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Vienstag, 9. Februar 1913.
Morgen - Ausgabe.
Nr. 65. ♦ 63. Jahrgang.
De* Krieg.
von den östlichen Kriegsschauplätzen.
ver Kaiser am vzura- und Rawka-klbschnitt.
W. T-B. Berlin, 8. Febr (Amtlich.) Der Kaiser besichtigte gestern Teile der im Bzura- und Rawka-Abschnirt kämpfenden Truppen.
Die Schlacht bei Sorzymow.
Br. Zürich, 8. FeHr. (Eig. Drahtbecicht. Ktr. Bln.) Petersburger Meldungen der Agence Havas besagen, daß die Schlacht bei Borzymow und Humin den Charakter eines wahren Titane nkampfes angenommen hätte. Wenn die französische Telegraphenagentur bei Berichten aus Rußland mit den Siegen ihres Verbündeten auch sonst nicht zu sparen pflegt, muß sie jetzt zugeben, daß beide Gegner gleich stark, ausdauernd und unerschrocken seien. Das Feuer der Deutschen war so intensiv, daß jeder russische Schützengraben sieben bis acht Granaten auf einmal erhielt.
Die deutschen Angriffe im Weichsel-Abschnitt.
Br. Genf, 8. Febr. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Über die Kämpfe in Rußlan-d erhält der „Temps" von feinem Petersburger Berichterstatter einen Bericht, der besagt, daß nach Ansicht der meisten russischen Militärkritiker die deutschen Angriffe im Weichselabschnitt eine neue Offensive darstellen. Feldmarschall von Hindenburg habe seit dem 24. Jan-mr einen neuen Angriff begonnen, der entscheidend sein soll und durch den, koste, was es wolle, die russischen Stellungen durchbrochen werden sollen. Auf der Linie Bor- z i m o w - Wolja-Chidlvwska in der Richtung von Plonie-G rod zisk scheine eine große Affäre im Gange zu sein, die immer dasselbe Ziel habe: Warschau! Nachrichten, die von dem dort toben- den Kampfe einlaufen, besagen, daß eine dichte Rapch, mauer sich Wer den Schützengräben erhebe. In einem Raume von 10 Kilometer stellte der Feind sieben Divisionen in Linie, die von 100 Batterien unterstützt werden. Normalerweise müßten diese Kräfte eine Front von 75 Kilometer einnehmen. Solche Maß- nahmen ließen erkennen, daß die Deutschen um jeden Preis aus dem Eisen- und Feuerring heraus wollen, mit dem sie die Verbündeten umgeben. Zu diesem Zweck greifen sie zu ihrer ersten 'Methode, die darin besteht, auf der einen Seite fertig zu werden, bevor auf der anderen Seite losgeschlagen wird, und jetzt scheint die Reihe an Rußland gekommen zu sein.
Der österreichisch - ungarifcke Tagesbericht.
Gute Fortschritte in der Bukowina.
W. T.-B. Wien, 8. Febr. (Nichtamtlich) Amtlich wird verlautbart vom 8. Februar: An der allgemeinen Situation in Russisch-Polen und Westgalizien hat sich nichts geändert. Unsere schwere Artillerie amDunajecz beschoß bei günstigen Sichtvrrhältnissen mit Erfolg den Raum T a r n o w und erzielte auch gegen lebende Ziele eine ersichtlich gute Wirkung. In den Karpathen wurde auch gestern überall gekämpft. Im weiteren Vordringen in der Bukowina erreichten eigene Kolonnen das obere Suczawatal und machten 400 Mann zu Gefangenen.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Höf er, Feldmarschalleutnant.
Die Teufelsfestung przemysl.
Krakau, 4. Febr. (Ktr. Bln.) Der „Naprzod" berichtet aus Lemberg, daß unter den dortigen ruffischen Soldaten wahre Legenden über die Festung Przemysl im Umlauf sind. Die ruffischen Soldaten erzählen der Lemberger Bevölkerung, daß an den Mauern von Przemysl alle Anstürme scheitern und alles in Trümmern gehen müsse. Die Tatsache wie von der unerhörten heldenmütigen Verteidigung während der ersten Belagerung sowie die enormen Verluste der Russen riefen unter den russischen Soldaten ejne furchtbare Angst vor dem Befehle hervor, gegen diese entsetzliche Festung zu marschieren. Kein Wunder, wenn da unter den ruffischen Soldaten allerlei Legenden über diese „furchtbare Festung" entstanden. Die russischen Soldaten singen auch ein Lied, in welchem es heißt, daß Przemysl ein Teufel erbaute und nur wieder Teufel diese Festung erobern können. Viele russische Soldaten, welche die erste Belagerung dieser Festung mitgemacht haben, erzählen, daß sie gesehen haben, wie die Gottesmutter mit ihrem Mantel die Stadt beschütze und alle gegen die Stadt gerichteten Geschosse abprallen.
Line Schlacht geaen die Serben?
Rom, 7. Febr. lKtr. Frkft.) Nach dem „Giornale d'Jtalia" begann an der österreichisch-rumänischen Grenze eine große Schlacht zwischen den verbündeten Deutschen und Österreich-Ungarn »und den Serben. Die Verbündeten schlugen unter dem Schutz ihrer Artillerie eine Brücke über die Donau.
Rückkehr deutscher Flüchtlinge auS Rußland.
, Berlin, 7. Febr. (Ktr. Bln.) Der „Deutschen Tagesztg." Jrob aus Stockholm gemeldet: In diesen Tagen kommen
wreder Sonderzüge von Rußland nach Stockholm mit deut
schen Flüchtlingen. Am Donnerstag kamen zwei Züge, der eine mit 160 und der andere mit 400 Personen, dieses ist jedoch nur der Anfang zu einem größeren Strom von Flüchtlingen, die hier erwartet werden. Die Flüchtlinge haben furchtbare, mitunter auch kuriose Geschichten zu erzählen.
Die Sicherung von Materialien für den Kriegsbedarf in Österreich-Ungarn.
W. T.-B. Budapest, 7. Febr. (Nichtamtlich.) Das Amtsblatt veröffentlicht eine Bekanntmachung, in der die Anmeldung von Vorräten einzelner Metalle und Legierungen gefordert wird, und zwar u. a von Aluminium, Antimon, Blei, Chrom, Kupfer, Messing, Nickel, Wolfram, Zinn und Zinn- legieriungen. Die Verordnung des Honvedministers verfügt, daß diese Metalle und Legierungen zu Kriegszwecken in Anspruch genommen werden können. Die Verordnung des Han- delsmimsters enthält Bestimmungen über die Verwendung von Teilen der cmgemeldeten Vorräte zur Verarbeitung in Privatbetrieben.
Anstecknngstod eines österreichischen Militärchefarztes.
W. T.-B. Wien, 8. Febr. (Nichtamtlich.) Nach einer Meldung des Montagblattes „Der Morgen" ist der Chef des militärärztlichen Offizierkorps, Generaloberstabsarzt P e ck, der sich bei der Inspizierung eines russischen Gefangenenlagers in Österreich-Ungarn mit Flecktyphus infizierte, gestorben.
Oie Lage im westen.
Oer französische Abendberichl.
W. T.-B. Paris, 8. Febr. (Nichtamtlich.) Amtlicher Bericht von 11 Uhr abends: In der Nacht vom 6. zum 7. Februar machte der Feind im Gebiete von Nieuport einige kleine Angriffe, die alle abgewiesen wurden. Vom 7. Februar ist nichts zu melden, außer einer Beschießung der nördlichen Stadtteile von Soissons.
Deutsche Flugzeuge über vethune.
W. T.-B. Paris, 8. Febr. (Nichtamtlich. Agence Havas.) Am Donnerstag und Freitag überflogen mehrere feindliche Flugzeuge das Gebiet von B e t h u n e. Sie wurden durch Spezialartillerie in die Flucht geschlagen. Ein Flieger warf Proklamationen an die französischen Soldaten ab. Es verlautet, daß die Deutschen in der Umgegend von La Bassee eine Konzentration ihrer Truppen durchführen.
Luftkämpfe.
Die Franzosen hatten auf ihr überlegenes Können im Fliegen, auf die „f ü n f t c W a f f e", wie man gern sagte und schrieb, große Hoffnungen gesetzt. Der bisherige Kriegs- Verlauf hat jedoch bewiesen, daß die d.e u t s ch e n Flieger nach jeder Richtung hin den Franzosen überlegen sind. Wir sehen unsere Flieger selbst beim schlechtesten Wetter hochyehen und sie haben in den Lüften eine Ausdauer, Unerschrockenheit und Kampfeslust bewiesen, die ihresgleichen sucht. Während des Bewegungskrieges haben die deutschen Flieger Vorzügliches geleistet, was auf französischer Seite keineswegs der Fall gewesen sein soll. Auch in den gegenwärtigen Stellungskämpfen ist der Flieger zu einem unersetzlichen Gehilfen der Truppenführung geworden. Selbst im Geschwaderflug haben unsere Flugzeuge alle Erwartungen weit übertroffen.
Am 18. November kam es bei der 2. Armee in der Gegend von Amiens gelegentlich einer größeren Flugunternehmung zu den ersten Lu ft kämpfen. Das, was phantafiereiche Schriftsteller in Wort und Blld über den Luftkrieg der Zukunft verkündet hatten, wurde zur Wirklichkeit.
Es ereignete sich auf einem deutschen Geschwader- finge, daß einzelne Flugzeuge von geringerer Geschwindigkeit hinter den anderen zurückgeblieben waren. Einer dieser Nachzügler — es war ein Luftverkehrs-Doppeldecker — sah sich, schon nahe seinem Ziel, plötzlich einem Eindecker gegenüber, der, in gleicher Richtung fliegend, sich 300 Meter hoch über dem deutschen Flugzeug befand, dessen Offiziere unter den hellglänzenden Tragflächen des über ihnen schwebenden Eindeckers deutlich die blauweißroten Kokarden — also Feind — erkennen konnten. Der Franzose kam rasch näher. Er nützte die vorzügliche Steigfähigkeit .und Wendigkeit seines FluWenges aus, um aus günstiger Lage — von oben — schießend, sein Maschinengewehr immer wieder auf den deutschen Doppeldecker spielen zu lassen. Das deuffche Flugzeug wurde mehrfach getroffen und dem Führer flogen ein paar Geschosse dicht am Kopse vorbei. Der deuffche Beobachtungsoffizier ertoiterfe mit seiner Waffe das feindliche Feuer, und es gelang ihm, auf den dritten Schuß, den Franzosen derart zu treffen, daß dessen Flugzeug mit hängendem Flügel weiterflog, um dann senkrecht in die Tiefe zu gehen.
Es war ein sicheres Mal, als sich aus einen deutschen Doppeldecker ein französischer, mit Maschinengewehr ausgerüsteter Farmandoppeldecker stürzte und zu feuern begann. In. diesem Augenblick sauste aber in scharfem Fluge ein zweiter deutscher Doppeldecker heran, steuerte hart auf die Flanke des Franzosen zu und zog diesen von seinem Opfer ab, das trotz erhaltener 30 Treffer glücklich seinen Hafen erreichte. Es entspann sich nun ein regelrechtes Luftduell zwischen den beiden neuen Gegnern, die beche lebhaft feuerten, bis das französische Flugzeug den Kampf aufgab und in eiligem Gleitflug landete.
Ein d r i. t e r deutscher Doppeldecker mußte sich tm Lust- tcuupf den Rückweg erzwingen, den ihm ein französischer Eia-
decker verlegen wollte. Es gelang dem Franzosen, das dMtsche Flugzeug aus nächster Nahe mit lebhaftem Feuer zu überschütten. Die kämpfenden Flugzeuge umflogen einander, stiegen von oben herab, stiegen dann wieder, jede Gelegenheit ausnützend, dem Gegner die schwache Seite abgugewinnen. Das deutsche Flugzeug verfeuerte dabei 38 Schuß. Auch hier gab der Franzose schließlich den Kampf auf. W. T.-B.
Oie schlechte wirtschaftliche Lage in Frankreich.
W. T.-B. Paris, 8. Febr. (Nichtamtlich) Die „Humanite" greift die Regierung an,, weil sie keine Maßnahmen treffe, um die wirtschaftliche Krise zu beenden, die hauptsächlich durch das Moratorium verursacht worden sei. Frankreich habe sich seit Kriegsausbruch aller Vorteile begeben, die es infolge seiner geographischen Lage gegen Deutschland als einen blockierten Staat besaß. Zur Wiederaufnahme des wirffchaft- lichen Lebens müsse vor allem die Diskontierung aller Weck- selgeschäftspapiere ermöglicht werden. Der Umlauf der W e ch- s e l, der in normalen Jahren etwa 40 Milliarden betrage, betrug von Anfang August bis Jahresende 363 Millionen, also etwa fünfzigmal weniger als in einem normalen Fähre. Man könne sich keine größere Störung des wirffchaft- lichen Lebens denken. England und Deutschland hätten rechtzeitig Maßnahmen getroffen, jede Störung zu verhindern. Betrachte man den Ausweis der Deutschen Reichsbank» so erkenne man, daß der Geldumlauf in Deuffchland normal sei. Auch außerordentliche Finanzoperattonen würden dort mit großer Leichtigkeit vollzogen. Frankreich allein sei gegen die wirtschaftliche Versumpfung ohnmächtig. Das Matt schließt: Wir wollen siegen und dürfen uns deshalb ein solches Armutszeugnis nicht ausstellen.
Frankreichs tägliche Kohlenförderung.
W. T.-B. Genf, 7. Febr. (Nichtamtlich.) Einer Blättermeldung aus Paris zufolge bettägt die tägliche Kohlenpro- duktion Frankreichs 20 000 Tonnen. Die übrige für den Gebrauch nötige Kohlenmenge wird aus England eingeführt. In Paris sind die Kohlenpreise um 25 Prozent gesttegen.
Gegen die Zensur in Frankreich.
W. T.-Ü. Paris, 8. Febr. (Nichtamtlich.) Der Redakteur des „Temps", Charles Doulot, beantragte in einer Versammlung von- republikanischen Journalisten, beim Ministerium erneut um sofortige Abschaffungder politischen Zensur vorstellig zu werden.
Die Not der belgischen Soldaten.
Was die belgischen Soldaten zu leiden haben, kann mau aus mehreren Zuschriften an englische Zeitungen ersehen. Vor einiger Zeit war in einem Briefe an die „Times" gesagt worden, alles Nötige sei für die Belgier vorhanden. In den nächsten Tagen meldeten sich aber viele in Zuschriften, daß es vieler? Regimentern äußerst schlecht ergehe. Gaben aus England seien wochenlang nicht angekommen, an gute Schuhe sei überhaupt nicht zu denken, sehr oft fehlten die Sohlen. Daß die Engländer sehr oft sogar Bedenken tragen, an die eigenen Soldaten und Angehörigen Liebesgaben zu senden, Zeigen auch die fortwährenden Klagen über die hohen Portokosten! Frei wird nichts befördert, ein Paket von drei Pfund kostet nach Frankreich über 1 M.
Ein Öldampser gesunken.
W- T--B. New Dor^ 6. Febr. (Nichtamtlich. Reuter.) Es wird jetzt bekannt, daß der Tankdampfer der Stcmdard Oil Company „C Hefter" auf dem Wege von New Dork nach Rotterdam am 23. Januar auf offenem Ozean zugrunde ge- gangen und von der Mannschaft aufgegeben worden ist. Di« Mannschaft wurde von dem Dampfer „Philadelphia" gerettet.
Finanzminister Bark in London.
W. T.-B. London, 8. Febr. (Nichtamtlich) Der russische Finanzminister Bark ist hier angekommen.
Die AnSränbernng der feindlichen Ausländer in England.
W T.-B. London, 6. Febr. (Nichtamtlich.) Im Unter- Hause teilte Runciman mit, daß bisher 384 000 Pfund Sterl., . die Angehörigen feindlicher Staaten gehörten, von den öffentlichen Kustoden und der BerivaüuNg übernommen worden feien.
Australische Hilfs truppen für England.
Die „Times" meldet aus Sydney, daß der australische Landesverteidigungsminister erklärt habe, die englische Negierung habe das Angebot angenommen, wonach 10000 Mann Truppen im April bereit sein sollen, mit monatlichem Ersatz von 3000 Mann.
Die Mnengefahr m den norwegische« Gewässern.
Christtania, 7. Febr. Der Chef des norwegischen Küsten- gcschwaders warnt öffentlich vor vielen Minen im Fahrwasser außerhalb des Christjaniaffords. Er hält die Schifffahrt des Nachts für besonders gefährlich, da zwischen Skagen und der norwegischen Küste treibende Minen- gefährlichster Art beobachtet worden sind. Auch von anderen Orten der Küste werden mehrfach Minen gemeldet.
Noch ein Ieuye der SeesÄ'lacht in derNordsee.
sh. Danzig, 7. Febr. Ern Danziger Bankbeamter, der die Seeschlacht in der Nordsee als Torpedomatrose an Bord eines Torpedobootes mitmochte, schildert in einem Briefe, den die „Danziger N. N." veröffentlichen, feine Beobachtungen während der Schlacht u. a. wie folgt: Am SamStag spät nachmittags setzten wir uns mit vier großen und drei kleinen
