i «—::=a iRorgeitsBeHajje des Wiesbadener
Nr, Sb. Zreitag. 12. Februar.
l13. Fortsetzung.'»
Dit (E!)C be$ JjCfflt Mrai verboten.
Roman von F. Carlsen.
„Hör' mir mal zu", sagte sie plötzlich. „Ich habe eine fixe Idee, und die ist, diesem UnsehMarkeitsapostel Stephan eine kleine Blamage zuzufiigen. Willst «du mir dabei helfen?"
Er zögerte. „Ich kann mir nicht denken . . ."
„Ein Leutnant und denken — wie paradox! Denken werde ich für dich. Du sollst nur handeln! Könntest du deine Cousine Magda zu einem Stelldichein mit dir büvegcn?"
„Du bist wahnsinnig, Jngeborgl"
„Was für große Worte! Ich will den Mann, der rnich beleidgt hat, ein bißchen ärgern, und du müßtest eigentlich deiner Cousine gegenüber dasselbe Bedürfnis empfinden. . . ." ^
„Ich liebe dich und denke nicht mehr an Magda...
Sie stanipfte ungeduldig niit dem Fuß.
„Schön, schön, deine Liebe ist ein Faktum, das mich ehrt und freut, aber ich glaube dir im Verlaufe ilnserer Gespräche bereits klar gemacht zu haben, daß unsere Menschenwürde.verlangt, daß wir uns nicht ungestraft treten lassen. Oder gehörst du zu denen, die die lmke Backe Hinhalten, lvenn man sie auf die rechte geschlagen hat?"
Maltitz sah finster vor sich -hin.
„Du hast die Gabe, mir immer die Stimmung zu verderben!" ^
„Aber. Knäblein! Ich will dir ja gerade eine Satls- faktion bereiten, die deine Stimmung unbedingt verbessern muß. Denke dir das Gesicht, das Stephan Terbrügge machen würde, wenn er, beizeiten verständigt, zum Beispiel in den Roseneck käme und ferne Magda dort in deiner Begleitung sähe. Den unange- iiehmen Moment würde ich ihni herzlich gönnen."
„Was du von mir verlangst, wäre eine glatte Gemeinheit. Du vergißt, daß ich Offizier bin . .
„Sag' lieber, du fürchtest, der Gatte könnte die Sache nicht ganz einfach nehmen und sich nicht damit begnügen, seine Gattin zur Rede zu stellen . . . Angst hast du, Liebster! Das ist der Grund deiner plötzlichen tugendhaften Anwandlung . . . Ich aber sage dir, wenn du mir nicht hilfft, Stephan Terbrügge einen Tort an- zutun, dann sind wir geschiedene Leute . , ."
Hans Maltitz stand auf.
„Wenn das die Bedingung sein soll, von der du deine Liebe abhängig machst, dann muß ich bedauern. Ich habe Magda wohl gegrollt, weil sie mir einen an- deren. Reicheren, vorgezogen hat, aber ich würde ihr nie etwas antun! Nie! Dich aber verstehe ich jetzt endlich, dein ewiges Zurückkommen auf unsere Der- lobung, auf Magdas Treubruch hatte die Wsicht, mich deinem Plan gefügig zu machen. Du hast dich geirrt, zu solchen Dingen bin ich nicht zu verwenden."
Sie war vor Wut erblaßt, als sie so ihre Pläne im
Keime vernichtet sah.
„Dann, adieu, Hidalgo!" mit der Hand.
Sie winkte nachlässig
„Ist das dein letztes Wort, Jngeborg?"
„Mein letztes. Du glaubst doch nicht, daß ich dich um deiner schönen Augen willen an mich gezogen habe?"
Er erwiderte nichts und verließ das Zimmer. DaS Gesicht, mit dein ihn: Jngeborg nachsah, lvar das einer Meduse
Es dämmerte bereits. In Freds Zimmer saß Signe. Frau Terbrügge war aHSgeganjjeit, sie wußte ihren Sohn in guter Hut. Das Gespräch stockte seit einer Weile. Endlich rief Fred:
„Signe!"
„Fa, Fred?"
„Komm näher, du bist so weit von mir. Man muß flüstern können, wenn man sich wirklich etwas zu sagen hat. Lautes Sprechen nimmt einem Gedankenaustausch jede Intimität!"
Sie kam näher und setzte sich neben ihn. Ein seidener Schleier von unbestimmbaren Farben verwischte mit seinen Falten ein wenig die Linien ihrer unglücklichen Figur. Der blonde Kopf strahlte in überirdischer Schönheit.
Er faßte nach ihrer Hand, sie ließ sie ihm willig. Einen AugerLlick schloß er die Augen, dann irrte ein schwaches Lächeln um seine Lippen.-
„Weißt du, tvas du mir geworden bist, Sigue?"
„Ein kleines Licht aus deinem Weg, hoff' ich!"
„Nein, viel mehr als das! Ich muß es einmal ans- sprechen, wir sind ja ganz allein und die Stunde ist schön und ruhig. Aber es ist nicht mit wenigen Worten zu sagen! Seit meinen: Unfall lebte ich ein stumpfes, müdes Leben. Ein Tag kam und ging wie der andere. Mutters Zärtlichkeit umgab mich mit ihrer luameit Welle, aber ich fühlte ihr Leid zu dem meinen und bangte vor dem Blick ihrer Augen, die so ruhig und heiter waren, daß ich die Oual dahinter nur noch stärker empfand. Wie oft habe ich gewünscht, einzu- schlafen und nicht nrehr zu erwachen, wie oft habe ich mich nach einer Hand gesehnt, die mir den letzten Liebesdienst erwiese rmd mir eine Waffe gäbe, um diese nutz- und zwecklose Marter früher zu beenden, aber ich fand nur.zärtliche Besorgnis und Pflege um mich herum. Aus der Phase der stürmischen inneren Ans- lohnung kani ich in die der Resignation. Ich suchte bei fremden Geistern Klarheit, Trost und Stärkung. Ich las Goethe, seine Gesundheit wies mir um so schärfer mein Siechtum; ich las Nietzsche, sein Übermenschentmn zerrte an meinen gepeinigten Nerven. Ich fand endlich Heine. Der Lebensgenuß, der aus seinen Liedern sprach, war Qual für mich, aber dem Heine der letzten .Jahre, dem fühlte ich mich verwandt, und doch war er so unendlich reicher als ich, denn er hatte ein Mnb. Es war vielleicht unbedeutend, vielleicht gawöhrmch, aber dank ihr war er fcodj nicht ohne Liebkosung, ahne »veiche Hände, ohne mitleidige Küsse; und noch ganz
