervor. Die „Neue Fr. Pr." schreibt: Die Antwort geht gerade auf das Ziel los, klärt Mißverständnisse auf, macht praktische Vorschläge zur Milderung der Folgen, zeigt aber nichtsdestoweniger em männliches Beharren auf dem ursprünglichen Willen. Deutschland hat nicht nur das Rech t, sondern auch die Macht, sich durchzusetzen. Es würde ein Verbrechen an der eigenen Bevölkerung beginnen, wenn es seine Macht nicht ausüben wollte. Das Blatt erinnert sodann an das politische Programm Wilsons, in welchem er die Unparteilich­keit und die Neutralität befürwortet und schließt: Wenn

Wilson dem Programm treu bleibt, werden die beiden Völker, die einander so viel zu verdanken und so viel Gemeinsames haben, sich wieder nähern und alles vergessen. DaS „Neue Wiener Tagblatt" sagt: Die deutsche Note atmet einen so

warmen Ton für die Vereinigten Staaten und für die Neu­tralen, daß, wenn diese auch bar jeden Wohlwollens gegen Deutschland wären, eine rein objektive Beurteilung der Lage sie zur vollen Anerkennung des deutschen Standpunktes zwingen müsse. „Extrablatt" bemerkt: In der Antwort­note entwirft die deutsche Regierung ein klares Bild der Sachlage und ihrer Beweggründe. Deutschland steht einem Feinde gegenüber, der sich unterfängt, alle Gesetze der Menschlichkeit mit Füßen zu treten und die Zivilbevölkerung des Deutschen Reiches einfach auszuhungern, um sie gefügig und dem Frieden geneigt zu machen. In einem solchen Augenblick verschwindet jede Rücksicht. Das „Neue Wiener Journal" sagt: Aus der Note spricht Ehrlichkeit, Mannes­

sinn und unerschütterliche Festigkeit. Der 18. Februar 1015 wird ein historischer Tag sein, weil heute kein Zweifel mehr darüber bestehen kann, daß Deutschland mit allen Mitteln seiner Seemacht in Notwehr den Hungerkrieg gegen England beginnt.

Die Antwort Sir Edward Greys auf die amerikanische Note.

Freche Lügen.

W. T.-B. London, 18. Febr. (Nichtamtlich) Die Antwort Sir Edward Greys auf die amerikanische Note zitiert die amerikanische amtliche Handelsstatistik, um za zeigen, daß, von Baumwolle abgesehen, der Krieg den Rück­gang der amerikanischen Ausfuhr, der sich in der ersten Hälfte des Jahres 1914 entwickelte, nicht gesteigert, sondern tatsäch­lich ausgehalten habe. Dagegen sei die amerikanffche Ausfuhr in Baumwolle nach Großbritannien ebenso stark wie nach den anderen Ländern gefallen. Die Antwort weist ferner darauf­hin, daß die amerikanische Ausfuhrvon August bis Dezem­ber von 110 auf 246 Millionen Dollar, und seither noch weiter gestiegen sei. Die allgemeine Beschverde der amerikanischen Note sei gewesen, datz die englischen Maßregeln den amerikanischen Handel mit neutralen Ländern ungünstig beeinflußt hätte. Die britischen Operationen zur See hätten jedenfalls den amerikanischen Handel mit Großbritannien und ! den Verbündeten mit beeinträchtigt. Wer die amerikanische l amtliche Statistik zeige, daß die Ausfuhr nach Eiland und den verbündeten Staaten in den ersten vier Monaten des Krieges um mehr als 28 Millionen Dollar gesunken sei, wäh­rend die Ausfuhr muh den n e u t r a l e n Ländern und Öster­reich-Ungarn um 20 Millionen Dollar gestiegen sei. Man dürfe daraus den Schluß ziehen, daß ein wesentlicher Teil des Handels mit den Neutralen für feindliche Länder be­stimmt gewesen sei. Ein Haupthindernis für den Handel sei jetzt der Mangel an Schiffsraum, aber das Auf- h a l t e n der neutralen Schiffe durch England habe zu diesem Mangel von Schiften weit weniger beigetragen als die Zerstörung neutraler Schiffe durch Minen, die der Feind unterschiedslos auf hoher See gelegt habe. Bisher seien 25 neutrale Schiffe durch Minen auf hoher See zerstört worden. Ganz abgesehen von den Fragen beS Ver- tragsbrucheS und der Vernichtung von Mensch cn - leben liege weit mehr Grund vor, gegen die Beeinträch­tigung des harmlosen neutralen Handels durch Mine n als durch das von England ausgeübte Recht, Konter- bande zu beschlagnahmen, zu protestieren. Die Antwort be-