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o Morgen-Beilage des Wiesbadener Tagblattr.

Nr. 40.

(17, Fortsetzung.)

Mittwoch» 17. Februar.

Oie Ehe der Herrn Terbrügge.

Roman von 8. llarlsen.

1915.

Nachdruck verboten.

Die beiden Herren toaren sehr ernst gestimmt. Doktor Schlessing, der in seiner Eigenschaft als Arzt viele Ehrenhändel gesehen, hatte vor Pistolenduellen einen großen Respekt, und Melgers war ein weich- herziger, guter Junge, der für Stephan durchs Feuer gegangen wäre ,und dem bei allem Mannesmut der Ge­danke an die Möglichkeit eines fatalen Ausganges das Herz zusammenpreßte.

Nur Stephan tvar fast heiter. Sie waren die ersten, nach wenigen Minuten folgte der Leutnant mit seinen Sekundanten, zwei Regimentskameraden. Nach dem üblichen Vergeblichen Versöhnungsversuch nahmen me Gegner Aufstellung.

Dreimaliger Kugelwechsel war vereinbart. Maltrtz hatte den ersten Schuß. Seine Kugel fuhr haarscharf an Stephans Ohr vorbei, Stephan fehlte ebenfalls, und das Duell nahin seinen Fortgang.

Maltitz schoß zum zweiten Male. Als sich der Pulverdampf verzogen hatte, sah man Stephan schwanken. Doktor Schlessing stürzte hinzu und hatte gerade noch Zeit, den Taumelnden aufzufangen und ihn sanft ins Gras niedergleiten zu lassen.

Da haben wir's!" sagte er und riß dem Bewußt- losen das Hemd auf.

Maltitz ivar auch herangeeilt. Sein Gesicht war aschfahl und er mußte zweimal ansetzen, bevor seitre bebenden Lippen die Frage herausbrachten:Lebt er?"

Scblessing untersuchte die Wunde.

Es scheint kein edler Teil verletzt zu sein", sagte er kurz,aber es läßt sich ohne griindliche Untersuchung, die ja hier nicht möglich ist, nichts Genaues sagen. Wrr wollen vor allen Dingen sehen, daß wir ihn möglichst unauffällig nach Hause bringen, damit die Frauen nicht übermäßig erschrecken." _

Kann ich noch irgendwie behilflich fern, lieber Doktor?" flehte Maltitz, den die Reue verzehrte.

Nein. Maltitz. Hätten Sie lieber vorhin ein Loch in die liebe Gottesnatur geschossen, dann hätten Sie uns viel erspart, so aber, nachdenr Ihrer Ehre Genüge geschehen ist, tun Sie am besten, sich mit Ihren Schieß­prügeln auf den Heimweg zu begeben."

Gott weiß, daß ich das nicht gewollt habe", murmelte Maltitz.Ich hielt immer ganz scharf nach rechts: wie es kam, daß die Kugel, die an ihm vorbei- streifen sollte, ihn traf, weiß ich nicht."

Mr.theniatisch berechnen läßt sich so ein Biest von einen! Projektil eben nicht", sagte Schlessing trocken, während er den Notverband beendete.Und jetzt auf- gepaßt, meine Herren. Sie helfen wohl", wendete er sich an die gegnerischen Sekundanten,denn mit dem Körper werden wir zwei armseligen Stadtmenschen doch nicht allein fertig."

Bereitwillig griffen die Offiziere zu, und in weni­gen Minuten wurde Stephan, der noch immer bewllßt- los war. in sein Autoinobil gebettet, und im langsam- sten Tempo fuhren sie in die Stadt zurück.

Dank der Vorsicht des Doktors und der frühen Mor­genstunde gelang es, Stephan in sein Zimnier hinauf- zubringen, ohne daß die Mutter oder Fred etwas ge­ahnt hätten. Die einzige, die wach war und das Auto, von tausend quälenden Ahnungen geplagt, erwartete, war Magda. Sie hatte, hinter einem Vorhang ver­borgen, Stephans Abfahrt vom .Hanse beigewohnt und war keinen Augenblick ini Zweifel darüber gewesen, wohin ihn der Weg führte.

Und nun hatte sie Stunden der entsetzlichsten Mar­ter verbracht, gegen die die Wirklichkeit, so traurig sie auch aussah, Erlösung bedeutete. Sie wehrte jede Er- klärung Schlessings ab und ordnete totenblaß, aber mit ungewöhnlicher Energie alles an, was zur ersten Hilfe­leistung in diesem Falle erforderlich ivar. Bon Zeit zu Zeit warf sie einen Blick auf das bleiche Gesicht mit den geschlossenen Augen und schauerte zusammen.

Schlessing nahm gleich darauf eine genaue Unter­suchung vor. Der Verwundete wurde auf einen Tisch gebettet und die Binden wurden gelöst. Magda hatte sich von Schlessing nicht hinausweisen lassen, sie stand an dem Lager und sah mit weitgeöffneten Augen, wie der Arzt die Wunde, die in der Schulter saß, auswusch und mit der Sonde nach der Kugel suchte. Stephan zuckte zusammen und ein leises Stöhnen entfloh seinen Lippen. Sofort trat Magda in den Hintergrund, sie wollte nicht, daß beim Eiwachen sein Blick zuerst auf sie fiel, sie fürchtete die Wirkung der Aufregung. Aber Stephan ertvachte erst, nachdem die Kugel entfernt, sein Verband vollendet ivar und Doktor Schelssing sich be­friedigt im Nebenzimmer die Hände wusch. Magda war ihm gefolgt. Sie fragte nicht, aber ihre Augen waren mit einem Ausdruck stummer Qual auf ihn ge­richtet. so daß dem Doktor das Herz warm wurde.

Wenn keine Koniplikationen cintreten, so halte ich die Wunde nicht für gefährlich, aber die Blutung war erschöpfend und er bedarf sehr sorgfältiger Pflege. Wollen Sie die übernehmen oder soll ich Ihnen eine Scktwester schicken?"

Magdas Gesicht färbte sich plötzlich dunkelrot.

Ich glaube, es ist auf alle Falle besser, wenn eine Schwester kommt, ich bin vielleicht doch nicht geübt ge­nug. um der Aufgabe gerecht zu werden", sagte sie zögernd.

Schlessing verstand ganz gilt. Er glaubte keinen Augenblick, daß es Mangel an Gefühl war, der sie von der Pflege abstehen ließ, er hatte schon vorhin ihr in­stinktives Znrückweichen gemerkt, als sie geglaubt hatte, Stephan wende die Augen aufschlagen, nnd da er die frühere Beziehung Maltitz' zu Magda kannte, so fand er unschwer einen Zusammenhang mit dem Duell. Er erhob sich und sagte:Also ich telephoniere sofort an das Schwesternheim. Adieu, Frau Magda, und: Kopf hoch, es geht noch nicht ans Loben."

Sie sah ihn dankbar an, und dre Spaiinung loste sich plötzlich in einem heftigen Weinkrampf. Mit einer