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Verlag Laaggaffe 21

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Sonntag» 7. Februar 1915.

Morgen - Ausgabe.

Nr. 65. . 63. Jahrgang.

Oer Rrieg.

Der Tagesbericht vom 6. Februar.

Erfolglose französische Angriffe bei Massiges. — In Polen wieder 1000 Russen gefangen und 6 Maschinengewehre erbeutet.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 6. Febr., vormittags. (Amtlich.)

westlicher Rrregsschauplatz.

Erneute französische Angriffe gegen die von uns ge­wonnenen Stellungen nördlich von Massiges blie­ben o h n t JS rfolg. Ebenso scheiterte ein feind­licher Vorstoß in den A r g o n n c n.

Westlicher Kriegsschauplatz.

Die Russen griffen gestern an der ostpreußi- schcn Grenze sowie südlich der Weichsel unsere Front Humin-Bzura-Abschnitt an. Alle Angriffe wurden abgewiesen. Wir machten 1000 Gefangene und erbeuteten sechs Maschinengewehre.

Falsche Behauptungen unserer Feinde.

Hauptsächlich von englischer, aber auch von franzö­sischer Seite wird fortgesetzt die Behauptung ausgestellt, daß die Deutschen gewissermaßen zur Feier des Ge­burtstages Sr. Majestät des Kaisers Vorstöße im großen Stile inszeniert hätte«, die sämtlich mit schweren Rückschlägen für uns endigten. Daß diese Behauptun­gen in heimtückischer Absicht einfach erfunden sind, beweisen unsere amtlichen Berichte über die Ergebnisie «t den in Frage kommenden Tagen. Eine solche Kampfesweise kann natürlich auch nicht die Person des Kriegsherrn berühren. Die deutsche Heeresleitung möchte aber nicht unterlassen, sie in ihrer Erbärm­lichkeit vor aller Welt an den Pranger zu stellen.

Ober sie Heeresleitung.

Der Raffer an der Ostfront.

W. T.-B. Berlin, 6. Febr. (Amtlich.) Se. Majestät der Kaiser hat sich über Czenstochau auf den öst­lichen Kriegsschauplatz begeben.

Zur Seeschlacht in der Nordsee.

Aus dem Bericht eines englischen Marineoffiziers.

W. T.-B. Basel, 4. Febr. (Nichtamtlich.) Leutnant Men von der „Jndomitable" berichtet in einem Brief an seine Mutter, den die „Baseler Nachr." mitteilen, über die See­schlacht bei Helgoland, und rechtfertigt, daß um 11,15 Uhr die „Lion" ausscheiden mutzte, da sie auf eine Mine (?) ge­raten war. Ein Torpedoschutz des sinkenden „Blücher" ging um Haarbreite an dem Bug der „Jndomitable" vorbei. Die „Tiger" befand sich infolge des Feuers der Deutschen wie in der Hölle. Die „New Zeeland" war nicht schnell genug und beteiligte sich fast gar nicht am Kampfe. Auch die „Jndomitable" und „Prinzetz Royal" blieben hinter „Lion" und „Tiger"-zurück.

Ein weiteres Zeugnis eines Mitkämpfers.

In einem in Berliner Blättern veröffentlichten Feld­postbriefe eines Matrosen, der an Bord S. M. S. „Moltke" an der Seeschlacht in der Nordsee teilgenommen hat, heiht es u. a.: ... Es war am 24. Januar, als unsere Panzerkreuzer „Moltke",. „Seydlitz", „Derfflinger" und „Blücher" einen Vorstotz noch der englischen Küste machten. Als der Tag anbrach, stietzen unsere kleinen Kreuzer und die beiden Torpedoslottillen auf leichtere Streitkräfte, mit denen sie ins Gefecht kamen, als plötzlich mn Horizont feindliche Schiffe auftauchten, und zwar hatten wir es mit den modernsten, neuesten Panzerkreuzern zu tun: „Lion", „Tiger", „Prinzetz Royal", „New Zeeland" und „Jndomitable". Es dauerte nicht lange, so begann das Gefecht mit dem Gegner. Ich konnte von meiner Gerechtsstation genau beobachten, wie sich das Gefecht abspielte. Die Geschoffe schlugen manch­mal nur 20 bis 30 Meter vor uns ins Wasser ein. Ader, liebes Fräulein, es war doch nicht ganz so, wie der Engländer schreibt, denn von unserm Mut und unserer Tapferkeit hat der Engländer gehörige Proben bekommen. Er berschtet zwar, seine Schiffe seien nicht schwer beschädigt, ich aber habe es selbst gesehen: es dauerte nicht lange, so hatten wir unserm Gegner die Back eingeschossen und man konnte deut­lich wahrnehmen, datz ein grotzes Feuer auf dem Schiffe war, von der Brücke wurde auch öfters gemeldet, datz wir Treffer sehen könnten. Eine halbe Stunde wurde von „Zeppelin" gemeldet, datz der eine Panzerkreuzer unterge­gangen wäre. „Blücher" ist es am schlechtesten gegangen, denn er hatte schwere Treffer im Maschinenraum und Ruder und wurde dadurch gefechtsunfähig; „'Seydlitz" hatte' einige Opfer zu beklagen, wir aber sind wunderbarerweise, ohne irgendeinen Treffer zu bekommen, aus dem Gefecht zurück­gekehrt. Wie es mir weiter ergehen wird, steht in Gottes

Hand. Der 24. Januar war einer der heihesteu Tage, die wir jemals erlebt haben; es war nicht leicht für uns. Aber wir haben den Sieg doch davongetragen.

Zur Ankündigung des Unlerseebootskrieges.

Verständige Aufnahme in Norwegen.

W. T.-B. Christiania, 6. Febr. (Nichtamtlich.) Anläß­lich der Bekanntmachung des Admirals von Pohl befragte „Aftenposten" den Leiter des nordischen Schiffsreedervereins Jantzen, der als seinen vorläufigen Eindruck erklärt, die deut­sche Bekanntmachung müsse als eine wohlwollende Warnung aufgefatzt werden, die nicht aussieht, als wolle sic der neutralen Schiffahrt unnötige Hindernisse be­reiten. Man kann daher annehmen, datz diese 'wie bisher statffinden kann. Es ist kaum Grund zur Besorgnis vor­handen, es sei denn, datz möglicherweise Unglücksfälle infolge von Mißverständnissen entstehen. Es besteht ein gewisses Risiko, aber keine direkte Gefahr. Es gilt daher vor­sichtig zu sein. Auf die Frage, ob er es für denkbar halte, daß deutsche Kriegsschiffe ohne nähere Untersuchung ein Schiff unter neutraler Flagge in den Grund bohre, erklärte Jantzen: Ein derartiges Vorgehen sei nicht wahrscheinlich und er würde es selbstverständlich für eine grobe Verletzung des Völkerrechts halten.

Weitere norwegische Pressestimmen.

W. T.-B. Chöstiania, 6. Febr. (Nichtamtlich.) In Be­sprechung der amtlichen deutschen Bekanntmachung, durch welche die englischen Gewässer für Kriegsgebiet erklärt wer­den, geben „Morgenbladet", „Aftenposten" und „Norges Handels og Sjoefart Tidende" übereinstimmend der Über­zeugung Ausdruck, datz die deutsche, Unterseeboote keine Schiffe mit neutraler Flagge versenken werden, ohne ihre Neutralität näher untersucht zu haben, da dies eine grobe Verletzung des Völkerrechts darstellen würde. „Aftenposten" erklärt, datz sich Deutschland bei der angekündigten Anwen­dung der Unterseeboote ganz über die Bestimmungen des Völkerrechts hinwegsetzen müßte, und fährt fort, es mutz ein Schritt der Verzweiflung sein, der damit getan wird. Er kann aber kaum gerechtfertigt werden durch die von England durchgeführte Sperrung der Nordsee. Andererseits mutz man daran erinnern, datz auch Deutschlands Lebens- intercssen Maßnahmen erfordern, die, wie ungeheuer sie auch in den Augen anderer erscheinen mögen, für die Deut­schen als natürliche, selbstverständliche Art erscheinen, Repressalien gegen Gegner anzuwenden. — „Morgen­bladet" nimmt an, datz die neutralen Mächte Vorstellungen er­heben werden in gleicher Weise, wie anläßlich der Nordsee­sperre. Das Blatt erklärt, datz die Neutralen auch Eng­land gegenüber mit großer Empfindlichkeit über ihre Rechte und Pflichten gewacht haben, und schließt: Wenn es Ausfuhr- und Durchfuhrverbote gibt, die Deutschland treffen, so gibt es auch Ausfuhr- und Durchfuhrverbote, von denen England getroffen wird.

Die Stimmung in Dänemark.

W . T.-B. Kopenhagen, 6. Febr. (Nichtamtlich.) Die Vertreter hiesiger Exporteure nahmen Stellung zu der Frage des Exports nach England nach dem 18. Februar. Der neu­trale hiesige Handel sei durch die Bekanntmachung des „Reichsanzeigers" gezwungen, die Fahrten nach dem 12. Februar einzu stellen, falls man nicht Gefahr laufen wolle, die Schiffe durch deutsche Unterseeboote oder sonstige Kampffnittel zerstört zu seben. In Erportkreisen herrscht große Aufregung, da der .Handel Dänemarks mit England sehr bedeutend ist. Die, Blätter bestreiten die Berechtigung der deutschen Maßregel nicht.

Die Meinung in Schweden.

»W- T--B. Göthenburg, 6. Febr. (Nichtamtlich.) „Tid- ningen" bedauert die außergewöhnlichen Formen, die der Handelskrieg sür die Neutralen angenommen hat und stellt fest, die unbedachtsamen Äußerungen der englischen Blätter hätten der englischen Handelssckiftahrt Verteidigungsmatz­nahmen angeraten, denn vermutlich würden alle eng­lischen Handelsschiffe nunmehr mit Kanonen gegen die Unterseeboote ausgerüstet. Ohne Zweifel wird Deutschland sein Vorhaben auszuführen imstande sein.

Sämtliche englische Häfen als befestigte Plätze erklärt.

Br. Stockholm, 6. Febr. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Dln.) Nach einer Londoner Drahtnachricht des „Dag- bladet" wurden durch einen Befehl der britischen Ad­miralität sämtliche Handelshäfen des Vereinigten Königreichs zu befestigten Plätzen erklärt.

Gründung einer englischen Transportversicherung mit Hilfe der Regierung?

W. T.-B. Kopenhagen, 6. Febr. (Nichtamtlich.) „Natio­nal Tidende" meldet aus London: In einer zahlreich besuch­ten Versammlung in Liverpool wurde ein Beschluß ge­faßt, die Regierung aufzu-fordern.'eine Transportver­sicherung zu organisieren. Der Vorstand der Liverpooler Körnerporteure erklärt, datz die Verhältnisse zu den bestehen­den Preisen nicht berechtigten. Die Preise für Futtermittel und Kohlen hätten durch deu Mangel an Hafenarbei­tern und die Welzenspekulation in Amerika eine Höhe erreicht, die durch die Kriegslage nicht gerechtfertigt sei. Ungeheuere Mengen von Korn und Futterstoffen wurden zu­

rückgehalten, und die Waren zu Maximalpreisen an den Markt getan. Das Handelsministerium setzte einen Aus­schuß ein, der die Frage prüfen soll, wie die Überfüllung der Häfen und die Preistreibereien zu beseitigen seien.

Die Schädigung des amerikanischen Seehandels.

W. T.-B. London, 6. Febr. (Nichtamtlich.) In einem in der „Morning Post" veröffentlichten Brief tritt ein in London lebender Amerikaner den gegenüber den Amerikanern erhobenen Vorwürfen entgegen In dem Briefe heißt es: Die Schädigung des amerikanischen Seehandels durch Eng­land hat die Regierung der Vereinigten Staaten gezwungen, den Klagen der Bürger ihr Ohr zu leihen. Wenn Präsident Wilson eingeschritten ist, so tat er es, weil er wußte, daß Vorstellungen zu keinen ernsthaften Zwistigkeiten führen müßten. Es handelt sich um keine Prinzipienfragc, Der Amerikaner ist nicht neidisch auf die britische Seeherr­schaft, solange entsprechende Rücksichten geübt werden. Es macht sich aber das Gefühl breit, datz dies nicht der Fall ist, datz der amerikanische Überseehandel in Schranken gewiesen wird, als ob er der britischen Genehmi­gung bedürfe. Wenn Krieg zwischen Amerika und Japan bestünde und amerikanische Kriegsschiffe vor der Themsemün­dung englischen Schiffen auflauerten, würde die Stimmung in London ziemlich dieselbe sein, wie die jetzt in Chicago herrschende.

Rriegsfchiffe zur Bedeckung amerikanischer Handelsdampfer.

Br. Rotterdam, 6. Febr. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) In Amerika ist man, wie dem „Nieuwe Rotterd. Courant" mitgctcilt wird, angeblich bereits entschlosien, die Handelsdampfer der großen Linien durch Kriegs­schiffe begleiten zu lassen. So soll dies z. B. bei der Atlantik-Linie vorgesehen sein.

Die Teuerung in London.

London, 1. Febr. Die allgemeine Teuerung nimmi immer mehr zu. Eine Reihe von Kohlenhändlern, deren Kundenkreis aus Arbeitern besteht, weigern sich, überhaupt anders, als an ihre ständigen Abnehmer zu liefern. Auch Kartoffeln sind teuerer geworden. Folgende Zahlen sprechen für sich: Brot, vor dem Kriege für das Vierpsund- brot: 6 <1. (43 Pf.), jetzt 71H d. (68 Pf.); Mehl: 5 d. (43 Pf.), jetzt 7i/o d. (65 Pf.-; Zucker: das Pfund 2 d. (17 Pf.), jetzt 3 y s d. (28 Pf.-; Speck: 11 d. (94 Pf.), jetzt 1 s. 3 d- (1,28 M.); Streichhölzer: 1 d. (6% Pf.), jetzt 2V, d. (22 Vf.); Heringe: das Stück % d. (4 Pf.), jetzt U/ 2 ch (13 Pf.).

Völkerrechtswidrige Minen Englands und Rußlands.

Stockholm, 4. Febr. Aus Gothenburg wird gemeldet: Die von dem Sachverständigen vorgenommene Untersuchung der Mine auf Stockholmssraeret vor Gothenburg hat, wie ver­mutet, gezeigt, datz die Mine eine englische ist. Sie ist jetzt unschädlich gemacht worden. Die bei Kneippbyn, südlich von Wisby, an Land geschwemmte Mine wurde am Mittwoch unschädlich gemacht. Sie ist russischer Herkunft und von bisher unbekannter Konstruktion.

Bildung eines englischen Flottenvercins in Rom.

Rom, 5. Febr. Hier bildete sich ein englischer Flottcn- verein, der Großbritannien ein Kriegsschiff schenken will. Ehrenpräsidenten sind die beiden englischen Gesandten, Sekretär ist Profeffor Ashüy. Bisher meldeten sich keine Irländer als Mitglieder.

von den östlichen Kvseqsschauplatzen.

ver österreichisch - ungarische Tagesbericht

Andauernde Kämpfe in den Karpathen und der Bukowina.

W.T.-B. Wien, 6. Febr. (Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: An der ganzen Karpathen-

fr o n t und in der B u k o w i n a dauern die Kämpfe an.

Die Situation in Polen und Südgalizien ist unverändert.

Ein ruffischer Nachtangriff bei Vopuczno wurde abgewiesen.

Am südlichen Kriegsschauplatz hat sich in der letzten Zeit nichts Wesentliches ereignet.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. H ö f e r, Feldmarschalleutnant.

Nahrungsmittelmangel in Odessa.

W. T.-B. Odessa, 6. Febr. (Nichtamtlich) In Odessa herrscht große Not an Nahrungsmitteln. Infolge Über­lastung der Eisenbahnen und des Fehlens von Waggons ist die Zufuhr von Getreide auf ein Minimum gesunken. Das Eisen - bahnrayonskomitee beschloß, täglich 40 Waggons zur Linderung der Not zu stellen.

Die russische-Geroaltpolitik in Galizien.

\V. T.-B. Petersburg, 6. Febr. (Nichtamtlich.) In der Dudgctkommission der russischen Duma machte der Abgeord- nete Kerensky darauf aufmerksam, datz nach Galizien Leute mit dunkler Vergangenheit gesandt würden. Unter anderem sei der Chef der Rigaer Geheimpolizei Gregus nach Galizien geschickt worden. Die Verfolgung der Arbeiterpresse gehe so weit, datz die Zeitung „Naschashisn" konfisziert wor­den lei. noch ehe sie aus der Druckerpreffe herausgekomuien