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Mittwoch» 10. gebruar 1915.
Kbend-Kusgabe.
Nr. 68. - 63. Jahrgang.
Der Tagesbericht vom 10. Zebruar. Kleinere Erfolge in den Srgonnen und in den Vogesen. — Kämpfe in Ostpreußen. — Keine Veränderung in polen.
W. T.-B- Großes Hauptquartier, 10. Febr., vormittags. (Amtlich.)
westlicher Kriegsschauplatz.
Abgesehen von kleineren Erfolgen, die nufere Truppen in den Argonnen, am Wcstabhang der Bogcsen bei Ban-de-Sept und im Hirzbacher Walde erreichten, ist »ichtS zu melden.
Gestlicher Kriegsschauplatz.
Die vereinzelten Gefechte an der oftpreußischen Grenze entwickelten sich hier und da zu Kampfhandlungen von größerem Umfang. Ihr Verlauf ist überall normal.
In Polen rechts und links der Weichsel sind keine Veränderungen cingetreten.
1 . Oberste Heeresleitung.
Oer Unterseeboots-ttrieg.
Oie Neutralen vor der Entscheidung.
O Berlin, 9. Februar.
Wir können nicht wissen, welche DevhonLlungen gegenwärtig zwischen Washington und London geführt -wenden und inwieweit sich die Vereinigten Staaten und die europäischen Neutralen über eine gemeinsame Venhaltungslinie gegenüber unseren, mit dem 18. Februar in Kraft tretenden Maßnahmen verständigen werden oder schon verständigt haben. Ms sicher kann jedenfalls angenommen werden, daß die Verhandlungsmaschinerie auf allen Seiten in lebhafte Tätigkeit versetzt worden ist. Für uns ist der Weg ja v o r g e z e i ch n e t; wir werden das tun, was unsere Lebens i n t e r e s s e n gebieten, aber es wird uns selbstverständlich nur willkommen sein können, wenn stch die Neutralen in die angekündigte Notwendigkeit schicken und es uns somit ersparen, ihnen Ungelegen» heiten zu bereiten. Die Frage ist nur, olb sie es uns wirklich ersparen wollen. Wenn man lediglich nach öcn bisher vorliegenden Kundgebungen aus den beteiligten Ländern urteilen wollte, müßte man diese Frage so gut wie verneinen; denn nicht bloß in Amerika, sondern bedauerlicherweise auch in den Niederlanden werden Stünmen laut, nach denen, wenn den Worten die Tat folgt, unangenehme Zusammenstöße nicht ausgeschlossen wären. Aber die Negierungen brauchen nicht verantwortlich für das zu sein, was die Zeitungen schreiben, und so wird nran sich nicht bloß rm Haag, sondern auch in Washington noch manches überlegen. Dies nützliche Nachdenken wird dadurch befördert werden können, daß die Neutralen den verhängnisvollen I r r t u m abtun, als handle es sich bei unsrer Ankündigung um einen Bluff oder, wie es das Amsterdamer „Handelsülad" nennt, um eine erlaubte Kriegslist, um die man sich nicht sonderlich zu kümmern brauche. Es ist uns vielmehr bitterer Ernst, und die neutrale Schiffahrt wird zweckmäßig handeln, wenn sie demnächst die englischen Gelvässer .meidet; andererseits geht sie auf eigene Rechnung und G e- ta h r vor. Es ist eine böse Täuschung, in der sich das niederländische Blatt befindet, wenn cs die Überzeugung ausspricht, „daß die gemeinsame Weigeritng aller neutralen Reeder, die Proklamation zu beachten, die Amvendung dieses neuen Kriegsrechts für Deutschland praktisch unausführhar machen würde".
Mit Befriedigung stellen wir fest, daß auch der Berber „Vorwärts" die Gefährlichkeit dieser Ansicht hervorhebt und unseren Nachbarn an den Rheinmün- duugen eine verdiente scharfe Rüge erteilt, indem er es seltsam findet, daß die Niederländer diese Auffassung von der Seefreiheit und den Entschluß, diese Scefreiheit durch international organisierte Nichtbeachtung der einschränkenden Maßregeln zu schützen, hicht schon vorbrachten, als England die Ailnensperre über die Nordsee verhängte. Acft anderen Worten: den englischen Maßnahmen
haben sich die Neutralen, wenn auch mit Murren, doch jedenfalls gefügt, die deutschen Maßnahmen sollen zum Anlaß eines Konflikts genormnen werden. Das ist das abscheuliche zweierlei Maß, über das wir wis auf Schritt und Tritt zu beklagen haben. Wir muffen allerdings mit Erschwerungen der Lage rechnen, wenn die Neutralen, Amerika voran, durchaus nicht gewarnt sein wollen. Die britische Anordnung, wonach sich die englischen Handelsschiffe neutraler Flaggen zu bedienen haben, soll uns natürlich in den Zustand der Ungewißheit versetzen und die Tatkraft unserer Unterseeboote lähmen, aber das gerade Gegenteil wird die Folge sein; denn nunmehr wird
im Z w e i f e l s f a l l e immer angenommen werden müssen, daß es britische Schiffe sind, mit denen unsere Tauchboote zu tun bekommen, gleichgültig, welche FI a g g e sie führen. Vernünftigerweise müßte die britische Maßregel die Neutralen erst recht von der Befahrung der englischen Gewässer abschrecken. Geschieht aber jetzt, wie inan in Aussicht nehmen muß, das Gegenteil, so werden nicht wir, sondern die anderen den Zustand zu beklagen haben, der sich alsdann in der Praxis ergeben wird. Dies alles ist so klar, daß nian immer noch glauben inöchte, die Neutralen, die Amerikaner mit eingeschloffen, werden sich rechtzeitig b e- sinnen. In den skandinavischen Staaten ist man ja auch bereit, sich den uns und ihnen aufyezwun- genen Verhältnissen anzupassen; im Haag wird man schließlich wohl dasselbe tun. Wie sich die Unionsregie- vung entscheiden wird, das wollen wir abwarten. Die heftigen Worte von drüben bedeuten zunächst eben nur Worte.
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England der Seeräuber der weit.
Vizeadmiral z. D. Kirchhofs (Kiel) schreibt über den Vernichtungskrieg gegen Englands Handel und Schiffahrt rn den „Kieler Neuesten Nachrichten": Wir fordern von den
Neutralen nichts mehr als das, was England ihnen bisher auferlegte, und dem sic sich willenlos fügten. Englische Transporte sind zurzeit so gut wie ausnahmslos mili. tärrsche zu nennen, denn England hat die Zufuhr von Lebensmitteln in dem von ihm zum Kriegsgebiet erklärten Meere verboten, um uns auszuhungern, und wir tun jetzt genau dasselbe, schlagen es also mit seinen eigenen Waffen. Wir tun militärisch das gleiche wie England. Dieser Gegner kann die Nordsee durchaus nicht abschlietzen, dazu reichen selbst seine großen Kräfte nicht aus. Seine Schifte suchen überall nach den Zielen herum, wir tun dasselbe. Auch unsere Kampfmittel haben jetzt vollkommene Freiheit in ihrem Auftreten, in ihrem Handeln, sie sind an keinen bestimmten Platz gebunden, was für ihre Sicherheit vcm größten Belang ist. Sie setzen sich bei dieser Tätigkeit ebensowenig wie sonst feindlichen Angriffen in besonders gefährdeter Lage, wie bei einer Blockade aus, genau so, wie die Engländer. Jetzt gilt es den Kampf mit dem ärgsten politischen Schädling, dem Seeräuber der Welt, bis zum äußersten, bis aufs Messer.
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150 Schiffe auf der Suche nach den Schlupfwinkeln
der deutschen Un^ertee^oote!
W- T.-B. Basel, 9. Febr. (Nichtamtlich.) Die „Baseler Nachrichten" melden aus Mailand: ISO englische Schifte,
Zerstörer und sogenannte Depoftchiffe, suchen die gesamte englische Küste nach Schlupfwinkeln der deutschen Unterseeboote ab.
Die Steigerung der Frachten.
W. T.-B. Lyon, 9. Febr. (Nichtamtlich.) Dem „Nou- velliste" zufolge sind die Getreidefrachten von Amerika nach französischen Häfen von 80 Centimes für den Doppelzentner vor Kriegsausbruch auf über drei Franken g e - stiegen. Die Ankündigung des Handelskriege? durch Deutschland werde ein weiteres beträchtliches Steigen der Frachten zur Folge haben.
Sperrung des holländisch-amerikanisckten Kabels.
Berlin, 19. Febr. (Ktr. Bin.) Verschiedenen Morgenblättern wird über Haag von gestern über eine Sperrung des amerikanisch-holländischen Kabels berichtet. Während des ganzen Tages ist über das englisch-holländische Kabel nicht eine einzige Meldung in Holland eingelaufen. Die Erscheinung ist um so merkwürdiger, als nach Erkundigungen an zuständiger Stelle keine Störung der Kabellinie borliegt. Es seien zweierlei Vermutungen aufgetaucht. Einmal die, daß das Kabel von der Regierung für ihren Meinungsaustausch mit den Bereinigten Staaten in Anspruch genommen sei, und dann die andere, daß eine Sperrung des Kabels durch England vorliege, um Mitteilungen über die englischen Truppentransporte nach Holland zu verhindern.
von der holländischen Presse.
Haag, 8. Febr. (bl. C.) Da die sämtlichen holländischen Blätter die von deutscher Seite erfolgte Veröffentlichung des G e h e i m b e f e h l s der britischen Admiralität als eine Unterstellung bezeichnet hatten, und das „Handelsblad", aber noch mehr der „Telegraaf", scharfe verurteilende Worte an die deutsche Behauptung anknüpften, darf man nun, wo durch die Anssage,i der Reisenden der „Lusi- tania" und durch die amtliche englische Auslassung der Beweis für die vollendete Tatsache erbracht worden ist, gespannt darauf sein, was die holländische Presse jetzt sagen wird. Der „Rotterdamsche Courant", das „Handelsblad" und der „Telegraas" schweigen einstweilen. Der „Nienwe Rotterdamsche Courant" inacht lange theoretische Ansfich- rungen, verrneidet aber, die Hauptfrage sür Holland anzuschneiden, ob England durch die jetzt eingestandene Praxis nicht die holländischen Schiffahrts- und Lebensinteressen ernstlich gefährdet. „Nieuwc van den Dag" hat den Mut, zu sagen: Wir finden den amtlichen englischen Bericht, in dem die von Ulis Mlaubte und von der englischem Presse als Lüge bezeichnet deutsche LMeilunq beKgtigt ttzird,
sehr überraschend. Das Blatt vermeidet es jedoch, vom holländischen- Standpunkt ans zur britischen Note Stellung zu nehmen; es schließt vielmehr mit der Frage, wie die Bereinigten Staaten darüber denken werden, namentlich da der Gebrauch der amerikanischen Flagge auf den „Lusitania" jetzt eingestandene Tatsache sei.
Kursänderung der Holland-Amerika-Linie.
Berlin, 19. Febr. (Nichtamtlich) Die Holland-Amerika- Linie wird laut „Köln. Ztg." für ihren Schiffsverkehr mit den. Bereinigten Staaten einen anderen als den bisherigen Kurs bestimmen.
Führende Reeder Norwegens über den englischen Mißbrauch der neutralen Flagge.
W. T.-B. Christiania, 9. Febr. (Nichtamtlich.) Die englische Erklärung des Gebrauchs der neutralen Flagge wird hier eifrig kommentiert. Der Vorsitzende des Reedervereins Christiania, Ditlev S i m o n s e n, sprach sich zu dem Mitarbeiter des „Morgenbladet" dahin aus, daß die Mitteilung des britischen Auswärtigen Amts geeignet sei, Erstaunen zu erregen. Die Deutschen seien selbstverständlich verpflichtet, an Bord des die norwegische Flagge führenden Schiffes zu gehen, um sich seiner Nationalität zu vergewissern. Aber das Verhältnis könne gefährlich werden, wenn England der norwegischen Flagge sich in größerem Maße bediene, z. B. bei der Kohlenfahrt über den Kanal. — Der Vorsteher des Nordischen Schiffsreedervereins I a n tz e n sagte: Wenn Deutschland offiziell erklärt, daß die neutralen Schiffe angesichts des von Großbritannien angeordneten Mißbrauches der neutralen Flaggen in den als .Kriegsgebiet erklärten englischen Gewässern Gefahren ausgeseht seien, so scheint mir, die Neutralen können nicht ruhig mitansehen, daß ihre Flagge mißbraucht wird, ohne Rücksicht daraus, was früher unter gewissen Bedingungen der Fall war. Die allgemeine Auffassung scheint dahin zu gehen, daß England in Wirklichkeit nicht dazu schreiten wird, sich hinter der neutralen Flagge zu decken. — „Verdensgang" bedauert die britische Erklärung. Was hier verteidigt werde, stimmt nicht mit dem englffchen fair play überein.
Die Entrüstung in Schweden.
W- T.-B. Stockholm, 9. Febr. (Nichtamtlich.) „Svenska Telegraf" schreibt: In schwedischen Reederkreisen wie in
der schwedischen Presse herrscht allgemein die Auffassung, daß mit der englischen Bekaiintmachung über die Anwendung neutraler Flaggen die neutrale Seeschiffahrt taffächlich vernichtet ist. Die Presse ist sich dieses Mal fast vollständig darüber einig, die überraschend leichtsinnige englische Absicht zu verdammen. „Dagens Nyheter", das leitende liberale Organ Stockholms, schreibt, daß man die englische Handlungsweise strenge verurteilen müsse. Denn erstens zeuge sie von einer Feigheit, die man nur mit Schmerz bei der stolzen englischen Nation feststellen könne, zweitens bringe sie die Rechte der kleinen Völker in Gefahr, was von seiten eines Landes unerwartet komme, das als Beschützer der kleinen Völker gelten will. Im allgemeinen findet die Presse diese neue Kriegslist Englands, wie „Nya Dagligt Allehanda" die englische Bekanntmachung nennt, lumpig und man ist erstaunt über die Rücksichtslosigkeit der Engländer, die sich die Meerbeherrschenden nennen und doch ohne weiteres ihre Zuflucht zur Benutzung der neutralen Flagge nehmen.
Die schwedische Zeitung „Sk. Aston b l." vom 5. d. M. schreibt aus Anlaß der Erklärung des Fahrwassers rund m« England als Kriegsgebiet u. a.: „Deutschland konnte nicht anders haiideln. Wie viel wir auch eine Maßnahme wie dies» bedauern, so müssen wir doch zugcben, daß sie eine berechtigte Antwort ist auf Englands Aushungerung sv e r s u ch gegen Deutschlaird. Ihre formelle Berechtigung hat die Maßnahme schon dadurch, daß England Konventionen und internationale Übereinkünfte nicht ber-üchsichtigt hat. England hat die Neutralität der nordischen Länder zu wiederholten Malen gekränkt und das Recht dieser Staaten mit Füßen getreten, als es die ganze Nordsee als Kriegsgebiet erklärte. Wären die neutralen Staaten damals mit h i nr eichender Schärfe gegen England auf-, getreten und hätten sie das Recht der neutralen Flaggen behauptet, so hätten sie auch gegen Deutschland auftreten können, als es gewisse Seegebiete als Kriegsgebiet erklärte. Die neutralen Staaten dagegen wollten öder konnten England gegen, über nicht ihre, Stellung behaupten." Nachdem die Zeitung angeführt, was das deutsche, Memorandum über diesen Punkt sagt, fahrt sic fort: „Die deutsche Darlegung ist vollkommeik logisch. Deutschland warnt außerdem im voraus und gibt eine Frist bis zum 18. Februar, eine Artigkeit, die England seinerzeit den neutralen Ländern nicht erwie-S. EnAands rück»
. jichtslose Kriegführung hat vielen Seeleuten neutraler Länder das Leben gekostet. Sie erzwingt jetzt weitere Verschärfung der Härte des Krieges. Wir beklagen dieses, aber wenn es sich zeigt, daß Deutschland England blockieren kann und daraus traurige Folgen für neutrale-Länder entstehen, so müssen wir doch das B e r e ch t l g t c in der Notwehr vcm seiten Deutschlands anerkennen, die Berechtigung für das Kafferreich, England mit gleicher Münze heimzuzahlen, womit eS Deutschland gezahlt hat." •
W. T.-B. Stockholm, 10. Febr. (Nichtamtlich.) Ziq Frage des Mißbrauches der neutralen Flagge bringt „Asten, bladet" einen scharfen Leitartikel. Das Blatt schreibt: Hier- , durK beraubt England alle neutralen Länder detz
