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Der Komai

MfS

i« .--«! morgen»Beilage des Wiesbadener Tagblatts, i- --■)

Nr 39. Dienstag, 16. Zebruar. 1915.

(16. Fortsetzung.) BtC (£1}C 5CS f^Cttlt ^CtbtÖJQC^ Nachdruck verboten.

Roman von 8. Larlsen.

Sie neigte stumm Len Kopf und schritt in ihr Schlafzimmer. Erstaunt blieb sie dort vor dem Spiegel stehen. War sie das wirklich? Gehörte ihr dieses angstentstellte, verzerrte Gesicht?

Jetzt erst kam ihr 'das Ungeheuerliche seines Ver­dachtes voll und ganz zum Bewußtsein. Sie, Magda, sollte Hans Maltitz' Geliebte sein, sie sollte ein Leben der Doppelzüngigkeit und Falschheit gelebt haben, diese ganze Zeit, und das traute ibr der Mann zu, der selbst der Inbegriff von Ehre war! Wie mußte er sie verachten, um sie einer solchen Handlungsweise für fähig zu halten?!

Und dann kam ihr die Erinnerung an die verhäng­nisvollen Worte, welche die Männer gewechselt. Sie wußte genau, was das zu bedeuten hatte und schloß schaudernd die Augen. An einem der nächsten Tage standen sich zwei irgendwo gegenüber und die Waffen entschieden über ihr Schicksal. Das durfte nicht sein! Stephan mußte ihr ja glauben, wenn sie ihm wieder- halte und beteuerte, daß er ihr unrecht getan habe, wenn sie ihm gestand, daß sie seit Monaten keinen an- deren Gedanken gekannt als ihn, keinen Wunsch ge­hegt. der nicht mit ihm zusammerching. Maltitz! Es war ja lächerlich! Wer konnte ihn auch nur beachten, der das Glück hatte, im Schatten des anderen zu atmen!

Sie löste nur den Hut von den Haaren und setzte sich erwartungsvoll hin, die Augen in atemloser Span­nung ans die Tür geheftet, durch die er eintreten mußte. Schon einnral hatte sie so auf ihn gewartet, und doch, wie anders war es damals gewesen . . .

And er kam. Er schloß die Tür und Slieü stehen.

Und vor dem Ausdruck in seinem Gesichte erstarb ihr das Wort auf der Lippe. Erbarmungslos und eisern sah er aus, und jenseits aller objektiven Über­legung. verbissen in seine Anschauung.

„Was ich dir zu sagen habe, ist in wenigen Minuten gesagt. Ich habe gleich am Anfänge unserer Ehe ein- gesehen, daß ich einen Fehler beging, indem ich mich zwischen dich und deinen Verlobten stellte. Meine ein­zige Entschuldigung war, daß ich dich liebte. Du hast mir keinen Augenblick des Glückes gegeben, seit ich dich kenne, aber ich habe dir vertraut, ich hätte es nie für möglich gehalten, daß du mich auf so niedrige Weise betrügen würdest, um so mehr, als wir uns vor weni­gen Tagen darüber geeinigt haben, daß sich der Bruch leise und schonend vollziehen soll, damit nicht andere zu schmerzlich darunter leiden. Aber du hast nicht warten können, du gingst zu jenem Elenden, und, jeder Frauenohre bar, tratest du meinen Namen in den Schmutz."

Regungslos hatte Magda zugehört, jetzt bäumte sie sich unter seiner Anklage.

„Ich bin unschuldig, Stephan!" schrie sie auf.

Er gebot ihr mit einer heftigen Bewegung Schweigen.

„Verschwende deine Worte nicht, ich höre dich nicht an, ich will mich nicht von deinen Reden betören lassest. Ich mache heute einen Strich unter die Episode meines Lebens, mit der du verknüpft bist. Du aber mußt die Sehnsucht deines Herzens nach der« Geliebten noch eine Anstandsfrist lang beherrschen. Das bin ich meiner Ehre schuldig. Es ist ja nicht unmöglich, daß der Himmel ein Einsehen hat und dich sehr bald von mir befreit!"

„Stephan!" Sie schrie seinen Namen in ihrer Herzensangst. „Höre mich an! Unser Glück hängt davon ab!"

„Spare deine Lügen! Was hat dein Glück mit dem meinen gemein, daß du beide in einem Atem nennst? Nichts kann die Tatsache aus der Welt Missen, daß ich dich in der Wohnung dieses Mannes fand. Morgen werde ich mich mit Maltitz schlagen. Wenn ich falle, regelt sich die Angelegenheit ja von selbst. Bleibe ich am Leben, so gehst du auf Reisen oder in ein Sanatoriuin oder zum Besuch zu Freunden und wir leiten die Scheidung ein. Ich werde dich selbftverständ- sich nicht belasten. Und damit ist alles gesagt. Daß für deine Zukunft in jedenl Sinne gesorgt wenden wird, ist selbstverständlich, so daß du auch einem even­tuellen Trcubruch deines . . . Freundes furchtlos ent­gegen sehen könntest . .

Sie wollte ihm sagen, daß sie seine Geschenke zurück­weife, daß sie lieber betteln, als etwas von ihm, der sie in Verachtung von sich stieß, annehmen werde, daß sie eher sterben,, als niit Maltitz leben möchte, aber kein Wort entrang sich ihrer zusammengeschnürten Kehle.

Er wandte sich ab und schritt hinaus.

Der nächste Dag verlief unter dem Drucke atem­loser Spannung. Magda bekam Stephan nicht zu Gesicht. Er ließ sich mit Geschäften entschuldigen und erschien selbst nicht zu den Mahlzeiten. Sie unterließ .ihren täglichen Besuch bei Fred, weil sie fürchtete, sich durch ihr verändertes Aussehen zu verraten, und der Mutter und dem Kranken die nutzlose Qual der Unge­wißheit ersparen wollte. Sie selbst dachte nicht über den morgigen Tag hinaus. Grauenhafte Bilder schweb­ten ihr vor, sie sah die Duellszene vor sich mit ihren schrecklichen Konsequenzen. Mit dem Tode Stephans brach die Vision immer cch, was nachher kam, war schwarze, undurchdringliche Finsternis.

Stundenlang ging sie in ihrem Zimmer aus und ab, die Hände im Haar vergraben, und suchte nach einem Ausweg, uni das Duell zu verhindern. Aber jeder Plan scheiterte an dem unerbittlichen Ehrbegriff, dessen Sklaven die beiden Männer waren.

An die Ursache des Streites dachte sie jetzt nicht, all ihr Sinnen drehte sich um die ihr unabwendbar er­scheinende Katastrophe. Ihre Träume von Glück waren vergessen, sie sichte um nichts als um das Loben des Mannes, den sie liebte. Mochten sie durch das un­glückselige Mißverständnis auch für immer getrennt.