Verlag Langgaffe 21
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Dienstag, 9. Zebruar 7915.
abend-Ausgabe.
Nr. 66. ♦ 63. Jahrgang.
Der Krieg.
Der Tagesbericht vom 9. Zebruar.
Die Lage überall unverändert. — Kleinere örtliche Erfolge in Ostpreußen.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 9. Febr.,
vormittags. (Amtlich)
westlicher Kriegsschauplatz.
Es ist nichts Wesentliches 3» berichten.
westlicher Kriegsschauplatz.
Au der ostpreußischcu Grenze wurde« wiederum einige kleinere Erfolge errungen.
Sonst Lage unverändert.
Ober st e Heeresleitung.
vom französisch-belgischen Kriegsschauplatz.
vie Beschießung von Bethune.
W. T.-B. Paris, 9. Febr. (Nichtamtlich) Der Feind richtete ein heftiges Geschützfeuer auf die Bergwerke von Mazin- garbe bei Bethune und auf den Bahnhof Bulli Granai, uni Truppenbewegungen zu verhindern; der Sachschaden ist beträchtlich.
Br. Genf, 9. Febr. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Die Beschießung des Grubenrevicrs von Bethune in der vorigen Woche richtete einen Schaden von Millionen an. Tine große Grube ist für lange Zeit stillgelegt, da der Einfahrtsschacht zerstört wurde. Deutsche Flieger warfen bei Bethune in großer Zahl Zettel herab, die in französischer Sprache die Versicherung enthielten, daß Deutschland die französischen Gefangenen gut behandle.
Oer französische Kriegsbericht von Montagabend.
W. T.-B. Paris, 9. Febr. (Nichtamtlich) Gestern abend 1t Uhr wurde amtlich mitgeteilt: In der Nacht vom 6. zum 7. Februar brachte der Feind drei Minenherde in La B 0 i f e 11 e vor von uns besetzten Häusern zur Explosion. 21/3 Kompagnien wurden zum Sturm gegen unsere Stellung vorgeworfen, konnten jedoch nicht über die durch die Explosion gebildeten Erdtrichter hinausgelangen. Am Nachmittag des 7. Februar vertrieb ein Gegenangriff, welcher von einer unserer Kompagnien ausgeführt wurde) den Feind aus den Trichtern, welche wir sofort einrichteten. Die Deutschen ließen 300 Tote auf deni Gelände.
Nördlich von Le Mesnil und Le HurluS eroberten wir in der Nacht vom 7. zum 8. Februar ein Gehölz, in dem sich der Feind stark verschanzt hatte. In den Ar gönnen dauerte die bei Bagatelle eingeleitete Aktion die ganze N acht. Am 7./8. Februar gelang es den Deutschen, zuerst vorzurückeu. Bei Tagesanbruch bis 8. Februar hielten sic nur noch einige wenige Stücke unserer weit vorgeschobenen Linie, um welchen der Kamps tagsüber fortdauerte.
Zur finanziellen Lage Frankreichs.
W. T.-B. Paris, 8. Febr. (Nichtamtlich.) „Petit Journal" glaubt, das Erträgnis der direkten Steirern sei im Januar 1915 wesentlich höher als im Dezember gewesen. Der gezeichnete Betrag von Staatsschatzscheinen übersteige 214 Milliarden Franken.
Die französischen Regicrungsmaßnahmc» für die Flüchtlinge.
IV. T.-B. Paris, 9. Febr. (Nichtamtlich) Im „Matiu" macht der Minister des Innern M a l v y eingehende Angaben über die Maßregeln, welche die Regierung getroffen habe, um den aus der Zone der Kriegsoperationcn geflüchteten Personen zu Htlse zu kommen. Aus Befehl der Regierung wird die Mehrzahl der Flüchtlinge in Familien untergebracht. Die Präfekten werden ermächtigt, zur Unterbringung der Flüchtlinge Wohnungen und Lokale zu benutzen, welche Deutschen, Österreichern und Ungarn gehören und beschlagnahmt wurden. Hilfsbedürftige Erwachsene erhalten einen Staatszusckmß von 1,W Franken täglich, ferner 50 Ctm. für jedes Kind unter 16 Jahren. Insgesamt handelt es sich um nahezu 1 M i I l i 0 n Flüchtlinge, von denen die Hälfte Staatshilse beansprucht.
Die Haltung der französischen Sozialisten.
W. T.-B. Paris, 9. Febr. (Nichtamtlich) „Humanits" Meldet: Der Deputierte Lagrosilliere wird in der Kammer einen Gesetzantrag aus Naturalisierung der Eingeborenen in den französischen Kolonien einbrin- gen. Ferner berichtet die „Humanste": Das Aktionskomitee der sozialistischen Verbände für Frankreich richtete eine Adresse an die Negierung mit der Aufforderung, alle Getreidcvorräte in Frankreich zu beschlagnahmen und den Preis für Mehl und Getreide nach Maßgabe der letztjährigen Ernte festzusetzen, bis zur nächsten Ernte die noch fehlenden Getrcidcmengen durch Einfuhr zu decken und auch den Mehlverbrauch in den Bäckereien zu überwachen. Dasselbe Blatt meldet: Der Arbeitsausschuß der Sozialisten-' verbände nahm einen Beschlußantrag an, in welchem er gegen,die Verurteilung Burzews entrüstet pro-. testiert. Das Urteil beweise der zivilisierten Welt, daß sich in Rußland nichts geändert habe. Der Arbeitsausschuß protestiert ferner gegen die Unterdrückung französischer und russischer Gcwerkschastsblättcr durch die französischen Behörden.
Die englischen Verluste in Frankreich»
Br- Bonbon, 9. Febr. (Eig. Drabtbericht. Ktr. Bln.) Premierminister Asquith hat dem Unterhaus mitgeteilt, daß der Verlust aller Rangklassen der englischen Armee auf dem westlichen Kriegsschauplatz bis 4. Februar ungefähr 104 000 Mann betragen hätte.
Die Schiffahrt auf dem Kanal Lütttch-Maastricht.
Berlin, 9. Febr. (Ktr. Bln.) Wie der „B. L.-A." aus Rotterdam meldet, lebt die Schiffahrt aus dem Kanal Lüttich- Maastricht aus.
Flieger über Antwerpen.
W. T.-B. Antwerpen, 8. Febr. (Nichtamtlich.) Die Zeitungsmeldung aus Bergen op Zoom, nach welcher am 5. Februar englische Flugzeuge Antwerpen überflogen und heftig beschossen haben, ist unrichtig. Am 5. Februar erschien ein deutsches Flugzeug etwa 15 Kilometer südlich und ein feindliches Flugzeug etwa 12 Kilometer nördlich von Antwerpen. Keines von ihnen wurde beschossen. Der elsaß-lothringische Landtagspräsident Dr. Ricklin als Militärarzt.
Br. Straßburg, 8. Febr. (Ktr. Bln.) Dr. Ricklin, Präsident des elsaß-lothringischen Landtags und Vertreter des Wahlkreises Mtkirch-Thann, hat sich der Militärverwaltung zur Verfügung gestellt und ist in einem oberelsässischen Feldartillerie-Regiment zum Abteilungsarzt ernannt worden. Dr. Ricklin ist Anstaltsarzt.
Der Unterseebootskrieg.
Zum Mißbrauch neutraler Flagge durch England.
Prcfsestimmen.
Berti», 9. Febr. (Ktr. Blu.) Zur Kundgebung des englischen Auswärtigen Amtes wegen des Hiffens fremder und den Mißbrauch neutraler Flaggen heißt es m der „Tagl. Rundschau": Das Interessanteste ist jedenfalls für die interessierten Neutralen, daß mittelbar aber unzweideutig z u g c st a n d e n wird, wie England in der Tat entschlossen ist, seine letzte Zuflucht als blinder Passagier unter neutraler Flagge zu suchen. — In der „Kreuzzeitung" beißt es: Vom 18. d. M. an können wir in den englischen Gewässern nur noch englische Schisse vermuten und werden danach handeln. Es müssen schoii ganz besondere Umstände vorliegen, wenn wir an das Vorhandensein wirklich neutraler Schisse glauben solleii.
Die weiteren englischen Drohungen.
W- T.-B. London, 8. Febr. (Nichtamtlich.) Neil Primrose, der neue Unterstaatssekrctär im Auswärtigen Amt, hat auf Antrag ini Unterhause erklärt, die Regierung hätte bereits mitgcteilt, mit welchen Abänderungen sie die Londoner Deklaration für die ganze Dauer des Krieges anzuwenden bereit gewesen wäre. Angesichts aber der neuen Ankündigung Deutschlands, daß es bcabsickstigc, die Rechte und Gebräuche des Krieges beiseite zu setzen, könne eine weitere Änderung des britischen Verfahrens nötig werden.
Kn wen zuerst die Neihe käme!
Berlin, 9. Febr. In einem „Der Knebel Churchills" überschriebenen Artikel der „Kölnischen Zeitung" heißt es: Wenn es wirklich pus Verhungern ginge, so sei es selbstverständlich. daß die Reihe zunächst an jene Angehörigen der uns feindlichen Staaten käme, die wir als Krieg s - gefangene in unserem Lande hätten und die in den von uns besetzten feindlichen Landesteilcn wohnen.
Der englische Gcheimbefchl.
Holländische Reedereien bestätigen, der „Täglichen Rundschau" zufolge, die Richtigkeit des englischen Geheimüe- fehls über die Führung neutraler Flaggen durch englische' Handelsschiffe. Der Gcheimbefchl ist im englischen Hafenamt Hüll am letzten Dienstag eingegangen und sofort den Kapitänen sämtlicher englischer Handelsschiffe bekannt gegeben worden.
Unwille in London über die Erklärung von Baumwolle als Konterbande.
W. T.-B- Basel, 8. Febr. (Nichtamtlich.) Die „Baseler Nachr." berichten aus London, daß ein großer Teil der englischen Presse einen lebhaften Feldzug für Erklärung von Baumwolle als Konterbande begonnen hat. Nach dem „Standard" habe nur eine winzige Gruppe von Pflanzern ein Interesse an der Ausfuhr nach Deutschland, weil sic 20 statt 7 Pfund Sterling für den Ballen erhalten. Dadurch dürften aber auch die Preise für Amerika und England maßlos gesteigert werden.
Das englische Kriegsbudgct.
W. T.-B. Kopenhagen, 8. Febr. (Nichtamtlich.) „Ber- lingske Tidende" meldet aus London: Die morgen be
ginnende U n t er h a u s v e r h a n d l u n g über das Kriegsbudget wird eine bisher unbekannte Form tragen. Das Kriegsbudget wird in 5 Gruppen eingeteilt; in jeder Gruppe aber wird nur über die Bewilligung eines fiktiven Betrages von 1000 Pfund Sterling ^ .abge. stimmt werden, womit in Wirklichkeit über den betreffenden Teil des Budgets entschieden werden soll. So werde man die wirkliche Höhe der beabsichtigten Ausgaben verheimlichen können, deren Betrag erst bekannt gegeben wird, wenn neue Beträge für Kriegszwecke verlangt werden. Übrigens werde ihm mitgeteilt, daß die zuletzt bewilligten 350 Millionen Pfund die Kriegskosten bis zum Juli deckten.
Konferenz der niederländischen Regierung mit Vertretern von Schiffahrt und Handel.
Br. Haag, 9. Febr. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Mn.) Wie verlautet, wird in dieser Woche noch eine Konferenz der niederländischen Regierung mit Vertretern der holländischen Großschi fsahrt und Handelsfirmen stattfinden, in der Matzncchmen beraten werden sollen, die infolge der deutschen Ankündigung des Handelskriegs gegen England zu ergreifen seien.
vie Holländer gegen die mißbräuchliche Benützung ihrer Flagge.
Br. Hamburg, 9. Febr. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Blu.) In holländischen Reederkreisen wird beabsichtigt, durch die holländische Regierung die englische Regierung zu ersuchen, nicht die holländische Flagge zu benutzen, damit die holländische Schiffahrt nicht gefährdet werde. Man bezeichnet das Zusammengehen mit den skandinavischen Ländern als empfehlenswert.
vie Haltung der Union.
Br. Amsterdam, 9. Febr. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Reuter meldet aus Washington: Der holländische Gesandte in Washington hatte eine Unterredung mit dem Hilfssekretär des Auswärtigen Amtes, in der die deutsche Blockadeerklärung besprochen wurde. Der Gesandte erklärte, er habe noch keine Instruktion seiner Regierung. Das Ziel der Besprechung soll gewesen sein, etwas über einen eventuellen amerikanischen Protest gegen die Proklamation Deutschlands in Erfahrung zu bringen. Dian verhält sich in Washington ab wartend, bis die amerikanische Botschaft in Berlin die ausführliche Note des deutschen Auswärtigen Amtes nach Washington übersandt hat. In dieser Note hofft man Aufklärung jetzt noch zweifelhafter Punkte zu finden, namentlich über die Maßnahmen, welche die deutschen Marinebefehlshaber zu ergreifen gedenken, um festzustellen, ob Schisse, die unter neutraler Flagge segeln, wirklich neutral sind. Jedenfalls dürften die Bereinigten Staaten die Vernichtung neutraler Schiffe, die keine Konterbande führen, nicht guthcitzen.
wir und die Amerikaner.
O Berlin, 8. Februar.
Die Amerikaner messen mit zweierlei Maß. Nach einigen lahmen Protesten gegen die englischen Schritte, mit denen wir von der neutralen Welt abgeschnitten werden sollten, haben sie sich schließlich gefügt, und man müßte blind sein gegen offen zutage liegende Taffachen, wenn man nicht genau fühlte, daß sie sich g e r n gefügt haben. Denn Washington und London sind ein Herz und eine Seele; nichts als Unfreundlichkeiten haben wir von den Leuten drüben zu erfahren, nichts als Freundlichkeiten werden den Engländern, den Franzosen und auch Rußland erwiesen. Mit der Duldung der Kriegslieferungen an die Dreiverbandsmächte hat sich die amerikanische Regierimg ungefähr zu einer über den Atlanffschen Ozean verpflanzten Krieg sfiliale gemacht, und zum Schaden wird neuerdings noch der Spott hinzugefügt. Es ist doch blutiger Hohn, wenn die Offiziösen des Herrn Bryan jüngst erklärten, die Vereinigten Staaten würden weiter Kriegsmaterial liefern, sie würden es auch u 11 s liefern, aber es sei nun einmal das Pech Deutschlands, daß die Lieferungen nur unseren Gegnern zugute kommen könnten. Immerhin wvllen wir gerecht sein und der Unionsregierung das formale Zugeständnis machen, daß sie nicht ver- pflichtet sei, Privatgeschäfte von Amerikanern mit dem Auslände zu verbieten, daß also die Kriegslieferungen an die Dreiverbandsmächte einigermaßen noch, wenn auch init Hängen und Würgen, in den Rahmen des Völkerrechts hineingezwängt werden könnten. Aber die Staatsmänner in Washington hätten gleichwohl die Möglichkeit, sich einer einseitigen Parteinahme zu entziehen, ohne zugleich den Unternehmern das Geschäft zu verderben. Sie hätten in L'o n d 0 n nur zu erklären brauchen, daß jeder Amerikaner, der es will, siede m kriegführenden Staate dasjenige beschaffen darf, wonach er begehrt, und daß Lieferungen an die eine Partei nur erfolgen sollen, wenn den Lieferungen an die andere Partei e n g- Iischerseits nichts in den Weg gelegt wird. Unsere Feinde brauchen Waffen und sonstiges Kriegsmaterial, wir brauchen nichts davon, wohl aber Lebensmittel. Hätten die Amerikaner solche Parität verlangt, so würden sie sie auch haben durchsetzen können, denn die Dreiverbandsmächte sind in Not, sie könnest ohne die amerikanische Kriegslieferung nicht weiter- kämpfen, sie hätten also darein willigen müssen, daß amerikanische G etr ei d e se n d u n gest zu uns gelangen. Entweder direkt oder durch die Vermittlung von Neutralen. Dies konnte um so eher geschehen, als Lebensmittel nach anerkannten Grundsätzen überhaupt keine Konterbande sind, wenn sie ,nicht unmittelbar für die Ernährung des Heeres bestimmt sind, während Kriegslieferungen selbstverständlich unter den Begriff der Konterbande fallen, aber nicht K
