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i« . -ü i Morgen-Veilage des Wiesbadener Tagblatts.

Nr. 38. Sonntag» 14. Kebruar.

L

1918.

(15. Fortsetzung.)

Die Ehe der Herrn Terbrügge.

Roman von F. Carlsen.

Nachdruck verboten.

Knrg darauf kam Olga Lindorn, die von einer Schwärmerei für Magda erfaßt worden war, und froh, ihren Gedanken »u entrinnen, empfing sie das junge Mädchen, das von seiner eigenen LiobeSangelegenheit so erfüllt war, daß es keinen anderen Gesprächsstoff wußte. Magda versenkte sich trotz ihrer Mattigkeit in die gewichtige Frage, ob es vernünftig sei, einen Haus­stand zu gründen, tuenn außer der Offiziersgage nur die Kaution und eine geringe Zulage, die ihr Vater leisten würde, vorhanden sei.

Magda redete mit besonderem Feuer ffir Melgers, da ihr der Unterschied in seiner und Maltitz' Liebe so auffallend zum Bewußtsein kam, und das junge Mäd­chen ging fort mit dein festen Entschluß, das Zögern aufzngeben und den bedeutungsvollen Schritt zu wagen.

Als Magda allein blieb, lächelte sie bitter. Air- deren vermochte sie zu raten, sie hatte Fred durch Signe und Signe durch Fred geholfen, das Hangen und Ban- j gen eines braven Jungen durch ihre warme Fürsprache verkürzt, nur sich selbst verstand sie nicht zu niitzen.

! Sobald sie die Fäden ihres eigenen Schicksals zu ent­wirren versuchte, verknoteten sie sich nur immer fester.

»

Einige Tage waren seit jener Aussprache zwischen , den Gatten vergangen. Magda fiihlte sich wieder tvohl,

' ging ihren .Hausfrauenpflichten nach und machte ihre täglichen Besuche bei Fred.

Sie tvar etwas blaß von der seelischen Erregung, die in ihr nachwirkte, aber das gab ihr einen Anhauch 'von weicher Weiblichkeit, der sie mit neuem Reiz um- kleidete.

Sie ordnete gerade ein paar Blumen in den Vasen, als das Teleschon läutete. Sie hielt den Hörer ans Ohr.

Eine bebende Frauenstimme fragte in sichtlicher Aufregung: „Frau Terbvügge?"

„Ich bin am Apparat", erwiderte Magda.

„Herr Terbrügge ist mit dem Auto verunglückt und liegt in einer Wohnung im zweiten Stock der Goltz- straße 26." . . t

Mit einem erstickten Aufschrei ließ Magda den Hörer fallen. Als sie ihn nochmals aufnehmen wollte, war die Verbindung bereits abgebrochen. Von rasen- der Angst gejagt, griff sie in fliegender Hast nach Hut und Mantel, stürzte aus dem Hause, sprang in das erste beste Auto, das vorüberfuhr, und schrie dem Chauffeur die Adresse zu. Sie handelte wie in einem Traurnznstand. Nur ein Gedanke flackerte wie ein Irrlicht vor ihren Augen hin und her, Stephan war tot. jede Reue zu spät. Nie wieder würde er zu ihr sprechen, nie würde er erfahren, daß sie ihn liebte!

Und dann war.es, als ob eisige Sturzwellen über sie herabsausten, und sie konnte gar nichts mehr denken, pur fühlen mit allen ihren Nerven, wie langsam sich Die Entfernung zwischen ihr und ihrem Ziele verringerte.

Endlich hielt das Auto vor einem eleganten kleinen Hause. Sie stieg aus, warf dem überraschten Chauffeur ein Goldstück zu und hastete die Treppen hinauf, so schnell ihre wankenden Füße sie trugen.

Sie klingelte, die Tür wurde geöffnet und sie trat ein, tastend und unsicher, denn das Vorzimmer war in tiefe Dunkelheit getaucht. Da drehte jemand das elek- irische Licht auf. sie sah sich um und erkannte zu ihrem sprachlosen Erstaunen Maltitz, der, eine Zigarette im Munde, im leichten Hausrock vor ihr stand. Sein Ge­sicht drückte eine grenzenlose Verblüffung aus.

„Wo ist mein Mann?" rief Magda ihm atemlos entgegen.

„Ich begreife dich nicht, Magda, woher sollte ich das wissen?"

„Er muß doch hier sein", sagte sie fassungslos.

Maltitz' Gesicht war eine Studie.

„Beruhige dich nur, Magda, das Ganze scheint auf einem Mißverständnis zu beruhen. Setze dich doch einen Augenblick, du bist ja ganz verstört!", und er führte sie in einen kleinen Salon.

„Wie kommst du hierher?" fragte sie und strich sich mit der Hand über die Augen, als erwache sie ans einem quälenden Traume.

„Ich wohne ja hier, Magda. . ." sagte er bedeu­tungsvoll.

Die junge Frau war nicht in der Verfassung, einen - Augenblick an den Gedanken zu verschwenden, daß in dieser Tatsache etwas lag, »vas ihre Anwesenheit hier 41t einer Unschicklichkeit stempelte.

In Maltitz stieg eine Ahnung auf.

„Bitte, sage mir, Magda, wieso du auf die Idee kamst, daß dein Mann in meiner Wohnung ist?"

„Vor einer Viertelstunde telephonierte mir eine Dame, daß Stephan verunglückt sei und in diesem Hause liege ..."

„Und du stürztest >da einfach her? Weißt dn, daß das sehr unvorsichtig war? Was sollen die Leute den­ken, wenn man erfährt, daß du hier gewesen bist oder wenn dich gar jemand gesehen hat?"

Sie sah ihn erstaunt an, dann richtete sie sich stolz auf. . ^ t

„Glaubst du, daß man, wenn man in Todesangst um seinen Mann ist, sich erst erkundigt, wer in dem Hause wohnt, wo .man ihn sucht?"

„Wie du ihn liebst, Magda", sagte er leise und wollte ihre Hand fassen. Sie zog sie zurück.

„Vorerst möchte ich dieser ssltsamen Sache auf den Grund kommen."

Maltitz sagte nichts, aber die Ahnung von vorhin, die blitzartig aufgetaucht war, gewann immer mchr Gestalt. Er glaubte m wissen, von wem dre falsche Srachricht ansging, und mit dieser Erkenntnis Bap auch die Besorgnis, denn wennJngeborgHellmer Magda unter falschen Vorspiegelungen in feine Wohnung lockte.