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Montag» 15. Sebruar, morgens.
Sonder-Ausgabe.
1915.
weitere Fortschritte im Osten!
Der deutsche Tagesbericht vom 14. Februar.
Fortschritte in west und Ost.
Wieder 2 französische Gsfiziere und 286 Mann gefangen.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 14. Febr., vormittags. (Amtlich.)
westlicher Kriegsschauplatz.
Nordöstlich von Pout-L-Moussou entrissen wir den Franzosen das Dorf N o r r o y und die west- lich dieses Ortes gelegene Höhe 365. 2 Offiziere und 151 Mann wurden zu Gefangenen gemacht.
I» den Vogesen wurden die Ortschaften Hil- se« und Obersingen gestürmt. 135 Gefangene fielen in unsere Hand.
Gestlicher Kriegsschauplatz.
An und jenseits der ostpreußischen Grenze nahmen unsere Operationen den erwarteten Verlauf.
In Polen rechts der Weichsel machten unsere Truppen in der Richtung Ra c i o n z Fortschritte. In Polen links der Weichsel kerne Veränderung.
Oberste Heeresleitung.
Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.
Weitere Erfolge in den Karpathen und in der Bukowina. Wieder 970 Gefangene.
, W. T.-B. Wien, 14. Febr. (Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: Die Situativ« in Russisch-Pole« und Westgalizien ist unverändert. Ein Teil der eigenen Gefechtsfront im Abschnitt D u k l a, gegen den bisher heftige russische Angriffe geführt wurden, ging selbst zum Angriff über, warf den Feind, und zwar sibirische Truppen, von zwei dominierenden Höhen und erstürmte eine Ortschaft bei Witköz. Gleichfalls erfolgreiche Angriffe der Verbündete« in den mittleren Waldkarpatheu. Auch hier wurde dem Gegner eine vielumstrittene Höhe entrissen. In den gestrigen Kämpfen wieder 970 Gefangene. In Südgalizien und in der Bukowina siegreiche Gefechte. Ter südwestlich Nadworna zur Deckung der Stadt haltende Feind wurde geworfen, die Höhe nördlich Dekatyu erobert und hierbei zahl- reiche Gefangene gemacht.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Hofer, Feldmarschalleutnant.
von den östlichen Kriegsschauplätzen.
Die russischen Niederlagen in Ostpreußen und in der Bukowina.
Der allgemeine Rückzug der Ruffe« auch bei Warschau nach neutralem Urteil bevorstehend.
W. T.-B. Bern, 13. Febr. (Nichtamtlich.) Der »Bund" hatte schon aus der Meldung des russischen Hauptquartiers vom 11. Februar den Rückschlag heraus- grlesen. Er stellt fest, daß die plötzlich hervorbrecheude Offensive in Ostpreußen die Rusien über die Grenze gefegt und ihnen schwere Verluste bei- grbracht hat. Nach der deutschen Meldung sei anzu- nrhmcn, daß 26 000 Russen eingekesielt oder verbraucht gewesen seien und das Gewehr gestreckt hätten. Ebenfalls sei der rechte Außcnslügel der Russen arg zu- gerichtet und weit abgedrängt, teilweise sogar abgeschnitten worden. Den Rüsten sei auch diese Hindenburgsche Kombination und Konzentration vielleicht wieder überraschend gekommen. Sie hat sie nicht nur an der Kontaktstelle zum Weichen gebracht, sondern beeinflußt auch die strategische G e- s a m t l a g e in ungünstigem Sinne. Die Neugruppierung wird weit hinten erfolgen müssen. Auch der am weitesten links befindliche rustischc Flügel sei auf Czernowitz zurückgeflutet, so daß auch hier eine R ü ck- drehung zn bemerken sei. Vor Warschau mehrten sich die Anzeichen, welche auf ein Jurückfallen
ans die letzten Defensivlinien bei den : Forts-Zentralstellungen deuten. Die russische Leitung wird an den allgemeinen Rückzug denken müssen, um die Weichsel noch rechtzeitig r» überschreiten. Vielleicht seien die Vorbereitungen »azu schon im Gauge.
Dir Ueberrumpelung der Rusien in Radautz.
W. T-B. Budapest, 13. Febr. (Nichtamtlich.) ..Az Est" meldet aus Bistritz: Unsere Truppen sind in Radautz eingezogen. Der Einzug geschah so schnell und überraschend. daß der dort sich aufhaltende russische Generalstab keine Zeit hatte zu flüchten und mit dem gesamten Bureau in Gefangenschaft geriet. Der kommandierende General verübte Selbstmord.
Die Bestürzung in Rußland!
Die urgewaltige Wucht des deutsche« Angriffs.
Br. Kopenhagen, 14. Febr. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bin.) Welche Stimmung die neue deutz'che Offensivbewegung in Rußland ausgelöst hat, geht aus einem Leitartikel der „Nowoje Wremja" hervor. Es heißt darin: Möge der barmherzige Gott unseren tapferen Helden seine Hilfe nicht versage». Ein furchtbarer orkanartiger Angriff des Feindes hat begonnen. Es wird wahrscheinlich der letzte in diesem Kriege sein. Wie eine mächtige Lawine, wie ein ungeheurer Heuschreckenschwarm ergossen sich die deutschen Truppen über das westliche Rußland. Das Vorwärtsdringen geschah mit einer urgewaltige« Wucht, mit solcher K r a f t a n st r e n g u n g, daß es wohl möglich sei, daß das russische Heer nicht staudzuhalteu vermochte, sonder» überrannt werden würde. Der Artikel schließt: Gott sei unseren tapfereu Helden gnädig.
Lin norwegisches Urteil.
Berlin, 14. Febr. (B. Z. Ktr. Bln.) Das „Morgen- bladet" sagt in einer Besprechung des neuen großen Erfolges in Ostpreußen u. a.: Dieser große deutsche
Sieg ist offenbar das wichtigste militärische Ereignis, das seit längerer Zeit gemeldet wurde, wenn wir auch vorläufig nur wissen, daß die russische Offensive gegen Ostpreußen vollständig zusam- uiengebrochen ist. Die russischen Armeen mußten, um nicht abgeschnitten Zu werden, Hals über Kopf den Rückzug antreten. Es steht auch nicht ein ein- Ziger russischer Soldat mehr auf deutschem Boden. Das ist an und für sich schon von großer Wichtigkeit, besonders da nran in Rußland und den alliierten Ländern große Hoffnungen an einen russischen Vorstoß auf dieser Kante geknüpft hat. Es ist möglich, daß dem deutschenSieg noch weitere größere folgen werden, besonders wenn man sie in Verbindung bringt mit dem kräftigen Vorstoß, den Deutsche und Österreicher über die Karpathen und in der Buko- wina, in letzterem Gebiet bereits mit bedeuten- dem Erfolg, vornehmen. Das russische Communi- qus. das von einer großen Operation sprach, die e n d- gültig Ostpreußens Schicksal entscheiden soll, deutet sehr wahrscheinlich an, daß die Russen beabsichtigen, ihre Stellung vor der Weichsel aufzugeben, um sich gegen Brest. Litowsk und Bjelostok, also über die ganze Linie, zurückzuziehen.
Der russische Generalstabsberlchl.
W T-B. Petersburg. 14. Febr. (Nichtamtlich.) Der Große Generalstab gibt bekannt: In der Front am N j e m e n und an der Weichsel, westlich Turburg in der Gegend von Lyck bei Kudziro und östlich der Gertetz finden Kämpfe statt. In der Gegend von Lyck wiesen wir erfolgreich Angriffe des Feindes ab und fügten ihm beträchtliche Verluste zu. Auf dem linken Weichselufer beschoß unsere Artillerie erfolgreich feindliche Kolonnen. — In den Karpathen besetzten unsere Truppen befestigte Anhöhen in der Gegend von Szwidnik sowie zwischen Colloupkow und im oberen Lause des San und machten ungefähr 1000 Gefangene. An der Front zwischen den Pässen von Ucsok und T u ch o l k a drängten wir die Deutschen etwas zurück. Bei Konfeur und Koziewska verschanzten sich die Deutschen auf 40 Schritte Entfernung von unseren Gräben. Bei Whschkow wiesen wir hartnäckige Angriffe des Feindes ab.
Große Worte aus dem russischen Reichsrat.
W. T-B- Petersburg, 13. Febr. (Nichtamtlich.) In der Schlußsitzung des Rcichsrats hob der Redner der Rechnen, Gurko, hervor, daß angesichts der großen Weltereignifle alle politischen Elemente in Rußland sich in dem Gedanken des einheitlichen, großen, russischen Staates vereinigt hätten. Er sprach die Hoffnung aus, daß der gegenwärtige Krieg die jahrhundertealten Zwistigkeiten zwischen dein russischen und dem polnischen Volke endgültig verschwinden lassen werde. Zum Schluffe seiner Rede sagt? Gurko: Wir hoffen auch, in Konstantinopel festen Fuß zu fassen, denn der Besitz dieser Stadt kann allein unser? wirkliche Bereinigung mit den Südslawen herbei
führen und den Einfluß des Germanentums zerstören, der jetzt bei einzelnen Teilen dieser Slawen herrscht. Wir hoffen dies um so mehr, als das ständige Hindernis dieser Bereinigung, insbesondere der Widerstand derjenigen Staaten, die wir heute als unsere Verbündeten schätzen, beseitigt ist. — Fürst Galytzin sagte: Jeder Augenblick, oen wir jetzt erleben, schasst Jahrhunderte russischer Zutunst. Es darf uns nicht verwirren, daß wir innerhalb der Grenzen unseres eigenen Landes kämpfen, denn das Schlachtfeld, auf dem wir dereinst die Tataren zerschmetterten, war gleichfalls da. Wir haben im Innern des Landes gesät und werden jenseits der Grenzen ernten. — Der Präsident des Staatsrats, Golubew, erklärte, der gegenwärtige Kampf festige die Macht Rußlands, dessen Bürger alle zu jedem Opfer bereit seien. Das Land mache ungeheure Anstrengungen, aber ebenso groß würden die Ergebnisse sein, die Rußland ein friedliches Gedeihen, ftei von allen fremden Einflüssen, sichern würden. — Der Staatssekretär verlas sodann den Ukas, durch den dev Reichsrat bis spätestens November 1915 vertagt wird, es sei denn, daß außerordentliche Ereignisse einträten.
Rußlands Wirtschaftkicker Rampf gegen / Deutschland.
W. T.-B. Paris, 14. Febr. (Nichtamtlich) Der russische Finanzmiuister Bark erklärte dem ..Matin", die Deutschen täuschten sich wenn sie meinten, daß der Krieg mit den militärischen Aktionen beendigt sei. Rußland trefft, vielmehr schon jetzt alle Maßregeln, um den wirtschaftlichen Kampf gegen Deutschland erbarmungslos fortzu» setzen.
Der Dank des Kaisers für das Korps des Generals v. Morgen.
Dem „B. L.-A." zufolge hat General v. Morgen seinem Korps von dem Dank und der Anerkennung des Kaisers durch folgenden Tagesbefehl Kunde gegeben: Den 7. Februar 1916. Seine Majestät der Kaiser und König hat heute bei seiner Anwesenheit an der Front pes Korps Dank und höchste Anerkennung den heldenmütigen Truppen des verstärkten . . . Korps für die unerschütterliche glänzende Tapferkeit in den schweren Kämpfen sowie für die bisherigen ruhmreichen Erfolge ausgesprochen. Auf Befehl Sr. Majestät ist hiervon sämtlichen Angehörigen des Korps bis zu den vordersten Schützengräben sofort Kenntnis zu geben. Mit Stolz blickt unser höchster Kriegsherr auf uns. Dieses Vertrauen wollen wir rechtfertigen. Weiter frisch drauf und v o r w ä r t s bis zur völligen Niederwerfung des FeindeS!
Die Flucht aus Warschau und Galizien.
Berlin, 13. Febr. (Ktr. Bln.) „Dziennik KijowSki" schreibt, daß in den letzten Tagen der Strom der Flüchtlinge, die aus Warschau und Galizien nach Kiew eilen, abermals zugenommen hat Um ihnen die Situation zu erleichtern, haben die Eisenbahnbehörden erlaubt, in den Warteräumeu der Bahnhöfe zu übernachten. Es sei binzugefügt, daß aus Warschau meistens wohlhabende, aus Galizien hingegen ganz unbemittelte Leute eintreffen.
Die „polnische Legion" der Russen.
W. T--B. Zürich, 13. Febr. (Nichtamtlich.) Der „Neuen Zürcher Ztg." zufolge ist der dem polnischen Adel ungehörige Oberst Antonius StaniSlawowitsch Rent, der bereits am russisch-japanischen Kriege teilgenommon hat, zum Kommandeur der russischen Polenlegion ernannt worden. Der Armeeführer an der russischen Südwestfront. Generaladjutant Iwanow, hat demselben Blatt zufolge einen Armeebefehl erlassen, wonach die Polenlegion in Nowo-Alexandria die polnische Kommandosprache erhalten und von polnischen Offi» zieren geführt werden soll.
Törichte Hoffnungen des Dreiverbandes auf dir Tschechen.
W. T -B. Wien, 14. Febr. (Nichtamtlich. Meldung des Wiener k. k. Telegr.-Korresp.-Bur.) Die Agence Fournier verbreitet in französischen Blättern vom 8. d. M. eine Meldung aus London, wonach Massenverhaftungen tschechisch er Studenten und Journalisten zu großen Kundgebungen in Prag führten. Seit dem 1. Februar seien nicht weniger als fünf Dynamitattentate gegen politische Persönlichkeiten unternommen worden. An dieser Meldung ist auch nicht ein Wort wahr. Weder haben in Prag Massenverhaftungen, noch Demonstrationen, noch Dynamitattentate stattgefunden.
Treibende Minen in der Donau.
Br. Sofia, 14. Febr. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) In der Donau sind gestern mehrere treibende Minen explodiert. Eine Explosion erfolgte bei Somoviz und tötete einen längs des Donauufers reitenden Reisendem. An einer anderen Stelle stieß der Führer eines Fährbootes auf eine Mine. Er schlug mit dem Ruder auf die Mine, worauf diese explodierte und das Boot zerriß. Vier Insassen konnten gerettet werden.
