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Montag» 13. Februar 1915.

klbend-Kusgabe.

Nr. 76. » 63. Jahrgang.

Oer Rrieg.

Der Tagesbericht vom 15. Zeb^uar. Erfolgreiche Vorstöße bei Ppern und im Lauchtals. — Oie erfolgreichen Verfolgungs- Kämpfe über die ostpreutziiche Grenze. — Radon; in Polen besetzt.

W - T--B. Großes Hauptquartier, 15. Febr., vormittags. (Amtlich.)

westlicher Kriegsschauplatz.

Südlich Npern bei St. Elo i entrissen wir dem Feinde ein etwa 900 Meier langes Stück seiner Stellung; Gegen­angriffe waren erfolglos.

Ebenso mißlang ein Angriff des Gegners in der Gegend südwestlich La Bassee; einige Dutzend Ge­fangene blieben in unseren Händen.

Den Borgraben, den wir am Sudelkops am 12. Februar verloren hatten, haben wir wieder genommen. Aus Tengern im Lauchtalc wurde der Feind geworfen. Den Ort R e m s P a ch räumte er darauf freiwillig.

Destücher. Kriegsschauplatz.

Nördlich Tilsit wurde der Feind aus Piktu- V « n e n vertrieben und wird in Richtung auf Tauroggen wcitergedrängt.

Diesseits und jenseits der Grenze, östlich der Sec u- platte, dauern die Berfolgungskämpse noch an. Überall schreiten unsere Truppen schnell vorwärts.

Gegen feindliche, über Lomza vorgehende Kräfte stoßen deutsche Teile in der Gegend von K o l n o vor.

Im Wcichselgebict gewannen wir weiter Boden. Racivnz ist von uns besetzt. In den vorhergehenden Kämpfen wurden neben zahlreichen Gefangenen 0 Oieschütze erobert.

In Polen, links der Weichsel, keine wesentlichen Ber- änderungen.

Oberste Heeresleitung.

3um veyinn des Unterssebsotskriegs.

(Bon unserer Berliner Schriftleitung.)

8. Berlin, 15. Febr lEig. Drabtbericht. Ktr. Bln.) In wenigen Tagen läuft die Frist ab, die die deutsche Admirali­tät für Beqinn des Handelskrieges gegen England gesetzt hat. Diese 14tägige Frist bat natürlich mit unseren militä» rischen Interessen nicht das mindeste zu tun, im Gegenteil, sie bat diese Interessen geschädigt. Denn ohne eine solche Ankündigung hätte der Krieg zweifellos noch wirksamer einsehen können als so. Diese Friftfestsetzung ist lediglich erfolgt aus einem weitgehenden Entgegenkommen gegenüber der Neutrale« heraus, Deutschland wollte und will die Neutralen nicht schädigen, sie sollen nur ge­warnt sein. Die Gefahr für die neutrale Schiffahrt geht denn auch eigentlich weit weniger von Deutschland als von England aus. Unter normalen Verhältnissen wäre, um nur eines zu betonen, eine Feststellung, ob ein Schiff feindlich oder neutral ist, ohne weiteres möglich. Erst der von England ergangene Flaggenerlaß erschwert diese Feststellung. Dabei ist besonders daraus binzuweisen, daß entgegen der englischen Darstellung dieser Flaggenerlaß der britischen Admiralität ergangen war, bevor die deutsche Ankündiaung des Unterscebootskrieges erfolgte. Die eng. lischen Maßnahmen sind aber auch s o n st erfolgt _ auf Kosten der Sicherheit der neutralen Schiffahrt, zweifellos aber auch mit dem Hintergedanken, Kon­flikte zwisöben uns und den Neutralen dadurch heraufzu­beschwören. Jedenfalls wird die englische Regierung m i t verantwortlich sein für alle Schäden, die durch ihr Vorgehen'für die neutrale Schiffahrt entstehen. Inzwischen bat ein Teil der neutralen Handelsflotten sich dadurch zu schützen versucht, daß sie die Bemal u n g der Schiffe mit ihren Landesfarben und ähnlichen Vorkehrungen angenom­men hat. Es liegt indessen bereits die sickere Nachrickr vor, daß von seiten der englischen Reeder auch diese Maß­nahmen bereits nachgcahmt sind. In einem hier bekannt gewordenen Falle bandelt es sich um ein eng­lisches Schiff, das mit den holländischen Farben bemalt worden ist, um auf diese Weise die deutsche Kriegsflotte zu täuschen.

Auch die völkerrechtlich durchaus gestattete Untersuchung der neutralen Schiffe wird durck die von den Engländern angeordnetc Armierung ihrer Handelsschiffe erschwer-- Die Unterseeboote werden oft sckon im Jnier- esie der S e l st e r h a I t u n g von der Durchsuchung A ü - stand nehmen und ein Schiff, das armiert ist und im Verdacht steht, armiert zu sein, ohne weiteres ver­senken müssen.

Im übrigen wird die neutrale Schiffahrt nicht allein durch deutsche Unterseeboote gefährdet, sondern vor allem doch durch ffiinen, insbesondere durch englische Minen. Die Feststellungen, die von den verschiedenen neutralen Ländern borgenummcn worden find, haben ergeben, daß von den an-

gcschwemmten Minen nur ein Prozent deutsche ge­wesen sind, daß aber vor allem die aufgefundeneu deutschen Minen überall und ausnahmslos den Vorschriften des Seerechts entsprachen, d. h. bei A n f st o ß nicht mehr explodieren. Bei den englischen Minen war das Gegenteil der Fall. Überall zeigte es sich, daß es das älteste und schlechteste Minenmaterial war, das die Engländer anslegten. Selbstverständlich werden auch w i r mit der Minenlegung fortfahren und sie noch aus dehnen, insbesondere an der e n g t i s ch e n K ü st e und vor den englischen Häfen. Das gehört zu dem von der deut­schen Admiralität angekündigtem Kampf mit allen Mitteln. Auch darüber braucht kein Zweifel zu sein, daß unsere Unterseeboote nun auch für Minenlegung Verwendung finden werden. Die Minen aber sind blind, d. h. sic können ebensogut feindliche, wie neutrale Schiffe verletzen. Auch hierin liegt also eine Gefährdung der neutralen Schiffahrt, vor der die Bekanntmachung der Admi­ralität gewarnt haben wollte.

Die Erwartungen, die in Deutschland an den 18. Februar geknüpft werden, sind natürlich außerordentlich hoch ge­spannt, und zwar berechtigterweise. Wir wissen, daß es sich bei der Ankündigung nicht um einen Bluff, sondern bitteren Ernst handelt. Nur an den Zeit­punkt, z. B. den 18. oder 19. Februar, von vornherein be­sonders große Erwartungen zu knüpfen, wäre natürlich falsch. Die Engländer werden wahrscheinlich gerade in den ersten Tagen mit ihrem eigenen Handel zurückhalten und nur neutrale Schiffe durchlassen, um'so zunächst vielleicht ein paar neutrale Schiffe den deutschen Unterseebooten zu opfern. Das wäre gerade das, was sie wünschen. _ Viel­leicht werden sogar besondere Fälle von den Engländern künstlich konstruiert werden.

Allen diesen Versuchen gegenüber wird man im deutschen Volke ruhig abwarten und abwarten können. Nicht mit überspannten Erwartungen, aber zuversichtlich: Die

deutsche Flotte und das deutsche Heer kämpfen nicht mit Worten, sondern mit Taten.

Eine österreichische Stimme über die deutschen Vergeltungsmaßnahmen.

W. T.-B. Wien, 14. Febr. (Nichtamtlich) In der Be­sprechung der amerikanischen Note an Deutschland führt die „Neue Freie Presse" aus: Deutschland habe die Rechtfertigung, daß es nach altem Brauch zur Vergeltung schreiten dürfe, wenn der Feind selbst die im Kriege gezogenen Schran­ken mißachte. Wilson wende sich jedoch nicht gegen den Urheber, sondern gegen den Nachahmer. Als die eng­lische Admiralität allen neutralen Schiffen den Weg vorschrieb, den sie durch die Nordsee und den Kanal zu nehmen hätten, blieb Wilson gleichgültig. Jetzt, da Deutschland Ähnliches verlange, sage ec, die Kriegführenden hätten kein anderes Recht als das der Untersuchung des Schiffes. Deutsch­land, so schließt das Blatt, wird nicht zu schrecken sein. Es hatte sicher nicht die geringste Absicht, Streit mit den Ver­einigten Staaten anzufangen und so die Zahl der Feinde zu vermehren, aber das große deutsche Volk, das den Amerika­nern niemals ein Haar gekriimlnt hat, wird sich nicht einschüch­tern lassen.

pressestimmen über die amerikanische Note an ventkcbland.

In den Besprechungen, welche die Berliner Blätter der Note der Vereinigten Staaten angedeihen lassen, wird das gute Recht Deutschlands, das Vorgehen Englands auf gleiche Weise zu erwidern, verteidigt und kein Zweifel gelassen, daß wir den Unterschied der Stellungnahme der Vereinigten Staaten uns und England gegenüber stark empfinden. Es wird dem berechtigten Verlangen nach etwas mehr Einsicht in die klare Sach- und Rechtslage Ausdruck gegeben und energisch zum Ausdruck gebracht, daß kein Einspruch uns hindern wird, den in der Erklärung der deutschen Regierung als notwendig bezeichneten Weg zu gehen.

So sagt die „Kreuzzeitung": „Es ist selbstverständlich, daß unser Unterseebootskrieg in der Entschiedenheit seiner Durch­führung durch die amerikanischen Vorstellungen nicht beein­trächtigt werden kann."

Zur amerikanischen Forderung der Durchsuchung der verdächtigen Schiffe bemerkt die „Deutsche Tageszeitung": „Hier ist schon so oft die militärische Unmöglichkeit einer Durchsuchung nachgewiesen worden, daß wir uns auf frühere Darlegungen beziehen können. Das muß man in Washington ebenfalls wissen und deshalb läuft die Forderung der Note nach Durchsuchung und Feststellung der Identität der neu­tralen Handelsschiffe cie facto, auf die Nichtaner­kennung der deutschen Kriegsgebieterklärung hinaus. Das ist eigentlich der Kernpunkt der langen und viele Worte machenden amerikanischen Note. Um ihn dreht sich im Grunde alles, und deshalb wird die deutsche Antwort ihn hervorheben müssen.

In der „Bossischen Zeitung" wird ebenfalls auf die Schwierigkeit hingewiesen, die sich der Untersuchung der Han­delsschiffe durch Unterseeboote entgegenstellt,, weil England seine Handelsschiffe bewaffnet und unter falscher Flagge fahren läßt: „Die Folge ist, daß ein Unterseeboot, das darangeht, ein vermeintlich neutrales Schiff zu . unter­suchen, Gefahr läuft, von dem unter falscher Flagge segelnden englischen Handelsschiff beschädigt oder gar vernichtet zu wer­den. Soll nun solcher Heimtücke gegenüber Deutschland ein­

fach die Waffen strecken, weil eventuell auch einmal zu Unrecht ein amerikanisches Schiff torpediert werden könnte? Nichts anderes verlangt die amerikanische Note. Es bedarf keines Wortes der Auseinandersetzung darüber, daß durch ein solches Verzichtleisten Deutschlands ein nicht wieder einznbringcnder militärischer Nachteil und eine bedauerliche Hinauszögcrung der Kriegsdauer entstehen müßte. Wir werden natürlich in weitestem Umfang die von uns immer geübte Rücksicht auch weiter üben, Leben und Eigentum der Neutralen zu schonen. Aber die Ausschließung bedauerlicher Irrtümer- ist nur dann möglich, wenn die Neutralen auch ihrerseits dafür sorgen, daß ihre Flagge von England nicht mißbraucht wird. Können sic das nicht, so müssen wir von ihnen verlangen, daß sie ihre Schiffe aus den Gebieten fernhalten, die wir zum Kriegsgebiet erklärt haben.

Der „Berliner Lokalanzeiger" weist auf die Absperrung der Nordsee durch England hin und fügt hinzu: „Warum eng­lische Kriegsmaßnahmen befolgt oder widerspruchslos hinge- nommen, deutsche dagegen, obwohl sie genau den gleichen Charakter tragen und mit aller Rücksichtnahme auf die neu­tralen Interessen rechtzeitig angekündigt werden, als völker­rechtswidrig abgelehnt werden, dafür fehlt uns jedes Verständ­nis. Eine rein krämcrhaftc Auffassung und Behandlung der -gewaltigen Aktion auf dem Kontinent dürfen wir lediglich den Engländern, nicht aber dem jungen, aber stolzen amerikani­schen Volke znmuten, durch dessen gewaltige Adergänge so un­endlich viel edles deutsches Blut strömt. Jedenfalls darf man nirgendwo darauf rechnen, mit einer solchen ungleichen Be­handlung gleicher Dinge Deutschland von den klar erkannten und fest beschlossenen Zielen seiner Kriegführung abdrängcn zu können.

Tie Entstellung der englischen Note durch „Reuter".

W. T.-B. Köln, 13. Febr. (Nichtamtlich) Die „Köln. Ztg." meldet aus Berlin: Wie zu erioarten war, konnte Reuter der Neigung nicht widerstehen, die Note der Vereinigten Staaten an Deutschland im englischen Sinne zu färben und Schärfen hineinzulegen, die durch den amtlichen Wortlaut nicht bestätigt werden. Mit dieser Zurückweisung eines eng­lischen Entstellungsversuches soll aber nicht zum Ausdruck gebracht werden, daß der Inhalt der amerikanischen Note vom deutschen Standpunkt aus mit ungeteilter Beftiedignng auf­zunehmen sei. Eine Mitteilung über die Stellung der deut­schen Regierung wäre für den Augenblick noch b e r f r ü h t, da der Inhalt der Note erst näherer Prüfung unterliegt.

Englands Gegenmaßnahmen zum 78. Februar.

Br. Amsterdam, 15. Föbr. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Mn.) „Nicuwe van den Dag" schreibt: Minister

Asquith hat vorgestern die Maßregeln, welche die englische Regierung als Antwort auf die deutsche „Be­drohung" ergreifen will, noch nicht mitgeteilt. Diese Maßregel ist vermutlich der Fliegerangriff auf die belgische K ü st e gewesen. Der Zweck dieses Angriffs ist, die Basis der Unterseeboote an der belgischen Küste unbrauchbar zu machen. Dies scheint, nach dem englischen Bericht selbst zu urteilen, nicht geglückt zu sein, denn wenn der Plan ge­lungen wäre, hätte man nicht soviel Aufhebens von dein Brande des Bahnhofs in Ostende gemacht. Übrigens wird wahrscheinlich dieser Angriff wieder­holt werden. Eine Beschießung durch 34 Flieger ist der größte Angriff aus der Luft, den .man bis jetzt in diesem Kriege erlebt hat.

Line neue Unterbrechung des englisch- holländischen Nabels.

Br. Haag, 15. Febr. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Abermals ist eine Unterbrechung im englisch-holländi­schen Kabeldienst festgestellt. Von Samstagabend 6 Uhr bis Sonntagnachmittag sind keine Meldungen für die Presse weder von „Reuter" noch Privatdeheschen über das Kabel in Holland eingelaufen.

Die „Lusitania" wieder unter englischer Flagge ausgelaufen.

Sr. Amsterdam, 15. Febr. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Mn.l Reuter meldet aus London: Die „Lusitania" hat Samstag unter der englischen Flagge Liverpool verlassen.

Die amerikanische Antwort an England. ^

W. T.-B. London, 14. Febr. (Nichtamtlich) In der in ven Blättern veröffentlichten Note der Washingtoner Regierung an die britische Regierung heißt es: Der gelegentliche Ge­brauch der Flagge einer neutralen oder feindlichen Macht un­ter dem Druck der Verfolgung, der nach den Berichten der Presse als Präzedenzfall für die Rechtfertigung des Vorgehens der britischen Regierung benutzt zu werden scheint, erscheint der Regierung der Vereinigten Staaten sehr tu- schieden von der ausdrücklichen Sanktionie­rung durch eine kriegführende Regierung, daß Handelsschiffe innerhalb gewisser Zonen der See allgemein die Flagge einer neutralen Macht führen in Zonen, die, wie man annimmt, von feindlichen Kriegsschiffen befahren werden sollen. Tie formelle Erklärung einer solchen Politik zweck» allgemeinen Mißbrauchs der Flagge einer neutralen Macht gefährdet die Schiffe der Neutralen, welche die Gewässer besuchen, in besonderem Maße, weil sie den Verdacht wachruft, daß die Schiffe feindlicher Nativ- nalität sind, was für eine Flagge sie auch sichren. Angesichts