Einzelbild herunterladen
 

heinüichen Wunsche, der Situotion abzugewinnen, was sich ihr nur abgewinnen ließ, hatte er kurz entschlossen den Besuch bei Mac,da riskiert, in der Voraussetzung, rnit irgendeiner Ausrede abgewiesen zu werden. Zu seiner Überraschung war das nicht der Fall gewesen, und nun saß er hler der jungen Frau gegenüber, die er früher so oft in den Armen gehalten, wie ein Frem­der, der höchstens ihre Fingerspitzen berühren durfte. Scheußliche Lage! Aber mit dem ihm eigenen Leicht­sinn tröstete er sich mit der Hoffnung auf bessere Zei- ten. Er hatte ja einen so festen Glauben an feine Un­widerstehlichkeit und daran, daß auch in Magda noch jene Gefühle nachwirken mußten, die sie doch gewiß einmal für ihn gehegt.

Nachdem die ersten Höflichkeitsphrasen ausgetauscht waren, stockte das Gespräch einen Augenblick, und nun wollte Maltitz doch einen kleinen Vorstoß wagen, und sagte elegisch:Wer hätte das vor sechs Monaten ge­ahnt, daß ich dir in deinem Hause so gegenüberfitzen würde!"

Lieber Hans, ich finde das Thema höchst uner­sprießlich. Laß doch die alten Geschichten ruhen! Glaube mir, es ist gut für uns beide, daß es so gekommen ist, ich habe cs längst eingesehen, und für dich wird dieser Moment gewiß auch bald kommen!"

Du bist grausam, Magda. Weißt du denn nicht, daß ich dich geliebt habe mit aller Kraft . . . dich noch liebe . .

Um Gottes willen, spiele dich nicht als Ritter Toggenburg auf, das paßt nicht zu deiner flotten Uni­form, und außerdeni hättest du gar kein Glück bei mir! Ich bin mit nreinem Lose sehr zufrieden und habe nicht das geringste Verlangen nach einem Flirt."

Du niißverstehst mich absichtlich! Ich habe jenen Moment der Schwäche, als dir nrich auf die übrigens unbegreifliche Probe stelltest, bitter bereut, aber du durftest mich nicht gleich so hart strafen. War denn alles ausgelöscht, was uns durch Jahre aneinander- kuüpft?"

Nun ist es aber genug mit den gefühlvollen Reminiszenzen, ich habe dir voll und ganz vergeben, ich bin dir sogar gewissermaßen dankbar, daß du mir kurz vor Toresschluß gezeigt hast, wie es mit deiner Liebe und Charakterfestigkeit bestellt war, aber aus den Resten von früher läßt sich kein neuer Roman kon­struieren, wenigstens bei mir nicht. Willst du, daß ich dich als Vetter noch einigermaßen gelten lasse, dann verzichte auf den ganzen sentimentalen Unsinn, sonst empfange ich dich überhaupt nicht niehr. Ich hoffe, du traust mir nicht zu, daß ich als Stephans Frau etwas anderes für dich haben könnte als . . . Mitleid."

HanS Maltitz sprang wuterfüllt auf.

So stolz würde ich an deiner Stelle auf die Liebe deines Mannes auch nicht sein und vor allen Dingen mich ihrer nicht so sicher fühlen. Er hat noch sehr kurze Zeit, bevor ihn die Leidenschaft für dich so plötzlich packte, einen sehr gründlichen und dauerhaften Roman rnit unserer schönen Jngeborg Hellmer durchlebt. Und wer weiß, was da noch die Zeit für dich an Überraschun­gen bringen wird!"

Magda war aufgcstanden. Sie zeigte keine Spur von Erregung bei den gehässigen Worten, die sie im Innersten trafen, weil sie ihren eigenen Befürchtungen Ausdruck verliehen. Sie sagte nur leise und nach­drücklich:Adieu!"

Maltitz erblaßte. Er erkannte, daß er zu weit ge­gangen war und sich selbst durch seine Unvorsichtigkeit aller eventuellen Chancen beraubt hatte. Er wollte einlenken.

Aber, Magda, du wirst doch eine unbedachte Äuße­rung nicht so ernst nehmen", bat er und faßte nach ihrer Hand.

Aber sie zog sie fort und sagte ganz leidenschaftslos: Wenn du nicht gehst, so zwingst du mich, das Zimmer -u verlassen, und ich bezweifle, daß es einen vorteil-

-haften Eindruck auf die Dienerschaft machen wird, wenn du hier allein zurückbleibst. . ."

Da sah Maltitz, daß hier nichts mehr zu retten war, und im Abgehen versandte er noch einen Partherpfeil: Trotz alledem, schöne Cousine, stehe ich im Bedarfs­fälle zu deinen Diensten. Und es wäre ja immerhin möglich, daß die Gelegenheit, dir zu dienen, früher ein- treten könnte, als du es selbst ahnst."

Sie würdigte ihn keiner Antwort, und er verlieh das Zimmer, ohnmächtigen Groll im Herzen.

Magda aber, die ihr« Fassung nur mühsanr bewahrt hatte, legte den Kopf auf ihre Hände und brach in leidenfchaftliches Schluchzen aus, ohne recht zu wissen, warum.

Bald darauf kam Stephan. Nachdem er ihr die Hand geküßt hatte, sagte er:Hast du Besuch gehabt, Magda?"

Ja, Hans Maltitz war hier."

Stephan sah feine Frau aufmerksam an. . Etwas in ihrer Sttmme war ihm aufgefallen, und jetzt be­merkte er auch, daß sie geweint hatte.

.Hat dieser Besuch eine so aufwühlende Wirkung gehabt? Wäre es nicht besser und schicklicher gewesen, ihn überhaupt nicht zu empfangen? Aber ich will durchaus nicht auf deine Entschließungen Einflutz nehmen. Verkehr mit wem du willst!"

Magda fühlte, daß ihr seltsames Benehmen den Zwiespalt zwischen ihnen noch verschärfte, aber sie brachte kein Wort über die Lippen. Sie hätte irgend­eine Erklärung für ihre Tränen Vorbringen müsien, um die einzige Deutung, die Stephan ihnen geben konnte, daß sie dem alten, neuerwachten Gefühl für den früheren Verlobten entsprangen, zu widerlegen. Wer in ihr hallte doch die Emvörung über das eben Gehörte nach. Sie schwieg und Stephan sagte:

Weißt du, daß wir für heute zu Senator Reden eingeladen sind, oder hast du das im Laufe des inter­essanten Nachmittags vergessen?"

Sie stand auf.Ich werde Toilette machen . . .

Es ist noch zu früh. Wenn eS nicht zuviel verlangt ist, so leiste mir ein wenig Gesellschaft bis dahin."

Sie setzte sich wieder hin, fast automatisch.

wlat i

Keine geistige Eigenschaft «freut gch einer so unbe­schränkten Ausdehnung, ate die Beschränktheit.

Gertrud Wolff-Hirschberg.

harte heldenM.

Lazanttarzt Dr. phil. und med. Craemer, Abteilung«, leiten des Evangelischen Bundes, berichtet über seine

Tätigkeit: .

Es sind so viele Angenblicksbilder, die sich einem ern- prägen, jeder Tag bringt etwas anderes, aber einige Erleb­nisse mögen doch festgehalten werden. Die erheben und er­schüttern zugleich.

Auf dem Bahnsteig steht ein Korb. Was ist daber? Dort stehen viele Körbe. Znm Zeitvertreib, während ich auf einen Verwundetentransport warte, lese ich die Adreffe. Ich kenne die alte Dame, an die sie gerichtet ist. Was wird durch deine Seele ziehen, du gute Mutter, wenn du am Fenster sitzst, den Strickstrumpf st, der Hand, und siehst, wie die Bahnkeute den Korb vor de,ne Tür fahren und dir ins Haus tragen. Es ist das Letzte, das sie dir von deinem braven, tapferen Sohne schicken. Ich sah den Jüngling vor wenigen Wochen mit strahlenden Augen in schmucker Jägeruniform, dem Ruf« seines Kaisers freudig folgen.Ob auch Gefahren dreu'n. stolz in der Brust, siegesbewußt." Nun liegt er am Waldes­rand bei Noyon mit zwei Kameraden gebettet, fein Helm zeugt heute noch die Stätte, da man ihn hingelegt. Wie lang« noch? Dann heißt eS:Und feine Stätte kennt mau nicht

mehr." Mer daheim im stillgewordenen Stübchen in ein« Ecke pflegt noch die treue Mutter die Erinnerungen,' hat sie