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Sonntag, 14. Februar 1913.
Morgen - klusgabe.
Ur. 75. ♦ 63. Jahrgang.
3fl Oer Mm\m bis lelt 29009 Wo rfnoeo!
Der österreichisch - ungarische Tagesbericht, weiteres erfolgreiches Vorbringen auf dem rechten Flügel.
W.T.-B. Wien. 13. Febr. (Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: In Russisch-Pole« und Westgalizien keine Ereignisse. Die Situation an der Karpathcn- ftont ist im westlichen und mittleren Abschnitt im allgemeinen unverändert. Die starken russischen Gegenangriffe nächst des D u k l a - P a s s e s sind seltener geworden.
Im östlichen Abschnitt sind Fortschritte erzielt. Gleichzeitig mit dem erfolgreichen Vordringen in der Bukowina überschritten eigene Truppen nach Zurückwerfen des Gegners bei Körösmezö und Fa b l o n i ck - P a ß die Übergänge beiderseits dieser Straße. Während die in der Bukowina vorrückenden Kolonnen unter zahlreichen Gefechten die Sereth- Linie erreichten, erkämpften sich die im oberen Flußgebiet des Pruth und des Nadworna vordrängenden eigenen Kräfte den Austritt aus den Ge. birgstälern und erreichten Wiznitz, Kuty, Kosow, Delatyn und Pacieczna, wo die Ruffc» gegenwärtig n verschiedenen Punkten halten. Durch die in letzter Zeit täglich eingebrachtev Gefangenen wurde die Summe der in de» jetzigen Kämpfen gemachten russi- schen Kriegsgefaugenen auf 29060 Mann erhöht.
Der Stellvertreter des Chefs des Geueralstabs: v. H ö f c r, Feldmarschalleutnant.
Me ungeheuren russischen Verluste in den letzten Uarpathen-Nämpfen.
»r. Wien, 13. Febr. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Nachrichten vom Dukla-Paß beziffern die russischen Verluste in den letzten Kämpfen als ungeheuer. Der Angriff auf Lipno und Kastelikberg kostete den Russen über 6Ü0Ü Tote und sehr viele Gefangene. Die sibirische Division Nr. 48 ist bis ans kvv Mann vernichtet. Ein anderes russisches Regiment ist aufgerieben. Die deutsche» und österreichischen Truppen kämpfen stellenweise gegen eine dreifache Übermacht. Die deutschen Offiziere erklären den Kriegsberichterstattern, dass die letzten Kämpfe zu den schwierigsten des ganzen Feldzuges gehören. Die Verbündeten haben gegen fünf russische Korps in heldenhafter Weise gefachten.
Die furchtbare Militärmacht des deutschen Reiches
Eine französische Kritik zum Sieg in Ostpreußen.
Lot. Genf, 13. Febr. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Immer, denn van den deutschen Armeen ein größerer Erfolg, wie jetzt n O st p r e u ß e n, davongetragen wurde, wird von den fran- öfischen Zeitungen wie auf höheren Befehl die Parole „ab- varten" auSgegeben. So schreibt der Militärkritiker Oberstleutnant R o u s s e t im „Petit Partsien": Ich erkenne an, daß die Militärmacht des Deutschen Reiches furchtbar ist. Ader welch erdrückende Aufgabe fällt ihr jetzt zu: Auf der einen Seite standzuhalten in einer Front, die von der Nordsee bis zum Elsaß reicht, und auf einer anderen front, die in der Luftlinie über 700 Kilometer mißt, sich im jentrum zu halten, auf der rechten einen Flügel zu Unterhitzen, der nachgibt, dann noch Serbien zu bedrohen und zu versuchen, die Türken zu galvanisieren. Alles haben jetzt der Kaiser, seine Generale und die Armeen zu schaffen. Man hat gut eine Nation von 67 Millionen zu befehlen, mann kann rber nicht sehr lange eine solche Last tragen, ohne zu unterliegen. Lassen wir also die Zeit handeln. Fahren wir aber auch fort, ihr zu Hilfe zu kommen. Unsere Verbündeten, die Russe n, tun ihr Bestes dazu. Unsere b e l g i - ch e n und englischen Verbündeten betätigen noch eine Unerschütterliche, Beharrlichkeit und den un- 'derruflichen Willen, bis zum Ende auszuharren.
Line schweizerische Beurteilung des Sieges in Dstpreuhen.
IV. T.-B. Genf, 13. Febr. (Nichtamtlich) Das „Journal de GenLve" schreibt: Die letzten Ereignisse in Ostpreußen sind das. was man eine st rategische Überraschung nennt, während die Angriffe vor Warschau und die österreichisch-deut- che Konzentration in der ungarischen Ebene die Aufmerksamkeit fesselten, fanden andere Konzentrationen, welche ebenfalls edeutend sind, auf dem äußersten preußischen Nordflügel statt, fcefe Konzentration führte zu einer Gegenoffensive, welche wn Rückzug der russischen Frontlinie au den masurischen «een herbeigesührt hat.
Die österreichisch-ungarische kfinterbiiebsnen- verforgung.
W. T.-B. Prag, 13. Febr. (Nichtamtlich.) In Anwesenheit des Erzherzogs Leopold Salvator, des Kardinals Skrbensky, des Statthalters Fürsten Thun, des Grafen und der Gräfin Berchtold und zahlreicher anderer Persönlichkeiten fand gestern abend die feierliche Konstituierung der Landesstelle „Witwen- und Waisenhilfsfonds für die gesamte bewaffnete Macht für das Königreich Böhmen" statt. Der Protektor, Erzherzog Leopold Salvator, hielt eine Rede, in der er ansführte: über unsere Offiziere und Soldaten im Felde gibt es nur ein Urteil: einer ist braver als der andere. Jeder einzelne ist ein Held. Mit unentwegter Ausdauer ertragen sie opferwillig alle Entbehrungen und Strapazen. Dabei erzielten sie gegen den vielfach überlegenen Feind in hartem sechsmonatigem Ringen heldenmütige Erfolge und leisteten wahrhaft Großes. Wenn es heute möglich ist, daß das wirtschaftliche Leben seinen Fortgang nimmt, so ist das nur unserer heldenmütigen Armee zu verdanken, Jrie den Ansturm des übermächtigen Feindes erfolgreich abwehrte. Bürgerin iesker Groß versicherte dem Erzherzog die untertänigste Anhänglichkeit und die unverbrüchliche Treue aller Einwohner Prags zum Kaiser und Herrscherhaus. Dem Erzherzog Leopold Salvator wurden auf der Straße von einer großen Menschenmenge lebhafte Huldigungen dargebracht.
Die Zustände in Wien während des Krieges.
W. T.-B. Wien, 12. Febr. (Nichtamtlich) In den vom Wiener Bürgermeister herausgegebenen Sondermitteilungen über die Zustände in Wien während des Krieges heißt eS: Deutschland und Österreich-Ungarn stehen in unerschütterter Wehrkraft allseits gegen den Feind und haben ihre Waffen tief in sein Land getragen. Wirtschaftlich aber haben wir bisher unter, dem Krieg nicht mehr gelitten als unsere Angreifer und die Neutralen. Ein Zeichen hierfür ist die Tatsache, daß die Spareinlagen von 1583 auf nur 1556 Millionen, also nur um 27 Millionen Kronen, zurückgegangen sind, daß auch sonst der Geldbestand der Wiener Bank, obwohl auf die Kriegsanleihe bereits 80 Prozent eingezahlt wurden, nach wie vor eia f l ü s s i g e r ist. Auch die andauernd guten Steuerein gange sind ein günstiges Zeichen. Die Dezembereingänge des Wiener städtischen Steueramtes waren um 5, die Steuereingänge des ganzen Jahres 1914 um 21 Millionen höher als die de? Vorjahres. Die Lebensmittelversorgung Wiens war auch im Januar 1915 im allgemeinen eine ausreichende, wenn auch einzelne Bedarfsgegenstände im Preise gestiegen sind. Die Kohlenversorgung rst vollkommen zureichend.
Die Speisung der notleidenden Polen durch die deutschen Truppen.
Br. Kopenhagen, 13. Febr. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.)' Wie „Rjetsch" aus Warschau erfährt, verteilen die deutschen Truppen täglich an Tausende der notleidenden Bevölkerung Polens unentgeltlich Nahrungsmittel, die in besonders eingerichteten Küchen zubereitet werden. Es wird strenge darüber gewacht, daß die gesundheitlichen Maßnahmen durchgeführt werden. In Warschau sind bisher über hundert Todesfälle infolge Vergiftung durch den Genuß von denaturiertem Spiritus zu verzeichnen.
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Kein französisches Hilfskorps für Serbien.
Rom, 12. Febr. Aus Paris wird gemeldet, daß alle Nachrichten von der Entsendung ftanzösischer Hilfstruppen nach Serbien über Saloniki falsch seien. Der serbische Gesandte in Paris hätte allerdings die Zusage der Entsendung eines starken Hilfskorps erwirkt, aber General Joffre habe sein absolutes Veto dagegen eingelegt.
vom französisch-belgischen Kriegsschauplatz.
Lin Reuter-verichl über den englischen Flug an die belgische Grenze.
W. T.-B. London, 13. Febr. (Nichtamtlich) Das Reuter- sche Bureau meldet amtlich über den Vorstoß britischer Flieger an die belgische Grenze: 34 Flugzeuge und Wasserflugzeuge unternahmen einen Angriff auf das Gebiet von Brügge, Zeebrügge und Blankenberghe und Ostende. Das Resultat ist u n b e k a n n t. Während des Angriffes hatten die Flieger mit einem schweren Schneetreiben zu kämpfen. Der Flieger Graham-White, der bei'Nieuport in die See fiel, wurde durch ein französffches Schiff gerettet. Alle Flieger sind trotz heftiger Beschießung durch die Deutschen mit Gewehren, Maschinengewehren und Geschützen unversebrt zurückgekehrt. Zwei Flugzeuge wurden beschädigt. Das Unternehmen wurde durch die maritime Abteilung des Fliegerkorps ausgesührt.
Oer französische Rbendbericht vom Freitag.
W. T.-B. Paris, 13. Febr. (Nichtamtlich) Amtlicher Be-
ruht von 11 llhr abends: Ziemlich lebhafter Artillerie-
k a m p f in Belgieti, in der Champagne und in den Argonnen, zwischen Fontaine Madame und dem Schanzwerk Marie Therese. Das Resultat der Tätigkeit des Feindes kennzeichnet sich nur durch die Explosion von Minen und Bombenwerfen, worauf wir antworteten. Die Infanterie hat ihre Schützengräben nicht verlassen. In Lothringen warfen wir einen deutschen Angriff bei Arraconrt zurück. In den Vogesen eroberten unsere Jäger die Höhe 973, 800 Meter nordwestlich der Sudelfarm, nördlich des Hartmannsweiler Kopfes. Diese in einem heftigen Schneesturm ausgeführte glänzende Waffentat verursachte uns nur sehr geringe Verluste.
Oer Rückgang der Steuererträgnisse in Frankreich
W. T.-B. Paris, 13. Febr. (Nichtamtlich.) Wie der „Temps" meldet, weist das Erträgnis der Steuern im Januar gegen Januar 1914 einen Ausfall von 97141500 Franken auf. Ein Meyrertrag ergibt einzig die Zuckersteuer. Seit Ausbruch des Krieges nimmt der Steuerausfall in ein. zelnen Monaten gegenüber denselben Monaten im Vorjahre ständig ab. Von August bis Ende November 1914 betrug der Ausfall gegenüber demselben Zeitraum des Vorjahres 44 Prozent, im Dezember 39,4 Prozent, im November 27,2 Prozent. Dem „Temps" zufolge finb vom 1. bis 10. Februar in den Sparkassen Frankreichs 619 450 Franken eingezahlt und 5 880 175 Franken ausbezahlt worden. Der Überschuß der Auszahlung beträgt demnach 5 260 725 Franken. Der Überschuß der Auszahlung vom 1. Januar bis 10. Februar 10 524 155 Franken.
England erkennt die Gefahr.
W.T.-B. London, 13. Febr. (Nichtamtlich.) „Daily Mail" schreibt in einem Leitartikel: Es sind beunruhigende Anzeichen dafür vorhanden, daß das Vertrauen, mit dem wir dem Ergebnis des Krieges entgegensehen können, in einen gefährlichen un- ungerechten Optimismus ausartet. London ist voll von Leuten, die einen baldigen Zusammenbruch des Feindes erwarten. Die „Daily Mail" zählt die Gründe auf, die scheinbar für diese Annahme vorhanden sind und fährt dann fort: Deutschland ist noch nicht geschlagen, noch lange nicht am Ende seiner Hilfsquellen. Viele von den Notmaßregeln, die es jetzt ergreift, sind einfach ein bewußter Versuch, seine Organisation für einen langen Krieg umzu- formen. Das bedeutet noch keinen Verfall der Kräfte oder des Siegeswillens. Alle dauernden Faktoren sprechen zugunsten der Verbündeten, aber nur unter der einen Bedingung, daß wir das h ö ch st e Maß unserer Kraft einsetzen. Jetzt ist es Zeit, die Anstrengungen für die vor uns liegende Gefahr zu verdoppeln.
Aus dem englischen Unterhaus.
W. T-B. London, 13. Febr. (Nichtamtlich.) Im Unterhaus erwiderte der Staatssekretär des Ackerbaus auf eine Anfrage, daß nach den letzten amtlichen Berichten wahrscheinlich eine wesentliche Vermehrung der Anbauflächen für Getreide, namentlich für Weizen, in Großbritannien im Jahre 1916 stattfinden werde.
Das werben um noch mehr Bundesgenossen.
W. T.-B. Kopenhagen, 13. Febr. (Nichtamtlich) „BerlinSkc Tidende" meldet aus Paris: Der Minister des Äußern Del- c a s s e ist mit dem russischen Finanzminister Bark aus London zurückgekehrt. Die „Times" schreibt hierzu: Wir kennen nicht das Resultat der Zusammenkunft zwischen Greh und Delcassö, aber die getroffenen Abmachungen stehen sicherlich uirter dem Eindruck der günstigen Stellung, die die verbündeten Heere jetzt inne haben. Die Umstände werden trotz aller deutscher Manöver (siehe die letzten Meldungen über .Deutsche Manöver" in Ostpreußen. D. Schrifil.) die noch zögernden Länder veranlassen, den verbündeten Kräften eine Stärke zu geben, wie sie notwendig ist, um den Sieg auszunutzen.
Garibaldi begibt sich zur Werbung nach London.
XV. T.-B. Paris, 13. Febr. (Nichtamtlich) Garibaldi hat sich nach London begeben, um Mittel für die Anwerbung neuer Freiwilligenkorps zusammenzubringen.
Oie Kämpfe im Argonnerwalde.
VI.
Aus dem Großen Hauptquartier wird »ns ergänzend das Folgende geschrieben:
Als das 2. französische Armeekorps, erschüttert durch die bisherigen Kämpfe, aus dem Wald herausgezogen werden mußte, wurde es durch das 32. Armeekorps ersetzt. Gegen diese „frische" Truppe richtete sich am 29. Januar ein größerer deutscher Angriff, der von württembergijchen Regimentern durchgeführt wurde.
Ruhig lag der Wald am Morgen des für den Angriff ausersehenen Tages. Nur einzelne Schüsse hall-
