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Berliner Schriftlritung des Wiesbadener Tagblatts: Berlin-Wilmersdarf Güntzelstr. 66. Kernspr.: Amt Uhland 450 u. 451.
Samstag, 6. Februar 1915. ITlOrCJCIt - HUSQClbC* Hr. 61. . 63. Jahrgang.
Der Nrieg.
Die günstige militärische Lage im Osten.
Nr. Wien. 5. Febr. (Eig, Drahtbericht. Ktr. Bln.) über den gestrigen gem-insamen Ministerrat meldet die „Reue Freie Presse": Die Darlegungen Burians bezogen sich auf die militärische und diplomatische Lage, über die militärische Lage gab auch der Kriegsministcr Krobatin und Vizeadmiral C a i l e r Ausschlüsse. Aus den Mitteilungen ergibt sich, daß namentlich in den Ostkarpathen und der Bukowina die strategische Lage vollkommen be. friedigend ist und einen raschen erfolgreichen Fortgang der Operationen erhoffen läßt. Die diplomatischen Beziehungen zu den in Betracht kommenden Staaten lassen auch für die Zukunft günstige Hoffnungen zu. In wirtschaftlicher nnd finanzieller Beziehung wurde konstatiert» daß die Monarchie mit größter Zuversicht in die Zu. kunft blicken könne. — Die „Grazer Tagespost" teilt mit» daß di« militärische Lage augenblicklich für Österreich-Ungarn und ihre Bundesgenossen sehr günstig ist. Die diplomatische Situation habe sich zugunsten der Zentralmächtr verändert. Die Hoffnungen der Feinde auf die neutralen Staaten sind «i ch t in Erfüllung gegangen. — Die „Korrespondenz Rundschau" meldet: Die amtlichen russischen Berichte stellen fest» baß die Verbündeten auf allen Fronten mit Nachdruck zum Angriff übergegangen sind. „Nowoje Wremja" erklärt» die Verbündeten versammeln in den Karpathen ungeheuere Truppenmassen Die Verbündeten seien im Be. griffe» in einer Front von 206 Kilometer rasche und bedrohliche Bewegungen auszuführen, die um so ernster.zu nehmen seien, als die Verpflegung und der Nachschub der Verbündeten sich in diesem Gebiete durch vier vortreffliche Eisenbahnlinien reichlich durchführen ließe.
ver österreichisch-ungarische Tagesbericht.
Dir gescheiterte russische Offensive in der Bukowina. —
Weitere 4000 Russen in den Karpathen gefangen.
. W. T.-B. Wien» 5. Febr. (Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: In Polen und Westgalizien ist die Lage unverändert.
Die Angriffe, die die Russen in den Karpathen stellenweise täglich wiederholen, brachen unter schwersten Verlusten zusammen. Im Waldgebirge schreiten die eigenen Angriffe fort.
Die russische Offensive in der Bukowina war bis Mitte Januar in das Osttal der Moldawa gelangt. Dem weiteren Vordringen der hier eingesetzten stärkeren feindlichen Kräfte boten zunächst unsere Stellungen bei Jakoben« und Ki r l i b a b a Halt. In mehrtägigen Angriffen versuchte der Gegner um den 20. Januar den Widerstand der die Hauptübergänge deckenden Truppen zu brechen. Da alle Versuche, unsere Höhenstrllungen zu stürmen, scheiterten und eigene Truppen, selbst zur Offensive übergehend, am 22. Januar Kirlibaba dem Gegner entrissen, zog sich der Feind in den folgenden Tagen mit seinen Haupt- krästrn in den Richtungen auf Kimpolung und Moldawa zurück, wo er verblieb. In den letzten Tagen haben nun neue Kämpfe begonnen. Unsere Truppen, die auch hier im Überwinden der durch Terrain und Witterung bedingten großen Schwierigkeiten Großes leisteten, sind in das Moldawatal ringedrunge», warfen den dort befindlichen Gegner zurück und n a h m e n I z w o r vor Moldawa und Breaga in Besitz. Die Zahl der in den Karpathen gemachten Gefangenen erhöht sich weiter um 4000 Mann.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Hofer, Feldmarschalleutnant.
ver Rückzug der Russen über dieMittel-Rarpathen
Br. Rotterdam, 5. Fchr. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bin.) Tie „Times" meldet: Die Russen sind über die Pässe der Mittel-Karpathen (Beskiden) zurückgegangen. Gegenwärtig wütet in den Beskiden noch eine große unentschiedene Schlacht, von deren Ansgang, wie die „Times rncinß vielleicht die Entscheidung über die Haltung Rumäniens «bhäugen wird.
Prügelstrafe in Lemberg.
. W. T.-B. Wien, 5. Febr. (Nichtamtlich.) Das Wiener Polenblatt „Noviny" berichtet aus Lemberg, daß dort unter der russischen Herrschaft die k ö r p e r- liche Züchtigung eingeführt worden ist. Ein Lemberger Bürger erzählte dem Berichterstatter des Blattes, daß er wegen eines geringen Vergehens gegen «ine behördliche Vorschrift in den Kerker geschleppt und dort an eine Bank gefesselt wurde, worauf an mit
Nagajkas bewaffnete Kosaken der Befehl erging, ihn zu züchtigen. Die Schläge fielen auf den entblößten Körper. Derselben Strafe wurde auch dos Mitglied des Lemberger Gemeinderats Mokrzycki unterzogen.
Zur Auszeichnung österreichischer Minister.
W. T.-B. Wien, 4. Febr. (Nichtamtlich.) Aus dem Kriegspresseguartier wird gemeldet: Anläßlich der Verleihung des Militärverdienstkveuzes 1. Klasse mit der Kriegsdekoration an den österreichischen Landesverteidigungsminister Frhrn. v. G e o r g i nnd den ungarischen Landesverteidigungs- Minister Frhrn. v. Hazay richtete der Feldmarschall Erzherzog Friedrich an die Minister Glückwunschtelegramme, in denen er sagt, die gange Wehrmacht kenne und würdige die erfolgreiche Tätigkeit der Minister, und es sei sicher, daß die Allerhöchste Auszeichnung bei der im Felde stehenden tapferen Armee fteudigen Widerhall erwecken werde.
Schwere Anklagen wegen der Verproviantierung Warschaus.
Br. Kopenhagen, 5. Febr. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) „Rußkoje Slowo", das amtliche Organ des Gouvernements Warschau, erhebt schwere Anklagen wegen der Verproviantierung Warschaus. Die Be- völkerung leide schwer Mangel am Mernotwendig- sten, eine Folge der schlechten Regelung der Zu-. fuhren. Während Blumen, Apfelsinnen und Austern vom Schwarzen Meer in großen Mengen eintreffen, seien die notwendigen Lebensmittel nicht zu erhalten.
Eine russische Lüge.
W. T--B. Berlin, 5. Febr (Nichtamtlich.) Durch die russische Gesandtschaft im Haag wurde amtlich die Meldung verbreitet, daß ern russisches Unterseeboot am 29. Januar ein deutsches Torpedoboot in der Ostsee bei Moen zum Sinken gebracht habe. Don zuständiger Seite wird mitgeteilt, daß die Nachricht auf fteier Erfindung beruht.
General pan in russischen Diensten.
Br. Berlin, 5. Febr. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Wie der im österreichisch-ungarischen Kriegspresiequartier weilende Berichterstatter des „B. T." erfährt, besteht tatsächlich die Absicht, den nach Rußland gereisten General Pau mit der Leitung einer russischen Armee zu betrauen. Pau hat sich bei der Durchreise durch Schweden dahin geäußert, daß die Überreichung der ftanzösischen Militärmedaille an den russischen Oberbefehlshaber nur der Vorwand für den eigentlichen Zweck seiner Reise sei. Anlaß zu dem Auftrag gab danach die Unzufriedenheit der französischen Heeresleitung mit der ungenügend durchgeführten russischen Offensive, die nach dem gemeinsam festgelegten Plan direkt nach Berlin Vorstotzen sollte. Im Verfolg der Konferenz über diesen Punkt, der franzö- sischerseits als eine Lebensfrage bezeichnet wurde, verständigten sich die beiden Heeresverwaltungen dahin, einen, bewährten Armeeführer an Rußland abzugeben, dessen strategische Intentionen der Verwirklichung des immer wieder gescheiterten Offensivgedankens dienen soll.
In Rußland gibt man sich keinen Wahnvorstellungen über die Aushungerung Deutschlands hin.
Br. Kopenhagen, 5. Febr. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) „Nowoje Wremja" beschäftigt sich in einem langen Artikel mit dem Wirtschaftskrieg gegen Deuffchland und kommt zu dem Schluß, daß es unsinnig wäre, zu glauben, Deutschland könne ausgehungert werden. Deutschland habe in 40jähriger Friedensarbeit sich auf den wirtschaftlichen Krieg vorbereitet und sei daher gegenwärtig in dieser Beziehung vollständig unangreifbar. Außerdem werde Deuffchland andauernd von den neutralen Ländern mit Waren reichlich versehen. Eine wirtschaftliche Schädigung Deutschlands sei daher unmöglich.
Maklakow zum Reichsrat ernannt.
W. T.-B. Petersburg, 5. Febr. (Nichtamtlich.) Der Minister des Innern Maklakow wurde zum Mitglied des Reichsrates ernannt. Er behält seine ministerielle Tätigkeit bei.
Burzrff lebenslänglich nach Sibirien verbannt.
Br. Kopenhagen, 5. Febr. (Eig. Trahtbericht. Ktr. Bln.) Wegen angeblicher Beleidigung des Zaren ist der ruisi'che Revolutionär B u r z e f f auf Lebenszeit nach Sibirien verbannt worden. Die Beleidigung wurde in Artikeln erblickt, die Burzeff während seines Aufenthalts in Paris veröffentlichte. Nach Kriegsausbruch war Burzeff bekanntlich nach Rußland gereist, um als Kriegsfreiwilliger in das Heer einzutreten und wurde bei seiner Landung in Finnland verhaftet.
Ein rnsiischer Eisbrecher auf Grund geraten.
»r. Christiania, 5. Febr (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.l Soeben trifft aus Archangelsk die Meldung ein, daß der Eisbrecher „Mjoelmer", der von der russischen Regierung in Christiania angekauft wurde, auf dem Wege nach Archangelsk im Eismeer auf Grund geraten ist. Die Mannschaft soll über das Eis nach Archangelsk gekommen sein. Der Dampfer kann während des Winters nicht geborgen werden, da er inzwischen vollkommen eingeftoren ist. Die großen Hoffnungen, die man in Archangelsk gerade auf dieses Schiff als Eis
brecher gesetzt hatte, werden sich also in diesem Winter nicht erfüllen.
Die amerikanische Lebensmittelexpedition für druffche Gefangene in Sibirien.
W. T.-B. London, 4. Febr. (Nichtamtlich.) Das Reuter- sche Bureau meldet aus Washington: Rußland hat den Bereinigten Staaten mitgeteilt, daß die Verteilung von Lebensmitteln, Geld urrd Kleidung an die deutschen und österreichisch-ungarischen Gefangenen in Sibirien nur durch die russischen Militärbehörden gestattet werden könne. Eine fremde Untefftützungsexpedition könne nicht zugestanden werden. Diese Mitteilung der russischen Regierung bezieht sich darauf, daß die amerikanische Expedition bereits von Peking anfgebrochen war.
Die Lage im westen.
Der wohlgelungene vorftotz der Deutschen bei Massiges.
. Br. Genf, 5. Febr. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Wu.) Die Franzosen hielten bei Massiges den seit dem 22. Dezember von ihnen befestigten nordöstlich des Pachthofes Beau S 6 j o u r gelegenen Kalvarien- Hügel mit seinen drei Reihen Laufgräben für uneinnehmbar. Dort fiel dank dem heldenmütigen Zusammenwirken aller deutschen Abteilungen die auch von der französischen Milttärpresse richtig eingeschätzte Entscheidung. Die von Minenwerfern vorzüglich unterstützte druffche Infanterie hat durch diese Überrumpelung der Franzosen und deren Verschiebungen in der Richtung Vienne le Chüteau letzteren Stützpunkt arg gefährdet. Die Franzosen versuchten gestern abend ans Besorgnis vor kräftiger Ausnützung des deutschen Vorteils bei Biassiges ihre Notstellungen zu befestigen.
Die Fiuanzministerkonferenz.
W. T.-B. Paris?" 5.Febr. ‘ (Nichtamtlich.) Der „Petit Porisien" berichtet: Me Unterredungen zwischen Bark, Lloyd George urrd R i b o t werden streng geheim gehalten. Es wird keine Mit- teilung an die Presse gelangen, bevor die Unterhandlungen beendet sind.
Parlamentarisches aus Frankreich.
W. T.-B. Lyon, 5. Febr. (Nichtamtlich.) „Nou- velliste" meldet aus Paris: Der Kammerausschuß für die Handelsmarine beantragt, daß die englische Regierung die Zulassung französischer Reeder bei Versteigerungen von durch die englische Flotte gekaper- ten Schiffen gestatte. Der Ackerbauminrster erklärte im Kammerausschuß für Ackerbau, die Regierung habe Maßnahmen getroffen, um einer weiteren Preis- erhöhung für Getreide und Mehl vorznbeugen, und die Vorbereitung der Ernte von 1915 zu sichern. Die Ernährung des Landes sei sichergestellt, der Getreidepreis werde wieder die normale Höhe erreichen.
Unsere Unterseeboote.
Die Bewunderung Herves.
Paris, 4. Febr. In der „Guerre Sociale" sagt Gustave Herve u. a.: „Sie haben die von ihrer Admiralität angekündigte Kraftleistung wirklich ausgeführt. Es ist ihnen gelungen, englische Handelsschiffe in der Irischen See zu torpedieren, das heißt auf der Seite der englischen Küste, die gen Amerika schaut. Auf welchem Weg sind sie bis dorthin gekommen, bis in die Nähe von Liverpool? Wir wissen es nicht. Wir wissen lediglich, daß sie Utrterfed&oate zu bauen verstehen, die genügend Heizmaterial für so lange Fahrten mitführen können. . . Sie sind doch verteufelt tüchtig, und Initiative haben sie im Überfluß. Dabei standen wir, Franzosen und Engländer, im Ruf, ein Monopol auf den Geist der Initiative zu besitzen. Die Deutschen, das waren nur Tölpel, denen wir wohl Methode und Organisationstalent zugestanden, aber dennoch Tölpel, Nachahmer, die nur Kamelotte machten, ohne Initiative und intellektuelle Kühnheit. Und nun sind sie es, die seit dem Anfang des Krieges, was Material und Taktik anbelanyt, alle Initiative haben. Sie haben die -Verwendung des Panzerauto- mnbils erfunden; sie waren die efften, die von der Flieger- kunst, dem Televhon, den Schützengräben und Drahtverhauen einen intelligenten Gebrauch zu machen wußten. Uns, den „Leuten von Initiative", blieb nur übrig, ihnen zu folgen, uns in ihr Schlepptau zu begeben. Und jetzt verlassen sie auch zur See die Wege der Routine und geben uns Lehren, »ms und der Königin der Meere selber! . . ."
Ein französischer Admiral über den vorftotz der deutschen Unterseeboote.
Br. Genf, 5. Febr. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) In der „Information" schreibt ein französischer Admiral über die letzten Aktionen deutscher Unterseeboote: Es sei unbedingt nötig, daß der Kanal von diesen vollständig gereinigt werde. Die letzten Taten derselben hätten zur Genüge bewiesen, wie groß die Kühnheit dieser kleinen Schiffe sei. Das einzige wirksame Mittel, die deutschen Unterseeboote zu paralysieren, bestehe darin, daß man ihre Opera«
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