Verlag Langgaffe 21
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Montag, 8. Zebruar 1915.
Kbend-Ausgabe.
Nr. 64. . 63. Jahrgang.
ver Urieg.
Der Tagesbericht vom 8. Zebruar. fortdauernde Kampfe bei Lavaffse. Erfolge in den begonnen. — Kleinere Sufammenstötze im Gsten.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 8. Febr., vormittags (Amtlich.)
westlicher Kriegsschauplatz.
Der Kampf um unsere Stellung südlich des Kanals, süd- westlich La Bassee dauert noch an. Ein Teil des vom Feinde gewonnene» kurzen Grabens ist wieder erobert.
In den Argonnen entrissen wir dem Gegner Teile seiner Befestigungen.
Sonst hat sich nichts Wesentliches ereignet, westlicher Kriegsschauplatz.
An der o st p r e u ß i s ch e » Grenze, südöstlich der S e e a P l a t t c und in P o l c n r e ch t s der Weichsel fanden ei«ige kleinere, für uns erfolgreiche Zusammenstöße von ött- licher Bedeutung statt.
Sonst ist aus dem Osten nichts zu melden.
Oberste Heeresleitung.
ver amerikanisch« Waffenschacher.
Der Vorsitzende der amerikanischen Handelskammer
Slirt be L den Vereinigten Staaten
weilt, hat den Auftrag, bei der Regierung in Washing- .?,^sten die Lieferung von Waffen seitens amerika- mscher Firmen an die kriegführenden Länder vorstellig zu werden. Es soll der amerikanischen Behörde die Gefahr vor Augen geführt werden, die infolge der Waffen- lieferungen den freundlichen geschäftlichen Beziehungen zwischen Huben und drüben droht.
Man wünscht auch dieser Aktion guten Erfolg, aber man kann nach den bisherigen Erfahrungen nicht viel davon erwarten. Es ist ja schon alles geschehen, was gegen die Waffenausfuhr Amerikas an unsere Feinde zu tun war. Man erinnert sich der Gesetzesvorlaqe die der Bundessenator Hitchcock eingebracht hat und wonach allen amerikanischen Fabrikanten und Lieferanten verboten sein soll, Waffen, Munition und Explosivstoffe an Lander abzugeben, die das Material zur Bekämpfung von Nationen zu verwenden beabsichtigen mit denen die Vereinigten Staaten sich im Frieden befinden. Der Bundessenator Works hat einen noch weltergehenden Gesetzentwurf eingereicht, wonach es ausnah in los verboten sein soll, kriegführenden Staaten Nahrungsmittel, Kleider, Waffen. Munition oder sonstiges Kriegsmaterial zu liefern, ganz gleichgültig, ob die betreffenden Artikel Konterbande sind oder nicht. Ähnliche Anträge und Gesetzentwürfe wurden von ver- schiedenen Mitgliedern des Repräsentantenhauses, darunter Richard Bartholdt aus Saint Louis eingebracht. Inzwischen hat auch der deutsche Botschafter Graf Bernstorff bei der amerikanischen Bundesregierung offizielle Vor sie I l u n g e n erhoben mit dem
RnSbruck verboten
Unsere Vorposten auf der Vordser
An Bord S. SM. S. „Moltke" am 1. Febr. 1915.
Wer heute von der deutschen Küste nordwärts fährt, sieht auf dem Wasser ein Bild ähnlich dem, das zu Lande unsere Heere in Rußland und Frankreich bieten. Am Ufer trägt ein Flaggschiff das Oberkommando. An Bord wohnt in engen Kammern ein an Zahl überraschend kleiner Stab, der zur Beratung Platz am runden Tisch der Kajüte findet und aufstehend rasch sich über die Seekarten auf Nebentischen beugen kann. Hier wird gewägt, was dieFlotte gegen ungeheure, aber ihre Tatenlust nicht lähmende Übermacht wagen darf. Hier erhellte frohes Lächeln der Anerkennung das Ge- sicht des Admirals, der mit heiterer Zuversicht die bergeschwere Verantwortung für die Sicherheit deutschen Küstenlandes und das kriegerische Handeln einer See- nmcht trägt, als der mit Funksprüchen eintretende Flaggleutnant vorlas: „Bor Liverpool englischer
Dampfer von deutschem I7-Boot versenkt."
„Unsere braven O-Boote", schmunzelten die Lippen um den Tisch. Und in der fernen Irischen See schmun- äfilte vergnügter, ja lachte Wohl hell Kapitänleutnant H., Kommandant von „77 21". Gute Launen und lugendlicher Frohsinn sind aus den verwegenen Fahrten des Waghalsigen ständige Reisegefährten. Er hat seine Angewohnheiten. In der Nacht vor dem Ausbruch zu neuem Beutezug geht er gern längsseits eines
Ersuchen, die Ausfuhr von Kriegsnraterial an die Verbündeten zu untersagen. Die bisherigen parlamentarischen Verhandlungen haben erwiesen, mit welchen Widerständen, offenen und heimlichen, die Freunde einer wahren Neutralität Nordamerikas känipfen. Fast täglich machte Mr. Spring-Rice, der englische Botschafter in Washington, bei dem Staatssekretär Bryan einen langen Besuch, und das Ergebnis der Besprechungen war die Versicherung Bryans, daß nach Ansicht der amerikanischen Regierung die Opposition im Kongreß nicht erfolgreich sein könne. Diese Äußerung des verantwortlichen Außenministers hat bereits zu dem Gerücht geführt, daß Bryan zum 4. März ab- banken und sein Amt Herrn A. Mitchell Palmer aus Pennsylvanien überlassen werde. Ein Gerücht nur, aber es bezeichnet die Lage und Stimmung deutlich.
Unterdessen verrinnt die Zeit. Tagtäglich kann man in amerikanischen Blättern von ungeheuren Aufträgen lesen, die den nordamerikanischen Fabriken aus Englaiid, Frankreich und Rußland zugegangen sind. Werden doch bis jetzt die Sendungen der Vereinigten Staaten an Waffen, Munition und Kriegsmaterial a l l e i n für E n g l a n d auf über 800 Millionen Mark! beziffert. Gewiß, es wäre nichts dagegen einzuwenden. wenn Nordamerika sämtlichen Kriegsteilnehmern Material liefern würde. Da aber eine Sendung von Waffen usw. an Deuffchland und Österreich durch die Lage der Dinge unmöglich gemacht ist, so trägt Nordanierika durch die einseitige Waffenlieferung^ außerordentlich zu einer Stärkung unserer Feinde bei. Mit Recht hat daher auch die „New Aorker Staatszeitung" kürzlich betont, daß, wenn Nordainerika bei Beginn des Krieges ein Waffenaus- fuhrverbot erlassen hätte, der Krieg l ä n g st beendet wäre.
. Die Waffenlieferungen der amerikanischen Fabriken einseitig an Deutschlands Feinde, nebenbei gesagt, auch die Versorgung englischer Kriegsschiffe mit Kohlen und Lebensmitteln auf telegraphische drahtlose Bestellung hin (wobei also neutrale Häfen förmlich zu Stützpunkten für eine kriegführende Partei werden) und sonstige Unterstützungen sind nicht v i e l w e n i g e r als bereits eine aktive Teilnahme Nordamerikas am Kriege! Ob jemand 100 000 Mann Truppen gegen uns sendet oder unsere Feinde mit Hunderten von Millionen Mark Kriegsmaterial unterstützt, ist in bema auf die Wirkung gleichbedeutend, und diese Tatsache zwingt uns. die schärfsten Maßregeln gegen eme Zufuhr zu ergreifen, die einer Neutralitäts- Verletzung gleichkommt.
^vie Langmut und Nachsicht, womit die amerikanische Regierung diesen Zuständen bisher zu sa h, hat Wohl auf die deutsche Regierung bestimmend mitge- wirkt, als diese mit ihrer großen Blockade-Erklärung gegen England vorging: Der Krieg gegen die eng-
lische Zufuhr ist letzt auf sämtliche neutrale Schiffe die nach England fahren, ausgedehnt. Voni 18. Februar chb,läuft jedes amerikanische Schiff, das unseren Feinden neue W a f f eü und Kanonen zuführt Gefahr, in den Grund des Meeres versenkt zu werden Wir konnten nicht abw arteu, bis die wohlmeinenden
bestimmten Linienschiffs. Dort hebt er morgens der lachenden Kopf und die kühne Hand wie in einem Ver- sprechen zum Abschiedsgruß an die große Organisation, me ihn mit guten Wünschen in Gedanken an den Feind begleitet. Es ist nämlich eigenartig zu beobachten, wie auch die kleinste Einheit der Flotte so in Verbindung mtt der Sertung denkt und handelt, daß ihr Tun schein- )? a * ö “ r ®. alleGIledcr unserer schwimmenden Vorpostenrette bis ins Oberkommando gespürt und verfolgt wird. ü n Großkampfschiffen schaukeln wir zunächst.
Zickzackkurs werdenMrnensperren durchquert. Dann liegen Kreuzer aus grauer See. Von den Kolbcnstößen der Maschinen unter Danipf zittern die Fahrzeuge wie m verhaltener Ungeduld. Ihre Koinmandanten nennen sich die Glücklichsten auf Erden, da es bisher nur ihnen gelang den Gegner aus seinem Versteck zu locken. Die Mannschaft erzählt mit sttahlenden Augen von dem iammernden Morgen, an dem sie die hohe schwarze Miste Englands aus der Nordsee wachsen sah. Sie ,'p^xrmt vom Aufflammen über den explodierenden Gaskesseln von Hartlepool, dem schaurig schönen Bild, das deutiche Hände mit, deutschem Eisen als ein Menc- ^ekel britischer Seeherrschast an den Horizont malten. Der Besucher aber spurt mehr als daheim die eiserne Zeit zwischen der Schiffe kalten, harten, nackten Wän- den von Stahl, deren Farbenanstrich als Brandträger mit wdem Rest von Wohnlichkeit und Behagen über fallen mutzte., Darum hallt lauter als sonst der Dienstlarm durch die schwimmende Feste. Die ewig gleichgestellte Uhr sieht auch im Krieg und auf Bor-
Vorschläge deutschfreundlicher Parlamentarier in Amerika Gesetzeskraft erlangen. Wir haben uns selbst geholfen, spät, aber doch. Und jeder ehrlich und vernünftig Denkende driiben muß, iiiögen auch die anglophilen Zeitungen vor Wut schnauben, dieser Politik Deutschlands beistiminen.
*
Die Unterseeboots - Blockade.
Die „Rechtfertigung" des Flaggenmitzbrauchs durch Marinesachverständige.
Berlin, 8. Febr. (Ktr. Bln.) Der Vertreter der „National ravende teilte gestern, irie verschiedenen Morgenblätiern aus Kopenhagen gemeldet jvird, mit. er habe wegen der Meldung, daß die englische Admiralität die englischen Handelsschiffe beordert habe, unter neutraler Flagge zu segeln, alle betreffenden Autoritäten befragt, aber nirgends auch nfur eine Andeutung von einer Bestätigung dieser Behauptung erhalten. Der Marinesachverständige der Londoner ..Times läßt sich hierzu laut „B. T." vernehmen: In ge- wohnlichen Zerteil haben die Handelsschiffe nicht das Recht, eine neutrale Flagge zu führen. Aber der Gebrauch zur See und viele Präzedenzfälle beweisen, daß es zu- lässig ist, daß ein Schiff die neutrale Flagge hißt, um einem feinde zu entstiehen. Jede Nation, die eine einigermaßen bedeutende Handelsflotte besessen hat, jvird in ihrer Geschichte dafür Beispiele finden. Wenii unsere Handelsschiffe eine neutrale Flagge hissen, um der Aufmerksamkeit mnes feindlichen Unterseebootes zu entgehen, so haben sie das Recht vorläufig auf ihrer Seite. — Der „B. L.-A." bemerkt zu diesen Äußerungen: Wann hätten die Engländer nicht das „Recht" auf ihrer Seite. Für sie i,t nur alles Recht irnd Gesetz gewesen, was sie tun.
Englische Meldungen aus Amerika.
W. T.-B. London, 7. Febr. (Nichtamtlich) Ter Washingw. ner Berichterstatter der „Morning Post" nieldet: Das Staatsdepartement unterzieht die deutsche Ankündigung einer ernsten Erwägung, da es sich bewußt sei, daß Deutschland eine Frage angeschnitten hat, die für die Vereinigten Staaten von unabsehbaren Folgen sein könne. Die Regierung habe noch keine Schritte getan, da die Angelegenheit reifliche Überlegung erfordere. In amtlichen Kreisen herrschte die Meinungvor, daß die Negierung zu einem Protest ge- lm ' 5 der Versenkung amerikanischer
Schaffe durch deutsche Unterseeboote zwischen beiden Regie- rungen eine Krise entstehen würde. Die Versenkung amerika- uischer Handelsschiffe auf hoher See würde nach Ansicht dieser Kreise emer kriegerischen Handlung unter Wsicht der Seerauberei gefährlich nahekommen. Die Washingtoner Regierung wurde dadurch zu Maßnahmen der W i e d e r Vergeltung getrieben werden. Amerika erkenne nur eine effektive Blockade, keine papierne Blockade an. Die deutsche Drohung, Schiffe ohne Rücksicht auf das Leben der Besatzung . zu zerstören, rief Entrüstung hervor. Die Schiffahrtskreise sind nicht so sehr beunruhigt, da inan nur an einen Bluff glaubt, der darauf berechnet sei, Entsetzen zu Verbresten.
Berlin, 8. Febr. (Ktr. Bln.) Der „B. L.-A." stellt fest, daß eine Reuter-Depesche über den Eindruck der deutschen Absicht. England zu blockieren, in der New Yorker Presse nicht mit dem Bericht der „Morningpost" übereinsstmmt Desto mehr scheine ruhiges Abwarten dabei geboten, was da kommen werde.
voiten nicht. Abseits schwimnit eine Zielscheibe. Ge- 'chutze heben oder senken das Maul an langem Hals und hinter den runden Panzerröcken ihrer Türme rasseln die langen Knüppel in den Rohren. — Ernster olMger, aber noch freudiger, williger als sonst wird ge^ schwitzt und geschanzt, obwohl die Tage des Wattens Wehen aus Nordwesten gar lang und eintönig sind Kern Sonntagabend bei Spiel und Tanz folgt mit der Ablösung zu kurzer Rast im.Hafen. Drau- ßen und drinnen liegt jedes Fahrzeug alarmbereit. Rur selten, und in Trupps geführt, geht das Personal an Land damit jederzeit auch der letzte Mann an den Fernd gerufen werden kann.
^..Der Gürtel der Kreuzer schirmt nicht als äußerster mv- ter draußen tragen noch wunder- "“üJ [ac & e Kahne Männer tn Blau, die in der Flotte 7 <?s--^ongraben" des Krieges grimme Hätte spüren. Ablösung kann sie nur selten ersetzen. Sie schlafen für kurze Stunden zwischen feuchten Wänden und stehen wachsam tagaus tagein in klingendem Frost oder in gemeinsam die Backen beißenden Wehen. Die Gesichter Und. blau die Finger steif, klamm und kalt, aber warm ichlagt auf treuer Wacht das deutsche Herz, das in Führ- den und rn Noten noch nie so kernig echt wie jetzt sich zeigte.
Durch die Ketten dieser Kleinsten brechen wie zu Lande Patrouillen auf See, Torpedoboote oder Flottillen vor. Ihre rußigen Bewohner sind unwirsch weil es anders kam, als sie hofften. Jauchzend fuhren sie nach der Mobilmachung aus und durften annchure^
