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Dienstag, 16. Februar 1913.

Kbend-Ausgabe.

Nr. 78. » 63. Jahrgang

Oer ksandelskrieg gegen England.

Der englische Mißbrauch der fremden Farben auch am Schiffsanstrich.

Wie tief das stolze England gesunken ist!

\V. T-B. Rotterdam, 15. Febr. (Nichtamtlich.) Wie auS zuverlässiger Quelle berichtet wird, werden bereits die Schiffe der englischen Harwich-Linic so über m alt, datz sie den Schiffen der ü o l l ä n d i s ch e n Batavia - Linie gleichen. Schiffsrumpf, Deckteile und Boote erhalten die Farbe dieser holländischen Linie. Auch die Namen wer­den überstrichen.

pressestimmen zur englischen Hinterlist.

Berlin, 16. Febr. (Ktr. Bin.) Zur Gefährdung der Neutralen durch England schreibt die „Bossifche Zei­tung": Von England, nicht von uns droht den Neutralen

Gefahr. Schiffahrtsgesellschaften der neutralen Länder haben, um nicht in den Verdacht zu kommen, als Engländer unter falscher Flagge zu segeln, ihre Schiffe in den Landesfarben angestrichen. Sofort vereiteln englische Reedereien dieses anerkennenswerte Bestreben, die neutrale Flagge , vor Mißbrauch zu schützen durch Bemalung ihrer eng­lischen Schiffe mit den Farben neutraler Länder. Me neutralen Staaten haben ein g e m e i n s a m c s I^n t e r » esse, sich gegen diesen Mißbrauch ihrer Neutralität zur Wehr zu setzen. Wie England unter größter Schonung seiner eigenen gewaltigen Flotte bisher im wesentlichen seine Bundesgenossen allein die Kosten der Kriegführung hat tragen lassen, so scheint es jetzt ange­sichts des ihm drohenden Unterseebootskrieges die Neutralen gewaltsam aus dem sicheren Schutz ihrer Neu­tralität heraustreiben und für sich bluten lassen zu wollen. Nicht eindringlich genug kann deshalb die Gefahr, die von England droht, den Neutralen vor Augen geführt werden. Mehr und mehr muß den Neutralen zum Bewußtsein kommen, wie stark England _ ihre Inter- esseit geschädigt hat. Nachdem der'helnckückische- bri­tische Anschlag gegen die Neutralen auch in seinen möglichen Folgewirkungen offenkundig geworden ist, kann kein Zweifel mehr bestellen, daß England auch der Feind der Neu­tralem ist.

In der „Krcuzzeitung" heißt eS: Vielleicht hat die Fort­setzung der englischen Hinterlist doch ihr Gutes. Sic muß, sollte mau meinen, den Neutralen klar machen, wessen sie sich in jedem Augenblick von England zu versehen haben. Sie muss den Wunsch wecken, daß einer Nation von s o l ch e n moralischen Qualitäten die Herrschaft über das Meer ein für allemal entrissen wird, und daß dieses hohe Ziel im Interesse der Neutralen ebenso wie in Deutschlands Interesse liegt. So darf man vielleicht hoffen, dass die Neutralen, um es zu verwirklichen, die relativ kleinen Beschwerde» auf sich nehmen, die die Kriegsgebietserklärung der deutschen Regierung für sie mit sich bringt. Je vollkom­mener die Neutralen die wohlgemeinte Warnung der deut­schen Regierung beobachten, desto früher werden für ihre Schiffahrt normale Zustände wiederkehren.

vtensteinstellunq einer holländischen Dampf- boot Gesellschaft.

TV. T.-B- Haag, 15. Febr. (Nichtamtlich.) Das „Han- »elsblab" meldet: Die Niederländische Dampfbvotqesellschaft hat vorläufig den Dienst nach Le Havre eingestellt.

Tine erläuternde deutsche Note bei der holländischen Neqieruna.

W. T.-B. Haag, 15. Febr. (Nichtamtlich.) Im Ministe­num des Äußern fand heute morgen eine Konferenz der Minister des Äußern und der Marine sowie einer Anzahl Vertreter der holländischen Dampferlinien statt. Anlaß zu der Besprechung war der Eingang einer erläuternden deutschen Note bei der holländischen Regierung. Das Ergeb­nis der Beratung ist nicht bekannt. „Handelsblad" erfährt, daß auf der Konferenz erörtert wurde, daß es wünschenswert sei, möglichst vorsichtig zu fahren und bei dem Er­blicken von Unterseebooten zu halten.

Die Mitteilung des Reichskanzlers zu dem Untersee­bootskrieg an Holland.

Br. Rotterdam, 16. Febr. (Eig. Drahtboricht. Ktr. Bln.) Der deutsche Konsul übersandte der 'Rotterdmner Handelskammer eine ihm von: Reichskanzler zugegan­gene Aufzeichnung über den Unterseebootskrieg gegen England. Der Konsul betont, daß nach Ansicht des Reichskanzlers damit gerechnet werden müsse, daß neutrale Schiffe in den zum Kriegsgebiet er­klärten Gewässern von den deutschen Tauchbooten als solche meist nicht erkannt und deshalb ohne weiteres zerstört werden dürften. Zur Vermeidung von Verlusten scheine es daher dringend geboten, daß die holländischen Schiffe dem Seekriegs­gebiet vorläufig fern bleiben. Die Mitteilungen des Reichskanzlers führen aus, daß zu erwarten sei, daß die englischen Handelsschiffe sämtlich mit Artillerie arniieri werden. Sie seien weiter aufgefordert worden, in Gruppen zu fahren, die deutschen Tauchboote während der von diesen vorzunehmenden Untersuchung zu ram­men oder während.sie längs, liegen, mit Bomben zu be­legen. Die an Bord der englischen Schiffe , gehenden deutschen Untersuchiingskommandos sollen überwältigt

werden. Englische Handelsschiffe in: Kriegsgebiet sind hiernach nicht inehr als unverteidigt anzusehen, so daß sie deutscherseits ohne vorherige Warnung oder Unter­suchung angegriffen werden. Die Aufzeichnungen des Kanzlers schließen mit der Erklärung, daß an der a n g e k ü nd i gt e n K ri eg sfnlxr un g f e st ge­ll a l t e n werde, bis England s i ch e n t s ch l i e ß t, d i e a kl g e in ein anerkannten Regelndes S e e k r i eg s r e ch t s. wie s i e i n den Pariser und Londoner Deklarationen niedergc- legt sind, auch seinerseits zu beachten oder bis es'von d en neutralen Mächten hierzu gezwungen wird.

3um Einspruch Hollands.

Haag, 15. Febr. Das „Algemeen .Handelsblad" schreibt: Wie lDir vernehmen, hat die niederländische Regierung aus Anlaß der Veröffentlichung der deutschen Denkschrift vom 4. d. M. an die deutsche Regierung eine Note geridjtet, worin unsere Regierung bestreitet, daß die in einer allge- m e inen Fass in n g an die neutralen Staaten gerichteten Vorwürfe begründet seien, was die Niederlande an« gehe. Mit Bezug auf die Erklärung eines ausgedehnten offenen SeeraumeS als Kriegsgebiet macht die Note gleiche Bedenken geltend wie diejenigen, die. früher der britischen Regierung unterbreitet wurden, als diese sich zur teilweise» Avschtießung der Nordsee anschickte. Was die Gefahr angehc, welche die niederländische Schiffahrt in dem KricgSbereich laufen könne, so werde daran festgchaltcn, daß neutrale Schiffe Anspruch darauf erhAien könnten, daß eine aus­giebige Untersuchung nach der Beheimatung von Handelsschiffen angcstellt werde, bevor Maßnahmen gegen solche Schiffe genommen würden. Anderseits hat die nieder-. ländische Regierung der britischen Regierung ihr Bedenken zum Ausdruck gebracht gegen den Standpunkt, den diese im Hinblick aus die mißbräuchliche Verwendung der neutralen Flagge durch britische Kauffahrteischiffe einnimmt.

Tin neuer oemelner Trick der Engländer.

W. T.-B- Hamburg, 15. Febr. (Nichtamtlich.) In den Kreisen der deutschen Schiffahrt wird bemerkt: Bei der bisher seitens Englands geübten Praxis und bei seinem Interesse, Konflikte zwischen Deutschland und den neu­tralen Staaten herbeizuführcn, ist es nicht ausgeschlossen, daß zur Erreichung des Zweckes ein oder mehrere neutrale Dampfer durch englische l!) Unterseeboote absichtlich ver­senkt werden. Auch wurden, soweit in diesen Kreisen bekannt wurde, von England in großer Menge besondere Minen gegen die deutschen Unterseeboote gelegt. Deutsche Fachleute glauben, diese Gefahren müßten die Neu­tralen^ eindringlich darauf Hinweisen, das Kriegsgebiet zu meiden.

Thurchills Drohungen zum bevorstehenden UnterleebootsKrieg.

Sr. Amsterdam, 16. Febr. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) In der Unterhausdebatte über den bevorstehenden Untcrsee- bootskrieg^ erklärte der Marinestnatssekrctär Churchill: Es soll gegen uns in einer Weise Krieg geführt werden, wie dies noch nie durch einen anständigen Staat geschehen ist. Wir werden uns zu verteidigen wissen. Nur wird der Kamps auf ungewöhnliche Weise geführt werden. Zweifellos werden toir Verluste erleiden, aber nicht nachhaltigen Schaden. Unsere Antwort wird vielleicht nichr ohne Wirkung bleiben Deutschland darf nicht offen Morde begehen und Seeränberei treiben. Noch haben wir nicht versucht, Dentsch- land die Einfuhr von Lebensmitteln abzuschneiden, haben neutrale Schiffe nicht am Handel mit deutschen Häsen verhindert. (?) Jetzt aber ist die Zeit gekommen. Die verbündeten Regierungen iverden nähere Erklärungen ver­öffentlichen über die Art, wie aus den Feind zur See ein Druck m i t voller Kraft ausgeübt Iverden soll.

Wie sie sich selbst belllqen.

Berlin, 15. Febr. (K. Z.) Nach zuverlässigen Meldungen wurde von englischer Seite cruS Amerika nach England fol­gendes verbreitet: „In seiner Note an Deutschland, die

Blockade betreffend, hat Amerika klar ausgesprochen, daß ein seeränverischer Überfall als ernste Sache angesehen wird und ernste Verwicklungen nach sich ziehen würde. Wilsons Regie­rung ist der Ansicht, daß der Gebrauch der Flagge anderer Nationen durch kriegführende Schiffe so gebräuchlich sei, daß dagegen lein Protest erhoben werden könne. Darum könne England gegenüber, das sich aus eine» derartigen Ge­brauch der amerikanischen Flagge berufe, kein Protest geltend gemacht werden."

Man sieht, so bemerkt das gestaunte Kölner Blatt dazu, die Engländer belügen nicht nur die Neutralen und die Krieg­führenden, sondern sie versuchen auch, ihren eigenen Leuten die Dinge falsch darzustellen. Die. Note der Bereinigten Staaten an England enthält eine Forderung an Eng­land, deren Erfüllung durch England die von den Ver­einigten Staaten befürchtete Gefahr für die amerikanische Schiffahrt sofort beseitigen oder doch aus ein ganz ge­ringes Maß zurückführen würde. Wenn England ehrlich auf den Gebrauch des Sternenbanners verzichten würde, könnten die wenigen Schiffe, die das Sternenbanner in die zum Kriegsgebiet erklärten englischen Gewässer tragen werden, als amerikanische Schisse . crkemchar sein und als neutrale Schiffe behandelt iverden.

Eine Beschwerde amerikanischer Geschäftsleute über Englands despotische Matznahmen.

Br. Zürich, 16. Febr. (Eig. Drahtbcricht. Ktr. Btii.) Der New Aorker Korrespondent des „St. Galler Tagebl." teilt mit: Mit stillschweigender Sanktion der Bundesbe- Hörden ist der Anwalt des Ehicagoer Fleischtrusts nach London abgcrcist. Er soll Sir Edward Greh mitteilen, man werde von allem weiteren Fleischversand nach Europa, also auch nach England absehen, wenn nicht eine bessere Gewähr für den neutralen Handel ge­boten werde. Der Fleischtrust erklärt, durch Englands despotische Maßnahmen bereits 5 Millionen Dollar verloren zu haben, und verzichtet daraus, in dieser Weise weiter Geschäfte zu machen. Man glaubt, diese Warnung werde weit wirkungsvoller sein, als alle Diplomatennote» des Staatsdepartements.

wir und Amerika.

O Berlin, 15. Februar.

Unsere Regierung wird, Ivic sie zur Mitteilung der amerikanischen Note hinzufügen ließ, diese Note „im dem­selben freundlichen Tone" beantworten. Mit der nuten Bemerkung wird jeder, der zwischen den Zeilen zm icfcit versteht, aufrichtig einverstanden seit:. Genau so freundlich w:e die Sprache der Amerikaner wird und muß auch die nnsrige klingen. Die Leute in Washington haben ja sehr deutlich mit uns geredet, wir wollen ihnen mit gleicher Münze bezahlen. Wir s i n d s o weit, daß übermäßige Rücksichtnahme die selbstverschuldete Schmä­lerung unserer Lebensinteressen sein würde. Wer sich in den Handel mischt, den wir jetzt mit England zu erledigen entschlossen sind, der hat sich selbst die Folgen zuzuschreibcn. Die Vereinigten Staaten können für ihre Schiffahrt jede Unannehmlichkeit vermeiden, wenn ihre Regierung-dafür sorgt, daß die Warnung des deutschem Admiralstabes vom 4. Febonar gebührend beachtet wird. Wir verlangen ja nicht, daß die Amerikaner das tun, vielmehr ist cs ihre Sache, zu verfahren, wie cs ihnen beliebt. Aber die Mahnung war und ist doch wirklich gut gemeint, und mehr als mahnen und warnen können wir wohl nicht. Nun wird sich die Sache praktisch allerdings loahrscheinilich weniger schlimm anlasson, als cs zurzeit den Anschein hat. Viele unterrichtete Beurteiler sind der Meinung, daß ameri­kanische Schiffe -nach dem 16. Februar kaum tu den briti­schen Gewässern anzutreffen sein werden, einmal, weil trotz der großen, in Washington gebrauchten Worte Vorsicht an­gewendet werden wird, sodann aber und namentlich weil der Seeverkehr zwischen England und den Vereinigtem Staaten gegenwärtig noch mehr als sonst eben durch englische Schiffe und nicht durch amerikanische vermittelt wird. Gleich­wohl könnte sich innnerhin einer jener Zwischenfälle er­eignen, die nach der Androhung der Br haar scheu Note bis dicht an einen Kriegsfall heransühren müßten. Glaubt man in Washington ernstlich, uns durch Ein- schüchtermitzsverfuche von dem Gebrauch der aller- schärfsten Mittel gegen England abbringen zu können? Wir glauben zwar nicht, daß man das drüben glaubt, aber ob so oder so, jedenfalls läuft die Note wieder einmal auf eine einseitige Parteinahme der Union gegen uns hinaus, und das tritt erst recht in das hellste Licht durch die gleichzeitige Note au die englische Regierung. „Irr gewissem Maße würde", so heißt es in diesem Schrift­stück, „Großbritannien beim Gebrauch neutraler Flaggen die Verantivortuirg für den Verlust arnerikanischer Schiffe und Staatsangehöriger tragen." Nur „in gewissem Maße"! Man lan n nicht sanfter und zaghafter klagen und anklagen, als es in dieser Note geschieht, vorausgesetzt, daß die bisherigen, aus englischen Quellen stammenden Auszüge Wortlaut u:rd Geist richtig wiedergeben. Das entschei­dende Moment für die Beurteilung der Sachlage wird es immer bleiben, daß jede Berufung auf die bisherigen Völkcr- rechtsgrundjatze hinfällig wird durch das Aufkommen einer neuen., durch die Besonderheiten dieses Weltkrieges erzeugten Praxis. Es war eine Neuerung, dah England die Nordsee zum KriegLgebiet erklärte, womit der alte Blockadcbegriff ausgeschaltet war. Wir sind dem Bei­spiel gefolgt und haben unsererseits die britischen Ge­wässer zum Kriegsgebiet erklärt. Daraus folgt, daß, wer sich in die Gefahr begibt, darin umkommt, und Berufungen auf die Bestimmungen des Blockaderechts, Unterscheidungen zwischen effektiver und Papier-Blockade, Lamentationen über angebliche „unentschuldbare" deutsche Maßnahmen haben weder Sin n n o ch Z w c ck. Ein neues Kriegs recht ist bJi, und an das wollen wir uns halten. Setzt sich die ruchlose englische Kriegführung gegen alles Völkerrecht das Ziel, unsere bürgerliche Bevölkerung auszn- h ungern, so antworten wir notgedrungen in dem­selben Tone und mit noch gr ö ß e r e r und wirksame r er Kraftentfältung. Das wird in der ganzen Welt verstan­den, und so beklagenswert etwa Italien oder einer der nordi­schen' neutralen Staaten cs mit Recht finden müßte, wenn eines ihrer Schiffe unseren Unterseebooten zum Opfer fiele, so würden sie daraus keinen Konfliktsfall herleiten wollen. Nur in den Vereinigten Staaten will man den bitteren Zwang nicht verstehen, in den uns die N > c d e r 1 r a ch t . Englands verseht hat. Wir müssen das.uyt: allen, seinen möglichen Folge» hinnehmen, aber wir tonmn uns von dem einmal ' Scschrittcrrcn Wege nicht abdrängen lassen. Bn«