Der Roman
(12. Fortsetzung.)
. ^vgeborg, der das Billett in ihre Garderobe gebracht wurde, erlitt beim Lesen einen Nervenanfall, der -re ganze Vorstellung gefährdete. Sie bezwang sich, aber ein heißes Rachegefühl und das quälende Bewußt- sem, verichmahl worden zu sein, erfüllte sie so ganz, daß sie alle Schranken niederbvach. Ohne noch irgend- »w«" J eter L dlan zu haben, gleichsam aus einem Impuls heraus, ließ sie Maltitz, den sie von früher her rannte und der im Theater war, in ihre Garderobe virlen. Lr kam und war von der unverhofften Gunst, r. e er nur dem Umstande verdankte, daß Jngeborg seine früheren Beziehungen zu Magda kannte, begeistert. Sie aber mußte mit jemand zusamnren sein, ™ J-f t ]? n Terbrügge sprechen konnte, und wußte, daß Maltitz ihr viele Aufschlüsse zu geben imstande • ?eß sre lebe Zurückhaltung fallen und nahm
eure Einladung zum Souper an.
. Als sie beim Dessert waren, sagte Jngeborg, nach- dem sie sich eine Zigarette angezündet hatte:
„Maltitz, warum sind Sie so schweigsam. Ich bin '"^^konnnen. um Ihre tiefsinnigen Gedanken brauche Zerstreuung, das Trübsalblasen kann ich selbst besorgen. Oder spuken noch immer die
herum?" "" fd&one Kusine in Ihrem Kopfe
Er errötete unwillig.
.. "^ennichnicht ein Kavalier wäre, könnte ich Ihnen dre passende Antwort schon geben!"
„Nur immer zul Sie wollen sagen, ich sollte lieber vor meiner eigenen Türe kehren, denn Stephan Ter- brugge habe sich gegen mich nicht viel anders benom- men als ^hre Cousine gegen Sie!"
Er lächelte unsicher.
„Nun sehen Sie, zwischen guten Freunden ist es rminer besser, wenn die Situation von Anfang an klar liegt ^hnen ist übel mitgespielt worden (Jngeborg kannte nur die in der Stadt verbreitete Version, daß Magda den Leutnant um des Millionärs willen ver- abichredet habe), und ich kann auch nicht gerade be- H^upten. daß man mir Ursache gegeben hat, Gefühle edler Nächstenliebe zu hegen. Wie wäre es, wenn wir unsere beiden Schmerzen zusammentäten und daraus wenigstens ein bißchen Ärger für die anderen Haupt- beteiligten unserer Tragödie konstruierten, denen es so viel besser geht als uns!"
Er sah sie fragend an.
„Machen Sie kein so entgeistertes Gesicht! Ich habe Nicht die Absicht, mit Gift und Dolch in das fried- Ilche Eheleben der beiden hineinzufahren, aber eine Ge- nugtuung möchte ich mir verschaffen, das Bewußtsein, baß ich es nicht allein bin, die leidet . . . was sind Sie für ein trauriger Ritter! Sie rühren keinen Finger, lassen Stephan Terbrügge ruhig die Braut davon- tragen und machen nicht einmal den Versuch, sich zur Wehr zu setzen. Sie bürsten ein Schullehrer sein, nicht etn Leutnant."
Die Ehe der Herrn Terbrügge.
Roman von F. Tarifen.
Nachdruck verboten.
Wutend sprang Hans Maltitz auf.
welchem Recht verhöhnen Sie mich? Sollte 5 w te s @fani)al bei der Trauung provo- E der Hochzeit durch maskierte Räuber entfuhren lassen? In den Opern, in denen
St m'imW Dettoe mQn foW,e Hilfsmittel, aber ^wt^rn unserem modernen Alltagsleben!"
| e ' tn r ö ein Kindskopf! Und noch dazu haben Sie
um un m BündnA'r?^ r tte r Si£ T ^rzeihung, und Kuß?" Bündnis zu besiegeln, geben Sie mir einen
in de"n nrohti 3 entgegen, ein seltsames Licht
m den großen, sckswarzen Augen. Die roten Livven
p«? kübte sie lang und heiß i.nkÄs endlich aus fernen Armen wand, war er ihr M A? wußte das genau, sie kannte ihren Ein-
aenübt ? !!“ Un i batte ihn immer skrupellos aus- Nuremer^ hatte ihr widerstanden, einer . . . Xv ,.E r «■ toII / c ^vgeborg wieder an sich ziehen, er
Künüen" de? unddie Frau lockte mit allen
Künsten des Srtans, aber sie wehrte ihn ab.
@ie"1L e "mtr ^ir iehen uns öfter, kommen
Sie zu mir, so viel sie können, wir sind ja jetzt ge- N^frene Freunde! Und nun bringen Sie mich nach
Lmub ich S ZT" em am, “ ventK ””*>
Sie stand auf.
Maltitz zahlte die Rechnung und folgte ihr ernüch- tert Die Nachtluft tat den Nest und er fing an sich wutend zu ärgern, daß er sich von ihr hatte so souverän behandeln lassen. Da lehnte sie sich wie von ungefähr an seine Schulter.
^. "Brao sein kein so böses Gesicht machen . . . Hans! ^;ch habe dich lieb!
Sie sagte das, wie sie es in einer Rolle ihrem Partner auf der Bühne gesagt hätte. Es klang nicht sehr uberzeugend, aber Maltitz fiel darauf herein. Er umfaßte sie und sagte heiß und drängend: „Wann sch' ich dich wieder?"
„Ich telephoniere dir ins Kasino! Gute Nacht'"
Das Auto hielt vor ihrem Hause; ehe sie ausstieg, versuchte er sie noch einmal zu küssen, aber sie machte eine Bewegung und seine Lippen trafen nur ihren Hals. Sie winkte noch einmal in den Wagen zirrück, denn sie hatte ihm verboten, auszusteigen, damit er 'ucht von einem der Hausbewohner gesehen werde, und schloß.das Tor auf.. Als sie die Treppe hinaufftieg, stel die.Maske von ihrem Gesicht. Verzweiflung und Ekel stritten in ihren Zügen, und als sie zu Bett ging, weinte sie stundenlang m ihre Kissen'
*
Magda war seit jener Gesellschaft von einem einzi. gen Gedanken beherrscht, und der war, den Grad des innerlichen Zusammenhanges zwischen Stephan und Jngeborg hevauszufinden. Der Tag brachte ihr man. cherlei Beschäftigung und Ablenkung, aber selbst mitten
