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Verlag Lauggaffe 21

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Mittwoch» 17, Februar 1915.

Morgen - Ausgabe.

Nr. 79. ♦ 63. Jahrgang.

Der Krieg.

Der Tagesbericht vom 16. Februar.

Französische Angriffe abgewiesen. — Jenseits der ostpreutzischen Grenze erfolgreich vor­wärts. — In Nordpolen 1000 Russen gefangen.

W. T-.B. Grosses Hauptquartier. 16. Febr., vormittags. (Amtlich.)

westlicher Kriegsschauplatz.

Feindliche Angriffe gegen die von uns bei St. Elo i genommenen englischen Schützengräben wurden abgewiesen.

Sonst ist nichts Besonderes zu melden, westlicher Briegsschauplatz.

Die Vcrfolgungskämpfe an und jenseits der ost­preußischen Grenze nehmen weiter sehr günsti­gen Verlauf.

In Polen nördlich der Weichsel besetzten wir nach kurzem Kampfe Bielsk und Plozk. Etwa 10 0« Gefangene fielen in unsere Hand.

In Polen südlich der Weichsel hat sich nichts Wesentliches ereignet.

Abenteuerlichste Gerüchte über große Verluste der Deutschen.

In der ausländischen Presse haben die abenteuer­lichsten Gerüchte über unermeßliche Bcrlnste der Deut­schen in den Kämpfen östlich Blymow anfangs Fe­bruar Aufnahme gefunden. Es wird festgestellt, daß die deutschen Verluste bei diesen Angriffen im Ver­hältnis znm erreichten Erfolg gering waren.

Oberste Heeresleitung.

von den östlichen Kriegsschauplätzen.

Die völlige Niederlage der Nuffen in wftpreutzen.

Br. Stockholm. 16. Febr. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Das „Dagblad" meldet aus Petersburg: Die völlige

Niederlage in Ostpreußen und der Verlust nahezu eines ganzen Armeekorps wird von den Zeitungen nach und nach bekannt gegeben, jedoch nur als private Be­richte, ohne amtliche Bestätigung. Die Tatsache, daß di«. Zensur die Berichte überhaupt durchläßt, wird sehr beachtet. Die „Nowoje Wremja" schreibt: Unsere Verluste sind schwer, werden aber ausgeglichen durch die günstigere strate­gische Stellung, die wir mit unserem Rückzuge er­zwungen haben. (!) Die russische Heeresleitung hat angeord. net, daß geschlossene Briefe von der Front an die Familien der Krieger nicht mehr befördert werden dürfen. In Petersburg sind die Briefe aus dem Felde, bevor sie den Familien zugestellt werden, bereits geöffnet und mit dem militärischen Zensurstempel versehen worden.

Der Sieg in Ostpreußen und die Pariser Presse.

W. T--B- Paris, 10. Febr. (Nichtamtlich.) Der größte Teil der Presse übergeht den russischen Rückzug aus Ost­preußen schweigend. Die anderen Blätter erklären, der Rück­zug sei nur erfolgt, um die Deutschen in besseren Stel­lungen besser schlagen zu können. Das „Echo de Paris" schreibt, alles beweise, daß die Deutschen zu ihrer Offensive kein Vertrauen haben. Die Russen führten dir Operationen mit bewundernswerter Geschicklichkeit und Kühnheit aus: Die „Liberte" führt aus, der deutsche Tagesbericht sei schon dadurch unglaubwürdig, daß er nicht einmal den Ort nenne, wo angeblich der Erfolg errungen sei. Übrigens sei der Schlüffelpunkt der ganzen Stellung Galizien und die Karpathen. „Petit Parisien" glaubt, daß bisher nur Teilaktionen stattgefunden haben, daß aber anscheinend ein großer Zusammenstoß er­folgt sei. tzindenburg hoffe vielleicht, den russischen Flügel w Ostpreußen und der Bukowina zu umfassen. Eine solche Operation sei gigantisch, doch sei es mehr als zweifelhaft, ob die Mittel, über die .Hindenburg verfüge, genügen, um einen derartigen Plan durchzuführen. Nur die „H u m a n i t e" und der „R a d i k a l" geben zu, daß die russische Armee in Ostpreußen in vollem Rückzuge begriffen sei. Der »Radikal" fügt hinzu, man müsse die Meisterschaft bewun­dern, mit der Hindenburg das Eisenbahnnetz ausnutze. Der Vorstoß könne Hindenburg einen großen Erfolg sichern, wenn die Russen nicht genügend Widerstand leisten.

Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.

Heftige Kämpfe an der Karpathenfront. — Günstiger Verlauf der Aktion in der Bukowina. — Insgesamt über 900 Russen gefangen.

W. T--B. Wien, 16. Febr. (Nichtamtlich.) Amtlich lvird verlantbart: Tie allgemeine Situation in Russisch-

Polen und Wcstgalizien ist unverändert. Es fanden nur Artillcriekämpfc statt. An der Karpathensront wird heftig gekämpft. Mehrere Tag- und Nachtangriffe der Russe» tzezen dir Stellungen der Verbündete» wurden unter großen

B e r l u st e n des Feindes, der hierbei 400 Alaun an Ge­fangenen verlor, zurückgcschlagen.

Die Aktionen in der Bukowina verlaufen g ü n st i g. Die Screthlinie wurde überschritten, die Russen unter fortwährenden Gefechten gegen den Pruth zurückge­drängt. Südlich K o l o m c a, wo sich größere Kämpfe ent­wickeln, machten wir gestern über 500 zu Gefangenen.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: v. H ö f e r, Feldmarschalleutnant.

Die Russen sammeln sich um Tschernowitz.

Br. Wien, 16. Febr. (Eig. Drahtbericht. Kir. Bln.) .Die ursprüngliche Annahme, die Russen würden Tschernowitz kampflos aufgeben, erweist sich als irrig. Die verfolgten Russen machten im Umkreis von 20 Kilometer südlich von Tschernowitz Halt, wo sie Verstärkungen von Norden er­hielten, um mit den österreichisch-ungarischen Truppen den Kamps aufzunehmen. Die österreichisch-ungarischen aus der südlichen Bukowina vorgerückten Truppen stehen bei der Stadt Sereth und am Serethfluß, während die aus der Gegend von Marmaros vorgestotzenen in nördlicher Richtung gegen den Pruthflnß und im Osten gegen Tschernowitz stehen. Die Russen sind von österreichisch-ungarischen Truppen im Halbkreis förmlich umschlossen, so daß die vor­aussichtliche Schlacht auf der Linie östlich und südlich von Tschernowitz sich abspielcn dürste.

Angebliche russische Fortschritte bei przemqsl.

Br. Amsterdam, 10. Febr. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Die Londoner „Times" erfährt aus Petersburg, daß die Ope­rationen bei Przemysl in der verflossenen Woche gute Fort­schritte gemacht haben. Wenn die Festung sich nicht schnell ergebe, werde sie bei dem ersten Sturm fallen. Ein deutsch-österreichischer Versuch, der Garnison von den Kar­pathen aus Hilfe zu bringen, sei mißglückt. Die Behauptung von deutscher Seite, daß die Russen sich um Lemberg Sorge machten, sei a b s u r d. Der Feind habe einen Teil der Buko­wina besetzt, aper die Bukowina sei als Kriegsschauplatz nicht von großer Bedeutung, uns die Besetzung bedrohe weder die russische Aufstellung noch die Verbindung mit dem linken Flügel.

Baiser Franz Joseph an die Binder seines Reiches

Der greise Kaiser Franz Joseph hat einen ergreifenden Brief an die Kinderwelt seines Reiches gerichtet. .Er gehört wohl zu den schönsten Dokumenten, die der Weltkrieg ge­zeitigt, zu de:: schönsten auch, die der ehrwürdige Monarch in seiner langen Regicrnngszeit erlassen hat. Er lautet:

„An die liebem Kinder unseres Reiches. Wenn ich an der Schwelle des Grabes in so ernster Stunde an Euch mich richte, geliebte Kinder, geschieht es aus mehrfachen Gründen. Einmal wäret Ihr immer die Freude, der Trost, ja oft in schweren Zeiten meines langen Lebens der einzige Trost und die einzige Freude Eures Kaisers und Königs. Wenn ich Euch sah, traf mich in den Schatten meines Daseins wieder ein Sonnenstrahl. Ihr seid es, Kinder, die dem Herzen Eures Kaisers und Königs am nächsten stehen, die Blumen meines Reiches, die Zierde meiner Völker, der Segen der Zukunft. Aber nicht bloß Eurem Kaiser und König steht Ihr am nächsten, noch einem, vor dem auch die Mächtigsten dieser Welt hilflose Geschöpfe sind, Gott, unserem Herrn, — in Eurem Auge strahlt noch das Licht des Schvpsungsmorgens, um Euch ist noch Paradies und Himmel. Gott ist allmächtig, in. seiner Hand liegt das Schicksal aller Völker. Seinkm Willen beugt sich alles, nach ihm lenken sich die Sterne und die Menschen. Daß diese allmächtige Gotteshand Österreich- Ungarn hüte und bewahre, es über seine zahlreichen Feinde siegen und im Siegen erstarken lasse, zu Gottes Ehre und Verherrlichung, das ist noch das einzige, was mir nach einem an Trübsal reichen Leben zu wünschen übrig bleibt. Es war mein Wunsch, als ich so jung und hoffnrmgsselig aus den Thron meiner Väter stieg, es wird der Wunsch sein, der bald vielleicht auf meinen sterbenden Lippen als das Wort der letzten Liebe und Sorge sür meine Länder, meine Völker ver­weht. Gott lenke alles so, wie er es will. Wir Menschen ver­mögen nichts außer ihm und ohne ihn. Da Ihr, liebe Kindxr, Gott zunächst steht, bittet Euch Euer Kaiser und König, betet, daß er uns segne und unserer Sache seine Gnade schenke. Gott erböri das Gebet der Unschuld, weil er sie liebt, in ihr sein Bild erkennt. Darum lasset nicht ab, zu beten init ge­falteten Händen, Ihr Kleinen und Ihr Kleinsten. Wenn des Reiches Kinder für ihr Vaterland beten, weiß ich, unser Stern steht put. Darm seid Ihr mit teilhaftig am Sieges- und Ehrentag des Reiches. Ihr habt den Segen herabgefleht auf 'unsere Fahnen, auf unser Heer. Liebe Kinder, vergesset nicht das Reich, dem Ihr auf Erden.zugehört, und seinen alten Kaiser."

Deutsche Verwaltung in Russisch-Polen.

Wie die „Neue politische Korrespondenz" erfährt, dürf­ten in nächster Zeit in die deutsche Verwaltung in Russisch- Polen mehrere Juristen berufen werden. An mehrere Gerichte sind Anfragen ergangen, welche richterlichen Be­amten sich für die Verwaltung in Russisch-Polen zur Ver­fügung stellen.

Br. Berlin, 16. Febr. (Eig. Trahtbericht. Ktr. Bln.) Der frrikonscrvative Landtagsabgeordnete Professor B r e d t (Marburg), Vertreter für Marburg, ist anfangs März an Stelle des freikouservatibcn Reichstagsabgcordneten Dr. Schultz (Bromberg) in die. Verwaltung von Russisch-Polen be­rufen «vordem, damit' Abgeordneter Schultz sein Reichstags­

mandat ausüben kann. Abgeordneter Bredt ist 1914 in Ost­preußen als Mitglied des Automobilkorps durch ciuen Unter­kieferschuß schwer verwundet worden und weilt zu seiner Ge­nesung in Berlin.

Oer Unterseeboolskrieg.

Ruhmredigkeiten Churchills und Lloyd Georges:

W. T.-B. London, 16. Febr. (Nichtamtlich) Im Unter­haus brachte gestern Marinenrinister Churchill den Flottenetat ein. Er sagte u. a.: Nach sechs Monaten des Krieges, wo neue Gefahren und Schwierigkeiten in den Ge­sichtskreis getreten sind, haben wir allen Grund, zufrieden zu sein, mit dem Ergebnis der Anstrengungen für die Florte vorzusorgen, welche, vollbcmannt und ausgerüstet, sich sür alle unsere Bedürfnisse als ausreichend erwiesen hat. Es gab Zeiten, wo die Hilfsquellen der Flotte bis zum äußersten an­gespannt waren. Australische, indische und kanadische Kon­tingente waren unterwegs nach Europa, ein mächtiges deut­sches Geschwader befand sich im Stillen Ozean, zwei kleine deutsche Kreuzer und zw ei Hilfskreuzer, das ist alles, was von den deutschen Vorbereitungen zum Angriff auf die Handelsstraßen übrig geblieben ist, und diese ver­bergen sich. Was die deutsche Drohung betrifft, so befinden wir uns einer Art der Kriegsführung gegenüber, wie sie noch nie von einem zivilisierten Staat verwirklicht worden ist. Aber man muß nicht glauben, weil der Angriff außergewöhnlich ist, daß keine gute Verteidigung dagegen möglich wäre. Verluste werden natürlich erlitten werden. Churchill erklärt, er glaube nicht, daß britische Lebens- interessen getroffen werden können und sagt: Unsere Antwort wird vielleicht nicht ganz wirkungslos sein. Deutsch­land darf nicht in die Lage kommen, sein System von offen­bar e m Mord und S e e r a u b anzuwenden. Es ist aller Grund vorhanden, anzunehmen, daß der durch die englische Flotte versuchte wirtschaftliche Druck sich in Deutschland fühl­bar macht. Bisher wollten wir die Einfuhr von Lebens­mitteln nicht verhindern. Wir haben neutrale Schiffe nicht daran gehindert, einen direkten Verkehr mit deutschen Häfen zu unterhalten. Wir haben ungehindert denffche Aus­fuhrartikel auf neutralen Schiffen durchgelassen. Die Zeit ist aber gekommen, wo man erwägen muß, ob einem Staat, der sich durch seine Politik systematisch außerhalb aller nationaler Verpflichtungen gestellt hat, der Genuß dieser Rechte nicht entzogen werden muß. Die verbündeten Regierungen haben eine neue Erklärung abgegeben, um den Feind jetzt mit aller Macht den Druck der Seemacht fühlen zu lassen. Lloyd George sagte in seiner Rede noch: Die ge­meinsamen Ausgaben der Verbündeten in dem am 81. Dezember endenden Jahre dürften nicht weit hinter 20 00 Millionen Zurückbleiben. Der britische Anteil ist etwa um 100 bis 150 Millionen höher als der einer anderen Groß­macht auszugebende Betrag. Die Verbündeten bekämpfen die gesamte mobile Kraft Deutschlands mit weniger als ein Drittel ihrer eigenen Kraft. Lloyd George be­tonte noch die Wirkung der Unterdrückung des Verkaufs von Alkohol an Rußland.

Englische vesorgnisse.

Verheimlichung der englischen Schiffsverluste.

Br. Hamburg, 16. Febr. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Mn.) Die englische Admiralität hat angeordnet, daß Verluste von Handelsschiffen nicht mehr öffentlich bekanntgegeben werden sollen. Die Dampfer der Haupffchiffahrtslinien wer­den, wie den „Hamb. Rachr." gemeldet wird, von Kriegs­schiffen bis weit in. das offene Meer begleitet werden. Große Besorgnisse herrschen in London wegen der Sicherheit der englisch-niederländischen Postdampferverbindung, die für den englischen Handel jetzt nach dem Fall von Antwerpen van besonderer Bedeutung ist. Es finden darüber zwischen Eng­land und Holland diplomatische Verhandlungen statt. Die Londoner Zeitungen behaupten, daß Deutschland seine Blockade nicht mit den gewöhnlichen Unterseebooten, sondern mit 4 0 neugebauten Tauchbooten eines besonderen Typs beginnen lvird, der es gestattet, daß die Boote lange im Meere, fern von jedem Stützpunkt, weilen können.

Die fortgesetzte Teuerung iu England.

Br. Amsterdam, 16. Febr. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Nach Blättermeldungen aus London sind in der verflossenen Woche 55 Prozent aller Lebensmittel um ein volles Drittel und 40 Prozent im Preise gestiegen. Die Liverpooler Schiff- fahrtsgesellschasten haben am letzten Samstag insgesamt 1250 Arbeiter entlassen.

Englische Schiffsverluste.

W. T.-B. London, 16. Febr. (Nichtamtlich) Am Sams­tag ist bei Falmouth das britische Segelschiff „Andre - m e d a" mit einem Tonnengehalt von 1928, mit Getreide nach London unterwegs, gestrandet. Das Schiss und die Ladung sind verloren, die Besatzung ist bis auf einen Mann gerettet.

W. T.-B. London, 16. Febr. (Nichtamtlich) Der englische Dampfer „Hu l l tr a d e r" ist im Kana l gesunken. Von der Besatzung sind drei Mann gerettet worden.

wann Deutschland zur Zurücknahme der Proklamation bereit ist.

Br. Amsterdam, 16. Febr. ((Eig. Trahtbericht. Ktr. Blm)

Reuter meldet aus Washington: Graf Bernstorfs hat in

einer offiziellen Rote ertlürt, Deutschland sei bereit, dir Lu,