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Nr. 30.

g Morgen-Beilage des Wiesbadener Cagblatts.

Freitag, 5. Februar.

1915.

(7. Fortsetzung.)

Die Ehe Des Herrn Terbrügge.

Roman von F. Carlsr».

NacUruck verboten.

„Bei uns in Deutschland ist inan gegen Damen der gutm Gesellschaft — zurückhaltender, Herr de Brouck.." Er lächelte.

....»Wie fängt nran es dort an, wenn man einer schonen Frau sagen will, daß man von ihr entzückt ist und sie — bedauert!"

„Herr de Brouck. ich verstehe Sie nicht . . „Terbrügge mag ein vortrefflicher Charakter sein, über zum Ehemann eignet er sich nicht! Läßt man eine junge Frau stundenlang allein aus der Terrasse sitzen, wenn man kaum vierzehn Tage verheiratet ist?" Magda >var einen Augenblick lang so empört, daß

e ihr die Sprache versagte, aber er nahm das scheinbar ,r Ermunterung und bog sich so nahe zu ihr, daß sein tem sie streifte.,

„. . aber mich lassen Sie sagen, daß ich Ihren Wert vom ersten Augenblick an erkannte, daß niich Ihre Schönheit bezaubert hat, daß ich Sie anbete ... Ich will . . . ." .

Weiter kam er nicht! Magda hatte ihre Geistes­gegenwart wiedergefunden und war aufgestanden. Mit einem vernichtenden Blicke maß sie den Manil vor sich.

„Verlassen Sie mich augenblicklich, und danken Sie es der Rücksicht für meinen Mann, daß ich ihn nicht veranlasie, für die Beleidigung, die Sie mir angetan, Rechenschaft zu verlangen! Sie haben sonderbare Bc-

S iffe von Ehre, wie mir scheint. Jedenfalls verzichte auf das Vergnügen Ihrer Bekanntschaft und der- knete ^hnen, sich uns noch einnral zu nähern!"

Er war vor ihrem Ausbruch zurückgeprallt. Jetzt kehrte langsam der gewöhnliche ironische Ausdruck in sein Gepcht ziirück.

„Sapristi, quelle Valkyrie!" murmelte er. aber er machte keine Bewegung, um ihr zu folgen, als sie ohne Gruß an ihni vorüberschritt I Ihre Knie bebten, uird Tränen des beleidigten Stolzes standen in ihren Augen. War es so weit gekommen, daß ein fremder Rouä aus dem gleichgültigen Benehmen ihres Gatten den Grund für sein respektloses Wesen konstruieren konnte? ^n rhrer Erregung vergaß sie ganz, daß sie dieses unnatürliche Verhältnis hervorgerufen hatte, und machte Terbrügge allein dafür verantwortlich.

Als sie sich zum Lunch zusammenfanden, sah sie zu ihrer Erleichterung, daß de Broucks Tisch frei blieb. Terbrügge bemerkte den Widerschein der gehabten Er- regung in Magdas Zügen, aber er fragte nicht, und Magda schwieg, weil sie genau wußte, wenn sie die Szene wiedergab, war eine Auseinandersetzung zwischen den Männern unvermeidlich. Und bei diesen Gedan- ken Anpfand sie ein geradezu erstickendes Angstgefühl.

.Sch habe, heute, wichtige Nachrichten aus der Hermat bekommen, die meine Anwesenheit dort unbedingt er» fordern. Glaubst du dich bis morgen fertig machen zu können?"

.Selbstverständlich", sagte Magda hastig, „aber Mutter und Fred sind nicht darauf vorbereitet . .

„ (- u *J” ir ffföft whr leid, aber ich kann an den getroffenen Dispositionen nichts mehr ändern, es hangt zu viel davon ab! Übrigens hoffe ich. daß Mirt- rer sich bestlniinen lassen wird, mit Fred für längere Zeit zu uns zu übersiedeln!"

sra/XsL 011 mir liegt, soll gewiß geschehen", sagte ^a warm, und es schien ihr, daß die Augen ihres Hannes einen Moment mit einem freundlickien Aus» druck auf chr geruht Hütten. Aber das war Wohl Täuschung, denn im nächsten Augenblick sagte er schnei» oend. „An der Fortsetzung unserer sonderbaren Hoch- zeu^reiie wird dir ja wohl auch nicht allzuviel liegen!"

Magda antwortete nicht, und doch hätte sie gern ein Wort gesagt, das ihn besänftigte. Aber ihre Zunge versagte ihr den Dienst, wie immer, wo sie der Bracht ihrer Persönlichkeit nicht sicher war. Sie wandte sick ab, und Terbrügge versenkte sich wieder in sein« Zeitung.

Das französische Kammermädchen besorgte das Ein­packen mit so viel Geschick und Schnelligkeit daß Magda sich gar nicht darum zu kümmern brauchte und den gaw zen Nachmittag Beaulieu widmen konnte. Die Nackn r.cht von ihrer plötzlichen Abreise erregte dort größere Ansregung, als sie angenommen hatten. Fred beson- ders litt unter dem Eindruck dieser Mitteilung, und Magda mußte niit allen Hilfsmitteln, deren weiche Weiblichkeit fähig war, versuchen, ihn zu beruhigen.

Als sie Abschied nahm von den beiden, die ihr in kurzer Zeit so viel geworden waren, da -hatte sie ihneil E feste Versprechen abgerungen, im Frühjahr „ach Veurfchtand zu kommen und ein paar Monate in ihrem Hause zu verbringen.

Nachdem Magda Freds Zimmer verlassen hatte, folgte ihr Frau Terbrügge und schloß sie in die Arme. Ziim er,ten Male floß etwas unmittelbar von ihr zu der Schwiegertochter hiitüber. Sie legte ihr Gesicht an Magdas Wange und sagte leise wie ein .Hauch: „Werde glücklich, mein Kind!"

Ein Zucken durchlief Magdas Körper. Die Worke ließen wohl allerlei Deutung zu, aber sie täuschte sich keinen Augenblick über ihren wahren Gehalt. Die Mutter hatte gesehen, welch ein Abgrund zwischen den beiden Gatten klaffte, aber um die Sache liicht noch mehr zu verwirren, hatte sie bis zur Treunuug ge- schwiegen. Und seltsani, sie empfand es fast wie einen Trost, daß sich die inilden, dunklen Augen iil ihr In- neres versenkten.

Iran Terbrügge zog sie mit sich fort in eine kleine Loggia und sagte: „Verzeih, mein Kind, wenn ich an etwas rühre, das dir weh tut, aber wir alten Leute, die wir außerhalb aller Wünsche und Sehnsüchte stehen, möchten solch kämpfenden jungen Seelen helfen, den richtigen Weg zu finden. Stephan hat das Leben schon frühzeitig hart angefaßt, und darum ist er geworden, wie er ist, aus einem Guß, aber hart unb unzugänglich nach außen hin. Er birgt alle Glücksmöglichkeiten für